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I2P: Die Alternative zu Tor oder einem VPN?

I2P-Netzwerk erneut heftig unter Druck

Das I2P-Netzwerk ist momentan instabil aufgrund von laufenden Denial-of-Service- und Ressourcenerschöpfungsangriffen, das ist kein Zufall!

Stürmische Zeiten für das I2P-Netzwerk. Den Machern weht eine steife Brise ins Gesicht. Die anhaltenden Angriffe beeinträchtigen die Leistung und Zuverlässigkeit aller I2P-Dienste, inklusive der versteckten Websites. Das I2P-Entwicklungsteam untersucht seit einiger Zeit die Problematik, wie man auf dem Blog bekannt gibt. Die Entwickler wollen nach der Analyse geeignete Gegenmaßnahmen einbauen, um derartige Angriffe abzuwehren.

I2P-Netzwerk häufiger unter Beschuss

Doch das ist nichts Neues. I2P hat seit Jahren immer wieder Probleme, weil Unbekannte versuchen, den Betrieb des Netzwerkes zu erschweren oder sogar unmöglich zu machen. Bislang kann man wegen der Motivation der Akteure und sonstigen Hintergründen nur rätseln. Mit der neuesten Version von I2P (2.11.0) bekämpft man die Spam-Angriffe. Jetzt benötigt die Software zwingend die Installation von Java 17 oder neuer. Die Arbeit in dieser Version setzt die Verbesserung der Unterstützung der Post-Quantum-Kryptografie fort. Post-Quantum-Krypto ist nun standardmäßig auf der Ratchet-Ebene aktiviert, wie das Team kürzlich bekannt gab.

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Wer oder was ist das I2P-Netzwerk überhaupt?

Der Begriff I2P ist das Akronym für „Invisible Internet Project“. Wer die Software startet, der reiht seinen PC oder sein Smartphone automatisch ebenfalls in die technische Infrastruktur dieses Netzwerkes ein. Als sogenannter I2P-Router wickelt das Gerät anschließend auch fremden Datenverkehr ab, so wie alle anderen Teilnehmer auch. Natürlich funktioniert die Software nicht nur mit Android, sondern auch mit Debian, macOS und Windows. Die aktuelle Version der mobilen App gibt es bei F-Droid oder zum Beispiel im Google Play Store.

Die dezentrale Struktur ist gewollt, das gilt auch für das Software-Projekt selbst. Dahinter steht absichtlich kein Verein oder ein Unternehmen.

Um auf die Eepsites (Websites) zugreifen zu können, installiert man die Software und ändert im Browser die Proxy-Einstellungen. Im Idealfall legt man dafür ein eigenes Profil für den Browser an, um die Settings nicht jedes Mal ändern zu müssen. Wenn man die eigene Eepsite nicht extern speichert, muss man selbst online sein, damit sie erreichbar ist.

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Filesharing wird häufiger genutzt

Filesharing ist beim I2P-Netzwerk anhaltend beliebt. Wahrscheinlich, weil dabei aufgrund der Verschlüsselung kein Abmahnrisiko besteht. Doch im Interview sagte uns einer der Entwickler, Filesharing sollte nicht der Hauptzweck dieses Netzwerks sein. Die fehlende Anbindung an das Clearnet, die mangelnde Größe an Filesharingteilnehmern als auch die geringe Übertragungsgeschwindigkeit sprechen klar gegen einen Austausch von großen Datenmengen. Doch es gibt zahlreiche andere Anwendungen wie einen Klon von Pastebin oder ein E-Mail-Programm. Aktuelle Schätzungen gehen von 250 aktiven Websites aus, die von monatlich zwischen 60.000 und 80.000 Teilnehmern (I2P-Routern) besucht werden.

Sollte beispielsweise das Forum Dread mal wieder im Tor-Netzwerk offline sein, eignet sich I2P als gute Alternative, um weiterhin auf die Threads zugreifen zu können. Übrigens, im Herbst diesen Jahres feiert das Software-Projekt schon sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen. Das ist im Internet eine Ewigkeit.

Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.