Action Day: Online-Broker-Betrugsring ausgehoben

Action Day: internationalen Ermittlungsbehörden ist ein Schlag gegen Cyberbetrüger gelungen,die Anleger um über 100 Millionen € betrogen haben

Action Day
Bildquelle: WolfBlur, thx! (Pixabay Lizenz)

Im Rahmen der Operation Action Day am 2. April 2020 gelang es Ermittlern unter der Leitung der bayerischen Zentralstelle für Cybercrime der bisher größte Schlag gegen international agierende Internetbetrüger. Diese haben Anleger über Cybertrading-Plattformen, wie GoldenMarkets oder Cryptopoint, um über 100 Millionen Euro geprellt. Darüber unterrichtet die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg in einer Pressemitteilung.

Hunderte von Strafanzeigen führten zur Aufnahme polizeilicher Ermittlungsarbeiten

Die polizeilicher Untersuchungen nahmen ihren Anfang aufgrund von Hunderten Strafanzeigen von betrogenen Anlegern aus dem gesamten Bundesgebiet. An den folgenden umfangreichen Ermittlungen beteiligten sich die Strafverfolgungsbehörden aus Deutschland, Österreich, Serbien und Bulgarien, sowie der europäischen Justizbehörde Eurojust und Europol. Am Action Day gingen die Ermittler gegen zwei internationale Tätergruppen vor. In der Folge haben sie unter anderem in Serbien fünf und in Bulgarien vier Tatverdächtige festgenommen. Es handelt sich um sieben Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 25 und 49 Jahren, darunter auch ein 36-jähriger Deutscher. Den Verhafteten wird gewerbs- und bandenmäßiger Betrug vorgeworfen. Bei ihnen handelt es sich um Call-Center-Agenten, die Anleger um besonders hohe Summen erleichtert haben sollen.


Opfer von Anlagebetrügern investierten sechsstellige Geldbeträge

Die Verdächtigen waren für zwei Tätergruppen tätig. Eine davon betrieb die Internet-Handelsplattformen XTraderFX, Cryptopoint, SafeMarkets, OptionGlobalStars und GoldenMarkets. Die andere Gruppe betreute die Seiten Trade Capital, Fibonetix, Nobel Trade und Forbslab. Über diese Cybertrading-Plattformen hat man Anleger in den vergangenen drei Jahren mit attraktiven Angeboten geködert. Ihnen wurde vorgetäuscht, das Geld in Kryptowährungen, CFD und Forex zu investieren. Die Kunden sollten hierbei ihre persönlichen Daten hinterlegen und einen Geldbetrag zwischen 250 und 300 Euro einzahlen. Infolge veranlassten besonders geschulte „Trading Spezialisten“ über Telefon, Messenger-Dienste oder E-Mail, die Investoren zu immer höheren Geldeinzahlungen. Dann hat man ihnen mittels simulierter Charts beträchtliche Gewinne vorgegaukelt, verbunden mit Forderungen nach weiteren Investmenteinzahlungen. Einige Opfer haben hierbei sogar sechsstellige Geldbeträge aufgewendet. Wollte jemand aussteigen, wurde ihnen mitgeteilt, dass Verluste drohen würden, die nur durch Folgeinvestitionen ausgeglichen werden könnten.

Die Einzahlungskonten haben Scheinfirmen oder Finanzagenten zur Verfügung gestellt. Die Täter betrieben im Ausland Call-Center, Geldeinzahlungen wurden über ein komplexes, europaweit installiertes Geldwäschenetzwerk verteilt. Die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg teilt mit: „Die eingezahlten Gelder werden zu keinem Zeitpunkt einer Kapitalanlage zugeführt, die für den Kunden sichtbare Handelsplattform ist ebenso wie das angebliche Kundenkonto reine Täuschung“. Gemäß den Behörden sind allein in Deutschand mehrere tausend Anleger betroffen. Aber auch in anderen europäischen Ländern gibt es unzählige weitere Geschädigte. Die Cyberkriminellen hätten sich trickreich sämtlicher Stufen aller denkbaren Verschleierungstechniken bedient.

2,5 Mio. auf Wirecard-Konto sichergestellt

Bei der Durchsuchung von mehr als 10 Objekten in Serbien und Bulgarien, darunter zwei Call-Center, Büros und Wohnungen, stellten die Ermittler umfangreiches Beweismaterial sicher. Beschlagnahmt hat man in Serbien Wohnungen und Autos. In Deutschland stellte die Bamberger Generalstaatsanwaltschaft knapp 2,5 Millionen Euro auf einem Konto beim Zahlungsdienstleister Wirecard sicher. Mehrere der aktiv betriebenen Plattformen im Internet wurden abgeschaltet.

Tarnkappe.info

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.