Teure Software und Videogames für wenige Euros durch Volumenlizenzen: Ist das legal?!

Windows 10 und Office für 2€? Schon seit langem gibt es auf Plattformen wie Amazon, Ebay, GVG-Mall und Rakuten billige Lizenzen für Vollversionen von Windows 10, Office, Photoshop und andere Software und Videogames. Doch beim Originalkauf kostet die Software oft deutlich mehr. Sind Volumenlizenzen legal? Und welche Produktlizenz gibt es überhaupt?

Schulen, Unis, Unternehmen und andere Einrichtungen kaufen oft große Mengen von Produktschlüsseln um all ihre Geräte auszustatten. Man nennt diese Lizenzart „Volumenlizenzen“. Diese sollen dann eigentlich nur im dafür vorgesehene Bereich installiert und angewendet werden. Die Weitergabe und der Verkauf außerhalb der Einrichtung ist schlichtweg illegal und wird strafrechtlich verfolgt. Dennoch gibt es immer mehr Angebote solcher zerstückelten Volumenlizenzen. Wie bereits gesagt, betrifft es mittlerweile Software aus allen Bereichen: Betriebssysteme, Office-Anwendungen, Audio-/Video-/Grafik-/Musikbearbeitung, aber auch Videogames. Letztere werden oft in anderen Länder zu billigeren Preisen gekauft um sie hier zum Bruchteil des Originalpreises bei Keyselling-Sites anzubieten. Auch hier ist vieles rechtlich fragwürdig.

Welche Arten von Software-Lizenzen gibt es?

Sollte man nicht absichtlich billige Lizenzen mit dem Wissen der fragwürdigen Herkunft kaufen wollen, sollte man sich vorher informieren welche Lizenzart man sich kauft. Es gibt insgesamt drei Arten von Produktschlüsseln:

  • Retail: übertragbar, beste/teuerste Variante, vergleichbar mit Box- bzw. Originalkauf
  • OEM: für 1 bestimmtes Gerät, nicht übertragbar, läuft meistens einwandfrei, meist eingeschränkter und weniger Funktionen wie Retail (kommt bei Auslieferung oft mit PCs/Laptops)
  • Volume: für 1 bestimmtes Gerät, (eigentlich) ausschließlich für Einrichtungen und Unternehmen bestimmt. Die Lizenz kann jederzeit ablaufen. Der Hersteller könnte die Software ebenfalls jederzeit deaktivieren.

Foto: Christina @ wocintechchat.com

Doch wo sieht man welche Art von Lizenz man erworben hat? Das hängt ganz von der Software ab. Eure Windows-Version könnt ihr beispielsweise über den Terminal (zB. Powershell) über den Befehl „slmgr -dli“ ermitteln. Bei Office Produkten von Microsoft erkennt man es an dem Zusatz „Pro Plus“, dass es außerhalb solcher Massenlizenz nicht zu erwerben gibt. Andere Stichworte, die im Namen auftauchen sind „EDU“ (Englisch für Education und damit auf Bildungseinrichtungen ausgerichtet) oder „Enterprise“ (Unternehmen).

Nachteile und Probleme mit Volumenlizenzen zum Spottpreis

Nutzerinnen und Nutzer von Volumenlizenzen bzw. sogenannten Billiglizenzen haben nach aktuellem Stand in Deutschland bisher (trotz der Illegalität) keine strafrechtlich relevanten Konsequenzen erfahren. Auch mit dem Wissen, dass die gekaufte Lizenz für wenige Euros nicht legal sein kann, nutzen mittlerweile viele Menschen Volumenlizenzen. Doch auch wenn der Preis verlockend klingt und es bisher keine juristischen Folgen gab: Gibt es überhaupt Nachteile?

Ja. Es ist und bleibt illegal, denn die Softwarehersteller wollen natürlich Geld für ihr Angebot sehen. Über zerstückelt verkaufte Volumenlizenzen geht ihnen viel Profit verloren. Und hier kommen wir zum Nachteil für die Konsumenten. Die Hersteller prüfen regelmäßig die Herkunft bereits aktivierter Lizenz. Bei Mehrfacheingaben und fragwürdiger Herkunft werden Lizenz oft deaktiviert und gelöscht. Oft funktioneren Programme dann nicht mehr. Wie gut das funktioniert lässt sich schwer sagen, aber in letzter Zeit häufen sich Meldungen. Dementsprechend kann es bei der Nutzung von Windows für 2€ gut vorkommen, dass die Version irgendwann deaktiviert wird.

Ein weiterer Nachteil ist, dass man Volumenlizenzen nur einmal aktivieren kann. Formatiert man den PC, kann man die Lizenz nicht mehr verwenden. Ob das bei 2€ für eine neue Lizenz tragisch ist, sei dahingestellt. Es gibt mittlerweile Keyseller, die im Fall von plötzlicher Deaktivierung angeblich schnell Ersatzlizenzen zur Verfügung stellen. Ob das funktioniert konnten wir natürlich leider nicht überprüfen. Insofern muss jeder Nutzer selbst für sich entscheiden ob die Nutzung solcher Lizenzen Sinn macht.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild von Max Duzij auf Unsplash.com, thx!

Vielleicht gefällt dir auch

5 Kommentare

  1. heckmek sagt:

    OEM ja, es geht aber in dem Artikel um Volumelizenzen und die sind mittlerweile nicht mehr legal weil der Kauf dieser auf den Plattformen meistens nicht nachgewiesen werden kann. diese sind allein für die Unternehmen etc vorbestimmt!

  2. Maik sagt:

    OEM-Lizenzen dürfen sehr wohl weiter verkauft werden. Ebenso ist ein erneutes aktivieren nach einer Formatierung der Festplatte möglich.

  3. Anonymous sagt:

    Es wurde doch bereits vom BGH und EuGH bestätigt das der Handel legal ist.
    Hier auch schön erklärt: https://www.it-daily.net/analysen/12987-vorsicht-beim-kauf-aufgespaltener-volumenlizenzen-kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.