Signal und der Datenschutz: Gruppen-Chats sollen Google-Server nutzen

Mike Kuketz berichtet, Signal nutzt für die Erstellung und Verwaltung neuer Signal-Gruppen ausgerechnet Server der Datenkrake Google.

Wie Mike Kuketz auf seinem Blog berichtet, nutzt der Messenger Signal für die Erstellung und Verwaltung neuer Gruppen ausgerechnet externe Server vom Google Data Center. Sollte sich das bewahrheiten, wäre es mit der Datensparsamkeit des Anbieters natürlich sofort vorbei.

Darf Google die Daten von Signal-Gruppenchats auswerten?

Signal (Logo)

Schlechte Nachrichten verbreiten sich bekanntlich am schnellsten. So ging schon gestern die News durch diverse Gruppen, dass der Betreiber des Messengers Signal externe Server im Google Data Center nutzten soll. Für die Erstellung bzw. Verwaltung neuer Gruppen-Chats bei Signal benutzt man die Domain storage.signal.org. Doch die dazu gehörigen vier IP-Adressen (216.239.32.21, 216.239.34.21, 216.239.36.21, 216.239.38.21) sollen zur Zentrale von Google gehören. Das fand nun der IT-Forensiker Mike Kuketz heraus. Der Pentester aus Karlsruhe konnte in seinem ausführlichen Test hingegen nur wenige geringfügige Nachteile herausstellen.


Auf den Messenger Signal entfallen derzeit im Google Play Store mit die meisten Downloads. Nach der Ankündigung von WhatsApp bezüglich der neuen Datenschutzregeln suchen zahlreiche Nutzer nach einer Alternative. Kürzlich fiel fast einen Tag lang das Netzwerk von Signal aus, weil es aufgrund des plötzlichen Besucheransturms überlastet war. Weitere Mitbewerber bei den datensparsamen Messengern sind Telegram und Threema. Wir haben mit dem Sprecher von Threema im Oktober des Vorjahres ein ausführliches Interview durchgeführt.

E2E

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Wir haben gestern eine Anfrage an das Presseteam von Signal gestellt. Wir möchten wissen, ob man die Daten der Gruppen-Chats tatsächlich auf Servern parkt, auf die Google möglicherweise Zugriff hat. Bislang haben wir leider noch keine Antwort auf unsere Anfrage erhalten. Sollte sich das bestätigen, würden auch populäre Nutzer wie Edward Snowden oder Elon Musk möglicherweise ihre kostenlose Werbung für diese App noch einmal überdenken. Beide haben erst kürzlich wieder bei Twitter die Sicherheit von Signal hervorgehoben.

Update: Im heutigen Blogeintrag geht Kuketz noch weiter. Jegliche Kommunikation erfolgt über einen der bekannten Tech-Giganten. So nutzt man für den Nachrichtenaustausch die Amazon Cloud, daneben werden auch Google, Microsoft und Cloudflare für den Dienst eingesetzt. Eigentlich erreiche die App durch das Zero-Knowledge-Prinzip eine hohe Form der Datensparsamkeit. Dennoch könne AWS (Amazon) herausfinden, welche IP-Adressen da gerade miteinander kommunizieren. Dafür würde die Nutzer der Aufbau von Signal nicht schützen.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.