Rezension: Dictator von Robert Harris

Dictator ist der dritte und damit letzte Teil einer Trilogie nach Imperium (Cicero 1) und Titan (Cicero 2), wobei Robert Harris es schon im Vorfeld spannend gemacht hat, indem er seine Fans jahrelang auf diese Fortsetzung warten ließ. Am 12. Oktober 2015 war es dann endlich soweit und das E-Book hatte seinen Erscheinungstermin.

In dem Roman von Robert Harris wird Geschichte für uns lebendig. Er lässt Ciceros Privatsekretär Tiro darin die letzten 15 Jahre des Lebens dieses römischen Staatsmannes wiedergeben in Form einer Biographie und wir werden so zu Zeitzeugen einiger damaliger bedeutsamer Ereignisse. Wir erleben durch Tiros Erzählung das Attentat auf Julius Caesar, den Untergang der römischen Republik, den anschließenden Bürgerkrieg und die Ermordung von Pompeius so hautnah mit, als wäre man selbst dabei gewesen.

Cicero selbst, natürlich immer mittendrin im Geschehen, wird als ein Mann geschildert, der einerseits große Erfolge für sich verbuchen konnte, aber auch schwere Schicksalsschläge und Niederlagen einstecken musste. Er setzte sich ein für seine Träume, auch wenn das für ihn hieß, aus Rom zu fliehen und in der Verbannung weiterleben zu müssen. Seine größte Begabung war es, durch seine Reden die Massen zu begeistern und mitzureißen für seine Vorstellungen einer römischen Republik und all dass, was er für richtig und erstrebenswert hielt. Natürlich musste er auf seinem Weg zur Erreichung seiner Ziele manchmal Kompromisse eingehen, die er so selbst nie gutgeheißen hätte. Allerdings hat er seine Ideale dabei weder aufgegeben noch verraten. Diese hat er stets zielstrebig verfolt, auch unter schweren Bedingungen. Brutale Gewalt und Grausamkeit waren ihm verhasst. Er war ein Mann treffender Worte, nicht brutaler Taten, wie sie aber durchaus damals üblich waren. Eroberungen, Machtkämpfe und Blutvergießen waren an der Tagesordnung. Umso höher sind seine Verdienste anzuerkennen. Er setzte sich nicht mit Härte durch, sondern durch eine überlegene Intelligenz, Sachverhalte einzuschätzen und sein Rednertalent, Dingen damit einen Inhalt zu geben.

Cicero wurde geboren am 3. Januar 106 v. Chr. in Arpinum und starb am 7. Dezember 43 v. Chr. bei Formiae. Er war ein römischer Politiker, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph, der berühmteste Redner Roms und Konsul im Jahr 63 v. Chr. Robert Harris schildert ihn als einen Mann, dem es gelingt mit dem entsprechenden Weitblick und einem ihm eigenen Gespür für politische Veränderungen, Geschichte mitzuschreiben und bis heute in den Erinnerungen der Menschen weiterzuleben.

Fazit:
Das Buch ist insofern sehr aktuell, da es auch in jenen Tagen Korruption gab, Wahlbetrug, falsche Versprechen, Krieg und Manipulationen, die der Machterhaltung einiger Weniger dienten. Es hat sich also nicht viel verändert, nur sind die Methoden in der jetzigen Zeit differenzierter und schwerer zu durchschauen. Allerdings hinterfragen immer mehr Menschen auch heute die Politik, sehen hinter die Kulissen der manipulativen Wirtschaftsbosse und ziehen ihre eigenen Schlüsse und Konsequenzen. Das ist eine sehr positive, willkommene Entwicklung.

Robert Harris beschreibt die Welt, wie sie bis heute ist.

Gerade an Ciceros Beispiel sieht man, dass man nur etwas verändern kann, wenn man möglichst viele Zusammenhänge erkennt, man genau weiß, wie man sich die Zukunft vorstellt und selbst bereit ist, mitzuwirken an der Gestaltung einer besseren Alternative. Das Buch lohnt sich also absolut zu lesen für alle die, für die Politik nicht nur ein oft benutztes Schlagwort ist, denn in dem Buch wird sie gelebt und es ist sehr spannend mitzuerleben, was sich “hinter den Kulissen” der Macht abspielt.

Rom. Der Tiber und die Engelsbrücke. Bildquelle: Wikipedia, thx! (CC0) & Metropolico.org, thx! (CC BY-SA 2.0)

2 Kommentare

  1. fpussy sagt:

    UK Schwarte müsste es lauten, Robert Harris ist ein Brite.

  2. Arno Nymous sagt:

    Das klingt interessant, danke für die Rezension.

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