Pegasus Projekt – weltweiter Missbrauch einer Überwachungssoftware

Das Pegasus Projekt beweist: Journalisten und hochrangige Politiker gehören zu den Opfern der berüchtigten Spionage-Software aus Israel.

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Bildquelle: PantherMediaSeller

Die erstmals 2015 entdeckte Pegasus-Malware der NSO Group schafft es einmal mehr in die globalen Schlagzeilen. Die mächtige Überwachungssoftware aus Israel soll eigentlich dabei helfen, weltweit Terrorismus und Verbrechen zu verhindern.

Fakt ist aber, dass Pegasus immer wieder als Waffe gegen ganz andere Feinde eingesetzt wird. Journalisten, Menschenrechtler und Oppositionelle auf der ganzen Welt müssen um ihre Sicherheit fürchten. Das Pegasus-Projekt zeigt nun erstmals den erschreckenden Missbrauch dieser Überwachungssoftware aus Israel.

Nicht nur die Regierung von Viktor Orbán hat die Pegasus-Malware den Recherchen zufolge in ihrem Krieg gegen die Medien in Ungarn immer wieder eingesetzt. Das Pegasus-Projekt ist das Ergebnis einer monatelangen gemeinschaftlichen wie internationalen Recherche der Süddeutschen Zeitung. Erstmals konnten in dieser gemeinschaftlichen Arbeit mehr als 50.000 Telefonnummern aus rund 50 Ländern ausgewertet werden. Die Ergebnisse sind erschreckend.

Das Pegasus-Projekt und ein Leak von 50.000 Telefonnummern

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NSO Group, Quelle nsogroup.com, thx!

Zu verdanken haben wir die Recherchen zu diesem wahrlich riesigen Überwachungsskandal Amnesty International nebst Forbidden Stories, einer in Paris ansässigen und gemeinnützigen Medienorganisation. Die NSO Group aus Israel behauptet zwar in einem eilig herausgebrachten Statement, alles sei nur eine Lüge und somit ziemlich unbedeutend:

Die Behauptung, dass die Daten von unseren Servern durchgesickert sind, ist eine komplette Lüge und lächerlich, da solche Daten nie auf einem unserer Server existiert haben.“ (NSO Group)

Aber die Beweislast ist einfach zu erdrückend, um dieser Gegendarstellung einfach so glauben zu können. Nach Angaben von Amnesty International kommen die ca. 50.000 Telefonnummern aus dem Pegasus-Projekt von Kundenanfragen. Kunden der NSO Group haben anscheinend all diese Telefonnummern prüfen lassen, um zu sehen, ob ihre potenziellen Opfer angreifbar sind.

Der Deutsche Journalisten-Verband spricht von einem nie dagewesenen Überwachungsskandal

Eine gründliche Analyse der Pegasus-Projekt-Telefonnummern und daraus resultierende weiterführende Recherchen zur NSO Group beweisen illegale staatliche Abhörmaßnahmen in sehr vielen Ländern. Darunter finden sich unter anderem Aserbaidschan, Ungarn, Indien, Bahrain, Kasachstan, Mexiko, Marokko, Ruanda, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Ob die Pegasus-Spionagesoftware der NSO Group tatsächlich auch gegen deutsche Journalisten eingesetzt wurde, versucht nun der DJV-Vorsitzende Frank Überall von den deutschen Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten in Erfahrung zu bringen.

Ein nie da gewesener Überwachungsskandal. Für die Sicherheitsbehörden muss es jetzt heißen: Karten auf den Tisch! Wir wollen Fakten sehen und keine Ausflüchte“ (Frank Überall)

Edward Snowden: Das ist der Leak des Jahres 2021!

Edward Snowden spricht bei Twitter sogar vom „Leak des Jahres“:

Telefonnummern von mehr als 180 Journalistinnen und Journalisten weltweit finden sich in der Pegasus Projekt-Liste.

Darunter Roula Khalaf, die Chefredakteurin der Financial Times in London, und Reporter und Redakteure von Medien wie der New York Times, CNN, Reuters, dem Economist, Al Jazeera, Wall Street Journal, Associated Press und weiteren Medien.“ (Quelle: sueddeutsche.de)

Pegasus, Reiter, Fantasie

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Aber auch die Telefonnummern vieler hochrangiger Politiker und von Menschenrechtsanwälten lassen sich im Pegasus-Projekt wiederfinden. Mit einer Veröffentlichung weiterer Recherchen zu den internationalen Opfern ist noch diese Woche zu rechnen.

Tarnkappe.info

Sunny schreibt seit 2019 für die Tarnkappe. Dort verfasst er die Lesetipps und berichtet am liebsten über Themen wie Datenschutz, Hacking und Sharehoster. Aber auch in unserer monatlichen Glosse und bei den Interviews ist er immer wieder anzutreffen.