Openload, Streamango & Streamcherry stellen um

Drei weitere Streaming-Hoster wollen schon bald ihr Geschäftsmodell umstellen. Schon bald werden die Uploader bei Streamango und Streamcherry leer ausgehen. Branchenprimus Openload hat gestern den Anfang gemacht.


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Niemand will Geld für Premium-Accounts ausgeben!

Vorletzte Woche gab der Streaming-Hoster RapidVideo die Umstellung seines Geschäftsmodells bekannt. Die Uploader werden dort in Zukunft nur noch für die Vermittlung von Premium-Accounts und nicht mehr für zusätzliche Seitenzugriffe bzw. Besucher entlohnt. Beim Uploader-Forum Wjunction hagelte es deswegen Kritik. Enorme Umsatzeinbußen seien bei den Uploadern die Folge der Umstellung, doch diese kommt nicht von ungefähr. Alex Bytes kommentierte die harsche Kritik mit den folgenden Worten:

Honestely, I do not understand why everyone is able to buy an 1500€ iPhone or 4000€ iMac from Apple, but not 4.50€ premium accounts to support the service. As stated in our previous posts, we can’t finance the servers from internet popup ads anymore, they remains overloaded and it is even on shared network of ISP.

Es sei für den CEO schlichtweg nicht nachvollziehbar, wieso jeder gerne bis zu 1.500 EUR für ein iPhone oder 4.000 EUR für einen iMac ausgibt. Aber wenn es darum geht, 4.50 EUR in einen Premium-Account zu investieren, werden die Leute plötzlich sparsam. Man könne die noch immer überlasteten Server nicht mehr nur mithilfe der Einnahmen aus der Online-Werbung finanzieren.

Einsatz von KODI problematisch

rapidvideo Die Gründe für die Umstellung sind vielfältig: Mittels KODI kommt es immer häufiger vor, dass den Streaming-Hostern vorgegaukelt wird, dass am anderen Ende ein echter Browser existiert. Der Streaming-Hoster spielt den Film nicht ohne Browser ab, weil man ansonsten keine Werbung ausliefern kann. Und ohne genügend Werbeeinnahmen, die in den letzten Jahren sowieso rückläufig waren, können die Szene-Hoster nicht mehr kostendeckend arbeiten, geschweige denn Gewinne einfahren. Doch die Trickserei geht noch weiter. Es wird nicht nur ein echter Browser vorgegaukelt, die Software entschlüsselt den JavaScript-Code, um den gewünschten Film via KODI abspielen zu können. Die echte URL des Films auf dem Server des Streaming-Hosters ist nämlich eigentlich geschützt.

Da das System einwandfrei funktioniert, kaufen die KODI-Nutzer folglich auch keine Premium-Accounts. Das heißt, die Betreiber werden einerseits um ihr Geld gebracht, weil sie zusätzliche Zugriffe entlohnen müssen. Und andererseits erhalten sie dafür keine Werbeeinnahmen oder kostenpflichtige Abos. Ergo: Außer Spesen nichts gewesen. Alex Bytes hat schon seit längerer Zeit von dieser Entwicklung die Nase voll und hat darauf vor einigen Tagen reagiert.

openload

Openload stellt heute um, die anderen Szene-Hoster folgen bald

streamangoDer bzw. die Betreiber von Openload haben ihre Umstellung am gestrigen Sonntag angekündigt. Auch die Macher von Streamango und Streamcherry wollen keine Auszahlungen mehr vornehmen. In wenigen Tagen soll die Veränderung realisiert werden. Andere Anbieter wie Vlados Streaming-Hoster Sharehoster VUP.to zahlen grundsätzlich nicht aus. Wer unser zweiteiliges Interview gelesen hat, weiß, dass viele Uploader ihr Hobby aus monetären Gründen betreiben. Wer daran zweifelt, sollte sich mal in Ruhe die Mecker-Threads bei Wjunction, Szenebox.org & Co. anschauen.

Dazu kommt: Das alte PPV-Modell hat die Uploader dafür entlohnt, wenn sie besonders heiße Ware hochgeladen haben. Am begehrtesten sind natürlich die Warez, die im Ladenlokal noch gar nicht erhältlich sind. Umso mehr Views generiert werden, umso mehr muss ausgezahlt werden. Das ist natürlich rein rechtlich gesehen, sehr bedenklich. Nicht zuletzt der Bust von Kim Dotcom hat bei den Betreibern dafür gesorgt, dass man sich juristisch besser absichern will. Kim dachte bis zu seiner Festnahme, er wäre auf der sicheren Seite, weil Megaupload auf alle DMCA-Löschanfragen zeitnah reagiert hat. Doch diese Sicherheit war trügerisch. Seinem Beispiel will niemand freiwillig folgen.

openload message

Update: Eigentlich sollte die Ankündigung am gestrigen Sonntag schon etwas früher kommen. Doch dann erschien zeitgleich zur Bekanntgabe bei Wjunction z.B. bei Burning Series ein neuer Hoster namens Verystream.com, der gewisse Ähnlichkeiten zu Openload aufweist und über ein Reward Programm verfügt. Die ganzen Links von Openload kann man dort sogar problemlos importieren, welch „Zufall“ aber auch.

Update: Streamango & Streamcherry bleiben bei ihrem bisherigen Reward Programm, sie haben alle zuvor verstreuten Gerüchte auf Wjunction dementiert:

„Contrary to popular posts. .. The answer is no, we aren’t closing our PPV program, nor are there any changes planned. Same as everyone else, we were surprised as well. And we were busy with the new users.“

Eher düstere Aussichten

In den nächsten Monaten soll jegliche unerwünschte Werbung im Google Chrome unterdrückt werden. Dafür soll der eigene Adblocker des viel genutzten Browsers sorgen, der gute von schlechter Werbung unterscheiden soll. Dann spätestens geht es den Streaming- und Sharehostern an den Kragen, prophezeit Vlado aka Tunny auf seinem Blog.

streamcherry cherrypay

Auch will Google den Plug-in-Entwicklern viele Rechte entziehen. Für Werbeblocker wie den uBlock Origin oder uMatrix könnte die neue Strategie den Hahn komplett zudrehen. Auch die geplante Urheberrechtsreform betrifft die Szene-Hoster. Zwar haben sie sich Briefkästen außerhalb der EU angeschafft, ihre Server stehen aber schon wegen dem Speed und den geringen Kosten innerhalb der Europäischen Union. Anbieter wie RapidVideo oder Openload würden schon aufgrund ihrer Größe ganz klar unter die obligatorische Einführung von Uploadfiltern fallen. Zwar darf die Rechtsdurchsetzung bezweifelt werden. Dennoch sorgte die Verabschiedung von Artikel 13 für Ungemach und eine eher sorgenvolle Stimmung bei den Betreibern einschlägig bekannter Hoster.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild Kyle Glenn, thx! (Unsplash Lizenz)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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