Kinox.to-Razzia und all das – ein Kommentar von Spiegelbest

Durchsuchungsbeschlüsse, kinox.to
Foto Marco - (CC BY 2.0).

Es geht noch immer um die Durchsuchungen auf der Suche nach den Betreibern von Kinox.to & Co. Gestern haben wir uns strikt an die bekannten Fakten gehalten. Nun ist heute ein anderer Tag und ein paar Kleinigkeiten fallen doch auf, die nicht unerwähnt bleiben sollten.

Es fällt auf, dass die Delikte, die den beiden Beschuldigten zu Last gelegt werden, für reine Cyberkriminelle doch ziemlich real sind. Es wird „räuberische Erpressung und Brandstiftung“ genannt, was für die Warez-Szene eher untypische Delikte sind. Haben wir es mit Organisierter Kriminalität (OK) zu tun? Jedenfalls ist diese Art von Delikten eher aus Prozessen gegen die Hells Angels bekannt.

kinox-to-logoEs fällt in diesem Zusammenhang auch auf, dass die beiden Beschuldigten offenbar vor der Razzia gewarnt wurden. Es handelt sich also um einen Leak aus den Behörden, was wiederum auf beste Kontakte hinweist, wie ihn typischerweise die OK besitzt. Für die GVU ist dieser Leak eine Blamage. Sie dürften Anzeige erstatten und recht ungehalten sein. Wer immer diese Razzia aus den Behörden geleaked hat, geht also ein hohes Risiko ein. Er macht es nicht, weil er ein Fan von Kinox.to ist.

Wie hat man das ganze Geld von Kinox.to gewaschen?

Gegen zwei weitere Verdächtige wurden Haftbefehle in Neuss und in Düsseldorf vollstreckt. Außerdem wurden bei einem Zahlungsdienstleister in Berlin „Vermögenswerte sichergestellt, bestätigte Dresdens Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein“ (Link). Es handelt sich um große Summen. Die Schätzung unseres Insiders belief sich auf einen Gewinn von über 2 Mio. Euro. Eine angezeigte Steuerhinterziehung von 1 Mio. Euro dürfte dem recht genau entsprechen.

Solche Summe gehen nicht über die bekannten Kanäle wie Paypal oder Webmoney. Hier haben Unbekannte in großem Stil Geld gewaschen. Auch dies würde die Kontakte der beiden Betreiber zur Organisierten Kriminalität erklären. Wer zwei Millionen Euro waschen will, braucht jedenfalls eine kundige Vermittlung durch kooperationswillige Finanzdienstleister.


Besteht ein Zusammenhang zwischen Boerse.bz und der Razzia?

Wie bekannt ist, hat man eine zentrale Figur bei Boerse.bz enttarnt. Seine Bedeutung wurde von dort natürlich in Frage gestellt, aber Fakt ist, dass die Boerse.bz geradezu panikartig aufgegeben wurde. Wenn wir berücksichtigen, dass die Mühlen der Behörden langsam malen, dann steht der Bust von Kinox.to und MyGully in einem so engen zeitlichen Zusammenhang mit der Aufgabe von Boerse.bz, dass es schwer fällt, an einen Zufall zu glauben. Möglich wäre natürlich auch das genaue Gegenteil.

movie4k-to-logoEs ist jedenfalls bemerkenswert, dass die Betreiber von Kinox.to und MyGully den Behörden namentlich bekannt sind. Das spricht für einen privaten Kontakt, der gesprächig war. Zudem ist sehr auffällig, dass man angeblich ein ganzes Netzwerk zeitgleich aufgedeckt hat. Das ging doch recht schnell! Der Weg von Kinox.to zu Freakshare und MyGully dürfte ohne Hilfe von Innen einiges mehr an Zeit in Anspruch nehmen.

Wenn es einen Informanten gibt, dann ist jedenfalls völlig unklar, welche Informationen geflossen sind und wann sie ausgewertet werden. Alle Boards aus dem Umkreis um MyGully und Boerse.bz müssen sich fragen lassen, ob sie einem Nutzer ohne VPN ehrlich raten können, sich bei ihnen einzuloggen.

Tarnkappe.info

8 Kommentare

  1. mario sagt:

    „Es ist jedenfalls bemerkenswert, dass die Betreiber von Kinox.to und
    MyGully den Behörden namentlich bekannt sind. Das spricht für einen
    privaten Kontakt, der gesprächig war.“

    was soll dieser satz??

  2. eBookUploader sagt:

    heise.de weiß etwas mehr:
    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Staatsanwaltschaft-gibt-weitere-Details-zur-Razzia-bei-Kinox-to-bekannt-2432236.html

    Da ging es anscheinend ruppig zur Sache mit der Konkurrenz. Wer Stress gemacht hat (Was guggst du?), dem wurde halt die Karre abgefackelt, haha!

  3. Watchdog sagt:

    Den Absatz: „Was ist den Nutzern zu raten“ habe ich gestrichen, da redundant.

  4. eBookUploader sagt:

    Schon wieder Spiegelbest Paranoia.
    Gestern wurde ein Tankwart mit einem Messer erstochen. Daher der dringende Rat: Meidet bitte die nächsten Woche jede Tankstelle und kauft nirgendwo ein Messer. Ihr könntet in Verdacht geraten!

    „Trotzdem kann von uns momentan kein anderer Rat kommen,…“
    Wer ist in diesem Fall denn „uns“?

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