LUL.to beklaut die Tarnkappe: Spiegelbests E-Book für 15 Cent im Angebot

Offenbar ist den Betreibern von LUL.to selbst der niedrige Preis für das neue E-Book von Spiegelbest zu hoch, denn anders ist es nicht zu erklären, warum die „Bekenntnisse eines Buchpiraten“ nun in deren Portfolio aufgenommen wurde. Eigentlich haben wir nach dem Upload bei Oboom schon früher mit dem illegalen Erscheinen dieses Werkes gerechnet. Zu befürchten war es sowieso.

Die illegale Verbreitung digitaler Werke kann man nicht aufhalten, das steht nun mal fest. Das Team von Tarnkappe.info hatte sowieso damit gerechnet, dass es nicht lange dauern würde, bis „Spiegelbest – Bekenntnisse eines Buchpiraten“ seinen Weg zu den Sharehostern und anderen weniger weißen Verbreitungswegen finden würde.

Nun ist es also das Portal, weswegen ich im Sommer 2014 meine erste Strafanzeige erhielt. Ein Ehepaar aus Münster, welches Bücher verlegt, hatte mich aufgrund meiner zahlreichen Berichte über LUL.to im Verdacht, dass ich der Betreiber dieses illegalen Online-Angebots sein soll. Damals noch in Kürten (bei Bergisch Gladbach) wohnhaft, wurde ich zum nächst gelegenen Polizeipräsidium als Angeklagter vorgeladen, um eine Aussage zu machen. Ich habe es damals allerdings vorgezogen, meinen Fachanwalt für Strafrecht für mich antworten zu lassen. Die Polizisten haben dann sehr schnell auf meine persönliche Befragung verzichtet. Für den Verdacht der beiden Verleger gab es offenbar keine Indizien, die ein weiteres Vorgehen gerechtfertigt hätte. Zumindest wegen LUL.to kam es nicht zu einer Durchsuchung meiner privaten Räumlichkeiten. Wie dämlich wäre es gewesen, so häufig in meinem privaten Blog über diese Seite zu berichten und zu wissen, dass ich diese selbst betreibe.

Die Nutzer von Lesen und Lauschen (LUL.to) erhalten nun die Möglichkeit, sich das zweite und letzte E-Book von Spiegelbest herunterzuladen. Der Preis für dieses Epub beträgt dort lediglich 0,15 Euro. Nun ja, die Betreiber von LUL.to mussten ja auch keine X Wochen damit verbringen, um die ganzen Beiträge zu sammeln und alle Bilder oder Links auszutauschen, wofür wir hätten Ärger kriegen können. LUL.to hat das E-Book einfach unverändert in das eigene digitale Regal getan. Dort warten die Bekenntnisse und Überlegungen des populären deutschen Buchpiraten nun auf ihre illegale Kundschaft. Sogar die Leseprobe hat man 1:1 von Amazon geklaut.

lul.toSollen wir uns geehrt fühlen? Danke, zu viel der Ehre, darauf können wir prima verzichten. Und da sich Piraten stets gegenseitig beklauen, wird es folglich nicht lange dauern, bis das Werk seinen Weg zu diversen anderen einschlägigen Quellen des digitalen Untergrunds finden wird. Ob der Autor damit ein Problem hätte? Sicher nicht, anders kennt Spiegelbest das Szenario sowieso nicht. Außerdem hat er sich stets über die maximale Aufmerksamkeit gefreut. Die Wege und Mittel um diese zu erreichen, waren ihm eher egal. Das ist auch der Grund, warum er mit der Publikation dieses Buches sicher kein Problem haben wird.

Zumindest einen Vorteil hat der Vorgang. Auch wenn die meisten Beiträge von Spiegelbest und nicht von uns selbst geschrieben wurden, so wissen wir jetzt aus eigener Erfahrung wie es sich anfühlt, wenn der eigene Content geklaut und von Dritten zum Verkauf angeboten wird. Das sollten die LULer vielleicht auch mal ausprobieren. ;-)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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28 Kommentare

  1. skreutzer sagt:

    Naja, man hätte es auch proaktiv zu den “Piraten” hintragen können, aber die haben selbst heute noch keine API für sowas, fürchte ich. Dann hält sich der Aufwand zum Zusammentragen der Beiträge vermutlich doch eher in Grenzen, und das umso mehr, wenn man da ein wenig Technik dafür einsetzt. Muss ja nicht das letzte Mal geblieben sein und eigentlich würde ich mir auch wünschen, dass ich meine Beiträge zu den Artikeln hier und den Diskussionsverlauf mit anderen Kommentatoren in hübsch exportieren könnte, und am Ende will man vielleicht auch ein Archiv-E-Book aller Artikel sowie das Ganze noch als gedrucktes, fadengebundenes Exemplar für das Bücherregal, die Langzeit-Archivierung, aber das gibt die Software evtl. halt auch noch nicht her. CC-Lizenzen mit NC-Klausel sind als unfrei einzustufen, denn kostenlos weitergeben dürfte ich das Werk zwar, aber wenn es zum Selbstkostenpreis auf CD, USB-Stick oder einer Webseite weitergegeben werden soll, wäre das nicht erlaubt. Mit dem proprietären Mobi-Format kann, darf und will ich nix anfangen.

  2. benway sagt:

    der *** hat mit seinen lautsprecherdurchsagen torbooks gekillt und die narren die ihm weiter folgten der rechtsprechung ausgesetzt, der sollte sich ma lieber sehr bedeckt halten, es könnten ……

  3. mirbekannt sagt:

    Wie ahnungslos muß man eigentlich sein um nicht zu wissen wer wirklich hinter lul steckt? Ist doch sein “gutes Recht” das Teil dort zu verkaufen immerhin hat ers auch geschrieben.


    • Der Betreiber von LUL hat das Buch von SB geschrieben? Das wäre uns neu.


      • Der Schreibstil des angeblich toten Mitbegründers von LUL, Lysander, und der von Spiegelbest sind aber extrem unterschiedlich. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.


        • Such mal bei ngb.to nach Lysander, der war dort auch vertreten und hat sich übelst mit den dortigen Moderatoren angelegt. Er hatte ein ganz anderes psychologisches Profil als SB. Beweisen kann ich nichts. Aber versuch mal deinen eigenen Schreibstil so zu ändern, dass ihn niemand mehr erkennt. Oder aber: versuche jemanden zu imitieren. Das ist extrem schwer.


          • Den hier meine ich: https://ngb.to/members/3481-Lysander-von-LuL-to

          • Baerbel sagt:

            …sagt das Schnuggi, das sich bei leecher.to und den diversen Clonen der g:b-Börse herumgetrieben hat. Herrlich :-T

            Zu Deinem anderen Geschwurbel sei nur eines gesagt: Dunning und Kruger grüßen Dich ganz gräsig ;-))

  4. test sagt:

    Mein guter Lars, wenn man mal ehrlich ist, ist es doch klar das dieses Werk gleich “geklaut” wird.
    tarnkappe berichtet Hauptsächlich darüber, was den Graubereich angeht und da wundert mich so etwas echt nicht. KinoX, Bto etc. locken UserIn mit “geklautem” Content an und machen Geld mit Werbung etc. und was anderes ist es hier halt auch nicht…


    • Ist alles richtig was Du schreibst, es fühlt sich trotzdem scheiße an.

  5. Thomas sagt:

    Noch eine Frage: Verstehe ich das richtig, dass das Buch im Wesentlichen eine Sammlung hier (und/oder woanders) erschienener Blogbeiträge von Ms. SB ist?


    • Ja, genau.

  6. Thomas sagt:

    “zweite und letzte E-Book von Spiegelbest”
    Welches war denn das erste?

  7. Uwe sagt:

    was ich an der ganzen sache nicht raffe: werden ebooks nicht mit wasserzeichen entaprechend dem käufer versehen? Es gibt ja genug techniken die (meiner kenntnis nach) sogar eine analogwandlung überstehen. Kann man die so einfach entfernen, so dass man die dinger ohne weiteres online stellt und nicht selbst erwischt wird?

    Ja, das buch von SB war jetzt ohne Schutz. Meine Frage ist eher allgemeiner Natur.


    • Ich bin dafür jetzt kein Experte. Aber theoretisch gesehen müsstest Du einfach nur zwei E-Books miteinander vergleichen und den Teil entfernen, der sich unterscheidet.

  8. TomTom sagt:

    Na ja, das Layout rechtfertigt auch die 0,15 Cent bei Lul nicht. SB’s Minimalismus hat euch angesteckt.

  9. Spargelbest sagt:

    1. Da das Buch unter der Lizenz CC BY-NC-SA 3.0 steht, frage ich mich, warum die Quelle des Cover nicht benannt wurde (BY). Eventuell besteht schon beim Coverbild eine Lizenzverletzung.

    2. Laut CC BY-NC-SA 3.0 ist eine kommerzielle Nutzung nicht erlaubt (NC), fraglich ist es ob daher überhaupt lizenzrechtlich gestattet ist, das Resteverwertebuch kommerziell auf Amazon oder anderen legalen Plattformen käuflich anzubieten (wurde SpiegelBest um Erlaubnis gefragt?).

    3. Und wenn man es so genau nimmt… Es wird bei Amazon kommerziell angeboten, bei lul auch – nur eben billiger, inklusive Namensnennung, unverändert und unter gleichen Bedingungen (BY-ND-SA). ;)

    4. In übrigen wird der Content (deren Bücher) von lul sowieso regelmäßig geklaut und auf anderen Plattformen angeboten das war schon bei den Vorgängern der Fall, also nichts neues.

  10. Hannes Hardt sagt:

    Finde 4 € auch viel zu teuer. Kein Wunder, dass es “geklaut” wird.


    • Ja, ist klar. Bei 3 Euro hätten sie es nicht geklaut? Träum weiter!

      • Hannes Hardt sagt:

        Nein aber dann würden mehr Personen nicht klauen, wenn es billiger wäre. Und nein es gibt keine harte Grenze. Der Anteil der Leute die klauen wird nur geringer je geringeren Preis. Ich zum Beispiel habe meine Grenze je nach Buch bei ca. 1 €.

  11. EiTeeXperte sagt:

    Schmunzel, Seufz, Lach, was soll man sagen?
    Ach ja, Grins vergessen.

  12. Biegelspest sagt:

    “Nun ja, die Betreiber von LUL.to mussten ja auch keine X Wochen damit verbringen, um die ganzen Beiträge zu sammeln und alle Bilder oder Links auszutauschen, wofür wir hätten Ärger kriegen können. LUL.to hat das E-Book einfach unverändert in das eigene digitale Regal getan. Dort warten die Bekenntnisse und Überlegungen des populären deutschen Buchpiraten nun auf ihre illegale Kundschaft. Sogar die Leseprobe hat man 1:1 von Amazon geklaut.”

    Macht so ein bisschen den Eindruck als wenn grad ein Dieb heult weil er beklaut wird. Auch wenns ein wenig aus dem Kontext gerissen ist.

    “so wissen wir jetzt aus eigener Erfahrung wie es sich anfühlt, wenn der eigene Content geklaut und von Dritten zum Verkauf angeboten wird. ”

    Beim ersten mal tut es immer weh.

    Das ausgerechnet Spiegelbest sein eigenes Werk nicht öffentlich für lau angeboten hat sagt mir eins: Es geht doch nur ums Geld!

  13. TeeB sagt:

    Ganz ehrlich, mein Mitleid mit Euch hält sich in Grenzen.


    • Wir haben es ja auch nicht wirklich anders erwartet.

  14. Leeroy sagt:

    4,55 Euro nennst du niedrig? Das ist ja schon mehr als dreist!

  15. Franz sagt:

    Vielleicht liegt es nicht am Preis, sondern am Amazon-Kopierschutz..

    Für mich ist völlig unverständlich, wieso gerade Spiegel-Best sein Werk nicht in einem offenen Format anbietet.


    • Welcher Kopierschutz? Das E-Book wird ohne Kopierschutz verkauft.

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