Lavaboom sammelt per Crowdfunding für sichere E-Mails

Article by · 18. Mai 2015 ·

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Eine einfache E-Mail-Verschlüsselung von einem externen Anbieter ist zweifellos ein kostspieliges Unterfangen. Das Kölner Startup Lavaboom hat zur Finanzierung des Projekts eine Spendenaktion bei Indiegogo gestartet. In den letzten Tagen sind darüber etwa 5.400 US-Dollar zusammengekommen. Das (flexible) Spendenziel liegt allerdings bei 100.000 US-Dollar. Wie viel ist den Nutzern ihre Sicherheit wert?

Nach 20 Monaten Entwicklungszeit wurden weitere E-Mails an zahllose Interessenten verschickt, die die E-Mail-Verschlüsselungslösung von Lavaboom kostenlos ausprobieren wollen. Ziel des Projekts ist es, auch technikfremden Menschen einen simplen Zugang zu verschlüsselten E-Mails zu ermöglichen. Mit der zunehmenden Anzahl der Teilnehmer steigen für die Betreiber natürlich auch die Kosten. Um nicht zum Opfer des eigenen Erfolgs zu werden und die weitere Entwicklung zu garantieren, sammelt Felix Mueller-Irion und sein Team jetzt per Crowdfunding Kampagne Geld ein.

Unser Gesprächspartner Jochim Selzer stellte in unserem Interview die Finanzierung derartiger Anbieter bereits infrage:

„… (Zudem) stellt sich bei allen Cryptomail-Gratisangeboten die Frage nach dem Finanzierungsmodell. Sollten die Firmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten, besteht die Gefahr, dass sie ihre Kundendatenbank an irgendeinen zahlungskräftigen Fremddienstleister verkaufen, und eine Liste auf Privatsphäre bedachter Computernutzer dürfte für verschiedene Institutionen interessant sein. Ein solides Konzept, wie man sich wirtschaftlich über Wasser halten will, wäre also beruhigend. Lavaboom hofft darauf, mit Premium-Diensten ausreichend Geld zu verdienen. Das mag funktionieren, aber wenn man sieht, wie De-Mail und E-Post derzeit dastehen, ist Skepsis angebracht, ob Premium-Cryptomail ein erfolgversprechendes Konzept darstellt.“

Die Funktionsweise und Sicherheit könne man zudem erst einschätzen, sobald das Kölner Startup all seine Quellcodes veröffentlicht hat. Ein weiterer Kritikpunkt sind die vielen Metadaten der Nutzer, die laut Ankündigung der Geschäftsleitung von den Lavaboom-Servern so zeitnah wie irgend möglich gelöscht werden sollen. Joachim Selzer schließt seine Argumentation mit den Worten ab: „Ohne unabhängige Audits und Prüfsiegel ist es eine reine Frage des Vertrauens, ob man das glaubt.

Lavaboom umsonst, Premium-Accounts für zusätzliche Features

Bei IndieGogo kann man das Projekt nun wahlweise mit 5, 10 oder 100 Dollar (und mehr) unterstützen. Bislang haben sich 161 Personen aktiv an der Sammelaktion beteiligt. Der CTO von Lavaboom, Andrei Simionescu, gab außerdem bekannt, dass es neben den kostenlosen Zugängen auch Premium-Accounts geben wird, bei denen neben anderen Features E-Mails im Umfang von etwa 15 Gigabyte vorgehalten werden. Das Geld aus der Spendenaktion soll für die Entwicklung von Apps, den Betrieb der Server und die weitere Entwicklung des Projekts ausgegeben werden.

Hintergrund: Lavaboom hat sich selbst ein großes Ziel gesteckt. Das Kölner Startup will weltweit die sicherste E-Mail-Applikation anbieten. Die E-Mails werden dabei komplett im Browser verschlüsselt. Der Nutzer muss allerdings dafür Sorge tragen, dass sein Browser nicht kompromittiert wird. Ansonsten könnte man über den Browser auch unverschlüsselte Texte abzapfen. Damit erinnert Lavaboom sehr stark an das Konzept von Lavabit. Lavabit soll auch der Whistleblower Edward Snowden benutzt haben, bis dort auf Druck der US-Behörden die Stecker gezogen wurden.


Lavaboom: Sichere E-Mails für Jedermann – das Crowdfunding-Video.

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