EU will Uploadfilter einführen

Uploadfilter EU EDRi
Als Teil der Urheberrechtsreform der EU sollen Inhalte von Unternehmen künftig automatisch durch Uploadfilter auf Urheberrechtsverletzungen hin kontrolliert werden. Die Deadline für alle Änderungen des Gesetzentwurfes ist Ende März . Um die Unternehmen unter Duck zu setzen, soll die Haftung von Webseitenbetreibern deutlich erweitert werden.

Schon im September 2016 wurde von der Europäischen Kommission angekündigt, dass man Gesetze ausarbeiten will, um ausnahmslos alle im Internet hochgeladenen Inhalte zu kontrollieren, um sie filtern zu können. Demnach soll jeder Text, jedes Foto oder Video daraufhin überprüft werden, ob es möglicherweise die Rechte Dritter verletzt. Die Nichtregierungsorganisation EDRi weist in ihrer Pressemitteilung darauf hin, diese proaktive Zensur könne auch Memes, Parodien oder gänzlich harmlose Inhalte betreffen, die dann automatisch direkt nach dem Upload gelöscht werden.

Um die Unternehmen gefügig zu machen, soll im Zuge der Urheberrechtsreform auch die Haftung der Inhalte-Anbieter wie Facebook, Twitter, YouTube und die aller Webseitenbetreiber erweitert werden. Interessant ist diesem Zusammenhang, dass diese Reform sehr viel weiter gehen soll, als jegliche Regelungen im Kampf gegen extremistische Inhalte, die im Internet verbreitet werden. Die Anti-Terrorgesetze der EU sehen bislang keine erweiterte Haftung der Hostprovider oder den Einsatz von Upload-Filtern vor.

Die Korrekturfrist des Gesetzentwurfes läuft in der letzten Märzwoche ab. Erst danach wird man sehen können, ob die überaus harten Regelungen von Mitgliedern des Europäischen Parlaments aufgeweicht wurden. In den letzten Wochen wurde bereits Kritik von den Abgeordneten Therese Comodini Cachia (Malta) und Catherine Stihler (Schottland) laut.

MEP-Roulette: EDRi rät dazu, im Kampf gegen diese Reform die entsprechenden EU-Parlamentarier einfach mal bis Ende März anzurufen, um ihnen die eigene Meinung kundzutun. Dabei fallen keine Gebühren an. Weitere Informationen zum Thema Uploadfilter kann man der Webseite SaveTheMeme.net oder dem unten stehenden Video entnehmen.


Video: Stop #CensorshipMachine: EU #copyright threatens our freedoms #SavetheMeme

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Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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9 Kommentare

  1. Bananensaft sagt:

    Das ist doch einfach nur noch krank…

  2. erdo_king sagt:

    „um ausnahmslos alle im Internet hochgeladenen Inhalte zu kontrollieren“

    das gilt aber ausnahmslos für Firmen nehme ich mal stark an, dann wäre die Frage für welche Firmen!?
    Gilt sowas auch für Seiten wie zB tarnkappe.info :P

    Wenn ich als Besucher einen Kommentar zitiere wohlgemerkt OHNE die Quelle anzugeben wie
    „Müssten Plattformen dafür haften, was auf ihrer Plattform präsentiert wird, wird der Filter so programmiert werden, dass eher mehr als weniger aussortiert wird. “

    Müsst ihr als Blogbetreiber dann dafür haften wenn dieser Satz (welchen ich ziemlich wahllos ausgewählt habe) Urheberrechtlich geschützt ist? Ich muss umsatteln und Anwalt werden, damit würde sich ein Vermögen verdienen lassen!

    ——-
    Ich verweise mal auf die Lizenz und die Quelle, ansonsten macht sich hier jemand strafbar, so wie ich das sehe aktuell ich und nach der Gesetzänderung auch die Betreiber von tarnkappe (irre ich mich?)

    Quelle: https://politik-digital.de/news/leistungsschutzrecht-und-upload-filter-eu-urheberrechtsreform-erklaert-151601/
    license: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/


    • Für alle Anbieter von Inhalten, so ähnlich steht es auch bei Politik-Digital als Erläuterung drin.

  3. erdo_king sagt:

    Als ehemaliger Uploader und gelernter Fachinformatiker kann ich dazu nur folgendes beitragen:

    – Passwortgeschützte Zip-Archive (optional: gesplittetet 100/200MB Parts)
    – Inhalt des Archives nicht einsehbar ohne Passwort
    – Nichts aussagender Archiv-Name

    Was genau möchten die da bitte löschen?
    Könnte enthalten (Auszug):

    – Irgendwelche (wichtigen) Backup-Dateien
    – Private Porno-Sammlung (Aus Internet oder selbstgedreht)
    – Urlaubsfotos
    – Bauplan für Bomben
    – leere aber große Dateien um das System zu ärgern
    – nichts von alle dem

    Ich schiebe täglich! privat ~20GB Serverbackups in die Google-Cloud, natürlich
    – stark komprimiert
    – automatische, nichts aussagende Datei-Name (vzdump-lxc-117-2017_03_23-02_03_00.tar.gz.gpg)
    – GPG verschlüsselt
    – Wer kann den Inhalt verlässlich!!! scannen`?
    – Wo beschwere ich mich wenn die Daten automatisch gelöscht werden? Müssen die Anbieter ein Backup der gelöschten Dateien behalten für den Fall das diese fälschlicherweise gelöscht worden oder darf ich mich nicht mehr darauf verlassen dass diese auch da sind wo ich diese erwarte?


    • Die können beispielsweise löschen:

      – Bilder von MEMEs, die urheberrechtlich geschützt sind
      – Zitate von Texten, und seien es nur Ausschnitte
      – Videos, die Ausschnitte aus einem kommerziellen Film zum Zweck der Parodie geändert haben
      – Remixes von Musikstücken und selbst nur dann, wenn wenige Sekunden eines urheberrechtlich geschützten Musikstücks verwendet wurden
      und vieles mehr.

      • Solomon sagt:

        Klingt für mich nach „Urheberrechtsgesetz beschränkt die Meinungsfreiheit.“

        Man stelle sich vor: Die Geld-Elite erwirbt die Rechte an sämtlicher gesellschaftskritischer Literatur, um sie bei Facebook auf den „Index“ zu setzen.

        Eine Backdoor fürs „Meinungsmanagement“.

        Ginge es dem Gesetzgeber wirklich nur um die Durchsetzung des Urheberrechts, würde das autom. Hinzufügen eines entsprechenden Verweises auf den Rechteinhaber in vielen Fällen ausreichen. Blocken und Löschen bedeutet immer auch eine Zensur.

    • Solomon sagt:

      Selbstverständlich brauchen Sie sich nicht um Ihre liebvoll zusammengesammelten Wi***-Vorlagen zu sorgen.

      Betroffenen ist mal wieder nur der 0815-User, der mit Zip-Datein nicht viel anzufangen weiß, in Passwörtern nur eine überflüssige Schikane sieht, und eigentlich nur darauf erpicht ist, seine lustigen Katzenfotos u. leckeren Kochrezepte mit Gleichgesinnten auf Facebook und Twitter zu teilen.

      Hier wird dann autom. gelöscht, verwarnt, anwaltlich abgemahnt, oder vielleicht alles gleichzeitig.

      Monetarisiere der Starke, was er könne,
      Und ertrage der Abgemahnte, was er müsse.

  4. Cookie Monster sagt:

    Wird Zeit, dass wir uns komplett ins Darknet verkrümeln.

    Und wenn man dann irgendwann versucht Tor zu blocken: Freifunk.
    Die Routerdichte müsste zumindest in den Innenstädten hoch genug.

    Alles konvergiert gegen dezentral – Bitcoin macht es vor. Nur so ist unsere Freiheit auf Dauer zu garantieren.

    Vertraut auf die unbestechliche Mathematik – nicht auf Versprechen der Politik und Banken.

  1. 17. Juli 2018

    […] Voss setzt sich einerseits für ein schärferes Urheberrecht und den EU-weiten Einsatz von Uploadfilten ein. Voss nutzt aber andererseits auf seiner Facebook-Seite offensichtlich jede Menge […]

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