Dread: illegales Deepweb-Forum seit der DiDW3-Razzia offline?

Uns erreichen viele Anfragen, was mit dem Forum Dread los ist. Kurz vorher hat das BKA Sudo hochgenommen. Ist die zeitliche Abfolge zufällig?

Dread facing serious troubles? Am 25. Oktober verhafteten Einheiten des BKA den Informatik-Studenten Sudo, dem man vorwirft, der mutmaßliche Betreiber des Forums Deutschland im Deep Web (DiDW 3) gewesen zu sein. Die offizielle Bekanntgabe erfolgte am 27. Oktober.

Dread war laut der als zuverlässig geltenden Quelle dark.fail zuletzt am 29. Oktober 2022 online. Das heißt: Zwei Tage nach Sudos Verhaftung ging Dread im Clearnet vom Netz. Warum? Das weiß bis dato wohl nur der Betreiber selbst.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Downtime von Dread bzw. DNMX und dem DiDW3-Bust?

Dread, Logo

Uns erreichte eine Mitteilung, wonach kurze Zeit später neben dem Deepweb-Forum Dread auch der Onion-mailer dnmx.org nicht mehr erreichbar gewesen sein soll. DNMX, der Dark Net Mail Exchange, kann jetzt aber sowohl im Clearnet als auch im Tor-Netzwerk wieder uneingeschränkt benutzt werden. Dread ist im WWW noch immer down.

Dazu kommt die Tatsache, dass dieses Board in der Vergangenheit immer mal wieder für ein paar Wochen offline war, worüber wir in Einzelfällen auch berichtet haben. Tja, das große Rätselraten läuft. Das dürfte auch die vielen Kontaktversuche erklären, in denen man sich bei der Redaktion erkundigt, welche neue Onion-Adresse Dread nun haben könnte.

posting über dread bei breached.to
Posting bei breached.to über massive DDoS-Attacken gegen Dread.

Nur noch bei I2P sicher vor DDoS-Angriffen?

Im September erschien bei breached.to ein zuverlässig klingendes Posting, wonach Mitbetreiber Paris von extremen DDoS-Attacken berichtet hat. Demnach sei Dread nur noch bei I2P unter der Adresse http://dreadtoobigdsrxg4yfspcyjr3k6675vftyco5pyb7wg4pr4dwjq.b32.i2p erreichbar.

Das mit der Erreichbarkeit stimmt soweit auch. Allerdings ist mein alter (und fast ungenutzter) Dread-Account nicht mehr gültig. Ich musste mich komplett neu registrieren, was für ernsthafte technische Probleme sprechen könnte. Oder etwa doch für die Gerüchte, die schon längerfristig gestreut werden?

Dread als Honeypot?

dnmx.org

Interessant in dem Zusammenhang sind auch die unbestätigten Meldungen, die schon seit Jahren verbreitet werden. Im September 2019 behauptete der Autor “Kofi Anash” auf darknetstats.com, das Darknet-Forum Dread sei nur noch ein Ort, wo die Polizei Informationen über die Aktivitäten von Kriminellen sammeln würde. Doch ob Dread ein Honeypot ist, können wir unmöglich überprüfen.

In anderen Fällen haben Wettbewerber vergleichbare Gerüchte gestreut, um einen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Wie jeder kundige Leser weiß, ist ausgerechnet im Deepweb wirklich alles möglich! DDoS-Angriffe stellen nur eine Option von vielen dar.

Vielleicht haben niederländische Polizeibehörden tatsächlich längst die Kontrolle übernommen. Doch vielleicht ist es auch nur ein Gerücht, für dessen Publikuation jemand bezahlt wurde, um den Ruf des populären Forums zu beschädigen. Wer weiß? Allen Nutzern kann man nur raten: Stay clean or be careful what you do!

P.S. I2P mit der Linux-Distri Pop_OS! ans Laufen zu bekommen, war gar nicht so schwer, wenn man erstmal das Prinzip dieses mehrfach verschlüsselten Netzwerks verstanden hat. Das Programm I2PD für die Verbindung mit diesem Netzwerk ist Bestandteil des App Stores von Pop_OS! Das erleichtert Einsteigern den Zugang zu I2P Sites ungemein.

Wer bei I2P irgendwelche Webseiten wie Dread besuchen will, sollte bei seinem Browser im ersten Schritt unbedingt Java Script abschalten! Danach muss man in den Firefox-Einstellungen nur noch als HTTP Proxy 127.0.0.1 mit dem Port 4444 eintragen. Fertig! Schon sind die ganzen I2P-Seiten erreichbar. Im WWW gibt es Anleitungen, wie man die anderen Browser konfigurieren kann.

Tarnkappe.info

Kategorie: Deepweb
Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.