Cyberbunker-Prozess: Beschuldigter bestreitet Vorwürfe

Der 27-jährige Sohn des Hauptangeklagten wies am Montag im Cyberbunker-Prozess vor dem Landgericht Trier alle Vorwürfe ihn betreffend zurück.

Sven Olaf Von K. vor dem alten Cyberbunker. Quelle, thx!

Im Cyberbunker-Prozess, der am 19. Oktober 2020 vor dem Landgericht Trier startete, wird acht Personen vorgeworfen, ein illegales Rechenzentrum in Traben-Trarbach an der Mosel in einem ehemaligen NATO-Bunker betrieben zu haben.

Das Rechenzentrum war gemäß den Ermittlungen die Schaltstelle, über die Cyber-Kriminelle aus der ganzen Welt millionenschwere illegale Darknet-Geschäfte abgewickelt haben. Aktuell hat sich nun, fast ein Jahr nach Verfahrensbeginn, der Sohn des Hauptverdächtigen Herman Johan Xennts zu den Vorwürfen geäußert. Wie die dpa berichtet, soll er alle Anschuldigungen – incl. die, worüber wir berichteten, aus der kurz zuvor auf Telegram geleakten englischen Version, zurückgewiesen haben.

Als Hauptakteure im Cyberbunker-Fall gelten die beiden Niederländer, Sven Olav Von K. und Herman Johan Xennt. Dieser hat den Cyberbunker Ende 2013 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) über eine Stiftung erworben, gleich nach dem Abzug des Militärs. Infolge traf er auch alle geschäftlichen Entscheidungen. Eine deutsche Tatverdächtige war für die Buchhaltung und die Kontrolle des Zahlungsverkehrs mit den Kunden zuständig. Zudem angeklagt sind weiterhin zwei Niederländer, zwei Deutsche und ein Bulgare. Diese Team-Mitglieder sorgten für die Abwicklung der Kundenaufträge in technischer Hinsicht und hielten die IT-Infrastruktur am Laufen.

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Cyberbunker-Betreiber wegen Beihilfe unter Anklage

Gemäß der Anklage sollen die acht eine kriminelle Vereinigung gegründet und Beihilfe zu rund 249.000 Straftaten geleistet haben. Sie sollen so Vorschub zu millionenschweren Drogendeals, Cyberangriffen sowie Falschgeldgeschäfte geleistet haben. Im Prozess um den Cyberbunker von Traben-Trarbach hat der Hauptangeklagte Herman Xennt erstmals angegeben, zur Sache aussagen zu wollen. Dies teilte einer seiner beiden Anwälte am 18.11.2021 mit. Allerdings wollte er sich dann am heutigen Montag doch nicht äußern. Gemäß Angaben seines Anwalts brauche er zur Vorbereitung noch Zeit. „Wir werden auf jeden Fall noch Angaben zur Sache machen“, gab der Anwalt des Hauptangeklagten, Michael Eichin, bekannt.

Zudem wäre neben Herman Xennt auch einer seiner beiden mitangeklagten Söhne zu einer Aussage bereit, teilte dessen Anwältin mit. Der 27-Jährige ist einer von den insgesamt acht Angeklagten, die sich seit Oktober 2020 vor Gericht verantworten müssen. Seine Verteidigerin erklären heute vor dem Landgericht Trier, dass der Sohn des Hauptangeklagten in fünf Jahren nur gesamt rund zehn Wochen vor Ort gewesen wäre. „Von etwaigen kriminellen Sachen“ wolle er nichts gewusst haben. „Auch erwartet man so etwas nicht von seinem eigenen Vater.“ Zudem hatte er „keine Kenntnis darüber, was sich auf den Servern befand“.

Sohn des Hauptangeklagten leistete Praktikum ab

Vor Ort sei er im Cyberbunker nur während der Zeit seines Praktikums gewesen. Da habe er sich nicht mit gehosteten Webseiten beschäftigt. Vielmehr war er mit dem Design für eine Messenger-App beauftragt. Gemeinsam mit seinem Vater hätte er zudem „Kundenanfragen mit vorgefertigten Textbausteinen beantwortet“. Das wären allerdings „nicht viele Mails“ gewesen.

Jörg Angerer, von der Generalstaatanwaltschaft in Koblenz, wies darauf hin, dass mit dem Urteil wohl ein Präzedenzfall geschaffen würde. Er meinte, „das Verfahren ist juristisches Neuland“. Für das Betreiben von Rechenzentren für illegale Plattformen gebe es bisher allerdings keinen eigenen Tatbestand. Angerer geht davon aus, „dass Rechtsmittel eingelegt werden und, dass sich dann noch der Bundesgerichtshof mit dem Cyberbunker befasst“, berichtete SWR.Aktuell.

Tarnkappe.info

Antonia Frank

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.