Chelsea Manning wird begnadigt

WikiLeaks-Informantin Chelsea Manning wird begnadigt und soll noch dieses Jahr aus dem Gefängnis freikommen. Dafür sorgte der scheidende US-Präsident Barack Obama (Demokraten) in einer seiner letzten Amtshandlungen.

Free Chelsea Manning

Free Chelsea Manning

Begnadigung durch Barack Obama

Schon vor einer Weile hatte Manning, vertreten durch ihr Juristen-Team um Chase Strangio von der ACLU, um eine Begnadigung ersucht. Ihre zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützer hatten aber kaum noch zu hoffen gewagt, dass das Gesuch tatsächlich Erfolg haben würde. Allerdings hatte Barack Obama vergangene Woche angedeutet, dass eine derartige Entscheidung im Bereich des Möglichen liege. In allerletzter Sekunde entschloss er sich dann tatsächlich, Manning zu begnadigen. Das berichtet die US-amerikanische Zeitung New York Times. Ursprünglich sollte Manning eine 35-jährige Haftstrafe verbüßen, von der sie bereits rund sieben Jahre abgesessen hat. Nun wird sie voraussichtlich schon im Mai dieses Jahres frei kommen.

Bedeutende Leaks oder Straftat?

Manning sorgte für Aufsehen, indem sie eine Vielzahl geheimer Dokumente an die Whistleblowing-Plattform WikiLeaks weitergab. Diese hatte sie während ihrer Arbeit als US-Militär-Analystin im Irak entdeckt. Darunter war unter anderem das Video „Collateral Murder“, das die Tötung zweier Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters durch einen US-Kampfhubschrauber zeigt. Auch hunderttausende Diplomaten-Depeschen aus aller Welt, bezeichnet als „Cablegate“, spielte Manning den Aktivistinnen und Aktivisten von WikiLeaks zu. Sie belegten unter anderem fragwürdige Wirtschafts-Mauscheleien der US-Regierung. Zudem belegten Mannings Dokumente, dass im Irak-Krieg mehr Zivilisten starben, als offiziell behauptet, und deckten Menschenrechtsverletzungen im US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf. Von vielen Menschenrechtlern wurde Mannings Beitrag hoch eingestuft.

Die US-Regierung allerdings interessierte sich weder für die durch die Leaks verursachten positiven Veränderungen noch für Mannings immer wieder betonte idealistische Motive. Für sie war die Soldatin eine Spionin und kriminelle Hackerin. Nach einem langwierigen Prozess wurde Manning zu einer 35-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Schwierige Haftbedingungen

In der Haft hatte es Manning extrem schwer. Dafür sorgten einerseits Schikanen der Offiziellen, die an Manning ein Exempel zur Abschreckung anderer Whistleblower statuieren wollten. Andererseits hatte es Manning als Trans-Frau im Männergefängnis besonders schwer. Ihr wurde außerdem lange die notwendige medizinische Unterstützung verweigert und sie durfte nicht als Frau leben.

Aufgrund dieser Situation versuchte Manning mindestens zweimal, sich das Leben zu nehmen. Schließlich trat sie in einen Hungerstreik, um ihre Rechte durchzusetzen. Dieser war zumindest teilweise erfolgreich. Manning durfte von diesem Zeitpunkt an immerhin Make-Up und weibliche Unterwäsche tragen und erhielt Hormon-Präparate. Allerdings wurde ihr – angeblich aus Sicherheitsgründen – weiterhin verweigert, sich die Haare wachsen zu lassen.

Vor diesem Hintergrund hat Mannings Begnadigung wohl auch für die US-Armee ihr Gutes: die altmodische Institution muss sich nicht mit dieser für sie neuen und schwierigen Situation befassen. Vor allem aber hat Chelsea Manning Grund zur Freude. Schon ihren nächsten Geburstag wird die mutige Whistleblowerin, die am 17. Dezember 30 Jahre alt wird, wohl in Freiheit feiern können. Zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer freuen sich mit ihr.

Update:

Mittlerweile hat das Chelsea Manning Support Network unter Berufung auf Mannings Anwältin Nancy Hollander die Meldung bestätigt.

15 Kommentare


  1. Weitere Kommentare, die nichts mit dem Inhalt der News zu tun haben, werden nicht freigeschaltet Es reicht jetzt.

  2. Ewald sagt:

    Schlagartig wird sich die Zahl der Artikel hier drastisch reduzieren.
    Keine wöchtentlichen Bulletins über den Gesundheitszustand, die Qualität des Essens im Gefängnis oder das Leben als Frau äh Mann oder was auch immer in einem Männergefängnis.
    Ich hoffe mal, Annika Kremer weiss die nun gewonnene freie Zeit gut zu nutzen.


    • Du kannst ja gerne mal mit Manning tauschen und schauen, ob das so komfortabel ist im Militärgefängnis. Wir freuen uns dann auf Deinen Artikel hier exklusiv bei Tarnkappe.info ;-)

      • Ewald sagt:

        Warum sollte ich das machen? Ich bin weder im Besitz von geheimen Informationen noch habe ich vor, diese an Wikileaks zu geben, selbst wenn ich sie hätte.
        Vielleicht reicht es ja auch Prison Break zu schauen ;-)


    • Was Lars sagt. Ansonsten, gegen mich kannst du herumstänkern, so viel du magst, ich habe ein dickes Fell, sonst hätte ich schon Gulli nicht überlebt. Aber lass diesen transphoben Scheiß, sonst werden wir hier mal ein bisschen weniger großzügig mit deinen Beiträgen.

      • TeeB sagt:

        Ui, bisschen dünnes Fell Annika? Also ich kann bei Ewalds Kommentar nichts transphobes erkennen.


        • Dann musst du genauer hinschauen. Diese dumme Bemerkung von wegen „als Frau äh Mann oder was auch immer in einem Männergefängnis“ war vollkommen überflüssig und ich kann mir durchaus vorstellen, dass einige Betroffene das als verletzend empfinden. Und du hast recht, bei so etwas verstehe ich überhaupt keinen Spaß. Legt euch mit Leuten an, die es nicht eh schon schwer haben.

          • TeeB sagt:

            Aha. Dann darf man zukünftig gar nichts mehr äußern? Dann kann man auch niemanden verletzen. Man, man, man…


            • Für die meisten Leute ist der Unterschied zwischen „keinen diskriminierenden Schrott“ und „gar nichts“ klar erkennbar. Wenn du damit Probleme hast, ist es vielleicht wirklich am besten, du hältst ein Weilchen die Tastatur still, bis du dich weitergebildet hast…

              • Ewald sagt:

                Leider wird mein Kommentar nicht freigeschaltet. Dann noch mal so:
                Ob Manning nun ein Mann oder eine Frau ist, spielt eigentlich keine Rolle. Für die Behörden allerdings schon, denn wo bringt man einen Mann unter, der Hormone nimmt, sich eine Perrücke aufsetzt und sich für eine Frau hält? Im Männergefägnis? Oder doch besser im Frauengefängnis, obwohl derjenige/diejenige ein Mann ist.
                Wahrscheinlich wären Transgender Gefängnisse die beste Lösung.

                Ganz erstaunlich Annika, wie Du auf diesen eigentlich unwesentlichen Sidekick angesprungen bist.
                Ja, ich gebe zu, die beste Quelle um sich nach dem aktuellen Gesundheits- oder Seelenzustand von Manning zu informieren warst eindeutig Du.

                Ich hätte aber eine gute Idee, wie Du das Vakuum füllen kannst ab Mai:
                Versuche doch mal zu recherchieren, wieviele Menschen im Nahen Osten ihr Leben verloren haben, weil deren Klarnamen in den geleakten Dokumenten ungeschwärzt von Wikileaks veröffentlicht wurden.
                Und wenn Du die ersten Zahlen und Schicksale mitbekommen hast, dann könnte sogar die Erkenntnis winken, warum Snowden seine Unterlagen nicht an Wikileaks gegeben hat.

                Give it a try.

                • EiTeeXperte sagt:

                  Nun ja, für die Veröffentlichung im Klartext ist ja eher der Dauergast in der equadorianischen Botschaft verantwortlich und nicht Chelsea Manning, die jetzt begnadigt wurde.
                  Punkt ist doch, sie hat Verrat begangen weil sie Dienstgeheimnisse weitergegeben hatte.
                  Deshalb wurde auch eine recht harte Strafe als Exempel verhängt, um Nachahmer abzuschrecken.
                  Soweit so gut, oder schlecht – je nach Sichtweise.
                  Manning muss das auch klar gewesen sein. Mit Geld konnte sie nicht rechnen, also ist es schon glaubhaft, dass sie das aus innerer Überzeugung heraus getan hat. Besonders schlau hat sie sich auch nicht angesellt, ich sage nur Manning Bug.
                  Fakt ist aber auch, das dieser Verrat ziemlich schlimme Missstände belegt hat.
                  Eigentlich hätten die Verantwortlichen von sich heraus sowas hart ahnden und unterbinden müssen.
                  Teilweise wurde ja etwas unternommen, aber eben eher butterweich, wenn man die Strafe von Manning als Maßstab nimmt. Ist so eine Sache, sperre ich technisch gute Piloten wegen erwiesener Kriegsverbrechen ein, oder kehre ich das Ganze unter den Teppich und winke ganz böse mit dem Zeigefinger.
                  Man beachte aber bitte, dass das mit Sicherheit nicht auf alle US-Soldaten zu verallgemeinern ist.
                  Und nicht zuletzt sind auch die Informanten der USA die eventuell betroffen sind, objektiv betrachtet, Verräter gegenüber irgendjemandem, nur eben nützliche im Sinne der USA und müssen sich über die Konsequenzen ihres Tuns, wie eben auch die gute Manning im klaren sein. Berufsrisiko eben.
                  Vermutlich werden die mehrheitlich nicht unentgeltlich tätig gewesen sein. Das die sich gegenseitig anzinken, um die Amis dazu zu bringen für die die Drecksarbeit zu machen, ist ebenfalls eine Tatsache.
                  Wo einfach so Helipiloten und Drohnen Leute abknallen, kann man vermutlich nicht mit einem ordentlichen Gerichtsverfahren rechnen, wenn man der Spionage bezichtigt wird.
                  Zumal die sprichwörtliche Güte und Gnade der Komabattanten in der Region, spätestens seit IS und gemäßigten Rebellen, jedem bekannt sein dürften.


                • Noch nicht einmal die US-Regierung hat jemals belegen können, dass es überhaupt solche Fälle gegeben hat. Und die werden sich schon Mühe gegeben haben…

                  • EiTeeXperte sagt:

                    Ich habe mir bei der Wahl der Personalpronomen schon etwas gedacht.
                    Manning war zum Zeitpunkt seines Wirkens rechtlich wie biologisch eindeutig maskulin.
                    Als Person der Zeitgeschichte und das ist sie nach dem Wirbel der verursacht wurde, sollte das durchaus erwähnt werden.

                    Danke

              • TeeB sagt:

                Schade, dass meine Antwort hierauf nicht veröffentlicht wurde. Hab ich was geschrieben, dass hier irgendwie gegen die Regeln verstößt? Falls ja, teilt mir doch bitte mit, was genau. Falls nein muss ich wohl davon ausgehen, dass hier Kritik an Annikas Verhalten nicht erwünscht ist und zensiert wird.


                • Das hatten wir schon, Du darfst mich kritisieren, so viel du möchtest, nur diskriminierendes Gebashe gegen Minderheiten lösche ich ganz gerne mal. Das ist zumindest meine Policy, ob die Kollegen irgendein ad hominem gegen mich gelöscht haben, bevor ich es gesehen habe, musst du die fragen, wir sind ja hier alle nicht 24/7 als Kindergärtnerinnen und Kindergärtner tätig…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.