Chelsea Manning: Whistleblowerin wird von Obama begnadigt

WikiLeaks-Informantin Chelsea Manning wurde von Barack Obama begnadigt und wird voraussichtlich bereits im Mai 2017 frei kommen.

WikiLeaks-Informantin Chelsea Manning wird begnadigt. Sie soll noch dieses Jahr aus dem Gefängnis freikommen. Dafür sorgte der scheidende US-Präsident Barack Obama (Demokraten) in einer seiner letzten Amtshandlungen.

Begnadigung durch Barack Obama

Schon vor einer Weile hatte Manning, vertreten durch ihr Juristen-Team um Chase Strangio von der ACLU, um eine Begnadigung ersucht. Ihre zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützer hatten aber kaum noch zu hoffen gewagt, dass das Gesuch tatsächlich Erfolg haben würde. Allerdings hatte Barack Obama vergangene Woche angedeutet, dass eine derartige Entscheidung im Bereich des Möglichen liege. In allerletzter Sekunde entschloss er sich dann tatsächlich, Manning zu begnadigen. Das berichtet die US-amerikanische Zeitung New York Times. Ursprünglich sollte Manning eine 35-jährige Haftstrafe verbüßen, von der sie bereits rund sieben Jahre abgesessen hat. Nun wird sie voraussichtlich schon im Mai dieses Jahres frei kommen.


Bedeutende Leaks oder Straftat?

Manning sorgte für Aufsehen, indem sie eine Vielzahl geheimer Dokumente an die Whistleblowing-Plattform WikiLeaks weitergab. Diese hatte sie während ihrer Arbeit als US-Militär-Analystin im Irak entdeckt. Darunter war unter anderem das Video „Collateral Murder“, das die Tötung zweier Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters durch einen US-Kampfhubschrauber zeigt. Auch hunderttausende Diplomaten-Depeschen aus aller Welt, bezeichnet als „Cablegate“, spielte Manning den Aktivistinnen und Aktivisten von WikiLeaks zu. Sie belegten unter anderem fragwürdige Wirtschafts-Mauscheleien der US-Regierung. Zudem belegten Mannings Dokumente, dass im Irak-Krieg mehr Zivilisten starben, als offiziell behauptet, und deckten Menschenrechtsverletzungen im US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf. Von vielen Menschenrechtlern wurde Mannings Beitrag hoch eingestuft.

Die US-Regierung allerdings interessierte sich weder für die durch die Leaks verursachten positiven Veränderungen noch für Mannings immer wieder betonte idealistische Motive. Für sie war die Soldatin eine Spionin und kriminelle Hackerin. Nach einem langwierigen Prozess wurde Manning zu einer 35-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Schwierige Haftbedingungen

In der Haft hatte es Manning extrem schwer. Dafür sorgten einerseits Schikanen der Offiziellen, die an Manning ein Exempel zur Abschreckung anderer Whistleblower statuieren wollten. Andererseits hatte es Manning als Trans-Frau im Männergefängnis besonders schwer. Ihr wurde außerdem lange die notwendige medizinische Unterstützung verweigert und sie durfte nicht als Frau leben.

Aufgrund dieser Situation versuchte Manning mindestens zweimal, sich das Leben zu nehmen. Schließlich trat sie in einen Hungerstreik, um ihre Rechte durchzusetzen. Dieser war zumindest teilweise erfolgreich. Manning durfte von diesem Zeitpunkt an immerhin Make-Up und weibliche Unterwäsche tragen und erhielt Hormon-Präparate. Allerdings wurde ihr – angeblich aus Sicherheitsgründen – weiterhin verweigert, sich die Haare wachsen zu lassen.

Vor diesem Hintergrund hat Mannings Begnadigung wohl auch für die US-Armee ihr Gutes: die altmodische Institution muss sich nicht mit dieser für sie neuen und schwierigen Situation befassen. Vor allem aber hat Chelsea Manning Grund zur Freude. Schon ihren nächsten Geburstag wird die mutige Whistleblowerin, die am 17. Dezember 30 Jahre alt wird, wohl in Freiheit feiern können. Zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer freuen sich mit ihr.

Update:

Mittlerweile hat das Chelsea Manning Support Network unter Berufung auf Mannings Anwältin Nancy Hollander die Meldung bestätigt.

Tarnkappe.info