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Bitcoin-Crime: mexikanischer YouTuber zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt

Dem mexikanischen YouTuber Germán Loera wirft man vor, als Kopf von fünf Bandenmitgliedern die Entführung einer Frau in Chihuahua, im Norden des Landes, veranlasst zu haben. Für die Freilassung forderten die Kriminellen nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Zahlung von umgerechnet 100.000 Dollar in Bitcoin. Letzten Montag sprach ein Gericht das Urteil gegen die Beteiligten. Jeder der fünf Tatverdächtigen wurde zu 50 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Der zuständige Staatsanwalt gab gegenüber den mexikanischen Medien außerdem bekannt, dass Loeras Vater in Folge eines Bandenkrieges Anfang Februar enthauptet wurde. Über die Hintergründe dieses skurrilen Falls haben El Pais und die BBC ausführlich berichtet.


YouTuber Germán Loera verantwortlich für Entführung und BTC-Erpressung

Der junge Mann, der sich bei YouTube GermánLoeraMX nennt, plante eine perfekte Entführung. Gemeinsam mit fünf Freunden kidnappte er die 33-jährige Anwältin Thalia Denisse am 28. Februar 2018. Als sie ihre Arbeit verließ und in ihr Auto steigen wollte, verschleppte die Bande sie in einen Geländewagen und fesselte sie dort. Die Fahrt mündete in einem von Loera Acosta extra angemietetem Haus, in dem sie das Opfer gefangen hielten. Für ihre Freilassung forderten die Täter ein Lösegeld in Höhe von zwei Millionen Pesos (£ 80.500; $ 103.000) in Bitcoin. Verwandte der Anwältin haben den Betrag zunächst auch ausgezahlt.

Polizei erzielte Ermittlungserfolge

Bereits am 2. März 2018, nach zwei Tagen Geiselhaft, konnte die Anwältin in einer Operation der Anti-Kidnap-Einheit der Staatsanwaltschaft von Chihuahua gerettet werden. Die Ermittler waren in der Lage, ihren Standort durch eine Reihe von verschlüsselten Nachrichten, die man abfing, herauszufinden. Den Entführern kam die staatliche Cyberkriminalitätsbehörde auf die Spur. Eine zweite Razzia in einem nahe gelegenen Haus führte zur Verhaftung von Loera Acosta und vier seiner Handlanger. Ein sechster Verdächtiger wurde Tage später verhaftet.

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Bitcoin-Lösegeld erwies sich als zurückverfolgbar

Cesar Peniche, Bezirksstaatsanwalt von Chihuahua, bezeichnete den Beschuldigten als „eine sehr erfahrene Person in der Internet-Kommunikation“. Demnach soll er versucht haben, das Internet zu nutzen, um die besten Bedingungen für die Entführung herauszufinden. Dennoch konnte Loera trotz seiner IT-Affinität nicht verhindern, dass die Behörden die Blockchain genutzt haben, um den Transfer zu analysieren. Bei der Festnahme der Entführer hat man drei Fahrzeuge, eine Handfeuerwaffe und das Mobiltelefon, mit dem die Erpresser das Lösegeld aushandelten, sichergestellt. Zudem gelang es, das gesamte Bitcoin–Lösegeld vollständig zurückzuholen. Peniche strich auch heraus, dass Bitcoin „am Ende des Tages rückverfolgbar seien„. Über die Problematik mancher BTC- bzw. Krypto-Mixer haben wir ja schon eingehend berichtet.

Germán Loera war Influencer bei YouTube

Vor seiner Verhaftung war der 25-jährige Germán Loera als YouTube-Influencer und Inhaber des Marketing- und Designunternehmens InnLab tätig. Mit seinem YouTube-Account erreichte er ein vergleichsweise großes Publikum. Hier teilte der YouTuber seinen Anhängern in Motivationsbotschaften mit, wie sie ihr berufliches und persönliches Leben verbessern können. Als Slogan verwendete er: „Ich denke, der Verstand ist das einzige, was uns einschränkt. Ich schreibe, denke und initiiere.“

Germán Loera YouTuber

Zudem trat der junge Mann als Gastredner auf dem Weltkongress junger Führungskräfte für den Frieden im Juni 2017 in Mexiko-Stadt auf. Die Kollegen von BTC-ECHO gehen davon aus, Loera verfüge jetzt während seiner Haft über „genügend Zeit„, um sich auf seine nächsten „bedeutungsschweren Reden“ vorzubereiten.

P.S.: Witzigerweise sprechen manche Medien beim Verurteilten von Germán Abraham Loera Acosta, wieder andere von Germán Loera.

 

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Bildquelle: Prettysleepy, thx! (Pixabay Lizenz)