AlphaBay-Vermögen
AlphaBay-Vermögen
Bildquelle: EdZbarzhyvetsky, Lizenz

AlphaBay-Vermögen zur Versteigerung freigegeben

Bangkoks Bezirksgericht ordnete eine Versteigerung von Vermögenswerten des verstorbenen AlphaBay-Gründers in Höhe von 413 Millionen Baht an.

Das Bezirksgericht Talingchan hat die Versteigerung von beschlagnahmten Vermögenswerten im Wert von 413 Millionen Baht (11.328.425,00 Euro) angeordnet. Diese gehörten dem verstorbenen Gründer und Administrator der Darknet-Webseite AlphaBay, Alexandre Cazes, wie Jumpol Phansamrit, Leiter der Abteilung für auswärtige Angelegenheiten im Büro des Generalstaatsanwalts (OAG), am Montag der Presse mitteilte. Darüber berichtete BangkokPost.

Anordnung zur Beschlagnahme zieht Versteigerung nach sich

Thailändische Behörden bereiten sich darauf vor, Vermögenswerte im Wert von rund 1,6 Milliarden Baht (43.839.151,00 Euro) zu versteigern und aufzuteilen, die sie von der illegalen Handelsplattform AlphaBay beschlagnahmten. Zu dem Besitzstand gehören u.a. ein Lamborghini Aventador LP700-4 im Wert von 45 Millionen Baht (1.232.566,00 Euro), ein Porsche Panamera S im Wert von 10 Millionen Baht (274.363,00 Euro), drei Häuser im Wert von 308 Millionen Baht (8.433.877,00 Euro) und acht Bankkonten mit 46 Millionen Baht (1.259.605,00 Euro).

Jumpol gab an, die thailändischen Behörden hätten zuvor 911 Bitcoins von Cazes beschlagnahmt und an die US-Behörden übergeben. Seine Abteilung wolle jedoch die Bitcoins zurückfordern, damit sie zusammen mit den verbleibenden Vermögenswerten versteigert werden können. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft (OAG) war der Darknet-Market AlphaBay einer der größten seiner Art.

AlphaBay: Mit 40.000 Händler und 200.000 Kunden einer der größten Darknet-Markets

Alexandre Cazes gründete AlphaBay im Jahr 2014. Mit seinen illegalen Aktivitäten war der Darknet-Market über Jahre hinweg sehr gut im Geschäft. Dem FBI zufolge die Plattform zehnmal größer als die Plattform Silk Road. Über 40.000 Händler versorgten weltweit mehr als 200.000 Kunden mit ihren illegalen Waren und Dienstleistungen, wie harte Drogen, darunter Fentanyl und Heroin, Waffen, Juwelen, Falschgeld, gefälschte Ausweispapiere, ausgespähte Kreditkartendaten und Internet-Kundenkonten.

Insgesamt sollen die Portale Hunderttausende Dollar pro Tag umgesetzt haben. Cazes stellte Händlern das Portal AlphaBay als Plattform für ihre illegalen Transaktionen zur Verfügung. Er verdiente infolge durch die eingenommenen Provisionen (zwei bis vier Prozent auf alle Verkäufe) sehr viel Geld. Seit der Gründung von AlphaBay im Dezember 2013 sollen rund eine Milliarde Dollar darüber den Besitzer gewechselt haben.

Am 5. Juli 2017 wurde er zusammen mit seiner Frau Sunisa Thapsuwan in Thailand verhaftet, nach einer internationalen polizeilichen Zusammenarbeit der Behörden aus den USA, Kanada sowie Thailand, wobei die kanadische Polizei die Server in Quebec beschlagnahmte. Eine Woche nach seiner Verhaftung wurde Cazes in einer thailändischen Gefängniszelle tot aufgefunden. Cazes war erst 25 Jahre alt, als er 2017, gemäß Medienberichten, in dem thailändischen Gefängnis Selbstmord beging. Cazes, gebürtiger Kanadier, war bereits seit etwa acht Jahren in Thailand ansässig.

Betreiber verriet sich selbst

Cazes Fehler, der letztlich zu seiner Ergreifung führte, bestand in dem Benutzen der E-Mailadresse pimp_alex_91@hotmail.com. Dies geht aus einer Anklageschrift der US-Staatsanwaltschaft hervor. Die Adresse enthielt seinen realen Vornamen und auch sein tatsächliches Geburtsjahr. Diese Adresse benutzte er ab Ende 2014 in der Willkommensnachricht, die jeder neue Nutzer bekam. Sie stand zu diesem Zeitpunkt zudem in jeder E-Mail zum Zurücksetzen eines Nutzerpassworts.

Die E-Mail-Adresse war außerdem einem PayPal-Konto zugeordnet und damit einem unter Cazes‘ realem Namen registrierten Bankkonto. Sie tauchte zudem in einem Technikforum auf, in dem er vor neun Jahren über die Entfernung eines Computervirus schrieb, auch zusammen mit seinem realen Namen sowie seinem späteren AlphaBay-Nutzernamen: Alpha02.

Unter dem Namen Alexandre Cazes fand die Polizei weiterhin ein LinkedIn-Profil, in dem er sich als Mitarbeiter von EBX Technologies ausgab, einer Tarnfirma über die er Geldwäsche betrieb. Laut dem Dokument gab es noch mehr Beweise, dass hinter pimp_alex_91, EBX und Alpha02 der Kanadier Alexandre Cazes steckte. Der grundsätzliche Fehler war es, seine reale Identität nicht strikt von seiner AlphaBay-Identität zu trennen.

Polizei ging nach Bekanntwerden gezielt vor

Schließlich hat die Polizei das Rechenzentrum ausfindig gemacht, in dem ein AlphaBay-Server stand. Daraufhin erwirkten die Beamten die kurzzeitige Abschaltung des Servers, sodass Cazes gezwungen war, ihn aus der Ferne neu zu starten.

Genau diesen Augenblick nutzte die thailändische Polizei, um in sein Haus zu stürmen. Seinen Laptop fanden sie im Schlafzimmer. Alle Daten waren unverschlüsselt zugänglich, Cazes war zu diesem Zeitpunkt mit dem Nutzernamen Admin sowohl am Server, wie auch im AlphaBay-Forum eingeloggt, um seine Nutzer nach dem Ausfall zu beruhigen. Auf dem Laptop fand die Polizei zudem geöffnete Textdateien mit allen wichtigen Zugangsdaten und Passwörtern für AlphaBay.

Tarnkappe.info


Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.