Hamster auf Strava: Mollie läuft bis zu 10,8 Kilometer pro Nacht. Ein selbstgebauter ESP32-Tracker macht die Leistung des Nagers messbar.
Hinter einem Hamster mit eigenem Strava-Account steckt tatsächlich ein cleveres Technikprojekt. Der niederländische Physiker Thijs de Buck hat seinen Hamster Mollie dazu mit einem selbstgebauten Tracker ausgestattet. Seitdem werden die nächtlichen Laufrunden des kleinen Nagers digital erfasst und automatisch auf Strava veröffentlicht. Mollie läuft bis zu rund 10,8 Kilometer pro Nacht und hat damit sogar eine eigene Strava-Fangemeinde.
Im Ergebnis absolviert der Hamster seine nächtlichen Trainingseinheiten nicht nur, sondern dokumentiert sie auch noch öffentlich. Mollie zeigt mit dem Projekt, wenngleich auch unfreiwillig, dass man für ein digitales Fitnessprofil weder Laufschuhe noch zwei Beine braucht. Ein Laufrad und ein findiger Entwickler reichen dafür völlig aus.
Vom Krypto-Trader zum Ausdauerläufer: Hamster scheinen im Internet erstaunlich vielseitig unterwegs zu sein. Mollie ist damit nicht der erste Hamster, der im Internet für Aufsehen sorgt. Bereits 2021 machte Hamster Mr. Goxx Schlagzeilen, weil er über einen speziell entwickelten Käfig eigenständig mit Kryptowährungen handelte und dabei zeitweise sogar den S&P 500 übertraf.
Hamster läuft bis zu 10,8 Kilometer pro Nacht
Mollie ist bereits zehn Monate alt, bei einem Hamster ein durchaus fortgeschrittenes Alter. Beim Laufpensum könnte man allerdings meinen, Mollie stecke mitten in der Vorbereitung auf ihren nächsten Marathon. Laut de Buck kommt der Hamster im Schnitt auf knapp zehn Kilometer pro Nacht. In der ersten Woche erreichte er sogar eine persönliche Bestmarke von 10,8 Kilometern.
Wie Thijs de Buck, der auf Reddit unter dem Namen Nogniks aktiv ist, im Subreddit r/SideProject berichtet, standen bei einer aufgezeichneten Einheit 6,06 Meilen, also knapp 9,8 Kilometer, nach 4 Stunden und 37 Minuten auf dem digitalen Trainingskonto. In einer weiteren Nacht kamen 5,55 Meilen beziehungsweise rund 8,9 Kilometer in 3 Stunden und 56 Minuten zusammen. Damit dürfte der kleine Läufer so manchen menschlichen Strava-Nutzer ziemlich alt aussehen lassen.
Dazu hat Mollie auch einen erstaunlich regelmäßigen Trainingsrhythmus. Über einen Zeitraum von sieben Tagen begann er an fünf Abenden von nur zehn Minuten mit seinem nächtlichen Laufprogramm, innerhalb eines jeweiligen Zeitfensters zwischen 21:54 und 22:04 Uhr.
Vom Fahrradcomputer zum ESP32
Bemerkenswert an dem Projekt ist hier der Do it yourself-Aspekt. Hall-Sensor, Magnet, ESP32, Datenaufzeichnung, Python-Skript, FIT-Datei und Strava-API greifen dabei ineinander. Die Idee dazu entstand zunächst aus der Frage: Wie weit läuft ein Hamster eigentlich auf seinem Laufrad, wenn nachts niemand zusieht?
De Buck griff dafür zunächst zu einem günstigen Fahrradcomputer. Ein Magnet am Laufrad und ein Sensor registrieren die Umdrehungen und ermöglichen dadurch eine Berechnung der zurückgelegten Strecke. Allerdings hatte die Lösung einen Nachteil. Der Fahrradcomputer wechselte nach mehr als fünf Minuten ohne Bewegung in den Standby-Modus. Machte Mollie mitten in der Nacht eine längere Pause, konnte danach niemand mehr nachvollziehen, wie weit der Nager insgesamt gelaufen war.
Für den Physiker ging dieses Ergebnis folglich nicht weit genug. Aus dem einfachen Distanzmesser wurde im zuge einer Weiterentwicklung ein ausgefeilteres DIY-Projekt.
Hamster Mollie mit eigenem Fitness-Tracker
Die technische Lösung basiert schließlich auf einem ESP32, einem kleinen programmierbaren Mikrocontroller. Ein Magnet am Laufrad passiert bei jeder Umdrehung einen Hall-Sensor. Dieser erkennt die Bewegung und liefert die Grundlage für die Aufzeichnung von Geschwindigkeit und Distanz. Der Mikrocontroller sammelt die Messwerte während der gesamten Nacht. Am nächsten Morgen übernimmt ein Skript auf dem Laptop die weitere Arbeit. Die aufgezeichneten Daten werden in eine für Strava geeignete FIT-Datei umgewandelt und über die Strava-API hochgeladen. Damit erhält der Hamster im Grunde das gleiche digitale Trainingsprotokoll wie ein menschlicher Läufer, inklusive Distanz, Zeit und Tempo.
Das Projekt geht sogar noch darüber hinaus. Eine kleine OLED-Anzeige zeigt Mollies aktuelle Geschwindigkeit an. Zudem hat de Buck eine Funktion für automatische persönliche Bestleistungen integriert. Mehr als 100 unterschiedliche Namen für die Läufe stehen ebenfalls zur Verfügung. Wie RunnersWorld berichtet, befinden sich darunter passend zum ungewöhnlichen Athleten Wortspiele wie „The Fast and the Furriest“ oder „No Rest for the Whiskered“.
Mollie hat sogar Strava Premium
Wenn schon ein eigener Strava-Account vorhanden ist, dann soll dieser auch richtig genutzt werden. Die automatische Übertragung der Trainingsdaten erforderte einen kostenpflichtigen Strava-Account. In der Konsequenz hat Mollie nun Strava Premium. Damit dürfte der Hamster zu den ungewöhnlichsten Strava-Nutzern überhaupt gehören.
Das Publikum ließ zumindest auch nicht lange auf sich warten. Innerhalb nur einer Woche sammelte Mollies Strava-Profil laut de Buck mehr als 1.200 Kudos und über 600 Follower. Sogar an Strava-Challenges nimmt der kleine Ausdauerläufer teil. Eine 400-Minuten-Challenge soll Mollie bereits am zweiten Tag abgeschlossen haben.
Der Hamster könnte bald seinen Besitzer schlagen
Thijs de Buck ist selbst Läufer. Er hat eine Vorliebe dafür, beim Training möglichst viele Leistungsdaten zu erfassen. Damit ist für den Physiker das Projekt selbst mehr als nur ein Internet-Gag.
Während einer kleineren Verletzung hatte er zudem etwas zusätzliche Zeit übrig, um sich mit dem ungewöhnlichen Tracker-Projekt ‚Hamster auf Strava‘ zu beschäftigen. Nun könnte sich daraus ein durchaus ernst gemeinter Wettkampf entwickeln. De Buck möchte nach seiner Rückkehr zum regulären Training versuchen, mit Mollies Wochenleistung mitzuhalten. Rund 70 Kilometer pro Woche wären für ihn dafür nötig.
Der kleine Vierbeiner macht es seinem Besitzer dabei nicht gerade immer leicht. Mollie läuft in kurzen Etappen und erreicht auf der Live-Anzeige zeitweise etwa vier bis fünf Kilometer pro Stunde. Zwischendurch gibt es natürlich Pausen. Schließlich muss auch ein Hochleistungshamster ausreichend trinken.
Hamster auf Strava: Bald bekommt Mollie sogar Marathon-Prognosen
Das nächste technische Zwischenziel für das Projekt ‚Hamster auf Strava‘ ist bereits absehbar. Nach seinem 20. Lauf soll Strava damit beginnen, Rennprognosen für Mollie bereitzustellen. De Buck ist entsprechend gespannt darauf, welche Zeiten die Plattform dem Hamster für einen 5-Kilometer-Lauf oder sogar einen Marathon zutraut. Zudem darf man gespannt darauf sein, ob der Nager irgendwann auch seinen Besitzer statistisch überholt.
Aus einem einfachen Laufrad ist damit ein kleines Internet-of-Things-Projekt geworden. Magnet, Hall-Sensor und ESP32 erfassen die Bewegung, Software verarbeitet die Messwerte und die Strava-API übernimmt anschließend die Veröffentlichung.
Wer Mollies Trainingsfortschritte selbst verfolgen möchte, findet den kleinen Ausdauerläufer mit eigenem Profil natürlich auf Strava. Die Aktivitäten sind allerdings nur nach Anmeldung sichtbar.


















