RTB: Die größte jemals dokumentierte Datenschutzverletzung

Mit Real-Time-Bidding (RTB) für Tracking und personalisiertes Ad-Targeting, verdienen viele Firmen jedes Jahr Milliarden mit unseren Daten.

RTB (Real-Time-Bidding) für Tracking und personalisiertes Ad-Targetini, ist weltweit für viele Firmen ein Milliarden-Geschäft. Aber um zu funktionieren, braucht es Daten. Unsere Daten. Und zwar so viele und so oft wie möglich.

Der irische Rat für bürgerliche Freiheiten (ICCL) hat sich ausführlich mit dem Thema befasst und sowohl interessantes als auch erschreckendes herausgefunden.

Egal ob unsere genauen Standortdaten oder unser tägliches Surfverhalten im Netz. Alleine hier in Europa werden diese Daten täglich insgesamt 197 Milliarden Mal an die meist bietenden Datenbroker in aller Welt verkauft. Darunter auch Firmen in Russland oder China.

In Europa werden unsere Daten 376 Mal pro Tag und Kopf an RTB-Firmen preisgegeben

Tägliche RTB-Datenabfragen in Europa
Tägliche RTB-Datenabfragen in Europa. Quelle: ICCL (2022)

Jede Minute, in der wir online sind, werden unsere Daten erfasst. Möglichst genaue Daten bringen natürlich am meisten Geld bei den Auktionen. Gerade unsere Standortdaten sind daher für RTB besonders wertvoll.

Selbiges gilt aber natürlich auch für unser Surfverhalten im Netz sowie Vorlieben bei Online-Einkäufen usw. Die ICCL ermittelte, dass alleine in Deutschland RTB-Firmen, insgesamt 30,8 Mrd. Datenabfragen tätigen. Damit liegt Deutschland in der EU auf dem zweiten Platz.

Google führt erwartungsgemäß das Ranking der Datenkraken

Die größten RTB-Datenkraken
Die größten RTB-Datenkraken. Quelle: ICCL (2022)

Dass sich diese Menge an Daten nicht von alleine sammelt, ist klar. Und daher kommen alleine von unserem Lieblingsdatenkraken 19,6 Millionen Übertragungen über das minutiös aufgezeichnete Online-Verhalten deutscher Internetnutzer.

Alleine Google verkauft unsere Daten mittels RTB an über tausend Firmen hier in Europa. Die ICCL hebt in ihrer Veröffentlichung allerdings hervor, dass unsere Daten auch nach Russland oder China verkauft werden. Was dort dann mit unseren Daten passiert oder wozu sie verwendet werden, kann niemand mit Sicherheit nachvollziehen.

Die privaten Daten europäischer und amerikanischer Internetnutzer werden an Firmen in der ganzen Welt geschickt, auch nach Russland und China, ohne dass kontrolliert werden kann, was dann mit den Daten geschieht.

ICCL

Wie ich finde, ist auch der Anteil von Microsoft an diesem Handel mit unseren Daten sehr interessant. Den Einstieg ins große Geschäft mit unseren Daten schaffte Microsoft demnach im Dezember 2021 mit dem Kauf der RTB-Firma „Xandr“ von AT&T.

Datenschutz- und Sicherheitsbedenken gibt es schon seit Jahren

Und das nicht nur hier in Europa. In den USA ist die Datensammelwut sogar noch größer als hier bei uns. Dort ist die Gesetzeslage allerdings auch nicht so streng wie anderswo.

Aber halt: bei uns sind die Gesetze doch superstreng. Sollte es hier in Europa nicht Gesetze geben, die einen solchen systematischen, gigantischen und zudem sehr lukrativen Missbrauch unserer Daten verhindern können?

Tarnkappe.info


Über

Sunny schreibt seit 2019 für die Tarnkappe. Dort verfasst er die Lesetipps und berichtet am liebsten über Themen wie Datenschutz, Hacking und Sharehoster. Aber auch in unserer monatlichen Glosse, bei den Interviews und in „Unter dem Radar“ – dem Podcast von Tarnkappe.info, ist er immer wieder anzutreffen.