SIM-Swap-Bande aufgeflogen: Vier Verdächtige festgenommen. FBI und HSI unterstützten die Ermittlungen der polnischen Behörden.
Polnische Ermittler haben eine mutmaßlich international agierende SIM-Swap-Bande ausgehoben. Unterstützt wurden sie bei ihrer Aktion von Agenten des FBI sowie von der Homeland Security Investigations (HSI). Die Beschuldigten sollen durch gezielte Cyberangriffe Kryptowährungen gestohlen und einen zweistelligen Millionenbetrag in Złoty gewaschen haben.
Internationale Ermittlungen gegen mutmaßliche SIM-Swap-Täter
Eine mutmaßlich von Polen aus operierende Bande von Cyberkriminellen nutzte kompromittierte E-Mail-Konten, Social Engineering und SIM-Swapping zur Übernahme der Mobilfunknummern ihrer Opfer, um Kryptovermögen in Millionenhöhe für sich zu vereinnahmen. Wie das Zentrale Büro zur Bekämpfung von Cyberkriminalität (CBZC) in einer Pressemitteilung vom 25.06.2026 mitteilte, haben Ermittler dem Netzwerk einen schweren Schlag versetzt.
Nach Angaben des CBZC richteten sich die Ermittlungen gegen eine organisierte Tätergruppe, die sich auf komplexe Cyberangriffe, den Diebstahl digitaler Vermögenswerte und umfangreiche Geldwäsche spezialisiert haben soll. Den Beschuldigten werden unter anderem Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Computerdiebstahl durch unbefugtes Eindringen in IT-Systeme sowie Geldwäsche vorgeworfen. Vier Verdächtige sitzen nun in Untersuchungshaft. Im Falle einer Verurteilung drohen den Tätern Freiheitsstrafen von bis zu 25 Jahren. Die Ermittlungen unter Leitung der Regionalstaatsanwaltschaft in Krakau dauern an, weitere Maßnahmen sind damit nicht ausgeschlossen.
SIM-Swap-Bande in Aktion: Vom E-Mail-Hack zum Kryptodiebstahl
Beim SIM-Swapping übernehmen Cyberkriminelle die Kontrolle über die Mobilfunknummer ihrer Opfer. Dabei aktivieren sie eine Ersatz-SIM oder lassen die Mobilfunknummer auf eine von ihnen kontrollierte SIM-Karte übertragen. Gelingt dies, landen SMS mit Einmalcodes (OTPs) oder Sicherheitsbenachrichtigungen nicht mehr beim eigentlichen Besitzer, sondern direkt bei den Tätern. Zuvor erlangte Zugangsdaten oder kompromittierten E-Mail-Konten ermöglichen es, Passwörter zurückzusetzen, SMS-basierte Zwei-Faktor-Authentifizierungen zu umgehen und anschließend Online-Konten zu übernehmen. Betroffen von der Masche sind unter anderem Kryptobörsen, E-Mail-Dienste oder Online-Banking-Angebote. Solange Börsen und andere Onlinedienste SMS als Sicherheitsmerkmal oder zur Kontowiederherstellung akzeptieren, bleibt die Übernahme einer Mobilfunknummer ein wirkungsvolles Einfallstor.

Im vorliegenden Fall verschafften sich die Angreifer nach bisherigen Erkenntnissen entsprechend mithilfe spezialisierter Software und gezielter Social-Engineering-Angriffe Zugang zu IT-Systemen von Unternehmen, die mit Telekommunikationsanbietern zusammenarbeiten. Zudem kompromittierten sie dienstliche E-Mail-Konten von Mitarbeitern.
Die erlangten Informationen nutzten die mutmaßlichen SIM-Swap-Angreifer, um Mobilfunknummern ihrer Opfer zu übernehmen oder auf neue SIM-Karten umzuleiten. Mit vollständiger Kontrolle über SMS und E-Mails, können sie Passwörter zurücksetzen sowie Zwei-Faktor-Authentifizierungen umgehen. Daraufhin erlangen sie dann Zugriff auf die Online-Konten ihrer Opfer. Insbesondere hatten es die Täter auf Konten bei Kryptobörsen abgesehen. Nach erfolgreicher Kontoübernahme transferierten sie die dort verwahrten Kryptowährungen auf eigene Wallets.
Millionen aus Kryptodiebstählen gewaschen
Laut CBZC beließen es die Beschuldigten jedoch nicht beim Diebstahl der Kryptowährungen. Die entwendeten Vermögenswerte sollen anschließend über ein weit verzweigtes Netzwerk aus privaten Bankkonten im In- und Ausland, internationalen Zahlungsplattformen sowie Multiwährungs-Wallets verschleiert worden sein.
Die Ermittler gehen davon aus, dass auf diese Weise Finanzmittel im Wert von mehreren Millionen Złoty in den legalen Wirtschaftskreislauf eingeschleust wurden. Nach Angaben der Behörden handelte es sich dabei um ein dauerhaft betriebenes Geschäftsmodell und nicht um einzelne Gelegenheitsdelikte. Das Zentrale Büro zur Bekämpfung von Cyberkriminalität verdeutlicht:
„Die gestohlenen Vermögenswerte wurden über ein weit verzweigtes Finanznetzwerk umgehend in den legalen Geldkreislauf eingeschleust. Die Täter nutzten dafür zahlreiche persönliche Bankkonten im In- und Ausland, internationale Zahlungsplattformen sowie digitale Wallets für mehrere Währungen und machten diese Straftaten zu einer dauerhaften Einnahmequelle.“
ZachXBT bringt „Merry“ ins Spiel
Offiziell haben die polnischen Behörden weder Namen noch Fotos der Festgenommenen veröffentlicht. Aufgrund des laufenden SIM-Swapping-Ermittlungsverfahrens halten sich Polizei und Staatsanwaltschaft mit weiteren Informationen bewusst zurück.
Blockchain-Ermittler ZachXBT wartete allerdings mit einer Zusatzinformation auf. Auf seinem Telegram-Kanal erklärte er, einer der Festgenommenen sei nach seiner Einschätzung Wojtek Kulisz, der unter dem Alias „Merry“ in der Kryptoszene bekannt sei. Als Begründung verweist ZachXBT auf Kleidung und Schmuckstücke, die sowohl auf Fotos aus dem Polizeieinsatz als auch auf dem öffentlichen Instagram-Profil des Verdächtigen zu sehen seien.
Eine behördliche Bestätigung für diese Identifizierung gibt es bisher dafür nicht. Somit bleibt diese Zuordnung zum jetzigen Zeitpunkt eine von ZachXBT geäußerte Einschätzung und kein offiziell bestätigter Sachverhalt.

















