NSO Group entwickelt Corona-Handytracking-Software

Covid-19

Das israelische Tech-Unternehmen NSO Group hat ein neues Produkt entwickelt, mit dem man die Ausbreitung des Coronavirus verfolgen kann. Mittels der Software lassen sich riesige Datenmengen analysieren, um Menschenbewegungen nachzuvollziehen. So ließe sich feststellen, wer mit Infizierten in Kontakt gekommen ist. Diese Informationen dienen dazu, um die Ausbreitung der Infektionen zu stoppen. Wie Bloomberg berichtet, würden rund ein Dutzend Staaten das Programm bereits testen.

NSO Group Technologies ist ein israelisches Technologieunternehmen mit Sitz in Herzliya in der Nähe von Tel Aviv. Das Unternehmen entwickelt vorwiegend Software und Überwachungstechnologie, so auch die Spyware Pegasus. Diese gestattet eine Fernüberwachung von Smartphones, wobei es Pegasus nicht nur für für Android, sondern auch für iOS gibt. Berichten zufolge hat man die von der NSO Group erstellte Software bei gezielten Angriffen gegen Menschenrechtsaktivisten und Journalisten in verschiedenen Ländern eingesetzt. So auch, um den Journalisten Jamal Khashoggi auszuspionieren, bevor dieser ermordet wurde.


NSO Group: neues Produkt für eine rein zivile Nutzung

Aktuell richtet sich das Unternehmen mit ihrem neuen Software-Angebot an Regierungen. Absatz soll es bei nationalen Gesundheitsministerien finden. Offenbar nutzt NSO Group die aktuelle Situation nun dazu, ihre Marktposition auszubauen. Zwar ist das neue Produkt auf eine zivile Nutzung ausgerichtet. Dennoch stimmt die Entwicklung bedenklich, besonders im Hinblick darauf, dass sie seit Jahren Staaten mit Spionagesoftware beliefern und dafür regelmäßig unter Kritik standen.

Durch Erfassen von Bewegungsdaten Infizierter will man Corona-Ausbreitung stoppen

nso group logo

NSO Group Logo. Quelle nsogroup.com

Das neue Programm gestattet es, Bewegungsdaten von Personen zu erfassen, die man positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getesteten hat oder die bereits an Covid-19 erkrankten. Deren Bewegungen verfolgt man dann 14 Tage lang, der Inkubationszeit des Virus entsprechend. Diese Daten werden infolge mit den von nationalen Mobilfunkunternehmen zur Verfügung gestellten Informationen abgeglichen. Damit will man alle Menschen, die mit den Infizierten länger als 15 Minuten in engem Kontakt standen und somit für eine Ansteckung infrage kommen könnten, erkennen.

An diese Personen wird eine SMS versandt, wobei die Identität der Betroffenen den Behörden angeblich nicht zugänglich gemacht werden soll. Nur wenn man Bürger positiv auf das Virus testet und diese es gestatten, können Beamte deren SIM-Karten mit ihrer Identität verknüpfen. Mit dieser Maßnahme will man die weitere Corona-Ausbreitung stoppen.

In Israel hat die Regierung der Verwendung einer ähnlichen Tracking-Technologie zur Corona-Bekämpfung bereits zugestimmt. Auch hier werden die Bewegungen von Coronavirus-Patienten und Menschen, denen sie begegnet sind, nachvollzogen. Der Schritt hat sich als kontrovers erwiesen. Kritiker sagen, er stelle eine Verletzung der Privatsphäre der israelischen Bürger dar.

Tarnkappe.info

Beitragsbild von Martin Sanchez thx! (Unsplash Lizenz)

Ich bin bereits seit Januar 2016 Tarnkappen-Autor. Eingestiegen bin ich zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibe ich bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, greife aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Meine Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.


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