[Meinung] Wer ist ‚Spiegelbest‘?

Article by · 24. Juni 2014 ·

Spiegelbest Buch
Auf der diesjährigen Electric Book Fair hat ‚Spiegelbest‘ wieder eine kleine Rolle spielen dürfen – jedenfalls in der Nachbesprechung. Nicht wie in alten Zeiten, aber immerhin so weit, dass ich mich gefragt habe, was nun eigentlich ‚Spiegelbest‘ ausgemacht hat. Irgendwie habe ich seit längerem das Gefühl, dass alles gesagt ist. Jedenfalls denen gesagt, die bereit sind zuzuhören. Aus diesem Grund habe ich auch kürzlich einen eigenen Blog aufgegeben.

Was also macht ‚Spiegelbest‘ aus?

Für viele Autoren und Verlage ist dieser Nick zum Inbegriff des deutschen Buchpiraten geworden. Darin liegt ein gründliches Missverständnis. Ich habe die Buchpiraterei nicht erfunden und nicht geprägt, sondern nur – einzig und allein – öffentlich gemacht. Der auf Tarnkappe bald interviewte Sumselbär ist mit Sicherheit mehr Buchpirat als ich. Der Unterschied zwischen uns dürfte nicht schwer heraus zu lesen sein.

Bekannt geworden bin ich jedenfalls erst, als ich einen eigenen Blog angefangen habe – vor Jahren auf dem berüchtigten Heihachi.net. Über die Beachtung in der Szene ist der Blog damals nicht hinausgekommen, hat aber für heftige interne Diskussionen gesorgt und meinen Nick szeneweit bekannt gemacht. Es herrschte die einhellige Meinung, dass Buchpiraten sich schwächen, wenn sie sich öffentlich machen. Ich wurde durchaus als Verräter angesehen.

Dazu muss ich sagen, dass ich nicht in der Szene groß geworden bin, sondern von außen hinzu gestoßen bin. Ich habe mich damals an Legenden wie Lüdegast von der Boerse.bz orientiert, blieb aber immer Einzelgänger. Ich war eigentlich nie bereit, die Buchpiraterie als etwas Verbotenes zu begreifen und danach zu handeln.

Jetzt mag manchem der Atem stocken. Aber, Leute, fragt mal einen Steuerhinterzieher, einen Schwarzarbeiter, einen leistungsscheuen Beamten, einen korrupten Landrat, ob er sich als grundsätzlich kriminell begreift. Sie werden einhellig sagen: ‚Wir reden nicht darüber, aber jeder weiß doch, wie es läuft.‚ So denken auch Buchpiraten!

Und genau dies macht den Unterschied aus: Ich rede darüber, obwohl alle Beteiligten tunlichst den Mund halten! Insofern bin ich ein echter Glücksfall für die Autoren und die Verlage! (Dies meine ich ehrlich und ohne jede Ironie.) Was wüssten denn die Beteiligten von der Buchpiraterie, wenn ich in Blogs und Interviews nicht darüber geschrieben hätte!?

Ich darf mal daran erinnern, dass das damalige Torboox keinerlei Angaben zu den Nutzerzahlen gemacht hat. Wir haben schön Statistik geführt, aber nur für den internen Gebrauch. Es war meine Idee, die Statistik öffentlich zu machen. Wir haben uns darauf geeinigt, nur die Downloadzahlen publik zu machen, diese aber dauerhaft und damit aussagekräftig.

Ich sehe tatsächlich niemanden bei uns Buchpiraten, dem die Bekanntgabe unserer Zahlen genutzt hat. Die Zahlen waren ein Geschenk an unsere Gegner. Von mir. Der Gegner sollte in die Lage versetzt werden, die Wirklichkeit bei den Ebooks zu begreifen. Natürlich war es eine Provokation und ein Schock. Ebenso aber war es eine gut gemeinte Warnung und eine Aufforderung, sich endlich Gedanken zu machen.

Buchhandlung Berlin

Ich habe ihnen gesagt: ‚Stellt euch einen Moment lang vor, die Buchpiraterie wäre legal! Denkt einen winzigen Moment lang nach, wie ihr euch dann aufstellen müsstet!‘

Eine Sache kann endlos lang und ohne Einschränkung existieren, obwohl sie verboten ist. Zweierlei kann am Ende geschehen: Die Existenz entfällt, weil das Verbot durchgesetzt wird. Oder das Verbot entfällt. Es gibt zwei Möglichkeiten, nicht eine.

Den Autoren und Verlagen jedenfalls machen die Ebooks gutbegründet Angst. Ich war der Bote des Unheils und werde deshalb gehasst. Das muss ich wohl akzeptieren …

Die Nachbesprechung der Diskussionsveranstaltung auf der Electric Book Fair ist hier verfügbar.

Bild oben: Shutterstock – Foto unten: Lars Sobiraj.

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11 Comments

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    Humoristwennmanstrotzdemmacht


    Und genau dies macht den Unterschied aus: Ich rede darüber, obwohl alle Beteiligten tunlichst den Mund halten! Insofern bin ich ein echter Glücksfall für die Autoren und die Verlage! (Dies meine ich ehrlich und ohne jede Ironie.) Was wüssten denn die Beteiligten von der Buchpiraterie, wenn ich in Blogs und Interviews nicht darüber geschrieben hätte!?

    = Das Problem an der Sache. Du warst nie wirklich ein Mitglied der Szene, bestenfalls ein Mitläufer der zu wissen wusste wie man aus der Arbeit anderer Menschen finanzielles Kapital schlagen kann. Der nun genug Geld angehäuft hat um sich gönnerisch auf den Posten des Mahners und Trivialschreiberlings zurückzuziehen.

    Quizfrage = Wieviele Bücher hättest du illegal verkaufen können ohne die frei verfügbaren und nicht von dir stammenden Scripte zu Adobe und Kindle? Antwort? Keines! Weil dir die Fähigkeiten dazu fehlen! Genau darum bist du kein Macher, sondern nur ein Schmock!

    Im Übrigen ist das Wort Pirat eine Beleidigung und niemand der sich mit der Materie auskennt würde sich ernsthaft freiwillig selbst als Solchen bezeichnen wollen. Somit erkennt man schon alleine daran das du dir den Titel gerne gibst, dass Du nicht dazugehörst.

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      Ich hatte vergessen zu schreiben, dass ich mich immer mit den Nebentrollen der Boerse.bz angelegt habe. Hallo, Distelchen, mein Guter!

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        Humoristwennmanstrotzdemmacht


        Deine Fähigkeiten zur Erkennung anonymer Identitäten war noch nie sonderlich ausgeprägt. Wir kennen uns natürlich allerdings liegst du mit deiner Vermutung völlig schief. Ich bin der Typ der deine echte Identität kennt aber ich bin nicht stachelig das hättest Du sonst schon bemerkt.

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        Distel


        Ach Spieglein, mein Gutester! Der liest hier nur amüsiert und kopfschüttelnd mit….
        Wir wissen doch beide, dass du ein Schaumschläger bist. Der sich als Kleinkrimineller immer wieder am Geld seiner gläubigen Jünger bereichert. Erzähle uns doch einmal wie viele eBooks du tatsächlich gekauft hast.

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          OnkelEinarr


          tzztzztzz -.- Da scheinen immer wieder die selben Personen, sei es von der böerse.bz oder von ex boox.to, Kritik zu äußern.. nur worin besteht diese?
          Das einige des Geldes wegen sich mit Büchern beschäftigen – wie mit allen elektronischen Medien – leuchtet ein.. aber was ist daran in irgend einer weise „ehrenhaft“? Es ist eine Realität die man unbewertet im Raume existieren läst wie Nutten, Dealer und Stricher.
          Eine Unfreie Gesellschaft bringt diese Begleiterscheinungen.
          Wer entscheidet wer wirklich zur einer „Szene“ gehört, wer welche Selbstbezeichnung gewählt wird oder ob die umgangssprachliche unternommen werden darf. Ich habe da das Gefühl das es einen Konsenz gibt das man einer anderen Krähe kein Auge aus hackt, solange eine Krähe nicht das Nest beschmutzt und sich für die tatsächliche Befreiung ohne Finanzielle Forderungen einsetzt.
          Genau das tat und tut Spiegelbest & co..
          Unter „ebookspender.me“ kann man immer noch täglich erleben, das es hier um gemeinsames Einkaufen und Teilen geht, ohne finanzielle Hintergedanken.
          Ich kenne eure Identitäten nicht, aber klagende Nutten sollten „einpacken“ in einer Straße wo die „freie liebe“ praktiziert wird!

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            Distel


            Unter “ebookspender.me” kann man immer noch täglich erleben, das es hier um gemeinsames Einkaufen und Teilen geht, ohne finanzielle Hintergedanken.

            Träumer oder Trottel!!

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            OnkelEinarr


            Weder noch sie stachelige Nutte.

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    Am besten gefiel mir die Situation, als ich bei einem größeren Verlag um das dringende Presseexemplar eines Bestsellers bat. Der Verlag konnte das Printmedium nicht mehr so schnell liefern, wie ich es benötigte und war auch nicht in der Lage, mir ein eBook zur Verfügung zu stellen – sondern verwies stattdessen (mit vernehmbar gedämpfter Stimme) auf boox.to.
    So lernte ich diese Seite kennen …

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      Humoristwennmanstrotzdemmacht


      Der Name des Verlages lautet?

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    Ich dachte auch Spiegelbest spielt eine grössere Rolle als erste breitere Stimme abseits der Szene hierzu quasi. Wir halten ja deine Interviews und vor allem auch das Interview Buch jetzt schon als Klassiker zu dem Thema. Leider wurde Lars die Zeit dazu etwas gestohlen obwohl wir in Erwartung auf mehr unsere Dinger in ca 7 Minuten herunterspulten.

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      Ja, ich hätte auch gerne weiter ausgeholt. Leider war dann sehr schnell die Zeit vorbei. Bei meinem nächsten Besuch in Wien komme ich gerne auf einen Kaffee oder zwei vorbei und wir holen das vor Ort nach.


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