Illegale Menschen, illegale Dateien – Kommentar von Spiegelbest

illegale, haus am See
Foto Todd Quackenbush, thx!

Illegale Menschen, illegale Dateien? Ein Kommentar von Watchdog aka Spiegelbest. Wir sind stolz auf unser Internet. Es ist vorurteilsfrei, es ist offen, es ist frei. Viele von uns würden sagen, dass im Netz andere Regeln gelten. Solidarische. Manche würden sagen, dass keine Regeln gelten. Anarchie. Alle würden wir sagen, dass unser Internet kein Abbild der nationalen Gesellschaften ist. Jeder kann sich bewegen, wie er will. Jeder kann sein, was er will. Schranken, Grenzen, Unterschiede gibt es nicht. Doch stimmt das?

Arm und reich, alle gleich?

Wir tun so, als wären wir alle gleich, wenn wir digital unterwegs sind. Ein Internet für alle. Wir sind alle reich und alle arm. Wir sind alle deutsch und alle zugewandert. Oder nichts von keinem. Wir wollen den Gegenüber uns nicht gegenüber sehen. Nein, wir wollen nicht wissen, was uns unterscheidet. Wir halten unser Netz schön flach im Wasser. So sind wir alle mitteilsam und stumm. In einem Netz, das ein Lügennetz ist.

Und doch sind die einen von uns reich. Und die anderen sind arm. Es macht eben doch einen Unterschied, ob ich mir eine Datei illegal beschaffe, weil ich arm bin. Oder ob ich sie mir illegal beschaffe, weil Diebstahl nicht geahndet wird. Und es macht einen Unterschied für die Uploader, für wen sie die Dateien zur Verfügung stellen. Dem einen verschaffen sie Zugang zur Gesellschaft, dem anderen Überfluss im Überfluss.

Der Unterschied mag Uploadern und Downloadern nicht der Rede wert sein. Er existiert aber. Wir sind eben nicht gleich im Netz. Dies ist eine große Lüge mit Gewohnheitsrecht. Wir haben uns in einer hübschen Scheinwelt eingerichtet. Wir reden nur noch darüber, auf welche Weise wir uns die Freiheitsrechte beschaffen, nicht mehr darüber, wofür wir kämpfen. Die Freiheitsrechte sind dem einen Luxus. Dem anderen bedeuten sie Existenz. Das wäre ein Unterschied, den wir uns lieber mit dem Rücken ansehen.


Ein Besitzrecht gibt es nicht, oder doch?

Und damit ist das Netz ein kleines billiges Abbild unserer Gesellschaft. Zugegeben, ein Besitzrecht an digitalen Gütern gibt es praktisch nicht. Mit dieser Ausnahme aber wäre alles gleich. Habt ihr mal eine Rezensionen eurer sozialen Wirklichkeit geschrieben? Oder geht es im Netz irgendwo um illegale Menschen statt um illegale Dateien? Warum also sind wir stolz, Netzbürger zu sein? Stolz worauf? Wir sind aktive und passive Gelegenheitsdiebe. Keiner von uns ist ein Robin Hood.

Das Internet ist Filesharing und Pornos, sagen manche. Wenn das so ist, haben wir ein Instrument an die Hand bekommen, dass wir unfertig nutzen. Lasst uns darüber reden, welche Möglichkeiten wir haben. Vergessen wir die 24/7-Junkies und fragen wir uns, was wir mit unserem Netz anfangen können. Wir haben ein Instrument an der Hand, alles und jeden sichtbar zu machen. Warum nutzen wir es nur zum Diebstahl? Flüchtlinge aus der ganze Welt kommen zu uns. Wie kann es sein, dass sie nicht in unserem Netz ankommen?

Wenn Tarnkappe.info bedeutet, dass über die sichtverborgenen Seiten des Internets – vom Filesharing bis zur Überwachung – berichtet wird, warum nicht hier an diesem Sammelplatz eine fehlende Ebene an die Oberfläche des Internets ziehen?

Tarnkappe.info

11 Kommentare

  1. VanityBackfires sagt:

    Ok ich hab den Text jetzt dreimal gelesen, und ich habe nur eine vage Ahnung, was der Autor eigentlich sagen will. Soll ich mich jetzt schlecht fühlen, wenn ich Files share, aber mich nicht für Flüchtlinge einsetze? Hä? Das grenzt ja wohl ganz hart an Gutmenschenrethorik.

    Aber offenbar schließt hier der Autor von sich auf andere. Lieber Watchdog, Sie haben keine Ahnung, wozu andere Menschen das Netz nutzen. Das Netz hilft dabei mit, die Geschichten von Flüchtlingen zu verbreiten, Spenden zu sammeln, Leute zu organisieren etc.

    Auch keine Ahnung haben Sie von Filesharing (oder, wie Sie es unzutreffend bezeichnen, „Diebstahl“) – denn es geht hier eben nicht (nur) um die zwei Optionen, die Sie genannt haben, nein – Filesharing ist mehr als das. Was glauben Sie, warum Uploader jeden Tag Stunden opfern, um Dateien in die Welt zu schicken, ohne je einen Cent dafür zu bekommen?

    Filesharing ist ein Prinzip, es ist die uralte Idee des Teilens, es geht nicht um Geld, es geht nicht um den Content, es geht um das Teilen an sich, das ist es, was Filesharer antreibt, nicht, weil sie zu arm oder zu faul sind, sich irgendeinen Film zu kaufen, es geht um Teilen.

    Und diese Welt kann nur besser werden, wenn mehr Menschen die Praxis des Teilens zu schätzen wissen – und dafür steht Filesharing, für die Möglichkeit einer besseren Welt.

  2. spongshga sagt:

    Oje jetzt wird es Philosophisch und spirituell, sodass ich mich garnicht auf solch eine Illussion konzentrieren kann, sondern es mal aus einem umfassernen standpunkt beschreibe.
    Die Grundlegende Wahrheit ist ich weiß das ich nichts weiß!
    Also nichts gehört niemanden oder allen gehört alles, wie man es sieht es ist widersprüchlich und doch gibt es dafür keine Trennung! Also gelten nur Naturgesetze!
    Die wenigen Regeln die wir (Kollektiv) uns gesetzt haben wie Moral etc. dienen dazu um miteinander auszukommen und uns orientieren zu können. Weiter darüber hinaus ist Krankhaft und verrückt und in dieser Welt leben wir nun.
    Ich denke es kommt darauf an aus welchem Blickwinkel man das ganze betrachtet.
    Fakt ist das die Mehrheit (kollektiv) der Menschen nicht selbst denken.
    Es ist schwierig Quellen zu kommen die nicht überwacht oder beeinflusst werden, Fakt ist wenn man es will schafft man es auch und ich denke jeder von uns KANN ein Held sein.
    Ich finde den Beitrag gut und regt mal zum Nachdenken an.

    In diesem sinne „Im Namen der Tolleranz sollten wir die Intoleranz nicht tollerieren!“

  3. Lars Sobiraj sagt:

    Klar, die Flüchtlingen sind bei Google News angekommen. Alles kommt bei Google News an: Alzheimer, Fußball, Smartwatches. Und Flüchtlinge auch – logisch! Die Frage ist doch, ob das Thema auch bei uns im Netz angekommen ist. Kennst du ein gut oder schlecht besuchtes Forum, wo das Thema eine Rolle spielt? Oder einen Blog, der nicht im völligen Nirwana siedelt?

    Ich finde, wir sollten das Spektrum der Themen, für die wir uns im Netz interessieren, mal generalüberholen. Watchdog macht hier bei der Tarnkappe eben einen Anfang.

    • russlandbuecher sagt:

      Flüchtlinge und illegale Einwanderer finden sich in jedem Forum, dass zum Beispiel heißen mag „Deutschland-Marokko“ oder „Marokkaner in Deutschland“ usw. Wobei Marokko nur als Beispiel gedacht ist.
      Dafür benötigt man allerdings Fremdsprachenkenntnisse! Dies würde jedoch reichen. Schaue ich mich in meinem Bekanntenkreis in FB um, könnte man meinen „niemand hat legal Merkel gewählt“. Weil niemand von rund 400 Leuten die Merkel gewählt hat – nur, dies sagt etwas über meine politischen Vorlieben aus, nicht aber über das eigentliche Wahlergebnis.

      Kurz, das Netz ist homogen und es gibt natürlich alles – nur vom User hängt es ab, was das Netz ist.

    • spongshga sagt:

      Sehe ich ählich! Jeder ist seine eigene Warheit.

    • Lars Sobiraj sagt:

      wäre super, danke!

    • Perseus sagt:

      super, danke! Deinen Hinweis haben wir aufgenommen. Tippfehler hab ich gerne korrigiert und dies als Deine Anregung interpretiert für ein paar erklärende Worte an die Leser. Nächste Woche gibts wieder einen „Kommentar der Woche“ – wir wollen damit die Kommentarkultur fördern… Schau mal obs Dir so gefällt. Und auch herzliche Einladung, bei uns Artikel zu schreiben, meld Dich einfach!

      • Perseus sagt:

        Du brauchst auch keine Ambitionen zu haben :-) machs einfach wenn Zeit und Lust. Du suchst Thema aus. Deine „Sprech“ find ich nicht hölzern – aber ok ich mach Dir folgenden Vorschlag: Du schreibst, ich mach Dir behutsamen Korrekturvorschlag, erst wenn Du ok sagst geht der Artikel raus. Lass es uns doch ausprobieren :-)

        • Perseus sagt:

          Zugriffszahlen sind nicht unwichtig. Aber ich hab einfach Freude an Texten und Leuten die sich einbringen. Also probier mein Angebot gern mal aus, egal zu welchem Thema. Muss ja nicht jede Woche was sein (kann aber :-) Denkbar ist z.B. auch eine Glosse zum Monatsende a la „Was sonst noch los war in der Welt…“ oder „Das letzte “ oder *Und übrigens…* oder „Per Anhalter durchs Internet“ … – etwas wo das Platz findet was Du jetzt gerade gepostet hast. Viele werden so wie ich Freude haben, Deine Gedanken zu lesen – auch gerade wenn es nicht Interna/Top Secret sind sondern nach dem Motto „Das Leben und … der ganze Rest“ um mal Douglas Adams zu zitieren :-) Boarding please

  4. Watchdog sagt:

    Klar, die Flüchtlinge sind bei Google News angekommen. Alles kommt bei Google News an: Alzheimer, Fußball, Smartwatches. Und Flüchtlinge auch – logisch! Die Frage ist doch, ob das Thema auch bei uns im Netz angekommen ist. Kennst du ein gut oder schlecht besuchtes Forum, wo das Thema eine Rolle spielt? Oder einen Blog, der nicht im völligen Nirwana siedelt?

    Ich finde, wir sollten das Spektrum der Themen, für die wir uns im Netz interessieren, mal generalüberholen. Und ich mach hier bei Tarnkappe.info eben einen Anfang.

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