Jamtara: Mit Eröffnung von 45 Bibliotheken gegen Cybercrime

Jamtara steht in dem Ruf ,,Cybercrime-Zentrum" zu sein. Es verfügt nun über 45 Bibliotheken, die Jugendliche von Cybercrime ablenken sollen.

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Jamtara in Jharkhand, einem Bundesstaat in Ostindien, ist als Indiens Phishing-Hauptstadt berüchtigt. Auf der Suche nach geeigneten Mitteln, dem Ruf entgegenzuwirken, hat die Bezirksverwaltung nun 45 öffentliche Bibliotheken eröffnet. Diese sollen die Jugend von der Internetkriminalität abbringen. Der große Zulauf spricht für das Projekt, berichtet indiatoday.

Ortschaft mit krimineller Geschichte

In den letzten Jahren wendeten sich Polizisten aus 22 der übrigen 28 indischen Bundesstaaten an den eher kleinen Bezirk Jamtara auf der Suche nach Cyber-Betrügern. Zudem gibt man an, dass die Mehrheit der Online-Betrugsanrufe, die Menschen im ganzen Land erhalten, aus gerade diesem Distrikt stammen. Online-Betrug wird fast als Heimindustrie im Bezirk angesehen. Bis zu 93 Cyberkriminelle sind in Jamtaras Gefängnissen inhaftiert. Zudem hat man im Jahr 2020 156 Online-Betrüger in 74 verschiedenen Fällen festgenommen. Von den 74 Fällen beruhten 17 auf Anzeigen von Opfern. 57 Fälle registrierte man nach Geheimdienstinformationen in Jamtara. Laut den vom National Crime Records Bureau (NCRB) zur Verfügung gestellten Daten hat man 2016 im Land insgesamt 12.317 Fälle von Cyberkriminalität registriert. Diese Zahl hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Das im Jahr 2020 darauf basierte Netflix Krimidrama Jamtara nimmt Bezug auf diese Phishing-Aktivitäten im Distrikt.

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Stellvertretender Kommissar (DC) von Jamtara, Faiz Aq Ahmed Mumtaz, gibt an, die hohe Verbrechensrate sei darauf zurückzuführen, dass die Schulabbrecher, meist in der Altersgruppe von 15 bis 35 Jahren, sich von Cybercrime dazu verführen ließen, um schnelles Geld zu verdienen. Um diesem Trend entgegenzuwirken war die Einleitung von Maßnhamen dringend erforderlich.

„Wir haben uns viele Möglichkeiten überlegt, um das Verbrechen zu bekämpfen. Da Menschen digitale Plattformen häufiger als zuvor nutzen, werden die Fälle von Cyberkriminalität nur noch zunehmen. Auf der Suche nach leichtem Geld haben wir festgestellt, dass Jugendliche auf Online-Betrug zurückgreifen. Wir müssen den jungen Menschen folglich ein Studium und Bücher näherbringen. Jamtara war schon bekannt für die Bibliotheksbewegung, die von dem bekannten Sozialreformer und Pädagogen Ishwar Chandra Vidyasagar initiiert wurde. Seine Idee hat uns motiviert.“

Mit Einrichtung von öffentlichen Bibliotheken will man Cybercrime-Trend entgegenwirken

Darum beschloss die Bezirksverwaltung, die nicht genutzten Regierungsgebäude und Grundstücke für die Errichtung von öffentliche Bibliotheken zu nutzen. Hiermit war die „Bibliotheksbewegung“ gestartet.

„Viele heruntergekommene Gebäude sind nun renoviert, um sie dann in eine öffentliche Bibliothek umzuwandeln. Bis zu 45 öffentliche Bibliotheken haben wir immerhin bereits eingerichtet. Diese sind nun voll funktionsfähig. Die meisten von ihnen wurden in dem Gebiet eingerichtet, das als Cybercrime-Knotenpunkte bekannt sind“.

Während der Pandemie hat man zudem in diesen öffentlichen Bibliotheken spezielle Klassen für Schüler der 10. bis zur 12. Klasse eingerichtet. Zwei Lehrer in jeder öffentlichen Bibliothek wurden folglich mit der Verantwortung betraut, die Schüler jeden Sonntag zu unterrichten. Bereits aktuell haben die Bibliotheken immerhin einen stetigen Zustrom von Studenten. Insofern gibt der Erfolg dem Projekt recht. Faiz Aq Ahmed Mumtaz informiert weitergehend.

„Studien von Studenten, die sich auf Prüfungen der Klassen X und XII vorbereiteten, wurden während der COVID-19-Infektionsperiode unterbrochen. Für sie erwiesen sich die Gemeindebibliotheken deshalb als wahrer Segen. Die Landesregierung führt infolge an diesen Standorten Kurse für Mathematik und Naturwissenschaften durch.“ Anstatt Tricks im Phishing zu lernen, können sich Schüler jetzt mit Büchern, wie „Discovery of India“, „Indian Economy“ und „India After Gandhi“, in ihrem eigenen Dorf weiterbilden. „Jeden Sonntag wenden sich die Lehrer an die Schüler und klären währenddessen ihre Fragen in verschiedenen Fächern, damit die Schüler bei der bevorstehenden Prüfung keine Probleme haben. Für jede Bibliothek sind insofern zwei Lehrer verantwortlich“.

Tarnkappe.info

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.