Google: Pirates best friend

Artikel von · 2. Juli 2018 ·

Google scheint auf mehreren Augen blind zu sein, wenn es um die wissentliche oder unwissentliche (aber bemerkbare) Unterstützung von Piraterie-Seiten im Netz geht. Diese Unterstützung durch das Unternehmen fällt sehr mannigfaltig aus und sie ist das Thema dieser Betrachtung. Erst kürzlich hat Google die ersten sichtbaren Maßnahmen gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet eingeleitet und stufte unzählige einschlägige Seiten herunter, was ihre Sichtbarkeit deutlich reduziert.

Seit Jahren moniert der US-amerikanische Filmverband MPAA, dass Google zu wenig gegen die Piraterie unternimmt. In erster Linie geht es dabei um die Sichtbarkeit von illegalen Angeboten bei Suchanfragen an Google. Getreu dem Motto: „Wo versteckt man eine Leiche am sichersten? Auf Seite 2 der Suchmaschine erhofften sich die Filmschaffenden, dass zumindest das Such-Fußvolk von rechteverletzenden Seiten ferngehalten wird, wenn in den Toptreffern keine rechtswidrigen Seiten auftauchen.

Im Grunde sollte das Unternehmen ein Interesse daran haben, weil es in seinem eigenen Playstore ja ebenfalls auf legaler Basis Spielfilme vertreibt. Je mehr illegale Angebote also in der Suche angezeigt werden, desto geringer die Chancen einem interessierten Konsumenten den Film sogar selber zu verkaufen. Machen wir daher die Probe auf das Exempel und suchen nach dem Film „Black Panther“.

Screenshot: Auto-Complete bei Google für Black Panther. Erster Vorschlag ist Black Panther Stream. Der Rest scheint harmlos zu sein.

Gleich der erste Auto-Complete-Vorschlag (Black Panther Stream) führt zu weiteren Suchergebnissen. Die ersten drei sind keine legalen Angebote, erst ab Platz vier taucht mit Amazon.de ein seriöses Angebot auf.

 

Google Black Panther

Abbildung: Black Panther Stream – Suchergebnis bei Google.

Allerorten wird von Künstlicher Intelligenz (KI) geschwärmt, auch Google arbeitet intensiv an diesem Thema, um seine Services zu verbessern. Warum allerdings keine Künstliche Intelligenz eingesetzt wird, um die Auto-Complete Worte und anschließenden weiterführende Links intelligent zu filtern, das ist das Geheimnis dieses Konzerns. Es wird zwar das Problem der unregulierten Distribution von Filmen nicht komplett lösen, aber minimieren.

Dabei hätte man die perfekte Datenbasis, um Gut von Schlecht zu unterscheiden. Insgesamt 3,5 Mrd. Aufforderungen zur Löschung aus Suchergebnissen haben das Unternehmen nach eigenen Angaben bisher erreicht. Fast alle werden gelöscht, teilweise schon bevor sie überhaupt veröffentlicht werden.

Zu den ersten drei Treffern der obigen Suche hat Google etwa 200.000 Löschaufforderungen erhalten, die man auch größtenteils gelöscht hat.

Möglicherweise wird hier sogar nur menschliche Intelligenz benötigt und das sinnvolle Verknüpfen von vorhandenen Daten. Der Erfolg dieses Internet-Konzerns ist mit Sicherheit auf die Güte und hohe Qualität seine Produkte und Services zurückzuführen. Daran gibt es kaum einen Zweifel. Aber auch Piraten wissen die Services für sich zu nutzen.

 

Google: Gute Tools, zweifelhafte Nutzer

Aber das Unternehmen kann noch viel mehr für Piraten machen. Hier einige Bespiele:

1. Google Analytics ist die vergleichsweise harmloseste Nutzung. Kaum eine Piraterieseite, die nicht auf die Besucheranalyse des Unternehmens zurückgreift. Die Google Accountnummer lässt sich relativ einfach im Seitenquelltext nachweisen. Auch hier wäre es ein Leichtes, diese Accounts zu schließen, wenn man das wollte.

2. Google Ads (Werbung innerhalb der Suchmachine). Im Internet gibt es keinen Altruismus. Ein schönes Beispiel dafür sind die illegalen Wissenschaftspiraterie- und Buchseiten LibGen (auch bekannt als Library Genesis) und Sci-Hub. Sie geben sich gern den Anschein der selbstlosen Bewahrung von Wissen. Aber ganz so selbstlos geht es dort dann doch nicht zu. Aktuell werden alle drei Bannerplätze bei LibGen in der Detailanzeige mit Google Werbung bespielt. Das gilt auch für Sci-Hub Resultate, die bei LibGen ebenfalls gesucht werden können. Spätestens wenn es zum Download kommen soll, bekommt der Konsument hier die Werbedusche.

 

Abbildung: Lidl, Numan Radios sowie 1 & 1 lassen Dank G00gle bei LibGen grüßen!

Auch hier die Frage, wie lange man an Künstlicher Intelligenz arbeiten muss, um festzustellen, dass es sich bei LibGen nicht um eine legale Seite handelt? Reichen 300.000 Löschanfragen bei Google für LibGen nicht aus, um diese Erkenntnis zu gewinnen?

Vom Thema Brand Safety einmal ganz zu schweigen. Piraterie-Seiten sind bekanntlich nicht zimperlich bei der Wahl ihrer Werbeanbieter. Wer will seine Marke schon neben Bannern für Pornos und Online-Poker sehen? Es besteht eine Geschäftsbeziehung zwischen den Betreibern und Google, Geld wechselt regelmäßig den Besitzer, ebenso Abrechnungen. Der Werbevermarkter weiß, wer die Betreiber von LibGen sind. Es dürfte die Steuerbehörden und zahlreiche Rechteinhaber sehr interessieren, wer tatsächlich hinter LibGen steckt und an wen G00gle hier eigentlich Geld zahlt.

3. Google Captchas. Auch bei Captchas bietet man wieder einen ganz hervorragenden Service. Das Captcha-Hindernis hält unerwünschte Besucher oder Bots fern, das können auch Besucher wie Antipiraterie-Firmen sein, die sich automatisiert für die Inhalte auf Seiten interessieren. Diesen wird ein Riegel vorgeschoben, der sich im Fall der Google Captchas nur sehr aufwendig lösen lässt.

Für den Einsatz solcher Captchas ist ein Google Entwickler-Account notwendig. Die Accountdaten (mit eindeutigen Google ID-Nummern) lassen sich im Seitenquelltext auslesen. Aber selbst eine Mitteilung über schäbige Seiten, die den Googledienst missbrauchen (inkl. Entwickleraccount) führt nicht dazu, dass den Entwicklern der Account entzogen wird. Das Unternehmen reagiert einfach gar nicht.

google captcha

Abbildung: Aufruf von Game of Thrones bei Serienstream.to (S.to). Google Captcha erschwert den Zugang zur Seite.

Dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, beweist eine Liste derjenigen Seiten aus dem Pirateriebereich, die Google mit Re-Captcha unterstützt: Filecrypt.cc, Goldesel.to, Ddl-warez.to, Ddl-music.to, Serienjunkies.org, Kinow.to, Serienstream.to, Nox.tv, 3ddl.tv, Iload.to, Bs.to, Streamkiste.tv, Warez-world.org.

4. Google Drive. Wozu teure Server mieten, die man auch noch warten und administrieren muss? Big G. bietet Speicherplatz zu sehr attraktiven Preisen. On top gibt es eine sehr performante Anbindung, so dass Streaming oder ein schneller Download kein Problem sind. Kandidaten, die in Vergangenheit sich der Google Drive Dienste bedient haben waren Tata.to oder HDfilme.tv. Erst auf mehrfaches Intervenieren hat man diesen beiden Anbietern den sprichwörtlichen Streaming-Hahn zugedreht, während andere Piraten-Seiten nach wie vor ihre Daten Google anvertrauen.

Fazit

google

Technologie-Unternehmen und Verantwortung gehen auch im Jahr 2018 noch nicht wirklich zusammen. Statt Menschen auf den Mond mit eigens dafür gegründeten Tochtergesellschaften schießen zu wollen, könnte Google mit den Füßen auf der Erde bleiben. Man könnte den Kreativwirtschaftsbranchen mit sehr einfachen aber dennoch wirkungsvollen Methoden helfen.

Dass aber ein Unternehmen wie Google eine illegale Seite wie LibGen mit Geld versorgt, ist nur schwer zu verstehen.

Denn zur Lösung bräuchte das Unternehmen keine KI, sondern gesunden Menschenverstand, die sinnvolle Zusammenführung von Daten und Mitarbeitern, die sich freigeschaltete Adsense-Accounts ansehen. Ebenso wirkungsvoll wäre es, den Missbrauch von Google Diensten wie Re-Captcha auf Hinweis hin zu unterbinden.

 

Über den Autor: Volker Rieck ist Geschäftsführer des Content Protection Dienstleisters FDS File Defense Service. Er gilt als ausgewiesener Experte für Piraterie. FDS arbeitet an regelmäßigen Studien zu Piraterie Themen. Das Unternehmen unterstützt außerdem Strafverfolgungsbehörden durch seine Daten. Herr Rieck schreibt in regelmäßigen Abständen für Webschauder, The Trichordist und Tarnkappe.info.

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12 Kommentare

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    AllesPalettiCompletti

    Wenn man den ganzen Tag nur nach illegalen Angeboten schaut, braucht man sich doch nicht wundern, dass sich Googles Auto-Complete darauf einstellt.

    [img]https://up.picr.de/33135430hd.jpg[/img]

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    Martin

    Google ist eine kriminelle USA Mafia. Politiker müßen Gesetze gegen Google und Co machen!

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      Lars "Ghandy" Sobiraj

      Bitte sachlich bleiben!

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    Anonymous

    Warum ich gegen die Propaganda dieser Lobbyisten bin?

    Rieck hämmert uns beständig ein: Ein Recht steht absolut über allen anderen Rechten. Das Recht der alten Konzerne auf ihre dicken Gewinne. Für den Schutz dieser Gewinne nimmt er keine Rücksicht auf andere Rechte.

    Die große Gefahr für diese dicken Gewinne ist aber nicht die Verletzung von Verwertungsrechten. Die Gefahr sind neue Geschäftsmodelle, die das Alte überflüssig machen.

    Die Zeitungen und Fernsehsender gehen nicht Bankrott, weil irgend jemand deren Urheberrechte verletzt. Die gehen Bankrott, weil Blogger bessere Geschäftsmodelle entwickeln. Heutzutage brauchen Musiker keine Plattenfirmen mehr. Ganz im Gegenteil, die gehypten Hupfdohlen der Unterhaltungsindustrie blockieren die Vertriebswege der echten Musiker. Geklaute Spiele? Früher hatten wir eine Lizenz gekauft und jahrelang auf unserem eigene Quake-Server gespielt. Heutzutage bezahlen wir jede Woche für ein paar Lootboxen mehr als damals das ganze Spiel kostete.

    LibGen? Das Geschäftsmodell der Wissenschaftsverlage ist eine Sauerei. Reputation gibt es nur bei Veröffentlichung in einem renommierten Wissenschaftsverlag. Uns Steuerzahler kassieren die 3 mal ab. Für Forschung und Peer-Review. Für die Veröffentlichung. Und für das Zeitschriftenabo. So eine Verschwendung von Steuergeldern will Riek schützen?

    Bleiben die Produktionen der MPAA. Da hat sich Rieck den einzigen Punkt herausgesucht, für den wir noch keine besseren Geschäftsmodelle gefunden haben.

    Das Problem daran ist der Kollateralschaden. Unter dem Vorwand, die Gewinne der MPAA zu schützen, bekommen wir Uploadfilter, Link-Gebühren, Abmahnunwesen und Netzsperren.

    Mit diesen Mitteln bekämpfen die alten Konzerne unsere neuen Geschäftsmodelle. Verteidigen auf Kosten der Künstler, der Steuerzahler und der Unternehmensgründer ihre alten Monopolgewinne.

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    Why not

    Was will dieser Volker Rieck … ????

    Totale Zensur? Leben wir in der Türkei? Papa der Nation? Bevormundung pur?
    Haben wir nicht schon staatliche Bevormundung genug?
    Der soll sich um wichtigere Dinge kümmern und uns in Ruhe lassen

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    Karl Korn

    Es ist langsam unerträglich, dass ein angebliches Untergrund-Magazin immer wieder als Sprachrohr der Copyright-Lobby fungiert.
    Vielleicht sollte man mal über eine Namensänderung nachdenken?

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      Im Gegenteil. Ich finde es interessant, nicht nur eine Meinung abzubilden. Wenn Du Argumente gegen den Artikel von Volker Rieck vorbringen kannst oder willst: bitte. Aber warum sich das nicht mal anhören?

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        Pudelmütze

        Weil er nur Grütze von sich gibt und Du lieber Lars, speziell bei ihm, Kommentare zensierst. Menschen wie der Verfasser dieses Artikels, werden nie die Welt von Google verstehen.
        Und seine Selbstbeweihräuscherung in fetten Lettern unter jedem Artikel, ist nur peinlich. Es wäre aber mal interessant zu erfahren, wer dem Herrn denn seinen angeblichen Expertenstatus ausgewiesen hat?! XD

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          Beleidigungen lösche ich nicht nur bei Volker Rieck, sondern grundsätzlich. Kritik kann auch auf sachliche Art und Weise geäußert werden, wenn man denn will.

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            Pudelmütze

            Beleidigt sind nur Leute mit Selbstzweifeln und mangelhafter Reflektion. Und mit Verlaub, wenn ich mich dazu äußere, dass jemand Harz 4 Bezieher wird, wenn er sich nicht unqualifiziert mit Dingen beschäftigt, die er nicht versteht oder gar nach seinem Willen ändern kann, ist das sicher nicht beleidigend. Wenn man so will, kann man es auch als Kritik für dich sehen und derer wird hier gerade wieder genug gegeben.

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          Marek Meier

          Das würde mich auch Interessieren. Finde es einfach nur geil den Spruch „Er gilt als ausgewiesener Experte für Piraterie“ wer sagt das die Bürokratie des BKA und der Behörden oder die „Piraten“ selber die dem ein Zertifikat gegeben haben. Einfach nur lächerlich. „Das Unternehmen unterstützt außerdem Strafverfolgungsbehörden durch seine Daten“
          Davon dürfte nur die Hälfte nicht Verwertbar sein wenn er so ein Experte ist kommen die aus zwielichtigen Quellen und eine Straftat mit einer anderen Straftat aufklären geht also auch nicht. Zumindest nicht in diesem Land, in den USA ist das ein anderes Thema.

          Er kann ja versuchen Libgen im Tor zu verhindern, da kommt dann halt Werbung von Grams und die kriegen so ihr Geld dann aber als Monero.

          Ich finde es toll, das Lars solchen Leuten eine Fläche gibt so können diese sich selbst diskreditieren.

          Danke dafür Lars


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