Laut der neuen Analyse der Marktforscher von Mediavision ist illegales Streaming in Schweden um 27% zurückgegangen. Die Gründe sind unklar.
Die Firma Mediavision analysiert seit 25 Jahren den nordischen Fernseh- und Videovertriebsmarkt. Dabei untersucht man das Verbraucherverhalten, Marktstrukturen, die Wertschöpfung sowohl auf Zugangs- als auch auf Streaming-Märkten. Illegales Streaming war im Frühjahr 2026 rückläufig. Schätzungsweise rund 465.000 schwedische Haushalte hatten Zugang auf illegales IPTV. Das entspricht etwa jedem zehnten Haushalt. Im Vergleich zu rund 640.000 Haushalten im Frühjahr 2025 stellt dies einen Rückgang um 175.000 Haushalte dar. Oder anders ausgedrückt um 27 %.
Schweden – IPTV präsenter in den Medien?
Die Umfrage gibt leider keinen Aufschluss darüber, was den Rückgang der illegalen Nutzer verursacht hat. Eine mögliche Erklärung ist die zunehmende Aufmerksamkeit für dieses Thema. Man glaubt, den Schweden wurde zunehmend klar, dass dahinter eine Schattenwirtschaft steckt. Die Bekämpfung der Kriminalität erfordert politische Maßnahmen, die vermehrt öffentlich besprochen werden. Offenkundig ist das Thema jetzt einfach präsenter in den Medien, weswegen sich fast ein Drittel davon abgewendet hat. Mehr äußert auch nicht Adrian Grande, ein Analyst bei Mediavision. Grande glaubt, vielen sei zwischenzeitlich bewusst geworden, dass illegales IPTV nicht so harmlos ist wie ursprünglich angenommen.
Illegales Streaming erwirtschaftet jährlich ca. 90,2 Millionen Euro!
Trotz des Rückgangs ist das wirtschaftliche Ausmaß der Schattenwirtschaft nach wie vor beträchtlich. Haushalte mit illegalem IPTV gaben in der Umfrage an, für den Empfang durchschnittlich rund 171 SEK pro Monat zu zahlen. Das sind monatlich umgerechnet 15,42 Euro. Ausgehend von der Anzahl der Haushalte wären das schätzungsweise 7,21 Millionen Euro monatlich und 90,2 Millionen Euro pro Jahr.
Gemeint sind keine werbebasierten Streaming-Anbieter für Live-Sport-Events, Filme oder Serien. Mediavision bezifferte damit die Nutzung kostenpflichtiger Dienste, die innerhalb Schwedens umfangreiche Pakete mit Fernsehkanälen und Live-Inhalten verschiedener legaler Streaming-Anbieter ohne Lizenz anbieten. Adrian Grande betrachtet die Thematik zudem als ein gesamtgesellschaftliches und nicht nur als ein wirtschaftliches Problem der Medienbranche.
Der Blick auf das große Ganze?
Im August gab Mediavision bekannt, dass das Wachstum der legalen Streaming-Abonnements in Schweden im zweiten Quartal 2026 zum Stillstand gekommen ist. Zuvor wuchs die Anzahl der Abos mehr als zwei Jahre lang ununterbrochen an. Man glaubt, die Verlangsamung folgt auf eine Phase, in der günstigere, werbefinanzierte Abonnements eine neue Wachstumswelle auf dem Markt ausgelöst hatten. Nun deutet der Trend auf die nächste Phase hin, in der die Rentabilität und die Kundenbindung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Studie des zweiten Quartals für Schweden als auch die anderen nordeuropäischen Länder kann man sich kostenlos von hier herunterladen, allerdings muss man dafür jede Menge Daten angeben.
Netflix gab erneute Preissteigerung für Deutschland bekannt
Problematisch ist hierzulande die starke Aufspaltung des legalen Streaming-Marktes in immer mehr Anbieter, die ihre Inhalte jeweils exklusiv anbieten. Und auch die letzte Nacht bekannt gewordene Preiserhöhung von Netflix in Deutschland wird womöglich noch mehr Nutzer in den Graubereich treiben, die sich monatlich durchschnittlich noch zwei Euro mehr nicht leisten wollen oder können.
Das Abo mit 4K-Bildqualität und 3D-Sound kostet nun pro Monat 21,99 Euro statt zuvor 19,99 Euro. Das Standard-Abo soll mit 15,99 statt wie bisher mit 13,99 Euro zu Buche schlagen. Und das werbefinanzierte Abonnement kostet 6,99 statt 4,99 Euro. Als Begründung gab man an, ein attraktives Programmangebot erfordere entsprechende Investitionen, die man sich jetzt bei den Nutzern wiederholen will. Auch wenn die Medenbranche das nicht hören möchte: Illegale IPTV-Anbieter kassieren im Durchschnitt sehr viel weniger.



















