Symbolbild: Nintendo Switch 2 und GameStop – ein Trade-In-System mit unerwarteten Nebenwirkungen.
Symbolbild: Nintendo Switch 2 und GameStop – ein Trade-In-System mit unerwarteten Nebenwirkungen.
Bildquelle: ChatGPT

GameStop Infinite Money Glitch: Nintendo Switch 2 brachte YouTuber bares Geld

YouTuber entdeckt „Infinite Money Glitch“ bei GameStop: Mit Nintendo Switch 2 mehr Guthaben als Kaufpreis kassieren.

Ein YouTuber nutzte eine Promotion-Lücke von GameStop aus und verwandelte damit eine Nintendo Switch 2 in eine Gelddruckmaschine. Der GameStop Infinite Money Glitch erlaubte es Kunden für kurze Zeit, mit dem Trade-In-System des US-Händlers mehr Guthaben zu erzeugen, als die Konsole im regulären Verkauf kostet. Innerhalb von zwei Tagen sammelte der YouTuber 150 Dollar Store Credit und besaß am Ende sogar eine brandneue Switch 2 sowie eine Reihe von Spielen. GameStop reagierte öffentlich selbstironisch auf den Vorfall und schloss die Lücke kurz darauf mit einem Patch.

GameStops Kurs zum Infinite Money Glitch

Der Begriff Infinite Money Glitch stammt u.a. aus Videospielen und beschreibt eine Fehlfunktion in einem System, die es ermöglicht, unbegrenzt Geld zu generieren. Vor einigen Tagen zeigte ein YouTuber, wie sich ein solcher Glitch erstmals auch außerhalb der virtuellen Spielwelt ausnutzen ließ. Eine bis dahin wenig beachtete Promotion-Lücke im Trade-In-System von GameStop legte der YouTuber RJCmedia offen und stellte damit die Schwächen des Rabattsystems öffentlich bloß. Mit dem zusätzlich generierten Store Credit demonstrierte er, wie sich ein schlecht abgestimmtes Promotionsmodell bereits durch grundlegende Arithmetik aushebeln lässt.

Die Ursache war kein technischer Hack, sondern eine fatale Kombination mehrerer parallel laufender GameStop-Promotions. So gewährte der Händler einen Bonus von 25 Prozent auf den Trade-In-Wert beim Kauf eines gebrauchten Produkts, erlaubte gleichzeitig den Eintausch auch für neu gekaufte Hardware und setzte keine Obergrenze, die sich am Neupreis der Konsole orientierte. In der Folge konnte das System den Gesamtwert eines Trade-Ins höher bewerten als den offiziellen Verkaufspreis der Nintendo Switch 2.

GameStop Infinite Money Glitch: Von der Bonusaktion zur Systemlücke

Der YouTuber RJCmedia demonstrierte den GameStop Infinite Money Glitch Schritt für Schritt. Zunächst kaufte er eine Nintendo Switch 2 für rund 415 US-Dollar und tauschte die Konsole anschließend für etwa 380 Dollar Store Credit ein. Durch das Hinzufügen eines gebrauchten Spiels, teils für nur 99 Cent, griff der 25-Prozent-Bonus, wodurch der Trade-In-Wert auf bis zu 472,50 Dollar anstieg. Auf dem Papier war die Konsole damit plötzlich mehr wert als im Neuzustand.

Symbolbild: Nintendo Switch 2 und Store Credit im GameStop-Umfeld.
Symbolbild: Nintendo Switch 2 und Store Credit im GameStop-Umfeld.

Der Effekt verstärkte sich, als RJCmedia in mehreren Filialen seine gerade eingetauschte Switch 2 sogar direkt wieder zurückkaufen durfte. Als „pre-owned“ war sie günstiger und konnte beim nächsten Besuch erneut mit Bonus eingetauscht werden. So entstand ein klassischer Feedback-Loop aus Verkaufen, günstiger Zurückkaufen und erneutem Eintauschen. Innerhalb von zwei Tagen sammelte der YouTuber auf diese Weise rund 150 Dollar zusätzliches Store Credit, erhielt effektiv eine neue Nintendo Switch 2 kostenlos und behielt zudem mehrere Spiele. Der reale Gegenwert seiner Ausbeute lag bei nahezu 600 Dollar.

RJCmedias YouTube-Kanal existiert seit Mai 2022. Laut einem Bericht von OpenCritic, einem internationalen Gaming-News-Aggregator, drehten sich die ersten Videos unter anderem um DoorDash- und Monetarisierungsstrategien. Nach einer Pause 2023 verlagerte er den Fokus auf Retro-Gaming und Gaming-bezogene Inhalte, darunter mehrere Projekte rund um GameStop-Deals. Der Infinite Money Glitch war somit kein Zufall, sondern das Ergebnis vorhandener Erfahrung mit den Mechaniken des Händlers.

GameStops Reaktion: Humor statt Konsequenzen

Nur drei Tage nach Veröffentlichung des Videos reagierte GameStop öffentlich. Der Konzern bestätigte den GameStop Infinite Money Glitch, erklärte ihn für geschlossen und veröffentlichte auf X ein selbstironisches Statement:

„Wir begrüßen die Kreativität der Eintauschaktionen, möchten aber freundlich darauf hinweisen, dass unsere Filialen nicht als Gelddruckmaschinen konzipiert sind.“

Gegenüber dem US-Spielemagazin IGN bestätigte GameStop, dass der Fehler real war und erst durch das YouTube-Video intern bekannt wurde:

„Ja, der ‚GameStop Unendlich-Geld-Glitch‘ war (kurzzeitig) real. […] Eine anonyme Person machte uns per E-Mail auf die Lücke aufmerksam, allerdings über einen Posteingang, der dafür eigentlich nicht vorgesehen ist. Das zeigt zumindest, dass wir unseren IR-Posteingang (Investor Relations) tatsächlich prüfen.“

Community-Reaktionen und angebliche 1.000‑Dollar‑Gewinne

In den Kommentaren unter RJCmedias Video meldeten sich zahlreiche Nutzer, die den GameStop Infinite Money Glitch ebenfalls ausgenutzt haben wollen. Einige behaupteten, sie verfügten inzwischen über fast 1.000 Dollar kostenlosen Store Credit.

GameStop kündigte bislang keine Rückforderungen oder Sanktionen an. Alles deutet darauf hin, dass der Konzern den Fehler als eigenes Versäumnis betrachtet. Der GameStop Infinite Money Glitch zeigt, wie anfällig komplexe Promotionsysteme sein können, besonders dann, wenn Enthusiasten sie besser verstehen als das Unternehmen selbst.

Über

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.