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Bildquelle: Modyfikator @ X

RAM-Injection ermöglicht qCFW auf gesperrten PS3-Modellen

Der polnische Bastler Modyfikator entwickelte eine RAM-Injection, die auf allen bisher dafür gesperrten PS3-Modellen eine qCFW ermöglicht.

Eine seit langem bestehende Einschränkung der PlayStation 3-Modding-Szene hat kürzlich der polnische Bastler Modyfikator beseitigt. Entwickler haben bestätigt, dass eine vollständig funktionierende quasi-Custom-Firmware (qCFW) namens BadWDSD nun auf PS3 Super Slim, Slim-3000- sowie auf späten 2504-Modellen läuft.

Hardwarebasierte RAM-Injection ermöglicht eigene Firmware auf allen PS3-Modellen

Dies geschieht mithilfe eines Raspberry Pi Pico zur hardwarebasierten RAM-Injection. Bisher galt es als praktisch unmöglich, neuere PS3-Modelle (vor allem Super Slim und späte PS3 Slims) sinnvoll zu modden, weil Sony dort entscheidende Sicherheitslücken geschlossen hatte. Die qCFW ist leider keine dauerhaft installierte Custom Firmware. Stattdessen manipuliert man das System temporär im Arbeitsspeicher, um ähnliche Funktionen wie bei einer echten Custom Firmware (CFW) zu ermöglichen. So etwa das Ausführen selbst programmierter Software (Homebrew), das Abspielen von Raubkopien und Debug-Funktionen. BadWDSD ist der Name des dabei verwendeten Exploits, um die temporäre Firmware laufen zu lassen.

RAM-Injection

Eines der ersten bestätigten funktionierenden Geräte soll sich in Polen befinden, wobei weltweit derzeit nur eine kleine Anzahl von Systemen mit dieser Konfiguration läuft. Die Konsole läuft nach der erfolgreichen RAM-Injection auf der Firmware qCFW 4.92 mit einem auf 850 MHz übertakteten RSX-Grafikprozessor auf einem Super Slim-Modell. Laut dem Installateur bleiben die Temperaturen stabil bei etwa 55 °C. Das ist ein Leistungsniveau, das zuvor bei diesen Revisionen der PS3 nicht erreichbar war.

Auch PS2-ISOs kann man anschließend laden

Der Durchbruch stellt mehrere Funktionen wieder her, die im Laufe der Jahre entfernt oder blockiert wurden. Die Linux-Unterstützung über OtherOS ist wieder voll funktionsfähig und ermöglicht native Installationen. Das native Laden von PS2-ISOs funktioniert ohne Konvertierung. Der vollständige Zugriff auf den Factory Service Mode (FSM) ermöglicht zudem die Wiederherstellung von Spielkonsolen, die einst beim Modden im FSM hängen geblieben sind. Die Übertaktung des RSX auf Hardware-Ebene soll außerdem für eine spürbare Leistungssteigerung bei anspruchsvollen Spieletiteln sorgen.

modyfikator, x

Da der Exploit auf einer physischen RAM-Injektion mit dem Raspberry Pi Pico* basiert, kann er nicht durch Firmware-Updates gepatcht werden. Sony müsste eine Hardware-Überarbeitung vornehmen, um ihn zu blockieren. Wahrscheinlich ist diese Methode deswegen dauerhaft. Im Anbetracht des Alters der Hardware dürfte Sony das wohl eher egal sein. Eine neuere Version der Spielkonsole, die PS3 Super Slim, kam im Herbst des Jahres 2012 auf den Markt.

Keine spezielle Hardware oder Kenntnisse nötig

Der Modder modyfikatorcasper, online bekannt als @Modyfikator89, sagte, der Installationsprozess sei unkompliziert und für normale Benutzer mit grundlegenden Werkzeugen möglich. „Jeder kann das machen“, sagte er und merkte an, dass die Einrichtung keine fortgeschrittenen Kenntnisse im Umgang mit einem Lötkolben oder seltene Komponenten erfordert. Alles weitere gibt der Entdecker des neuen Jailbreaks sicher schon bald auf seinem Account bei X bekannt. Schade, dass die Veränderung der Firmware nicht dauerhaft ist. Ansonsten hätte der umtriebige Geschäftsmann sicher angeboten, dass man die exotischen PS3-Modelle zu seinem Online-Shop schicken kann, damit er sie für seine Kunden modifiziert. Doch wenn der Strom ausgeht, war es das auch mit der qCFW.

RAM-Injection – Fazit

Für die PS3-Szene markiert die Entdeckung ohne Zweifel einen Wendepunkt. Spielkonsolen, die einst auf Teillösungen beschränkt waren, können nun auf eine vollständig benutzerdefinierte Firmware zugreifen, wenn auch nur temporär. Dadurch schließt der in Polen beheimatete Jailbreaker Modifikator ein Kapitel ab, das mehr als ein Jahrzehnt lang ungelöst blieb.

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Lars Sobiraj

Über

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Früher brachte Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert. In seiner Freizeit geht er am liebsten mit seinem Hund spazieren.