Citizen Lab zeigt, wie man manipulierte Werbeanzeigen zur Verbreitung von Spyware nutzte. Die reine Anzeige ohne Aktion war ausreichend.
Sechs Forscher des unabhängigen Forschungsinstituts für Cybersicherheit und digitale Menschenrechte, Citizen Lab, berichteten kürzlich über eine neue Verbreitungsmethode für Spyware. Diese trägt den Namen „AdFection“. Dabei infizierte man nachweislich diverse Endgeräte von Al Jazeera-Mitarbeitern. Am Ende der Angriffskette kam die Schadsoftware der Firma Candiru zum Einsatz, die Unbekannte vorher zur Tarnung in Integrity Labs umbenannt haben. Inhaltlich dreht sich der Vorfall darum, wie man Spionagesoftware über Online-Werbung verteilen kann.
Die ausgeklügelte Vorgehensweise deutet recht deutlich darauf hin, dass wahrscheinlich entweder der Mossad oder ein anderer israelischer Geheimdienst hinter den Cyberangriffen steckt. Zumindest ist dies die Vermutung der Forscher von Cititizen Lab.
Was daran ist neuartig?
Das Ganze ist deswegen spannend, weil es bei „AdFection“ schon ausreicht, wenn die Endgeräte lediglich eine harmlos aussehende Online-Werbung anzeigen. Eine Aktion durch die Betroffenen war nicht mehr nötig. Die Opfer der Cyberangriffe mussten für die Übernahme durch die staatliche Spyware auf nichts klicken und auch keine wie auch immer infizierte Datei installieren. Die Vorgehensweise der Akteure war dabei so unbekannt wie gefährlich.
Hintergrund: Nach Angaben der Untersuchung von Citizen Lap beauftragte und bezahlte die bösartigen Werbeanzeigen die israelische Werbeagentur Discover-Tech. Mit der Vermarktung von Banner-Werbung hatte das alles aber nur am Rande zu tun. Außerdem zielte die Aktion offenkundig nicht nur auf die Nachrichtenagentur Al Jazeera ab. Es gibt Hinweise darauf, dass man mit den bösartigen Werbeauslieferungen auch Endgeräte im Außenministerium von Saudi-Arabien treffen wollte. Doch wie in dem Bereich üblich, kann man mal wieder niemandem etwas Konkretes beweisen.
Spionagesoftware über Online-Werbung: Wie reagierte die Branche?
Google beendete Discover-Techs Zugang zu ihren Werbeplattformen. IAB Europe entfernte das Unternehmen aus ihren Anbieterverzeichnissen. Auch Beeswax (aka FreeWheel) warf die Werbeagentur hinaus, während Vungle/Liftoff den Zugang anfangs nur für eine Prüfung aussetzte. Eskimi sperrte nach Bekanntwerden die Konten, als auch die von Discover-Tech genutzten Domains.
Einordnung
Natürlich will kaum jemand freiwillig irgendwelche Werbung zu Gesicht bekommen. Das ist auch bei unseren Leserinnen und Lesern nicht anders. ;-) Die Werbung wird dabei bekanntlich an den Meistbietenden versteigert. Die Banner etc. gehen durch mehrere Hände, bevor man sie sehen (oder blockieren) kann. Fest steht: Die unübersichtliche Vielfalt an Faktoren und die mangelnde Transparenz mancher Werbe-Vermarkter haben dem Vorhaben der Geheimdienste zusätzlichen Auftrieb verliehen.
Ein paar Worte in eigener Sache
Womöglich ist manchen Lesern hier im Blog und Forum aufgefallen, dass sich das Aussehen der Werbebanner etc. verändert hat. Wir wechselten vor ein paar Wochen zu einem neuen Vermarkter. Und ja, als Betreiber von tarnkappe.info würde ich bei deartigen Schreckensmeldungen zu gerne auf die ganzen Datenkraken im Hintergrund (lokale Webanalyse, VG Wort, Werbung) verzichten.
Doch von irgendwas muss man die ganze selbst erledigte oder eingekaufte Arbeit auch bezahlen. Von Versprechungen hat sich noch kein Kühlschrank gefüllt. Viele notorische Werbeverweigerer schlagen mir in diesem Zusammenhang gerne immer wieder wenig konkrete oder komplett unrealistische Erlösmodelle vor. Aber gut, sie hätten ja auch nicht die Arbeit damit, diese neuen „Geschäftsmodelle“ in die Tat umsetzen zu müssen. Gleichzeitig lehnen es viele Besucher ab, auch nur einen Cent für unser Online-Projekt zu spenden. Das mag für euch bequem sein. Mich als Betreiber führt das alles meinem Ziel kein Stück näher, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fair bezahlen und nebenher auch noch leben zu können. Und bringt man das an, kommt gerne zur Antwort: „Ja, warum musst Du denn überhaupt von Deinem Blog leben? Mache den doch nebenbei.“ Oder aber: „Die Inhalte sind mir nicht hochwertig genug. Klar, würde die Qualität stimmen, würde ich ja dafür zahlen, aber so nicht.“ etc. etc.
Ach ja, was soll ich dazu noch groß sagen? (Seufz!) Egal, es geht hier ja eigentlich um den Missbrauch von Online-Werbung und darum, zu zeigen, was für Schweinereien schon jetzt möglich sind.
Übrigens stammt das Thema von unserer öffentlichen Diskussionsgruppe bei meinem Lieblings-Messenger Signal. Du hast Lust dabei zu sein? Easy, klick eine Zeile weiter oben auf den Link und warte auf Deine Freischaltung.



















