Wenn der Schriftsteller leer ausgeht: Mira Morton im Interview

Article by · 20. März 2015 ·

Die österreichische Autorin Mira Morton entdeckte Schwarzkopien ihrer eigenen E-Books im Internet. Bei Sellboxhq.com werden ihre Liebesromane zum vierfachen Preis verkauft. Die Autorin oder der THG-Verlag erhalten davon keinen einzigen Cent. Auf unsere Anfrage vom 24.1. haben die polnischen Betreiber der Firma Sellbox bis heute nicht reagiert. Doch es gibt noch mehr „Liebhaber“ der E-Books, die unter dem Pseudonym Mira Morton veröffentlicht wurden. Auch das illegale Verkaufsportal LUL.to hat Mortons romantische Komödie „Ich will keinen Bodyguard“ für ganze 10 Cent im Angebot. Wir haben uns kürzlich mit der Autorin über Verkaufspraktiken verschiedener Portalbetreiber unterhalten, bei denen die Schriftsteller komplett leer ausgehen.

Scsellboxhq.com 91 Percent E-Bookhon im Juni 2012 kündigte das Tech-Portal engadget.de die Gründung eines neuen Startups in Poznan an. E-Books, Video-Anleitungen, Indie-Games und vieles mehr werden in die Cloud hochgeladen, und können via SellBox zum Verkauf angeboten werden. Die Datei bei Dropbox und Google Drive hochladen und 91% der Einnahmen kassieren, mag auf den ersten Blick sehr gut klingen. Das Problem ist nur, dass die Betreiber offenbar nicht sonderlich gründlich prüfen, ob die Uploader auch die Rechte an den Werken besitzen. Bei SellBox wird seit kurzem sogar die anonyme Bezahlung der Werke per Bitcoin (digitale Währung) angeboten. Wer auch immer das System missbrauchen will, kann sich nun anonym bezahlen lassen. Das macht einen Missbrauch natürlich noch leichter, weil man nur schwerlich als Rechtsverletzer identifiiziert werden kann.

sellboxhq.com offline

Es ist nirgendwo ein Hinweis zu finden, was in den letzten Tagen mit der Firma sellbox s.c. passiert. ist. Die Webseite ist derzeit nicht erreichbar. Gestern erschien lediglich ein Hinweis bei Cloudflare, das die Live-Version der Webseite nicht online sei. Wir haben heute eine Anfrage an die Firma und ihren Gründer per Twitter verschickt und warten auf eine Antwort. Wie aber fühlt sich die betroffene Autorin, die versucht, mit ihren Büchern Geld zu verdienen oder sogar davon zu leben? Das möchten wir von Mira Morton selbst wissen.

Lars Sobiraj: Das Download-Portal Sellbox.hq sieht von außen total seriös aus. Dein Buch wird dort ohne jede Kompensation für 3.99 Euro zum Verkauf angeboten. Wie konnte das passieren?

Mira Morton: Ehrlich? Ich verstehe es selbst nicht, was hier im Moment passiert. Fakt ist aber, was ich mittlerweile herausgefunden habe und hoffentlich noch herausfinden werde, deutet darauf hin, dass es sich hier schlicht und ergreifend um Machenschaften handelt, die als kriminell einzustufen sind.- Also in Summe, wenn dem am Ende so ist, recht traurig.

Lars Sobiraj: Bei LUL.to kostet ein E-Book von Dir ganze 12 Cent. Ist der offizielle Verkaufspreis von 99 Cent schon zu viel?

Mira Morton: Wenn ich tatsächlich annehmen müsste, dass meine Arbeit von einem halben Jahr plus die Kosten, die ich in Cover, Lektorat, Gewinnspiele, Werbung, Vertrieb usw. investiere, am Ende dazu führen, dass einige Stunden Vergnügen mit meinen Büchern nicht so viel wert sind wie ein Kaffee irgendwo, dann kann ich doch nur heute mit dem Veröffentlichen aufhören. Also noch wehre ich mich innerlich gegen diese Vorstellung.

Aber ja, als Realist gefragt, sind offensichtlich auch 99 Cent schon zu viel und bei einem, meiner Ansicht nach fairen E-Book-Preis von € 4,99 aufwärts könnte ich mir die Veröffentlichungen tatsächlich sparen und etwas anderes tun. Das Problem ist ja nur, ich liebe es zu schreiben und auch, mit meinen Leserinnen darüber zu plaudern!

 

Anfrage per E-Mail an Sellbox

Anfrage per E-Mail an Sellbox

 

Lars Sobiraj: Was war das für ein Gefühl, die eigenen E-Books im Internet zu entdecken, die entweder kostenlos angeboten werden oder wo Du nicht an den Umsätzen beteiligt wirst?

Mira Morton: Also besonders schön war das nicht, das kann ich dir sagen. Und es trifft mich als Autorin sehr. Viele von den Indies leben ja vom Schreiben, da ist es möglicherweise existenzbedrohend. Ich habe das Glück, nicht vom Schreiben leben zu müssen, aber langsam frage ich mich, warum ich mir das Veröffentlichen eigentlich leiste, wenn meine Bücher dann am Ende irgendwo kostenlos zum Download angeboten werden, oder noch schlimmer, um viel Geld, das irgendjemand an meinem geistigen Eigentum verdient?

“Besonders schön war das nicht, das kann ich dir sagen.”

Lars Sobiraj: Du verfasst eher seichte Literatur zum Abschalten. Viele Buchpiraten sind Frauen, gehören Deine Leser auch dazu? Glaubst Du, es gibt diesbezüglich einen signifikanten Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Lesern?

Mira Morton: *LACH* Also was einmal auf jeden Fall stimmt ist, dass ich mich als Mira Morton entschieden habe, moderne Märchen zum Abtauchen zu schreiben. Klar ist das keine tiefsinnige Literatur, aber ich denke, jedes Genre hat seine Berechtigung, zumal ich selbst als Leserin beinahe alle Genres liebe und vom Fachbuch über Klassiker bis hin zu Fantasy- oder eben Chick-Lit-Romane alles lese.

Mira Morton

Ob nun die Buchpiraterie hauptsächlich von Frauen betrieben wird, kann ich nicht sagen. Möglich, dass im Genre Liebesromane die Downloader hauptsächlich Frauen sind, aber es werden ja auch andere Genres wie Krimis und Thriller angeboten. Ich schätze, es wird sich die Waage halten.

Das grundsätzliche Problem sehe ich darin, dass bei Vielleserinnen und Viellesern Bücher leider, vor allem in der E-Book-Form, zum „Weg-lese“-Produkt oder einfach „Haben-wollen“-Produkt mutiert sind. Dass aber auch hier viel Arbeit drinnen steckt, wird kaum mehr gesehen, und ich denke, wir Selbstpublisher tragen mit unseren Preisaktionen um € 0,00 und € 0,99 eine Mitschuld, zumindest ich persönlich. Nachdem wir in den Buchhandlungen ja kaum bis gar nicht präsent sind, benötigen wir sie jedoch als „Auslage“, um gute Rankings bei den Online-Plattformen zu erzielen, damit überhaupt jemand unser Bücher findet und eventuell kauft.

Den Joghurt muss man im Laden doch auch bezahlen.

Aber dennoch sprechen wir von erwachsenen Menschen, die sich im Rahmen der jeweiligen Gesetze zu verhalten haben, und hier ganz klar bestehendes Recht verletzen.
Ich gehe ja auch nicht in ein Geschäft, nehme mir ein Joghurt und eine Packung Nüsse aus dem Regal, und marschiere lächelnd an der Kassiererin vorbei und sage, „Sorry, das Joghurt ist ein „Weg-esse“-Produkt und die Nüsse wollte ich einfach haben, und deshalb bezahle ich das nicht. Schönen Tag noch!“ Buchpiraterie ist ganz klar ein Straftatbestand.

Sind es nun meine Leserinnen, die illegal downloaden?  Ich nehme ja schon an, dass meine Bücher auch auf diese nicht legale Art Leserinnen finden, demnach wird es also Leserinnen geben, die über diese Kanäle zu meinen Büchern finden. Bei Leserinnen, die mit mir in Kontakt stehen, kann ich mir das allerdings überhaupt nicht vorstellen.

Lars Sobiraj: Laut Bonik/Dr. Schaale kommt auf ein bezahltes E-Book mindestens 10 schwarz kopierte. Was glaubst Du, wie schaffen es die Leserinnen und Leser ihr schlechtes Gewissen auszuschalten? Wo siehst Du die Ursachen für die vielen schwarzkopierten E-Books? (Quelle)

Mira Morton: Also gesetzt den Fall dieses Verhältnis von legal gekauften zu illegal kopierten Büchern träfe auch auf mich und meine Bücher zu, dann wäre das sehr traurig. Ich würde als Autorin, rein von den Verkaufszahlen, dann ja einen ganz anderen Marktwert haben. Theoretisch zumindest.

sellbox bitcoinVor allem wenn man bedenkt, dass ein Buch zu veröffentlichen ja zunächst einmal den unabhängigen Autor oder die Autorin eine Menge Geld kostet (bei mir derzeit für mein neues Buch so um die €1.200,00 netto), dann ist es noch viel bedenklicher. Es könnte passieren, dass eine Autorin oder ein Autor sich irgendwann schlicht und ergreifend keine Veröffentlichung mehr leisten kann oder will. Und dann sind die Verlierer abgesehen von einem selbst vor allem jene Leserinnen und Leser, die ihren Lieblingsautor oder ihre Lieblingsautorin immer durch ehrliche Käufe unterstützt haben. Und das empfinde ich als eher wenig ansprechendes Szenario.

Lars Sobiraj: Was glaubst Du, wie es die Schwarzkopierer schaffen, ihr Gewissen auszuschalten?

Mira Morton: Ich glaube, dass viele hier einen Denkfehler begehen. Er könnte darin bestehen, dass man sich selbst sagt, ‚Naja, hätte sich meine Freundin das Buch gekauft, könnte ich es mir ja auch gratis ausborgen, also was solls!‘ – ‚Ist ja nur ein Buch, vielleicht eines, das mir am Ende gar nicht gefällt oder ohnehin eines, das gerade um € 0,99 angeboten wird.

Das Problem dabei ist aber die Menge. Wie vielen Menschen kann ich mein gekauftes Printbuch denn leihen? Aber bei Download-Plattformen sprechen wir von Unmengen an Büchern. Das ist die eine Seite. Die andere Frage, die sich jeder und jede, die das tun, stellen sollte, ist die, ob Sie auch samstags einmal in die Buchhandlung gleich ums Eck gehen und absichtlich dort ein Buch stehlen? Vielleicht zufällig dabei beobachtet und anschließend angezeigt werden wollen? Wegen Diebstahl? Ist das eine schöne Vorstellung? Also für mich nicht.

Für mich sind illegale Downloads nicht anders, als würde jemand in meine Wohnung spazieren und meinen, er nehme jetzt einmal eine Vase  mit, einfach weil sie so nett aussieht. Oder wenn die Bücher an diese Plattformen übermittelt werden, dann räumt jemand hinter meinem Rücken gleich meine gesamte Wohnung aus. Für mich ist beides ganz simpler Diebstahl. Nicht mehr und nicht weniger. Und Unwissenheit als Argument ins Rennen zu führen, warum ich Gesetze nicht einhalte, schützt bekanntlich auch vor Strafe nicht.

Als Ursache für die vielen illegalen Downloads kann ich mir nur vorstellen, dass es so einfach und unkompliziert ist und vielleicht das Unrechtsbewusstsein verlorengegangen ist. Mehr fällt mir dazu auch nicht ein.

mira morton lul.toRadikal gedacht könnten wir Indie-Autorinnen und Autoren uns natürlich auch zusammenschließen und nur mehr gedruckte Bücher herausgeben, oder aber jedes Buch und jedes E-Book der gesamten Buchbranche erhält eine rückverfolgbare „Seriennummer“, die nachweislich einmal bezahlt werden muss. Oh, da hätte ich auch noch ein paar andere kreative Ideen.

Lars Sobiraj: Viele Autoren schweigen sich zu diesem Thema aus. Vielleicht auch weil E-Books noch eine Nische darstellen. Oder hast Du andere Ideen, warum sich die meisten Betroffenen dazu ausschweigen?

Mira Morton: Naja, in letzter Zeit haben doch einige, also zum Beispiel auf FacE-Book, dazu Stellung bezogen. Es gab auch eine Solidaritätsaktion für die Autorinnen und Autoren, was wirklich süß war. Aber im Grunde hilft nur eines: Fakten sammeln, öffentlich dazu stehen, aber vorher ab zur Polizei. Ich nehme an, dass jene, die sich tatsächlich ausschweigen, vielleicht auch gar nicht wissen, was sie dagegen unternehmen können. Die Sache mutet ja irgendwie an wie David gegen Goliath.

sellbox start with dropboxLars Sobiraj: Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass Du angefangen hast Bücher zu schreiben?

Mira Morton: Tja, also ich schreibe, seit ich ein Kind bin. Anfangs eben nur Aufsätze und Tagebücher  Und dann, naja dann habe ich jahrelang nur für mich selbst geschrieben, und das Geschriebene eben nur ab und zu einmal meinen Freundinnen zum Lesen gegeben. Aber an und für sich habe ich ein Faible für Sprache und Schreibstile. Daher habe ich mich in verschiedenen geübt und genieße es auch beim Lesen sehr, wenn jemand da etwas draufhat (wie wir Österreicherinnen so sagen).
Mein Liebling ist diesbezüglich Wolf Haas – ein Virtuose! (Natürlich neben vielen anderen Autorinnen und Autoren, die ich sehr verehre.) Und ich bin ein Fan der Fantasie!

Lars Sobiraj: Wie schwer war die Suche nach einem Verlag?

Mira Morton: Also ich wurde ja sozusagen ermutigt, Mira Morton (mein Pseudonym) ins Leben zu rufen, und habe damit beim THG-Verlag begonnen. Mittlerweile bringe ich meine Bücher wieder als Selfpublisherin heraus. Und um ehrlich zu sein, ich habe mich gar nicht erst auf die Suche nach großen Publikumsverlagen begeben, da ich schnell erkannt habe, dass das zwecklos ist. Das war mir schnell klar und daher habe ich es nicht in Betracht gezogen.

Mittlerweile sehe ich das anders. Ich habe drei Romane veröffentlicht, und könnte im Fall der Fälle doch etwas vorweisen. Aber vielleicht finden ja nun auch zu mir? (Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.)

Lars Sobiraj: Warum verlegst Du nicht bei Amazon selbst? Was spricht dafür beziehungsweise dagegen?

Mira Morton: Ich bin gerade in der Umstellungsphase und verlege somit auch selbst, auch bei Amazon. Ob Selfpublisher oder Kleinverlage, das Problem bleibt ohnehin ein- und dasselbe: nämlich, wie finden interessierte Leserinnen und Leser zu meinen Büchern, und außerdem, wie kommen meine Bücher auch in den Buchhandel?

Mein neuer Roman „Ich schreib dich einfach weg“ ist daher als Selfpublisherin im BOD-Verlag erschienen.
Für das Selbstverlegen spricht meiner Ansicht nach vor allem die Geschwindigkeit, mit der ich/wir veröffentlichen können. Dagegen spricht die gesamte Marketing- und Werbungsarbeit und natürlich die quasi Nicht-Erreichbarkeit des Buchhandels. Gerade deshalb hat der E-Book-Markt so einen großen Stellenwert, denn das  ist aus meiner Sicht das Dilemma der Kleinen.


Video: Sellbox – Get paid instantly in Bitcoin!

 

Lars Sobiraj: Gibt es noch etwas, was du zum Abschluss sagen möchtest?

Mira Morton: Ja, gerne. Erstens, dass ich dir für die Unterstützung und das Interview sehr dankbar bin, Lars

Zweitens möchte ich hier auch einmal die Bloggerinnen und Blogger hervorheben. So viele machen so einen tollen Job und nur die wenigsten erhalten Geld dafür! Im Gegenteil, viele investieren ebenso richtig Geld in ihre Blogs. Muss auch einmal gesagt werden.

Und drittens habe ich eine Bitte an alle, die dieses Interview lesen: Achtet auch auf euer Umfeld! Fragt doch Freundinnen und Freunde einmal, wo sie ihre E-Books gekauft haben, und klärt sie auf, wenn sie von Piratenseiten kommen! Vielleicht schaffen wir alle gemeinsam ja doch noch ein Wunder.

 

P.S.: Hier noch ein Tipp für alle, die sich für dieses Thema interessieren: Die Tarnkappe hat sich im November 2014 mit dem Berliner Piratenjäger Manuel Bonik (Lisheennageeha Consulting Ltd.) unterhalten.

Mehr zu diesem Thema:

Flattr this!

23 Comments

  • comment-avatar

    Anette_Halbestunde

    99 Cent für (hard) DRM freie eBooks, da bin ich dabei – aber bei Amazon weder das eine noch das andere.

  • comment-avatar

    Leser

    Was finde ich aber auch ein Grund ist, ist das z.b. Frau Morton ihre Bücher nur bei amazon veröffentlicht und so denen den Zugang versperrt die keinen kindle besitzen.
    Und da ist dann der Aufwand das amazon Format zu einem epub umzuwandeln (Grauzone) gleich mit dem direkt download (illegal, aber einfacher).

  • comment-avatar

    Anonym_2014

    “Ist also die Gratismentalität an allem schuld? Die Erklärung greift zu
    kurz, weil sie übersieht, dass Piraterie ein Geschäftsmodell ist. Eine
    nicht geringe Zahl an Menschen verdient prächtig an der illegalen
    Verwertungskette. Viele Uploader stellen etwa die Dokumente nicht
    einfach in wohltätiger Robin-Hood-Manier ins Netz, sondern erhalten Geld
    von den Hostern.

    Weitere Profiteure sind die Werbetreibenden … die Finanzdienstleister … die Betreiber der Plattformen

    Ein Entwurf für eine Änderung des Telemediengesetzes sieht vor, OCHs stärker als bisher für ihre Inhalte haften zu lassen.”
    Quelle:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/illegale-downloads-machen-dem-e-book-markt-sorgen-13499182.html?printPagedArticle=true

  • comment-avatar

    HerrRichter2015

    Ein illegelaler Download ist kein Diebstahl. Bei einem Diebstahl stehle
    ich eine Sache. Bei einem unrechtmäßigem Download verletze ich lediglich
    ein Recht. Bei einem illegalen Download ist nicht klar ob ein
    finanzieller Schaden entsteht oder ob lediglich ein Recht verletzt wird.
    Wenn ich in einem Geschäft eine Sache klaue (z.B einen Joghurt oder ein
    Buch) nehme ich dem Verkäufer etwas weg, wofür er vorher etwas bezahlt
    hat. Es ensteht ein finanzieller Schaden für den Verkäufer und ich
    verletze Rechte.

    Wenn ein Buch produziert wird enstehen in jedem
    Fall kosten, die durch den Verkauf gedeckt werden müssten. Außerdem ist
    es richtig, wenn auch noch Gewinn erzielt wird, da die Autoren/Lektoren
    usw. mit dem Veröffentlichen von Büchern ihren Lebensunterhalt
    bestreiten müssen. Wenn jedoch einmal Gewinn in einer bestimmten Höhe,
    die z.B. gesetzlich geregelt wäre, erzielt wurde, müsste das Urheberecht
    für dieses Werk nicht mehr gelten. Dann müsste es erlaubt sein Kopien
    z.B. kostenlos über das Internet zu verbreiten. Wenn das Urheberrecht
    einmal erloschen ist, wäre auch für den Konsumenten klar, dass er kein
    Geld mehr für das “abbezahlte” Werk zahlen müsste. Ein illegales
    Vermarkten (z.B. über “sellbox” ) wäre dann ausgeschlossen.
    Wenn z.B
    ein Architekt seine Baupläne verkauft, muss einmal ein fester Betrag
    dafür gezahlt werden. Dann haben alle Handwerker und Bauherren in den
    nächsten Jahren kostenlos Einsicht auf die Pläne. Es ist nicht denkbar
    das ein Architekt Pläne erstellt, für die immer wieder aufs Neue Geld
    bezahlt werden müssen, nur weil eine Firma Einsicht auf diese braucht.
    Genauso ist es ein Unding, das man immer noch Geld für Musik von den
    Beatles zahlen muss. Die Beatles haben schon längst ein Vermögen mit
    ihrer Musik verdient und trotzdem kostet ihre Musik immer noch Geld.

    Ein
    anderes Problem beim Erwerb von digitalen Gütern ist, das man ein
    unverkäufliches Recht erwirbt, z.B. ein Ebook zu lesen. Wenn man jedoch
    das Ebook ausgelesen hat, darf man es nicht weiterverschenken oder
    weiterverkaufen. Wenn man eine CD oder ein gedrucktes Buch kauft steht
    es außer Frage, dies bei Nichtgefallen oder bein Nichtgebrauch zu
    verkaufen bzw. zu verschenken.

    • comment-avatar

      Lesender

      Bin ich solvent (also habe Geld) und finde das Buch gut (würde es also kaufen wäre es nicht frei verfügbar) entsteht ein Schaden sobald von LUL.TO und Co. geladen wird.
      Hab ich kein Geld entsteht kein Schaden (hätte es ja eh nicht gekauft).
      Generell kann man auch aus meiner Sicht, den Schöpfungsprozess bei der Erstellung eines Buches nicht eins zu eins mit der (als Beispiel) sehr beliebten Möbelfertigung vergleichen.
      Ich gehe aber in dem Punkt konform, das die (aus meiner Sicht) übergroße Länge der Schutzfristen im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen ungerechtfertigt ist. Dies sehe ich sowohl von der Bedeutung für die Allgemeinheit her wie auch von der Außenwirkung.
      Es ist schlicht schwer vermittelbar, das ein Softpornoschnulzenbuch (nur als zuspitzendes Beispiel angeführt) automatisch bis 75 Jahre nach dem Tod des Autors geschützt ist, bei einer bahnbrechenden Erfindung dagegen muß aktiv der Patentschutz beantragt und verlängert werden. Ob das sinnvoll wäre, ist noch ein ganz anders Thema.
      Für Menschen die mit ihrer Hände Arbeit ihr Geld verdienen gibt es da auch ein subjektives Verständnisproblem. Für die sieht so eine Regelung wie die Lizenz zum gelddrucken aus. Das es hinter den Kulissen etwas komplexer ist, sieht man nicht auf den ersten Blick.
      Eine erkennbare Reduktion bei den Schutzfristen würde da in der öffentlichen Sicht viel bringen und so von Erklärungen flankiert sicher eine erhebliche Verbesserung der Akzeptanz erzielen.
      Für die Autoren hätte das vermutlich kaum negative Auswirkungen, da soweit mir bekannt, zumindest bei Belletristik Geld nur so richtig in den ersten vier bis acht Jahren fließt.
      Danach rauscht der Ertrag massiv in den Keller.
      Ein auslaufen der Schutzfristen muss nicht unbedingt bedeuten das ein Werk danach kostenfrei verfügbar ist. Im Artikel von Lars wurde ja angeführt das zumindest eine Seite die Books sogar teurer verkauft als die Autorin selber.
      Die ganze es muss alles billiger sein Leier kann ich nicht mehr ab. Identische oder fast identische Produkte lassen sich ohne weiteres zu sehr unterschiedlichen Preisen an verschiedene Kundengruppen verticken. Als Beispiel nehme ich mal passend zum Frühlingsanfang Stiefmütterchen. Die gibt es ab 15 Cent bis zu 2,50 €. Das ist eine satte Spreizung der Preisspanne und funktioniert am Markt. Ich habe übrigens welche für 2,50 € gekauft weil da drei Farben in einem Topf waren und die Farbe die mir am besten gefallen hat bei den anderen Anbietern/Qualitäten nicht zu finden war.
      Komischerweise regt sich kaum jemand auf wen Apple ein Telefon für 800 Kröten vertickert welches mit Fertigung und Vertrieb um die 150-180 € kosten soll. Da wird das als betriebswirtschaftliche Glanzleistung hingestellt.
      Will ein Autor (hier kann man fast jede andere selbstständige/freiberufliche Gruppe eintragen) 5,00 € für sein Buch wird rumgeschrien das das Wucher ist. Ob der Autor erfolgreich ist, ist dann allerdings noch eine ganz andere Sache (siehe meine anderen Beiträge).

      @HerrRichter2015:disqus
      Erfolg würde ich nun niemanden vorwerfen. Wieviel einer damit verdient hat ist neben dem Können oft zufalls- und glücksabhängig.

      • comment-avatar

        HerrRichter2015

        Auf jeden Fall muss ein anderer staatlicher Schutz als das Urheberrecht für Schöpfer geistigen Eigentums her. Das Urheberrecht verhindert nicht, dass die Werke der Schaffenden geschützt werden. Es macht Abmahnkanzleien und andere “Piratenjäger” reich. Durch das Urheberrecht ist es übehaupt erst möglich das professionelle Schwarzkopierer auch noch Geld mit den Kopien machen können.

    • comment-avatar

      Ich mag den Vergleich zwischen Ladendiebstahl und einer Urheberrechtsverletzung sicher nicht, weil der aus den Kreisen der Rechteinhaber kommt. Aber was Sie da so von sich geben klingt alles nicht sonderlich plausibel, sorry. Es bleibt dabei: Sellbox ist seinen Prüfpflichten bewusst oder aus Fahrlässigkeit nicht nachgekommen. In Deutschland wäre der Anbieter damit auf jeden Fall in der Haftung.

      • comment-avatar

        deubacoba

        Lars, hast Du eigentlich verstanden was HerrRichter2015 da formuliert hat? Sellbox spielt doch für seine Argumentation überhaupt keine Rolle.

        Der Austausch zwischen Lesender und HerrRichter2015 ist seit langem mal wieder etwas Lesenswertes hier – typischerweise in den Kommentaren (sorry, Annika, Deine Beiträge sind eigentlich ganz gut, leider sind andere Känale zu den Themen aber immer schneller – nur damit der goldene Finger auch explizit gelobt wird).

    • comment-avatar

      Hier sind einige interessante Ansätze dabei – einige leider sehr ausgerichtet an der Idee, dass kreativ arbeitende Menschen doch irgendwann genug verdient haben müssen.

      Die ins Spiel gebrachte Möglichkeit, eine Art Obergrenze für den mit der Rechteabtretung zu erzielenden Umsatz einzuführen, hat auf den ersten Blick einen gewissen Charme, würde in der Praxis aber zu einigen Fragen führen, wie etwa “Wer legt diese Summe fest? Für welche Arbeits- und Leistungsbedingungen gilt sie? Wer kontrolliert die Einhaltung dieser Grenzen? etc.’ Kurz: Die Lösung würde enormen Aufwand nach sich ziehen, der natürlich bezahlt werden müsste. Und ob Künstler, Verlage und Konsumenten die resultierenden Kontrollinstrumente dieser erforderlichen staatlichen Regelung so bereitwillig mit jedem Kauf vergüten würden, ist zumindest nicht zu erwarten.

      Aber zum Kern des Vorschlags: Würde er dem geschilderten Vertrieb gestohlener Ware in irgendeiner Form schaden? Ich wage es zu bezweifeln, denn es schon jetzt sinkt ja generell die Bereitschaft, für kreative Leistungen mehr als die genannten 99-Cent-Almosen zu bezahlen (obwohl natürlich klar ist, dass von diesem Betrag wiederum nur ein Bruchteil beim jeweiligen Rechteinhaber landet). Insofern kann man von einer aus sozialen oder moralischen Gründen freiwillig geleisteten Zahlung bei Käufern wohl eher nicht ausgehen und der durchschnittliche Käufer wird dort kaufen, wo er das günstigste Angebot erhält und gleichzeitig die Möglichkeit strafrechtlicher Konsequenzen überschaubar gering sind.

      Es ist vielmehr generell so, dass es (man sieht es an den zum Teil menschenverachtend selbstsüchtigen Argumenten, die in der Urheberrechtsdebatte ausgetauscht werden) einen nur sehr gering ausgeprägten Respekt vor immateriellen bzw. künstlerischen Leistungen gibt. Hier möchte man sehr gern das Neueste und Schönste konsumieren, ist aber nicht bereit, den Aufwand ähnlich wahrzunehmen wie es etwa im produzierenden Gewerbe der Fall ist. Wenn zugleich der Rechtsbruch entsprechend einfach ist und nahezu kaum Konsequenzen zu befürchten sind, die Gewichtung hin zu einer gewissen Kaltschnäuzigkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber den Urhebern verschiebt: Sollen die sich doch überlegen, wie sie Geld verdienen – ich möchte mein Buch, meine Musik, mein Bild kostenlos und im Idealfall sogar damit noch ungestraft Geld verdienen können.

      Hier kann eigentlich nur ein konsequentes trockenlegen des Sumpfes helfen, um ein Bewusstsein für den Wert immaterieller Güter zu schaffen und gleichzeitig das Geld, das bisher kriminellen Anbietern zugespielt wird, wieder in Richtung Urheber und Vermarkter zu lenken.

      Ebenso halte ich es für verfehlt, zu fordern, es müsse ein weiterer staatlicher Schutz anstelle des Urheberrechtes treten. Natürlich verhindert das Urheberrecht nicht, dass “die Werke der Schaffenden geschützt werden” (sic!). Aber Scherz beiseite, es ist zu ahnen, was der Verfasser meint: In der Tat schützt das Urheberrecht die Rechte an der Werknutzung. Das sagt es glücklicherweise sogar für die Betroffenen ziemlich eindeutig und in verständlichem Deutsch formuliert ist. Diesen Schutz nun aufzugeben, um sich auf einen anderen staatlichen Schutz, also wohl auf bereits existierende straf- und zivilrechtliche Vorschriften, zu stützen, würde in meinen Augen einerseits zu einer Verkomplizierung führen und andererseits einigen Verfolgungsmöglichkeiten die Grundlage entziehen. Wo kein Nutzungsrecht mehr definiert ist, kann die Verletzung dieses Rechtes auch nicht mehr verfolgt werden. Also eher ein Vorschlag, der deutlich den “Ich klau, weil ich es kann”-Kunden und den kriminellen Anbietern in die Hände spielt, das Problem aber nicht löst.

      Kein Argument kann auch eine Entkriminalisierung über eine Leistungsverlagerung in der Art, erst ein Produkt nutzen zu wollen, es danach zu beurteilen und schließlich gnädigerweise zu bezahlen, wenn “man es gut findet”. Das ist nichts als die freundlich mit einer Alibi-Kaufabsicht übertünchte Variante von “Ich will umsonst”.
      Im richtigen Leben funktioniert es doch auch: Wer haben will, muss Geld auf den Tisch legen.

      Machen wir uns nichts vor: Man muss kein Buch oder Album komplett herunterladen, um sich über die unterschiedlichen Vorschaumöglichkeiten ein Bild zu machen. Wenns dann doch nicht gefällt, ist man auf Kulanz angewiesen oder hat Pech gehabt.

      Aber würde das nicht den illegalen Anbietern schaden? Nicht wirklich, denn ihr Geschäftsmodell funktioniert ja weiterhin – die Zahlungen, sollte sie jemals erfolgen, würden wiederum nicht den Urheber erreichen.

      Entsprechend kann auch nicht festgelegt werden, dass ein Schaden nur dann eintritt, es also nur dann kriminell ist, wenn der Dieb über eine ausreichende Kontendeckung verfügt. Dieses Argument aus Verursachersicht klingt sehr nach dem Ruf des Ertappten: “Ich bin ja kein Dieb, ich hätte das Buch ja sowieso nicht gekauft. Jetzt hab ich aber doch gelesen.” Wovon man nie hört, ist, dass ein solcher “unabsichtlicher Nutzer ohne Kaufabsicht” dem Urheber nachträglich den Kaufpreis überwiesen hätte. Hier läuft diese etwas seltsame Vorstellung mit dem zuvor genannten Nutzungsargument zusammen. Beide sind letztlich Lippenbekenntnisse.

      Der Schaden entsteht, wenn ein immaterielles Produkt illegal weiterverbreitet und damit dem offiziellen Verkauf (und vermutlich auch der Steuer) entzogen wird. Die illegal erreichten Downloadzahlen sind technisch durchaus mit Verkäufen gleichzusetzen (in welchem Umfang ist hier erst einmal egal). Dabei ist klar, dass der Anbieter eines solchen gestohlen Produktes als Hehler auftritt und entsprechend intensiv belangt werden müsste. Das wäre sicherlich schon unter steuerlichen Aspekten interessant. Doch auch der Käufer, der das Produkt illegal erworben hat, ist natürlich Teil des Systems. Dabei ist es ganz egal, ob er dieses Produkt auch dann gekauft hätte, wenn er es regulär hätte vergüten müssen. Er wollte es haben und hat es vermutlich wissentlich als Diebesgut erworben. Damit sollte er, ebenso wie auch der illegale Anbieter, rechtlich verantwortlich sein.

      Ich nutze hier absichtlich einfache Begriffe wie Dieb, kriminell, Hehler etc., weil ich sie für ausreichend plastisch halte. Sie decken nicht unbedingt den juristisch korrekten Kontext ab, vermitteln aber deutlicher, was gesagt werden soll. Ein Dieb vermittelt dem Leser einen besseren Eindruck als ein diffuser Rechteverletzter; letztlich reden wir hier ja von nichts anderem als Kriminellen im Wohnzimmer.

  • comment-avatar

    “Als Ursache für die vielen illegalen Downloads kann ich mir nur
    vorstellen, dass es so einfach und unkompliziert ist und vielleicht das
    Unrechtsbewusstsein verlorengegangen ist.”

    Ja, mit “Unrechtsbewusstsein” tun sich viele schwer gegenüber einem Stück Code, das im Prinzip unendlich oft vermehrt werden kann. Deswegen sei es auch kein Diebstahl, denn man kopiere es ja nur und danach sei es ja immer noch da, anders als beim Diebstahl eines “richtigen” physikalischen Objekts. Das eine Argumentation, die man immer wieder liest. Dass man es überhaupt liest, könnte man immerhin so werten, dass da doch noch ein letzter Rest von “Unberechtsbewusstsein” ist; wäre es nicht da, müssten die so Argumentierenden ja gar nicht argumentieren.

    “einfach und unkompliziert”: Natürlich, anonym vom heimischen Rechner, zwei-, dreimal klicken, fertig. Man kann die alte Frage stellen: Warum leckt sich der Bulle an seinen Eiern?

    • comment-avatar

      Will nicht mal jemand Warum? fragen?

      • comment-avatar

        So toll, wie Disqus funktioniert, ist man eh oft genug ausgesperrt.

        • comment-avatar

          Nett kann ich nicht. Oder nur selten.

        • comment-avatar

          Wir sind in der Vorbereitungsphase ™. Es wird ein richtiges Forum für die TK geben. Bald ™. Ehrlich.

          • comment-avatar

            uschi

            im innerdeutschen bereich sollte man mit der verwendung dieses zeichens oder dieser abkürzung lieber aufpassen.
            für den normalen nutzer wohl eher uninteressant, aber der betreiber sollte lieber rechtsbeistand einholen.
            aber nur vielleicht… liegt ja kein gewerbe vor ^^

          • comment-avatar

            Anonym_2014

            Ein richtiges Forum halte ich auch für sinnvoll. Was mir allerdings an DISQUS gefällt ist, dass man im HTML-Seitenquelltext die ursprüngliche Version von allen geänderten oder “gelöschten” Kommentaren sehen kann :-)

      • comment-avatar

        Nachdem ihr alle so gierig auf die Antwort seid:
        Weil er es kann.

        • comment-avatar

          deubacoba

          Denkt sich mein Hund auch…

  • comment-avatar

    Lesender

    Klauen ist illegal, Punkt.
    Aber die andere Seite ist, das die Masse der Autoren so oder so nicht vom schreiben leben könnte.
    Dafür gibt es einfach zuviele. Da ist es egal ob der Autor gut oder schlecht ist (was bei der rechtlichen Betrachtung ebenfalls unerheblich und oft eine sehr subjektive Einschätzung ist).
    Jedes Jahr über 100000 neue Bücher in deutscher Sprache plus die Backlist plus englische Titel.
    Das kann auf Dauer nicht gutgehen, da lesen ein zeitintensives Hobby ist und mit anderen Freizeitaktivitäten konkurrieren muss.

    Nachsatz, früher landeten Unmassen, zum Teil nicht mal schlechte, Manuskripte bei den Verlagen in der Tonne.
    Heute kann halt jeder zum kleinen Preis veröffentlichen. Das hat halt Vor- und Nachteile.

    • comment-avatar

      Lesender

      @edoep
      Das sollte auch keine Rechtfertigung sein, sondern nur eine kurze nichtmal vollständige Beschreibung des Istzustandes.
      Die nicht sehr geschmackvolle Umschreibung von Bonik zum Thema weil es möglich ist kommt noch dazu.
      Da muss man aber sagen geringe Veröffentlichungskosten stehen dem höheren Risiko der nicht lizenzierten Kopie gegenüber. Andere Märkte haben ähnliche Risiken und auch dort könnten die Geschädigten gegen die Nutzer vorgehen, machen es allerdings nicht, da sowas verheerend für die eigene Reputation und teuer ist.
      Aus meiner bescheidenen Sicht hat das Urheber- und Verwertungsrecht durchaus seine Berechtigung.
      Ich sehe diese Berechtigung aber eher im Umgang von Autoren und Verlagen und Vollkaufleuten untereinander.
      Natürlich sollte man es auch bei “Anbietern” wie LUL.TO anwenden.
      Zu verlangen das der Endkunde sein “Gewohnheitsrecht” auf das weitergeben und tauschen von Büchern aus der analogen Welt aufgibt ist vermutlich Wunschdenken und zum scheitern verurteilt.
      Selbst bei einer Totaluberwachung (die wir vermutlich schon haben) können digitale Daten ja auch offline getauscht werden.
      Ich denke die Lösung kann nur in einem abgestuften Urheber- und Verwertungsrecht bestehen welches nach privat und geschäftlich differenziert und auf jeden Fall eine Absenkung der Schutzdauer beinhalten muss.
      Praktisch wird sich das ganze vermutlich rein marktwirtschaftlich regulieren.
      Verlage gehen pleite, Autoren suchen sich einen neuen Broterwerb, die Zahl der Neuveröffentlichungen sinkt, die verbleibenden Marktteilnehmer können auf einem niedrigeren Level als jetzt am Markt bestehen.
      Wichtig wäre aus meiner Sicht noch das die Anbieter von Ebooks dem Kunden zumindest die Wahl lassen ob er sein Leseverhalten erfasst haben möchte oder nicht.
      Weiter ist die Möglichkeit einer anonymen Bezahlmöglichkeit vermutlich unumgänglich um zumindest einen Teil der Leute zu gewinnen die illegale Angebote nutzen.
      Viele wollen einfach nicht das XYZ weiss was sie so lesen. Das ist ein sehr sensibles Thema.
      Stattdessen wird über Big Data auf dem Reader nachgedacht.
      Ebookpiraterie ist nach meiner empirischen Erfahrung eben kein Unterschichtenproblem.
      Richterin QYX ist aber mit Sicherheit nicht begeistert das irgendwo gespeichert wird das sie ein Fan von Vampirsoftpornoebooks ist (Beispiel ich mußte gerade an das Oldenburger Landgericht denken welches selber massiv illegale Kopien verbreitet hat).

    • comment-avatar

      Lesender

      Korrektur, das Oberlandesgericht Naumburg war da so tatkräftig :-).

  • comment-avatar

    Lucy J. Elvira X.

    Was sind das für Blogger die sich beschweren das sie kein Geld bekommen?
    Ach ne, ich will für mein Hobby auch Geld!
    Ich will auch ein It-Girl sein, und Geld für mein It-Sein bekommen!
    Also, Leute, Schreiber und Schreiber_innen und Schreibx und Schreiba. ich hatte bisher immer ein schlechtes Gewissen wenn ich mir Bücher runtergeladen habe – aber schön langsam aber sicher … immer weniger.

    • comment-avatar

      Es geht nicht um einen geklauten Blogbeitrag etc. Es geht um Schwarzkopien von E-Books, die von illegalen Anbietern zum Vielfachen des original Preises angeboten werden. Sich ein E-Book herunterladen ist eine Sache. Es verkaufen zu wollen, obwohl ich nicht die erforderlichen Rechte besitze, ist eine ganz andere. Findest Du nicht?


Leave a comment