#torstrike – Generalstreik des Tor-Netzwerkes am 1.9.

#torstrike - Mehrere Personen aus der Community riefen dazu auf, für 24 Stunden die Server des Anonymisierungsnetzwerkes abzuschalten.

#torstrike

Mehrere Personen aus der Community des Tor-Projekts haben dazu aufgerufen, für 24 Stunden die Server des Anonymisierungsnetzwerkes abzuschalten. Der geplante Generalstreik soll unter anderem den früheren Mitarbeiter Jacob Appelbaum unterstützen. Ob es am 1.9. zu einem #torstrike kommen wird, ist allerdings fraglich.

#torstrike zum scheitern verurteilt?

Die Mitteilung aus dem Umkreis des Tor-Projekts ist sowohl an die Nutzer als auch an die Betreiber der Tor-Nodes gerichtet. Man solle Tor am 1. des nächsten Monats zur eigenen Sicherheit nicht nutzen, heißt es. Die Betreiber sollen ihre Infrastruktur herunterfahren, um sich am Streik zu beteiligen. Auch die Entwickler sollen für einen Tag ihre Tätigkeit einstellen. Man könne das Anonymisierungsnetzwerk nach dem #jakegate bzw. #torgate nicht mehr benutzen. Gemeint sind die Vorwürfe gegen den Journalisten und ehemals bezahlten Tor-Mitarbeiter Jacob Appelbaum, der bei der Organisation aufgrund von teils anonymen Nötigungsvorwürfen Ende Mai dieses Jahres freiwillig seinen Stuhl geräumt hat. Die Vorwürfe wurden allerdings von anderen Journalisten zwischenzeitlich angezweifelt.


In der Mitteilung geht es aber auch um einen Ex-Mitarbeiter der CIA, der seine Stelle nach massiver Kritik aus den Reihen der Tor-Community zurückgeben musste. Gefordert wird auch der Rücktritt von Roger Dingledige und Shari Steele. Zudem sollen alle neu gewählten Aufsichtsratmitglieder wie Bruce Schneier ihre Verbindung zu den Appelbaum-Untersuchungen offenlegen. Wer dafür eingetreten ist, soll ebenfalls seinen Hut nehmen. Die Initiatoren des Generalstreiks fordern zudem, dass die Identität der bislang anonymen Personen aufgedeckt werden soll, die Appelbaum unter anderem Nötigung und sexuellen Missbrauch vorgeworfen haben.

Die Erfolgsaussichten des Generalstreiks sind eher zweifelhaft. Diverse Betreiber von Tor-Nodes haben schon angekündigt, dass sie im September trotz #torstrike ihre Hardware ohne jede Pause laufen lassen.

Kommentare von außen

Felix von Leitner (Fefe) kommentiert die causa #torstrike mit den Worten.

Wenn die Infrastruktur-Freiwilligen alle ihre Nodes ausmachen, und nur das Militär ihre weiterlaufen lässt, dann ist Tor-Benutzung am 1. September möglicherweise sogar schlimmer als Surfen ohne Anonymisierung.“ Inhaltlich seien die bei Ghostbin getätigten Vorwürfe allesamt diskussionswürdig und nachvollziehbar, meint Fefe. Ein solcher Streik würde aber die Tor-Führung nicht zum Umdenken bewegen, sondern lediglich die Sicherheit aller Nutzer gefährden.

Für viele Beobachter stellt sich hingegen die Frage, ob man tatsächlich interne Streitigkeiten auf dem Rücken von gänzlich Unbeteiligten austragen sollte.

Jacob Appelbaum auf der re:publica. Foto: Lars Sobiraj.

Jacob Appelbaum (links) nach seinem Vortrag auf der re:publica 2012. Foto: Lars Sobiraj.

Tarnkappe.info

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.