#torstrike – Generalstreik des Tor-Netzwerkes am 1.9.

Article by · 31. August 2016 ·

tor strike sorry we're closed #torstrike
Mehrere Personen aus der Community des Tor-Projekts haben dazu aufgerufen, für 24 Stunden die Server des Anonymisierungsnetzwerkes abzuschalten. Der geplante Generalstreik soll unter anderem den früheren Mitarbeiter Jacob Appelbaum unterstützen. Ob es am 1.9. zu einem #torstrike kommen wird, ist allerdings fraglich.

Die Mitteilung aus dem Umkreis des Tor-Netzwerkes ist sowohl an die Nutzer als auch an die Betreiber der Tor-Nodes gerichtet. Man solle Tor am 1. des nächsten Monats zur eigenen Sicherheit nicht nutzen, heißt es. Die Betreiber sollen ihre Infrastruktur herunterfahren, um sich am Streik zu beteiligen. Auch die Entwickler sollen für einen Tag ihre Tätigkeit einstellen. Man könne das Anonymisierungsnetzwerk nach dem #jakegate bzw. #torgate nicht mehr benutzen. Gemeint sind die Vorwürfe gegen den Journalisten und ehemals bezahlten Tor-Mitarbeiter Jacob Appelbaum, der bei der Organisation aufgrund von teils anonymen Nötigungsvorwürfen Ende Mai dieses Jahres freiwillig seinen Stuhl geräumt hat. Die Vorwürfe wurden allerdings von anderen Journalisten zwischenzeitlich angezweifelt.

In der Mitteilung geht es aber auch um einen Ex-Mitarbeiter der CIA, der seine Stelle nach massiver Kritik aus den Reihen der Tor-Community zurückgeben musste. Gefordert wird auch der Rücktritt von Roger Dingledige und Shari Steele. Zudem sollen alle neu gewählten Aufsichtsratmitglieder wie Bruce Schneier ihre Verbindung zu den Appelbaum-Untersuchungen offenlegen. Wer dafür eingetreten ist, soll ebenfalls seinen Hut nehmen. Die Initiatoren des Generalstreiks fordern zudem, dass die Identität der bislang anonymen Personen aufgedeckt werden soll, die Appelbaum unter anderem Nötigung und sexuellen Missbrauch vorgeworfen haben.

Die Erfolgsaussichten des Generalstreiks sind eher zweifelhaft. Diverse Betreiber von Tor-Nodes haben schon angekündigt, dass sie auch im September ihre Hardware ohne jede Pause laufen lassen. Felix von Leitner (Fefe) kommentiert die causa #torstrike mit den Worten: „Wenn die Infrastruktur-Freiwilligen alle ihre Nodes ausmachen, und nur das Militär ihre weiterlaufen lässt, dann ist Tor-Benutzung am 1. September möglicherweise sogar schlimmer als Surfen ohne Anonymisierung.“ Inhaltlich seien die bei Ghostbin getätigten Vorwürfe allesamt diskussionswürdig und nachvollziehbar, meint Fefe. Ein solcher Streik würde aber die Tor-Führung nicht zum Umdenken bewegen, sondern lediglich die Sicherheit aller Nutzer gefährden.

Für viele Beobachter stellt sich hingegen die Frage, ob man tatsächlich interne Streitigkeiten auf dem Rücken von gänzlich Unbeteiligten austragen sollte.

Jacob Appelbaum auf der re:publica. Foto: Lars Sobiraj.

Jacob Appelbaum (links) nach seinem Vortrag auf der re:publica 2012. Foto: Lars Sobiraj.

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4 Comments

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    Anonymous

    Wieder einmal ein an sich gutes Projekt, das sich langsam aber sicher selbst zerlegt. Wenn man sich wegen Appelbaum intern nicht bald auf die Reihe kriegt, wird diese Lappalie möglicherweise genau wie Wikileaks früher oder später das ganze Projekt teilweise oder ganz selbst abschießen. Dazu braucht es keine Geheimdienste oder sonstigen ‚Feinde‘ mehr. Für mich klingt die ganze Aktion nach einer kleinen Umwegsrevanche von Seiten des Egomanen Jacob A. höchstpersönlich.

    Es ist immer wieder erstaunlich, dass gerade in dieser anti-Establishment-Szene deren Anführer und vermeintlichen Superstars sich fast alle irgendwann benehmen wie durchgeknallte Alleinherrscher, fachlich in der Projektleitung und persönlich im Umgang mit anderen Menschen. Falls Appelbaum nicht selbst hinter diesem Aufruf steckt: sollte er schleunigst diesem Streikaufruf öffentlich widersprechen.

    @N3ro: Daumen hoch.

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    ugurano

    n3ro hört sich super an

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    N3ro

    Moin,
    ich bin selbst ein Betreiber von ein paar mittleren Entry/Middle Nodes, die ich nebenbei auf meinen Dedicated Servern laufen lasse. Generell bin ich immer für Streiks und würde auch mitmachen. Allerdings ist das Thema so absurd, dass ich hier keinen Grund erkenne…
    Wenn jemanden etwas Vorgewurfen wird und dieser jemand dann freiwillig seinen Platz räumt, dann kann etwas an den Vorwürfen dran sein. Auch wenn es nichts dran ist, hat er es freiwillig gemacht und sowas muss man nunmal hinnehmen…
    Dann die Forderung „Die Initiatoren des Generalstreiks fordern zudem, dass die Identität der bislang anonymen Personen aufgedeckt werden soll“, finde ich so dermaßen an der Philosophie des Tor-Netzwerks vorbei, dass das schon ein Grund ist NEIN zu sagen. Ein Vorwurf muss sachlich geprüft werden, dabei spielt es keine Rolle von wem diese Vorwürfe kommen. Sie ändern nichts an der Aussage dieser.
    Dazu kommt noch das angesprochene Problem mit den Militär/Staatlichen-Servern, die alles mitprotokollieren. Es gibt viele Menschen die einfach nur anonym bleiben wollen, aber es gibt schon einige die es müssen um Zensur aus dem Weg zu gehen (Bestes Beispiel aktuell ist die Türkei). Und nur schon wegen solchen Leuten lasse ich meine Nodes weiter am laufen…

    Insgesamt muss es schon einen besseren Grund für einen Streik geben und auch dann würde ich wahrscheinlich nur meine Bandbreite der Nodes massiv drosseln, damit der Sinn hinter dem Tor Netzwerk nicht verloren geht und es dennoch möglich ist anonym zu sein, aber man trotzdem den Protest merkt anhand der Geschwindigkeit.

    Nur meine Meinung und falls etwas falsch sein sollte, bitte korrigiert mich :)

    MfG
    N3ro


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