PlugMate bringt Android in Stickgröße. Der Test zeigt starke Isolation, APKs und Apple-Nutzen, aber Schwächen bei Software und Vertrauen.
PlugMate sieht aus wie ein typischer kleiner USB-C-Stick. Dahinter steckt jedoch kein Zubehör für ein Android-Gerät, sondern ein eigenständiges Android-System. Der Stick verfügt über eigene Hardware und eigenen Speicher und läuft mit dem Betriebssystem PlugOS. Das angeschlossene Smartphone, Tablet oder der Rechner liefern nur Bildschirm, Eingabe, Strom und das Netzwerk.
Was ist PlugMate?
Damit ist PlugMate weder Samsung DeX, kein Pixel-Desktopmodus und auch kein Linux auf dem Smartphone. Erklärung: DeX verwandelt ein Samsung-Smartphone in ein Desktopgerät. PlugMate bringt dagegen ein zweites Android mit, das nur eine Oberfläche zur Darstellung braucht. Die App auf dem Host zeigt dieses System an. Das ist nicht das System selbst.
Im Test merkt man diesen Unterschied natürlich sofort. Die Idee dahinter ist gut, erfrischend neu und auch kreativ. Ein getrenntes Android im Stickformat ist praktisch, gerade für APKs, GitHub-Apps, Tests, Wallets, Zwei-Faktor-Apps und natürlich besonders für Apple-Nutzer. PlugOS fühlt sich aber noch nicht an jeder Ecke fertig an, sondern wie ein Work in Progress. Das fällt besonders auf, wenn ein Hersteller mit Sicherheit, Privatsphäre und Isolation wirbt, obwohl dies eigentlich noch gar nicht der Fall ist.
PlugMate bringt sein eigenes Android mit
TrustKernel bewirbt den PlugMate als daumengroßen, privaten Android-Computer. Der von mir getestete Stick verfügt laut Hersteller über einen Octa-Core-Prozessor, 4 GB RAM, 128 GB Speicher sowie das Betriebssystem PlugOS auf Android-Basis. Es gibt auch eine stärkere Variante mit 6 GB RAM und 256 GB Speicher. Diese stand zum Zeitpunkt meines Tests aber nicht zur Verfügung und konnte mir deshalb nicht mitgeschickt werden. Getestet wurde also die kleinere Version.
Unser Testgerät kam in Rosé. Funktional spielt die Farbe keine Rolle, optisch hätten mir Grau oder Schwarz besser gefallen. Durch das gerippte Case zur Kühlung, das man um den Stick legen kann, wirkt PlugMate deutlich neutraler und weniger wie ein auffälliges Technikspielzeug. Am Ende macht der Stick seinen Job. Eine dezentere Farbe hätte trotzdem besser zum Anspruch als privates Sicherheitsgerät gepasst. Mit solchen Geräten möchte man nicht unbedingt auffallen. Schon die Nutzung von OTG, dem USB-Standard On-The-Go, ist in der Öffentlichkeit auffällig genug.
Für unterwegs ist der mitgelieferte Winkeladapter hilfreich. Damit steht der PlugMate nicht nach unten ab, sondern liegt hinten am Smartphone oder Case an. Das wirkt stabiler und belastet den USB-C-Port weniger. Gerade wenn man das Smartphone in der Hand hält, ist das deutlich angenehmer als ein Stick, der unten herausragt.
Plattformübergreifende Nutzung möglich
Das Gerät unterstützt Android, iOS, Linux, Windows und macOS, sofern das Hostgerät über USB-C und OTG verfügt. Die Daten bleiben auf der Hardware des Sticks und sind vom Hostgerät getrennt. In der Praxis läuft das unkompliziert: Stick anstecken, Host-App öffnen, PlugOS starten. Die Apps, Daten und Einstellungen liegen auf dem Stick, während das Hauptgerät nur die Oberfläche bereitstellt.
Damit ist PlugMate mehr als nur eine klassische Sandbox-App. Sie bietet einen echten Mehrwert für getrennte Identitäten, Test-Apps, Wallets oder sensible Werkzeuge. Es ist nicht nötig, alles auf dem Hauptgerät zu installieren. Man braucht auch kein altes Zweit-Smartphone nur für ein paar Android-Apps. PlugMate ist klein, leicht und schnell einsatzbereit. Genau so muss es sein, wenn es nach mir geht.
Am Rechner ersetzt PlugMate jedoch kein DeX
Am PC zeigt PlugOS klar seine Grenzen. Es läuft nicht wie ein klassischer Desktop. Ich muss ehrlich sagen, dass ich etwas Ähnliches wie den „Pixel Android Desktop Mode” von DeX erwartet hatte. Leider gibt es keine echte PC-Oberfläche, keine saubere Fensterlogik und keine Bedienung, die sich wie ein normales Desktop-System anfühlt. Es ist eher ein Android-Display in einem nicht veränderbaren Fenster.
Die grafische Benutzeroberfläche kann man für kleinere, schnelle Aufgaben nutzen, die man nur kurz erledigen möchte. Elegant ist es aber nicht und manchmal auch ziemlich umständlich, aber es funktioniert. Das ist die Hauptsache. PlugOS bleibt im Kern eine Touch-Oberfläche. Mit der Maus ahmt man diese Touch-Funktion nur nach. Man klickt, zieht und wischt mit einem Zeiger durch eine Oberfläche, die für die Bedienung mit den Fingern ausgelegt ist. Das funktioniert, auf Dauer ist es aber lästig.
Wer Samsung DeX oder den neuen Android-Desktopmodus erwartet, wird enttäuscht sein. PlugMate ist kein PC-Ersatz. Es ist ein eigenständiges Android, das sich auf einem PC anzeigen lässt. Das ist zwar nützlich, aber trotzdem etwas anderes.
Auf dem Pixel 9a lief der Stick grundsätzlich problemlos. PlugMate wurde erkannt, PlugOS startete sauber und die Oberfläche reagierte ohne größere Aussetzer. Die Darstellung war jedoch nicht ganz perfekt. In meinem Test fehlten oben und unten jeweils ungefähr ein Millimeter der Oberfläche. Das störte praktisch kaum. Es zeigt jedoch, dass die Host-App noch nicht auf jede Displaygröße optimal angepasst ist.
Sprache und Zeitzone muss der Hersteller noch fixen
Besonders auffällig war die Sache mit der Zeitzone. Obwohl ich bei der Einrichtung von PlugOS Deutsch und Deutschland ausgewählt habe, aktivierte das System automatisch die chinesische Zeitzone. Das lässt sich manuell ändern. Doch wenn man die automatische Einstellung aktiv lässt oder später wieder darauf zurückstellt, springt PlugOS erneut auf China.
Normalerweise würde ich über so einen Fehler hinwegsehen, wenn er nicht so gravierend wäre. In dieser Hinsicht muss das System einfach sauber funktionieren. Gerade bei Kalendern, Messengern, Banking-Apps, Wallets oder Zwei-Faktor-Apps darf die Systemzeit nicht plötzlich wieder auf die chinesische Zeitzone springen. Wer ein Gerät mit Sicherheits- und Privatsphäre-Anspruch verkauft, muss solche Grundlagen einfach im Griff haben, ohne dass der Nutzer selbst Hand anlegen muss.
Weitere Kinderkrankheiten, die man noch ausmerzen sollte
Auch die Sprache wirkt noch nicht rund. Trotz deutscher Einrichtung bleiben viele Oberflächen und Hinweise auf Englisch. Das stört die Bedienung zwar nicht erheblich. Es wirkt aber lieblos und unfertig. In Zeiten von KI und automatischer Übersetzung sollte man bei einem fertigen Produkt eine ordentlich übersetzte Oberfläche erwarten können.
Vorinstallierte Apps gibt es ebenfalls. In meinem Test war beispielsweise der Veil Browser bereits vorhanden. Den kann man deinstallieren und durch einen anderen Browser ersetzen. Trotzdem ist das unnötig. Ein Gerät, das mit Sicherheit und Privatsphäre wirbt, sollte möglichst leer starten. Es kann nicht die Aufgabe der Nutzer sein, das Gerät nach der Einrichtung erstmal aufräumen zu müssen. Es ist eine App vorinstalliert, mit der man FOSS- und Playstore-Apps installieren kann. Google Services sind vorinstalliert, um Apps nutzen zu können, die zwingend auf sie angewiesen sind – genauso der Play Store. Ob dieses „Feature“ wirklich etwas auf einen Securestick zu suchen hat, muss jeder selbst entscheiden. Viele werden das löschen und dafür den Aurora Store installieren. Makaber: Mit dem Canta Debloater und Shizuku kann man sicherlich auch den Stick ordentlich säubern und individuell auf seine eigenen Bedürfnisse zuschneiden
Ein eigenes Android-Gerät für Apple-Nutzer
Trotz der leider „noch” vorhandenen Macken hat PlugMate einen klaren Nutzen. Apple-Nutzer erhalten ein kleines Android-Gerät dazu. Der Stick ist besonders für Apple-Nutzer interessant. Wer im Alltag ein iPhone, iPad oder Mac nutzt, aber gelegentlich Android-Apps benötigt, erhält mit PlugMate ein eigenes kleines Android-System. Sie müssen kein zweites Smartphone kaufen oder komplett wechseln. Sie können Ihr Apple-Setup weiterhin benutzen und müssen trotzdem nicht auf die Vorteile der Android-Welt verzichten.
Das gilt insbesondere für Apps, die nicht aus klassischen App-Stores stammen. Viele Android-Projekte erscheinen direkt auf GitHub als APK, über F-Droid oder über eigene Repositories. Auf iOS ist so etwas trotz Sideloading-Möglichkeiten weiterhin recht umständlich. Android bleibt in dem Punkt einfacher. APK laden, installieren, nutzen. Genau dafür ist PlugMate wie gemacht.
Überraschend positiv war die Geschwindigkeit. Auf dem Papier klingen 4 GB RAM und 128 GB Speicher zwar nicht mehr zeitgemäß. Im Alltag fühlt sich das mobile Betriebssystem PlugOS aber sehr flott an. Apps starten zügig, die Oberfläche reagiert direkt und der Stick wirkt überhaupt nicht träge. Gefühlt läuft das kleine Android runder als manches aktuelle Smartphone von Samsung, Xiaomi und Co., solange man keine ressourcenintensiven Spiele oder extremes Multitasking erwartet.
Zum Spaß hatte ich auch Spotify Mobile installiert. Die App ließ sich zwar starten, konnte in meinem Fall aber keine Musik sauber herunterladen. Das wollen wir jetzt aber PlugMate nicht direkt anlasten. Wahrscheinlicher ist, dass die Verbindung über den Host, die PlugOS-App oder mein parallel laufender AdGuard auf dem Pixel beim Versuch, Musik zu laden, dazwischen gefunkt haben. Der Test zeigt trotzdem recht gut, wofür PlugMate taugt. GitHub-APKs kann man schnell mal eben ausprobieren, ohne das Hauptgerät mit Apps zu fluten oder dafür ein zweites Android-Smartphone kaufen zu müssen.
PlugMate trennt 2FA, Wallets und deine Identitäten
Trotz der Kritik ist der PlugMate insgesamt ein gutes Gerät. Die Trennung vom Host ist der wichtigste Punkt. Zwei-Faktor-Apps, Wallets wie Cake Wallet, getrennte Messenger, Test-APKs oder sensible Werkzeuge liegen nicht direkt auf dem normalen Smartphone. Wenn etwas schiefgehen sollte, kommt die Schadsoftware nicht auf dem regulären Smartphone zum Einsatz.
Dadurch steigt die Hürde für Angriffe. Ein kompromittiertes Hauptgerät erhält nicht automatisch direkten Zugriff auf die Daten im PlugOS-Speicher. Das ist zwar kein Vollschutz, aber eine sinnvolle zusätzliche Trennung. Wer seine wichtigsten Apps nicht alle auf einem Gerät bündeln möchte, erhält hier eine praktische Zwischenlösung.
Hinzu kommt ein Punkt, der bei herkömmlichen Smartphones schnell übersehen wird. Ein Pixel mit GrapheneOS kann das Gerät stark absichern. Es bleibt aber ein Mobilfunkgerät. Sobald es mit einer SIM- oder eSIM-Karte im Netz ist, entstehen Funkzellen, Zeitpunkte, Kennungen und Providerdaten. Das kann man nicht verhindern. GrapheneOS schützt das Telefon als Datenquelle. Das Mobilfunknetz bleibt jedoch nicht blind. Warum das so ist, haben wir euch in einem anderen Beitrag ausführlich beschrieben.
Das Gerät hinterlässt im Mobilfunknetz keine Spuren
PlugMate agiert auf einer anderen Ebene. Der USB-Stick hat kein eigenes Mobilfunkmodem, keine eigene SIM-Karte und keine Rufnummer. Dadurch erfolgt natürlich auch keine eigene Einbuchung beim Netzbetreiber. Er nutzt die Verbindung des Hosts, taucht aber nicht selbst als Mobilfunkgerät beim Provider auf. Es gibt keine eigene IMEI (Seriennummer) im Netz. Auf PlugMate-Ebene gibt es keinen eigenen Roaming-Kontext, sondern dieser wird nur für die Apps in PlugOS emuliert.
Das macht die Isolation interessant. Wer Cake Wallet, Zwei-Faktor-Apps oder extra Messenger-Accounts auf PlugMate legt, trennt sie nicht nur vom normalen Android-System des steuernden Smartphones (Hosts). Er nimmt auch die klassische Mobilfunkidentität des eigenen Smartphones aus dem Spiel. Unsichtbar wird man dadurch allerdings nicht. Der Host, das WLAN, die IP-Adresse, DNS-Anfragen, App-Konten und die Nutzung selbst können weiterhin Spuren hinterlassen. PlugMate verbindet sich aber nicht selbst mit den Mobilfunk- oder Internetbetreibern.
Selbstverständlich bleibt der Host ein Risiko. Wenn ein Smartphone oder Rechner kompromittiert ist, können weiterhin sichtbare Inhalte und Eingaben abgegriffen werden. Auch PlugMate kann nicht verhindern, dass ein infizierter Host den Bildschirm oder die Tastatur beobachtet. Trotzdem ist die Trennung ein echter Vorteil. Man muss nur wissen, was sie leisten kann und was nicht.
Aus dieser Trennung ergibt sich außerdem eine interessante Bastellösung. Die sollte funktionieren. Da wir leider keine Spenden für unsere Tests erhalten, ist es uns nicht möglich, solche Dinge umzusetzen. Technisch sollte das aber gehen. Wenn PlugMate kein eigenes Display benötigt, muss der Stick auch nicht direkt ferngesteuert werden. Es reicht, das Gerät zu erreichen, auf dem die PlugOS-App läuft.
Ein Remote-Zugriff über Smartphone und KVM ist möglich
Den PlugMate kann man logischerweise nicht direkt wie einen kleinen PC per Kernel-based Virtual Machine (KVM) ansprechen. Der Stick gibt kein eigenes Bildsignal aus. Das Bild wird immer über die PlugOS-App auf dem Hostgerät angezeigt. Wer PlugOS aus der Ferne bedienen möchte, muss deshalb nicht den Stick selbst, sondern das Gerät fernsteuern, auf dem die PlugOS-Oberfläche angezeigt wird.
Der einfachste und zuverlässigste Aufbau erfolgt über ein Smartphone. Dazu wird PlugMate am Smartphone angeschlossen und die PlugOS-App geöffnet, die das Android des Sticks anzeigt. Anschließend wird das Smartphone über einen USB-C-KVM, wie dem GL.iNet Comet Q, aus der Ferne gesteuert. Der KVM greift also nicht direkt auf den Stick zu, sondern wie gesagt, auf das Smartphone, auf dem PlugOS läuft.
Dafür ist ein passender USB-C-Hub erforderlich. Das Smartphone muss zwei Dinge gleichzeitig können, was eigentlich jedes aktuelle Modell kann. Es muss das Bild per DisplayPort Alt Mode an den KVM ausgeben und PlugMate als USB-Gerät für die PlugOS-App erkennen. Ein einfacher Lade-Splitter von der Resterampe bei MediaMarkt reicht dafür nicht aus. Der Adapter muss USB-C-Video für den KVM und echte USB-Daten für PlugMate sauber trennen. Erklärung: Ein DisplayPort Alt Mode (DP Alt Mode) ist eine Funktion des USB-C-Anschlusses, bei der der USB-C-Port Videosignale direkt als DisplayPort-Signal ausgeben kann.
Der Aufbau wäre dann wie folgt: Man schließt das Smartphone an den Hub an, den KVM an den USB-C-Videoanschluss und PlugMate an den Datenport. Die Stromversorgung erfolgt über den Ladestandard Power Delivery. Danach hängt der KVM über die Software Tailscale und ZeroTier oder Browserzugriff im Netz. Dies ist natürlich keine offizielle PlugOS-Remote-Funktion, aber eine praktikable Lösung. Aus der Ferne wird nicht der Stick selbst, sondern das Smartphone mit geöffneter PlugOS-App gesteuert. Für die Bedienung macht das am Ende kaum einen Unterschied.
PlugMate verleiht älteren Smartphones neue Funktionen
Dieser Ansatz macht PlugMate noch interessanter. Ein älteres Smartphone, das die Systemanforderungen erfüllt und USB-C mit DisplayPort Alt Mode sauber unterstützt, erhält dadurch eine neue Funktion. Es muss kein Alltagsgerät mehr sein, kann aber dauerhaft als Host für PlugMate dienen. Es ist am Strom angeschlossen, über KVM aus der Ferne erreichbar und stellt das PlugOS Remote zur Verfügung.
Damit kann man alte Hardware, die oft schon in der Schublade verschwunden ist, deutlich aufwerten. Das Smartphone stellt Bildschirm, Touch, Netzwerk und USB-C bereit. PlugMate liefert das getrennte Android. KVM ermöglicht last, but not least den Zugriff aus der Ferne. So wird aus einem ausrangierten Gerät ein kleines Remote-Android-System für Tests, 2FA, Wallets, APKs, sensible Daten oder getrennte Identitäten.
Auch deshalb erscheint der Preis für diese Möglichkeit fair. Schließlich erwirbt man keinen simplen Adapter, sondern ein eigenes kleines Android-System, das vorhandene Hardware sinnvoll weiterverwenden kann. In Kombination mit einem passenden KVM-Aufbau kann sogar ein älteres, kompatibles Smartphone einen neuen Zweck erhalten und als Host für ein kleines Remote-Android dienen.
Offene Software würde PlugMate deutlich aufwerten
Die schwierigste Frage bei PlugMate ist nicht, ob das Gerät nützlich ist. Das ist es zweifellos. Komplizierter erscheint die die Fragestellung, wie weit man einem solchen Produkt wirklich vertrauen kann. TrustKernel bewirbt PlugOS als sicheres, vollwertiges System auf unabhängiger Hardware. PlugOS soll nicht nur eine App-Isolation auf dem bestehenden Gerät sein, sondern ein eigenständiges System mit eigener Hardware, eigenem Speicher und eigener Rechteverwaltung.
PlugMate ist kein beliebiges Android-Spielzeug
Der Hersteller TrustKernel kommt aus dem Sicherheitsbereich der IT. PlugMate wirkt nicht wie ein beliebiges Android-Gadget. Die Idee ist klar, die Hardware reicht für den Zweck aus und im Test lief vieles erstaunlich rund.
Problematisch ist nicht die Fertigung der Hardware in China, da viele Geräte dort gebaut werden. Entscheidend ist, wer die Software kontrolliert, wer Updates ausliefert und welchem Rechtsrahmen der Anbieter genau unterliegt. Genau an dem Punkt könnte PlugMate deutlich stärker sein, als nur mit ihrer Hardware. Wenn der Stick zwar in China gefertigt wird, die Software aber als FOSS (Free and Open Source Software), also der Code bekannt wäre und von einem Anbieter aus einem rechtlich besser einschätzbaren Land käme, wäre die Kritik eine andere. Dann könnte man den Quellcode prüfen, Builds vergleichen, das Netzwerkverhalten nachvollziehen und Audits besser einordnen. Das würde PlugMate nicht schwächen, sondern massiv aufwerten und mehr Vertrauen in das eigentlich gute Produkt schaffen.
Open Source Software würde das Gerät aufwerten
Aktuell bleibt bei PlugMate genau dort der große Haken. Der Stick kommt aus China und die App ist nicht Open Source. Gerade bei einem Gerät mit einem solch hohen Sicherheitsanspruch wäre dies deutlich besser gewesen. Man kann nicht selbst nachsehen, welche Verbindungen die App aufbaut oder was sie im Hintergrund so alles tut. Die Netzwerkanalyse mit Wireshark blieb unauffällig. Das ist erst einmal gut. Es bleibt aber nur ein Befund aus einem privaten Testaufbau. Ein unabhängiges Audit (Prüfung) durch ein darauf spezialisiertes Unternehmen ersetzt das nicht.
Hinzu kommt der Rechtsrahmen in China. So verpflichtet beispielsweise Artikel 7 des chinesischen Nachrichtendienstgesetzes alle Organisationen und Bürger des Landes dazu, die nationale Nachrichtendienstarbeit zu unterstützen und mit ihr zu kooperieren. Wie viel rechtsstaatliche Absicherung man in China real erwarten kann, das müssen wir an dieser Stelle sicher nicht ausführen, oder? Für ein geschlossenes Sicherheitsprodukt reicht dieser Punkt aber schon aus, um vorsichtig zu bleiben.
Aus dem Test wird jedoch kein pauschales Urteil gegen PlugMate. Es sind keine Symptome aufgetaucht, die den Stick direkt belastet haben. Das Gerät lief ordnungsgemäß, die Trennung vom Hauptgerät funktionierte und er ist im Alltag tatsächlich nützlich. Nur bleibt die Vertrauensfrage offen. Ein proprietärer (nicht bekannter) Quellcode der App, ein chinesischer Anbieter, kein unabhängiges Audit und trotzdem ein Sicherheitsversprechen. Genau an dieser Stelle bleibt ein ungutes Gefühl zurück.
Für westliche IT-Forscher, Behörden oder bei einer sehr sensiblen Quellenarbeit kann genau daraus ein echtes Sicherheitsrisiko entstehen. Auch Journalisten, Dissidenten im Westen, Sicherheitsleute, Pentester oder Red-Teams (Hacker, Angreifer) sollten PlugMate deshalb nicht als harmloses Gadget behandeln. Interessant bleibt der Stick trotzdem, solange man seine Bedeutung nicht überbewertet. PlugMate ist ein Werkzeug. Nicht mehr und nicht weniger. Dementsprechend sollte man es bewerten. Und dies abhängig vom Bedrohungsmodell, Einsatzzweck und dem damit verbundenen Risiko.
Unser Fazit: PlugMate ist cool, aber nicht perfekt!
PlugMate ist noch lange nicht perfekt, fällt im Test aber auch nicht durch. Die Oberfläche wirkt noch unfertig, die Lokalisierung muss überarbeitet werden und die Zeitzone sprang im Test wieder auf China zurück. Der größte Schwachpunkt bleibt die Closed-Source-App. Trotzdem hat uns der Stick im Alltag positiv überrascht. Es handelt sich um ein eigenes Android in Stickgröße, das für normale Aufgaben schnell genug ist. Er ist praktisch für Apple-Nutzer, Besitzer älterer Smartphones und nützlich für APKs, GitHub-Apps, Tests, 2FA, Wallets oder getrennte Identitäten.
Der wichtigste Vorteil ist und bleibt aber die Geräteisolierung. PlugMate ist kein eigenständiges Mobilfunkgerät. Es verbindet sich nicht selbst mit Netzbetreibern, hat keine eigene SIM-Karte und taucht auch nicht mit eigener Kennung im Mobilfunknetz auf. Der Stick nutzt das Host-Gerät lediglich als Brücke. Dadurch wird man zwar nicht unsichtbar, aber eine typische Zuordnungsebene fällt weg. Genau hier ergibt PlugMate sehr viel mehr Sinn, als ein weiteres Android-Zweitgerät mit eigener SIM-Karte und eigener Netzverbindung.
Der Preis ist angemessen
Auch der Preis ist angemessen, sofern man PlugMate nicht als normales Zubehör betrachtet. Schließlich kauft man keinen besseren USB-Stick mit etwas App-Spielerei, sondern ein eigenes, schnelles Android-System im Stickformat. Der KVM-Ansatz gestaltet das Ganze zusätzlich interessant, da selbst ein älteres, kompatibles Smartphone wieder einen Zweck erfüllen kann. In diesem Fall dient das Smartphone nur noch als Host, während das kleine Android-System auf dem Stick läuft. Für diesen Einsatzzweck hat PlugMate einen fairen Preis. Die kleinere Version mit 4 GB/128 GB lief im Test bereits flott genug.
PlugMate würde enorm von offener Software profitieren. Doch auch ohne den FOSS-Ansatz bleibt es ein guter Stick, bei dem sich jedoch die Frage nach dem Vertrauen stellt. Als Ersatz der Desktop eXperience-Funktion von Samsung-Geräten (DeX) oder als offener Sicherheitsstick ist er nicht geeignet. Als zweites Android zum Trennen, Testen und Auslagern funktioniert PlugMate jedoch besser als erwartet. Wie gesagt, das ist kein PC-Ersatz und sicher kein Gerät, dem man blind alles anvertrauen sollte. Für alle Daten oder Apps, die aus gutem Grund nicht direkt auf dem Hauptgerät landen sollen, ist PlugMate jedoch genau das richtige Gadget.





















