Spiegelbest.de: Comeback des Buchpiraten mit deutscher Domain?

Bis gestern war unter Spiegelbest.de ein Blog online, der so aussehen sollte, als wenn der ehemalige Torboox-Sprecher Spiegelbest ihn betrieben hätte. Da man über die Denic nicht mehr ohne weiteres die Daten vom Admin C oder des Domain-Registrars erhalten kann, bleibt die Identität des Betreibers unbekannt.

Spiegelbest

Bis gestern war unter Spiegelbest.de ein Blog online, der so aussehen sollte, als wenn der ehemalige Torboox-Sprecher Spiegelbest ihn betrieben hätte. Da man über die Denic nicht mehr ohne weiteres die Daten vom Admin C oder des Domain-Registrars erhalten kann, bleibt die Identität des Betreibers unbekannt.

„Busting Copyright“ nannte sich der Slogan des nur für kurze Zeit bestehenden Blogs Spiegelbest.de. Der oder die Macher des WordPress Blogs haben es so aussehen lassen, als wenn der frühere Sprecher von Torboox diese Seite betrieben hätte. Seit der E-Book Razzia Anfang Dezember 2014 haben wir keinen Kontakt mehr zu Spiegelbest (SB). Allerdings war es nie seine Art, die Beiträge Dritter für seine eigene Seite in Beschlag zu nehmen. Beim Fake-Blog waren aber jede Menge aktueller Beiträge der Tarnkappe und RTL Online verfügbar, die man einfach 1:1 mit samt dem Bildmaterial geklaut hatte. Zudem gab es in einer anderen Rubrik einige Videos von WBS Law und Vorträge vom letzten CCC Kongress in Leipzig.


DENIC anoymisiert Daten von Spiegelbest.de

Die deutsche Domainverwaltung DENIC hat ihre Richtlinien für die Preisgabe des Admin C und des Domain-Registrars geändert. Ohne begründetes Interesse bekommt niemand mehr die Daten der Webseiten-Betreiber deutscher Seiten angezeigt. Alles was wir wissen ist, dass die Domain bei partner4trade.de angemietet wurde. Der DNS ist angebunden bei blu.de. Nach wenigen Tagen war es das dann auch schon wieder mit dem Imitat. Seit gestern wird dort lediglich die Fehlermeldung 403 (fehlende Erlaubnis für den Zugriff auf den Webserver) angezeigt.

SpiegelbestHintergrund: Torboox war früher die erfolgreichste deutschsprachige Piratenseite für E-Book Liebhaber. In den ersten Monaten war der Zugriff auf über 40.000 E-Books kostenlos. Im Oktober 2013 führte man eine Art illegale Flatrate ein. Gegen Bezahlung von 3.33 Euro monatlich konnte man so viele Titel herunterladen, wie man wollte. Später landete das komplette Paket aller gesammelten Werke bei diversen Filesharing-Netzwerken. Nur wenige Monate nach der Einführung des Bezahlmodells ging die Seite wieder offline. Spiegelbest hatte öffentlich bekundet, nicht an den hohen Einnahmen beteiligt worden zu sein. Ihm ging es von Anfang an nicht um das große Geld sondern darum, die Verlags-Landschaft nachhaltig zu verändern und legale Flatrates für E-Books einzuführen. Wie wir wissen, ist er daran gescheitert. Kurz nach der bundesweiten Razzia auf der Suche nach Spiegelbest meldete er alle E-Mail-Accounts ab und ward seitdem nicht mehr gesehen. Es ist anzunehmen, dass Spiegelbest.de das Projekt eines Trittbrettfahrers ist, der aufgrund der Popularität des Buchpiraten auch mal ein wenig Aufmerksamkeit einheimsen wollte.

Umfangreiche E-Book Flatrate weiterhin nicht verfügbar!

Das Piraterieproblem der Buchindustrie besteht freilich weiter. Einzig die Beschaffung neuer Werke im deutschsprachigen Sektor ist seit einigen Monaten problematisch. Die Publikation zuvor nicht illegal verbreiteter Werke führt hierzulande lediglich der Blog Ibooks.to durch. Alle anderen Foren, P2P-Börsen, das Usenet & Co. kopieren nur das, was iBooks.to schon zuvor von den digitalen Wasserzeichen befreit hat. Dieses Nadelöhr besteht, weil die Mitglieder der Release Szene nichts mit E-Books zu tun haben wollen. Für sie stellt die Entfernung von Wasserzeichen keine Herausforderung dar. Deswegen verzichten die meisten Groups mit Ausnahme von sUppLex auf die Verbreitung deutschsprachiger E-Books, Tageszeitungen oder Zeitschriften.

Kindle Unlimited von Amazon kostet monatlich knapp 10 Euro und kommt für viele Bücherwürmer nicht in Frage, weil die Auswahl der zur Verfügung stehenden Werke stark begrenzt ist. Außerdem macht sich das Unternehmen mit Amazon Prime Reading selbst Konkurrenz. Die Amazon-Prime-Kunden können aus rund 500 ausgewählten E-Books auswählen, die alle drei Monate wechseln. So richtig durchgestartet ist aber noch keines der Angebote. Johannes Haupt von Lesen.net glaubt, der Misserfolg liegt darin begründet, weil Amazon seine eigenen Produkte kannibalisiert, was sehr gut stimmen kann. Auch nicht wirklich erfolgreich ist Skobe mit 11.99 Euro monatlich.

 

Quelle Beitragsbild geralt, thx! (CC0 1.0)

 

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.