microG: Android ohne Google – Interview mit dem Entwickler, bitte Fragen einreichen!

Was genau ist microG? Wie funktioniert es und warum ist es entstanden? Android ohne Google - ein Interview mit dem Entwickler.

microG

microG ist ein Begriff, den viele von uns bestimmt irgendwann schon einmal gehört haben. Zumindest, wer schon einmal mit dem Gedanken gespielt hat sein Smartphone, ohne Google einzurichten, stolpert früher oder später ganz sicher über den Begriff „microG„.  Was genau das ist, wie es funktioniert und warum es entstanden ist, wollen wir zusammen mit euch in diesem Artikel und im kommenden Interview mit seinem „Schöpfer“ herausfinden.


 

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Das microG Projekt

Das Linux basierte Open-Source-Betriebssystem Android ist nicht nur das beliebteste mobile Betriebssystem der Welt. Es ist leider auch auf dem besten Weg zu einem proprietären Betriebssystem zu werden. Wie kommt das?

Das Kernbetriebssystem von Android wird zwar immer noch im Rahmen des Android Open-Source-Projekts veröffentlicht. Aber die Mehrheit der Kernanwendungen ist es leider nicht mehr. Es kommt aber noch schlimmer. Immer mehr Bibliotheken und APIs sind nur auf den Smartphones verfügbar, auf denen verschiedene Google-Apps oder Services vorinstalliert sind. Dadurch werden Apps von Drittanbietern effektiv für das Google-Ökosystem gesperrt. Aus diesen Gründen wird Android auch als eine Art „look but don’t touch“ beschrieben. Es soll so aussehen wie Open Source, in Wahrheit verbirgt sich aber etwas anderes dahinter.

Zum jetzigen Zeitpunkt erfordern bereits viele populäre Open-Source-Anwendungen die Installation einiger proprietärer Google-Bibliotheken. In der Open Source Community stieg die Nachfrage nach einem wirklich quelloffenen mobilen Betriebssystem. Zuzüglich zu den schwerwiegenden Problemen mit Googles proprietärer Software, führte dies zur Entwicklung eines freien Software-Klons von Googles proprietären Kernbibliotheken und Anwendungen. Kurz gesagt: das microG-Projekt war geboren.

Verbesserungen der Akkulaufzeit und des Datenschutzes

Es gibt viele gute Gründe, microG auf unserem Gerät zu installieren. Immer öfter hören wir in letzter Zeit, wie wichtig doch Datenschutz ist. Google ist seit vielen Monaten die populärste Datenkrake unter den IT-Konzernen. Kaum ein Tag vergeht, ohne das wir wieder irgendwo lesen, welche gigantische Datenmengen dieser Internet-Gigant über uns sammelt und natürlich auch clever zu vermarkten weiß. microG hilft uns, unsere Daten, die an Google gesendet werden, stark zu reduzieren und auch zu überwachen. Wir kontrollieren also welche Informationen wir von uns preisgeben wollen und nicht Google.

Aber nicht nur der Datenschutz ist ein guter Grund, warum man sich microG einmal etwas genauer anschauen sollte. Viele ältere Android Smartphones kommen dank microG auf eine bessere Akkulaufzeit. microG kann aber nicht nur auf realen Geräten verwendet werden. Auch als „Google-Tools“ in Testemulatoren und sogar in virtuellen mobilen Infrastrukturen kann man microG einsetzen.

Die wichtigsten microG Komponenten kurz erklärt

microG ProjektmicroG besteht aus insgesamt fünf Komponenten:

  • Service Core: (GmsCore) ist eine „Bibliothek-Anwendung„, die die erforderliche Funktionalität zum Ausführen von Anwendungen bereitstellt, die Google Play Services oder Google Maps Android API (v2) verwenden bzw. voraussetzen.
  • Services Framework Proxy (GsfProxy) ist ein kleines Hilfsprogramm, mit dem Anwendungen funktionieren, die für das Google Cloud to Device Messaging (C2DM) entwickelt wurden. Man braucht dieses Hilfsprogramm, um den kompatiblen Google Cloud Messaging Service nutzen zu können, der in GmsCore enthalten ist.
  • Unified Network Location Provider (UnifiedNlp) ist eine Bibliothek, die Wi-Fi- und Cell-Tower-basierte Geo Lokalisierung für Anwendungen bereitstellt, die Googles Netzwerk-Lokalisierungsanbieter nutzen. Sie ist in GmsCore enthalten. Sie kann aber auch unabhängig auf den meisten Android-Systemen ausgeführt werden.
  • Maps API (mapsv1) ist eine Systembibliothek, die die gleiche Funktionalität wie die mittlerweile veraltete Google Maps API (v1) bietet.
  • Store (Phonesky) ist eine sogenannte „Frontend-Anwendung„. Sie soll Zugriff auf den Google Play Store ermöglichen, um Anwendungen herunterladen und auch aktualisieren zu können. Die Entwicklung befindet sich in einem frühen Stadium und es gibt noch keine brauchbare Anwendung. (An dieser Stelle empfehlen wir den Aurora-App-Store zu nutzen)

Und wie installiert man microG? – Kann das jeder machen?

Ganz so einfach ist es dann leider auch wieder nicht. Zunächst sollte man versuchen herauszufinden, ob man beim vorliegenden Gerät den Bootloader öffnen kann. Dann wäre es ratsam, einmal zu schauen, ob es nicht schon eine Lineage OS Version mit microG für unser Gerät gibt. Lineage OS ist ein sehr schlankes und auf Benutzerfreundlichkeit getrimmtes Android-Betriebssystem. Eine wunderschöne und sehr ausführliche Anleitung darüber, wie man Lineage OS dann bei sich installiert, gibt es bei Kuketz. In seinem Blog beschreibt er uns Schritt für Schritt, wie man es mit ein bisschen Geduld schafft, Lineage OS auf seinem Androiden zu installieren. Auch wer sich wirklich komplett von Google und seiner Markt-Dominanz lossagen möchte, sollte sich unbedingt die Artikelserie „Android ohne Google: Take back control!“ von Mike Kuketz anschauen. Die Links zu seinem Blog im Überblick:

Es kann aber auch sein, dass man nicht ganz auf Google verzichten kann oder möchte. In diesem Fall, ist die Artikelserie von Kuketz als eine großartige Erste Hilfe zu verstehen, worum es eigentlich geht und wie man überhaupt ein alternatives Betriebssystem auf seinem Android Gerät installiert. Mit dem wichtigen Grundwissen, dass man sich bei seinem Blog aneignen kann, ist die Installation von microG dann eigentlich ein „Kinderspiel„.

In unserem Interview mit dem Entwickler werden wir aber natürlich auch ausführlich auf die Installation eingehen. Wer danach noch Fragen zur Installation hat oder trotzdem nicht weiter kommt, ist natürlich herzlich willkommen, diese Fragen dann auch in unserem Tarnkappe-Forum zu stellen. Zusammen finden wir dann bestimmt eine Lösung.

Wir freuen uns auf eure Fragen. Die Deadline endet am 31. Dezember

Interview-Feedback

Wir freuen uns über die Möglichkeit, zusammen mit unseren Lesern dieses ehrgeizige Projekt und seinen Entwickler näher kennenzulernen. Die meisten microG Anleitungen sind immer noch auf Englisch. Insofern tauchen immer wieder Fragen von Nutzern auf, die nicht weiterkommen oder nicht so richtig verstehen, worum es eigentlich geht. Manchen Anwendern ist nicht klar, welche Möglichkeiten man mithilfe von microG hat.

Hier nun Eure Möglichkeit, Fragen an den Entwickler von microG zu stellen. Mir brennt da ja schon eine Frage auf der Zunge: Wer steckt eigentlich hinter microG?

Bitte lasst uns eure Fragen an den Entwickler bis zum einschließlich 31. Dezember zukommen. Wie üblich können wir danach leider keine Fragen mehr annehmen.

Eine englische Übersetzung dieses Artikels ist hier verfügbar.

Tarnkappe.info

 

Beitragsbild: microG, thx.