Lysander von LUL.to verstorben

Lysander, der Pressesprecher der illegalen E-Book-Verkaufsplattform LUL.to, ist kürzlich an den Folgen seines Krebsleidens gestorben. Nach Angaben der restlichen Betreiber soll er beinahe siebzig Jahre alt geworden sein. Fest steht: LUL.to wird bei den Rekordumsätzen zweifellos auch ohne Lysander weiterhin bestehen.


Am 9.12.2015 feierte die illegale E-Book-Vertriebsplattform LUL.to sein zweijähriges Bestehen. LUL.to hat sich zu einem inoffiziellen Nachfolger von Torboox entwickelt, obwohl ihr Geschäftsmodell ganz anders funktioniert. Bei LUL (Lesen und Lauschen) wird für jedes E-Book und Hörbuch ein bestimmter Preis angegeben, der vom Guthaben der Nutzer abgebucht wird. Das Guthaben muss man im Vorfeld einzahlen. Bei Torboox konnte man sich gegen Zahlung von etwas über drei Euro monatlich so viel herunterladen, wie man wollte. Laut dem Analyse-Tool Similarweb können die Leser & Lauscher derzeit monatlich über 220.000 Seitenzugriffe generieren. Die Anzahl der zahlenden Kunden ist hingegen nicht bekannt.

Auf dem Blog von LUL.to verabschiedet sich das Team mit den folgenden Worten:

Er war der Vordenker von LuL .
Er war der Initiator und Finanzier.
Er gab uns Motivation und Inspiration.
Und seit er wusste das der Krebs an ihm nagt hat er alles getan,
damit LuL.to auch ohne ihn weiter funktioniert und wächst!

Er sagte über sich, dass er ein erfülltes Leben gehabt hat.
Es dauerte fast sieben Jahrzehnte.
Vor drei Tagen ist er von uns gegangen.
In  den letzten drei Stunden seines Lebens hat er gelesen…

Das LuL.to-Team verneigt sich traurig
und respektvoll.
Wir werden in Sinne von Lysander
LuL.to weiterleben lassen. Wir sind sicher,
wenn’s einen Lese- und Lauschehimmel gibt,
wird er zufrieden auf uns runterschauen.

Das ganze LuL-Team jetzt ohne Lysander

 

Lysander mit geringeren Egoproblemen als Spiegelbest

Eschbach-Buch-E-BookLysander trat in der Vergangenheit als einziges Teammitglied des Projekts in der Öffentlichkeit auf. So kommentierte er Nachrichten beim Forum ngb.to oder auch Ansgar Warners Beiträge bei den E-Book News. Der Journalist Warner bemerkte vor etwa zwei Jahren die Kombination aus fortschrittlichen Zahlungsoptionen (Bitcoins, Paysafecards & Co.) und den ausschließlich DRM-freien Werken, die dort kostenpflichtig zum Download angeboten werden. Die Buchpiraten von LUL.to waren und sind dem kommerziellen Buchhandel bis heute beim Punkt Datenschutz einen großen Schritt voraus. Einzig auf den DRM-Schutz verzichten nun einige Verlage. Natürlich hat Lysander auch diesen Artikel ausführlich kommentiert, so wie die Beiträge der Teilnehmer von ngb.to.

Im Untergrund wird derweil gemunkelt, LUL.to könne im direkten Zusammenhang mit der Download-Seite Boox.bz stehen. Immer dann wenn neue Werke lange genug bei LUL zum Verkauf angeboten wurden, landen sie automatisch bei Boox.bz, wo der kostenlose Download per Sharehoster angeboten wird. An der Anzahl der Anzeigen gegen die anonymen Betreiber beider Webseiten wird es wohl nicht liegen, dennoch wird über LUL.to so gut wie gar nicht berichtet. Das liegt wohl in erster Linie daran, weil sich dessen Pressesprecher im Gegensatz zu Spiegelbest nicht in Interviews an die Presse gewendet hat, um den Börsenverein des Deutschen Buchhandels bühnenreif zu erpressen.

lul.toAuch wird in der Szene häufiger die Vermutung ausgesprochen, dass die E-Book-Razzia vor einem Jahr zu einer deutlichen Professionalisierung der E-Book Piraten geführt hat. „Jetzt wo alle Amateure weg sind, sind nur noch die Profis übrig“, teilte man uns aus Szenekreisen mit. Statt der Hausfrauen jenseits der 40 Jahre, die sich das Geld für die Anschaffung der Bücher sparen wollen, sind „Dank“ der Razzia nun primär die gewerbsmäßig tätigen Urheberrechtsverletzer aktiv, denen es darum geht, mit den Werken Dritter Geld zu verdienen. Umso mehr in kurzer Zeit, umso besser, scheint deren Strategie zu sein. Es wird zudem angenommen, dass sich die Betreiber zwischenzeitlich ins Ausland abgesetzt haben sollen. Das können wir weder bestätigen, außerdem bleiben die meisten Schwarzkopierer unabhängig von ihrer Einkommenslage dauerhaft an Ort und Stelle. Kaum jemand verlagert seinen Aufenthaltsort dauerhaft ins Ausland.

Update: Der Berliner Journalist und Unternehmensberater Manuel Bonik (Lisheennageeha Consulting) kommentiert den Todesfall hier bei der Tarnkappe höchst passend mit den Worten: „So „schlau“, wie sich Verlage gegenüber Ebook-Piraten verhalten, dürfte deren größtes Problem tatsächlich Altersschwäche sein.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Bildquelle: antiebookpiracy @ Twitter, thx!

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

Vielleicht gefällt dir auch

16 Kommentare

  1. Samsung Rider sagt:

    Dort funktioniert nichts mehr, Einzahlungen werden nicht mehr gutgeschrieben Support reagiert nicht mehr. Wird wohl was dran sein und das restliche Team wird nur noch das Geld kassieren. Oder funktioniert bei irgendjemanden die Einzahlung noch richtig?

  2. metoo sagt:

    Was haben wir gelacht. Also vor 30 Jahren als der Witz erfunden wurde. Fehlt noch ein Spendenaufruf (anonym via Bitcoin natürlich) zur Sammlung für die arme hinterbliebene Frau, die 8 kleinen Kinder und so weiter.

  3. Tanith sagt:

    Krebs ist meines Erachtens keine Form von Altersschwäche. Jeder sieht das Wahrscheinlich ein wenig anderst…

    R.I.P

    • Manuel Bonik sagt:

      Medizinterminologisch möchte ich mich da gar nicht festlegen. Wundert mich nur, wie da gelegentlich geschrien und Geld zur Pirateriebekämpfung ausgegeben wird (s. Elsevier ./. Sci-Hub u.a.), und am Ende fällt eine Flasche Wodka in Moskau um, und außer Anwaltsspesen ist nichts gewesen. Da kann man sich als Pirat eines gesunden Schlafs gewiss sein, bis Gevatter Hein an die Tür klopft.

  4. hehehe sagt:

    Wers glaubt wird seelig, ist doch ein alter Hut die Admins diverser Szeneseiten „sterben“ zu lassen, um die Aufmerksamkeit auf andere zu lenken und um falsche Spuren zu legen…

    • guteluft sagt:

      Das kann tatsächlich stimmen…

    • Trelawney sagt:

      Ich würde darauf sogar wetten wollen. Der Artikel liefert die plausibelste Begründung auch gleich mit: Es sind in der Szene fast nur noch Profis unterwegs. Und als Profis haben sie bestimmt die Schulbank in Hogwarts gedrückt und dabei nicht nur den OPSEC Grundkurs „Schnauze halten“, sondern auch den OPSEC Aufbaukurs „Regemäßig Identitäten wechseln“ besucht. Und sofern die Jungs oder Damen dann nicht die ganze Zeit damit beschäftigt waren, sich gegenseitig in Fabelwesen zu verhexen, haben sie vielleicht auch noch den OSPEC Kurs für Fortgeschrittene, „Wie instrumentalisiere ich dabei auch noch glaubwürdig die Presse“, besucht.

      Habt’s ihr aber nicht von, okay? ;-)

  5. Feinkostgewölbe sagt:

    Mein Beileid …. und lul Team gutes gelingen ..

  6. Manuel Bonik sagt:

    So „schlau“, wie sich Verlage gegenüber Ebook-Piraten verhalten, dürfte deren größtes Problem tatsächlich Altersschwäche sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.