Multihoster Freeway hat aufgegeben: Interview mit dem Admin

Über das Aus vom Multihoster Freeway haben wir berichtet. Nun konnten wir ein Interview mit dem Freeway-Administrator James zu den Hintergründen führen.

 Über das Aus vom Multihoster Freeway haben wir vor kurzem berichtet. Nun konnten wir ein Interview mit dem Freeway-Administrator James führen. Er berichtet zu den Hintergründen des Endes und seinen Erfahrungen in der Multihoster-Szene.

Tarnkappe.info: Vor kurzem haben Sie das Ende von Freeway bekanntgegeben. Wie lange sind Sie noch online?

Freeway: Die bisherigen Server sind zum 01.04. gekündigt. Wir rechnen allerdings damit, schon in den nächsten Tagen die Infrastruktur in Zusammenarbeit mit unserem Partner umzustellen. 

Partner übernimmt Kunden

Tarnkappe.info: Was passiert mit den Premium-Nutzern, die darüberhinaus noch Zeit zugute haben? In Ihrem Forum ist die Rede von einem Partner, wer ist das?
Freeway LogoFreeway: Unser Partner übernimmt die Premiumkunden und kümmert sich um den entsprechenden Service. Durch gute Qualität und umfangreichen Service, wie es bei Freeway (mit Ausnahme der Sperrzeiten) der Fall war, wird versucht die bestehenden Kunden langfristig zu binden. Man kann also durchaus davon sprechen dass das Gütesiegel „FreeWay“ dafür gesorgt hat dass wir unsere Kunden so gut entschädigen können. Aufgrund von getroffenen Vereinbarungen mit dem Partner ist es uns nicht möglich, schon vorher Informationen zu diesem zu veröffentlichen.

Im April ist definitiv Schluss mit Freeway

Tarnkappe.info: Sind eher finanzielle oder technische Probleme Schuld für das Ende?
Freeway: Beides, die technischen Probleme führen auf kurz oder lang immer zu finanziellen Problemen. Das Prinzip eines Multihosters basiert darauf, dass man günstige Preise anbieten kann indem mehrere Nutzer auf einen Account verteilt werden können. Werden nun in kurzem Zeitraum seitens des Hosters hunderte Accounts gesperrt, entstehen immense finanzielle Probleme und wir müssen die aktuelle Sperre umgehen. Ist die umgangen, sperrt nach einigen Tagen/Wochen der Hoster erneut eine immense Anzahl. Das rechnet sich vorne und hinten nicht.
TK: Wann ist Freeway online gegangen und wie viele Nutzer hatten Sie zur den besten Zeiten?
Freeway: Freeway ist seit 2011 online. Eine Statistik über eine reine Anzahl von Nutzern ist in dieser Form nicht einfach möglich, da unser Angebot auch gratis nutzbar war und regelmäßig inaktive Accounts entfernt wurden. Wir haben eine vierstellige Premiumkundenanzahl.

Der Markt ändert sich ständig

TK: Wieviele Multihoster gibt es, und wo auf der Rangliste stand Freeway?
Freeway: Es würde mich wundern wenn jemand wüsste welche es alles gibt. Die meisten MOCHs sind im Gegensatz zu Freeway deutlich kurzlebiger und der Markt ändert sich da alle paar Wochen. Freeway ist von Prinzip aus ein kleiner Hoster. Wir haben immer Wert auf Qualität und Kundennähe gelegt. Und haben durch langsames Wachstum und die Beschränkung auf wenige wichtige Hoster (statt dem Vortäuschen vieler Hoster mit Youtube oder anderen Gratisdownloadmöglichkeiten) unsere Marktanteile bewusst niedrig gehalten. Lieber den kleinen Dackel auf dem Schoß als das Wespennest vor dem Schlafzimmer.
TK: Was hat Freeway von den anderen Multihostern unterschieden?
Freeway: Da gibt es so viele Punkte dass ich nur ein paar nennen mag! Schneller und kulanter Support, ein interaktives und unzensiertes Forum mit direkter Admin-Nutzer-Schnittstelle per Shoutbox, ein Konzept für Gratis-Downloads durch das Wenig-Nutzer nichts zahlen brauchen, hoher Fokus auf Transparenz (alle gespeicherten Daten des Nutzers sind einsehbar und alle Vorgänge wie wann welche Daten erhoben und gelöscht werden werden dem Nutzer gezeigt uvm.) und Sicherheit (Zwei-Faktor-Authentifizierung, konsequente SSL-Verschlüsslung, direkte Anonymisierung), sowie ein deutscher Serverstandort.
TK: Ein deutscher Serverstandort? Wie beurteilen Sie denn die rechtliche Situation?
Freeway: Ich halte konzeptionell einen Multihoster für großteils legal. Das Video von TK und der Kanzlei WBS bezog sich leider lediglich auf die Störerhaftung von P2P. Wir streamen Daten, deren Kontrolle den Filehostern unterliegt, und speichern die Daten nicht auf unseren Server. Weder speichern wir illegal Daten, noch verarbeiten wir sie, noch fördern wir die Verbreitung geschützter Werke (wir sanktionieren streng die Veröffentlichung von illegalen Inhalten im Forum). Strafrechtlich halte ich Multihoster für absolut unbedenklich und es wurde bisher kein Gegenbeweis angetreten. Einziger angreifbarer Punkt ist, dass die Filehoster in ihren AGBs mittlerweile Multihoster verbieten. Der gewerbliche Verstoß dagegen kann von den Filehosern wettbewerbsrechtlich behandelt werden. Diese sitzen aber ohnehin am längereren Hebel und erreichen mit Sperren mehr als mit einer Klage die je nach Anbieter (bspw. Sitz Hong Kong) erfolglos bleibt.

Zusammenschluss mehrerer Multihoster wenig sinnvoll

TK: Können Sie verstehen, dass die OCH mit Abwehr auf Multihoster reagieren?
Freeway: Natürlich. Alles andere wäre ignorant und kontraproduktiv. Nur weil wir hoffen dass sie uns nicht sperren heißt das nicht dass wir das nicht trotzdem vollkommen nachvollziehen können. Wer seine Bananen für 2€ verkauft, möchte keine sinkenden Verkaufszahlen durch einen Reseller der Obstsalat macht und damit mehrere Kunden versorgt.
TK: Wäre ein Zusammenschluss von Multihostern nicht sinnvoll?
Freeway: Nein, Multihoster „unter dem Radar“ können am stabilsten Hoster anbieten und die besten Preise entwickeln. Viele Kunden zu haben ist durch die Aufmerksamkeit seitens der Hoster und technisch großer Hürden (je mehr User laden, desto komplexer wird die Handhabung), von umfangreicher schneller Kritik ganz abgesehen, eher schlecht. Ein Zusammenschluss macht in dem Sinne eines gemeinsamen Projektes keinen Sinn.

Die Sharehoster haben ihre Abwehr erweitert

TK: Glauben Sie dass alle Multihoster wieder vom Markt verschwinden oder werden einige überleben?
Freeway: Die Unternehmen haben die Priorität der MOCH-Bekämpfung lange unterschätzt. Mit dem Boom der Branche in den letzten Jahren hat sich das verändert. Es wurde entsprechend viel in die Abwehr investiert. Das Vorbild einer erfolgreichen Sperrung motiviert wiederum andere Hoster mitzuziehen. Die großen MOCHs werden von der Bildfläche verschwinden sofern sie sich nicht um neue Geschäftsfelder wie P2P, Usenet etc. in ausreichendem Maße erweitern. Sobald die Prioritäten sich wieder ändern und aus den wenig großen MOCHs wieder eine große Anzahl kleiner Anbieter geworden ist wird das allerdings mMn wieder steigen.
TK: Es kursiert das Gerücht, das OCH wie Oboom/Uploadnet hinter Multihostern wie smoozed stehen, was denken Sie?
Freeway: Laut einigen Analysen konnten zahlreiche strukturelle Ähnlichkeiten zwischen Oboom, UL und Smoozed gefunden werden, welche wohl weit mehr als Zufall sind. Ob die anderen großen Hoster auch involviert sind halte ich allerdings eher für zweifelhaft. Nachdem UL mittlerweile auch Werbung im jD schaltet und dauernd mit Angeboten versucht zu locken werden sie in Smoozed eine Möglichkeit sehen, einen zusätzlichen Nutzerkreis (jünger mit weniger Budget) zu erschließen und auch an der Konkurrenz noch mitzuverdienen.

Sharehoster haben keinen Grund für einen Kompromiss

TK: Was sagen sie zu dieser Idee von Hannes: „Multihoster und OCH sollen Partnerschaft eingehen. Beide profitieren, wenn ein Multihoster beispielsweise für den Traffic zahlt bzw. pauschal und den Traffic für die User auf eine bestimmte Kapazität (z.b. 5GB) pro Tag begrenzt. Denn somit würden die Leute, die viel von einem OCH herunterladen einen Account bei dem jeweiligen OCH nehmen und Leute, die nur gelegentlich bzw. in kleinen Mengen etwas saugen, einen bei einem Multihoster anstatt als Free-User herunterzuladen. Gelegenheitssauger nehmen sowieso keine Accounts bei OCHs und deswegen würde es sowohl für den OCHs, aber auch für den Multihostern gewinnbringend sein.“
Freeway: Die Idee ist leider lediglich in der Theorie funktionabel. Hoster haben keinen Grund für einen Kompromiss, da sie auch gegen den MOCH vorgehen kann. Ein guter Gärtner entfernt das Unkraut aus dem Garten. Wenig-Nutzer holen sich außerdem in vielen Fällen trotzdem direkt Accounts und teilen sie im privaten Umfeld – solange damit nicht gleichzeitig heruntergeladen wird ist das nicht erkennbar und auch vollkommen akzeptiert seitens der Hoster (diese Nutzer laden auch mit mehreren Nutzern nicht viel). Ein weiteres Missverständnis ist auch dass OCH-„Wenignutzer“ nicht so definiert sind dass sie konstant wenig herunterladen, sondern nur selten herunterladen. Das kann dann trotzdem eine 30GB Blu-Ray sein, und die soll nicht mehrere Tage brauchen. Man müsste also Volumen ansparen können, und dann sind wir wieder bei dem Angebot normaler OCHs und großen Downloadmengen seitens der MOCH welche für einen Kompromiss zu geschäftsschädigend sind. 
P.S.: Der inoffizielle Nachfolger ist Highway, ein Multihoster und ein Forum zugleich.

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