Fraudsters offline, Gelder verschwunden

Das Untergrundforum Fraudsters ist weder im Clearnet noch im Deepweb erreichbar. Selbst die eigene Status-Seite ist down. Unbekannte haben offenbar eine große Summe erbeutet, die der Betreiber Ebola in dieser Höhe nicht erstatten kann oder will.


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Nach Schätzungen bis zu 200.000 Euro verschwunden!

Wie es aussieht, ist die deutsche Untergrund-Szene nun um einen Anbieter ärmer. Bei Fraudsters geht gar nichts mehr. Sogar der eigene Blog ist weg vom Fenster. Die Treuhand (TH)-Gelder sind verschwunden, heißt es. Regulär wird beim TH-System eine Person zur Vermeidung jeglicher Abzocke zwischen den Käufer und Verkäufer geschaltet. Erst wenn die dritte Person seine Zustimmung gibt, weil alles in Ordnung ist, fließt das Geld. Bei Fraudsters wurde dies mithilfe eines Multisig-Skripts gelöst. Wie es aussieht, konnte jemand das System aushebeln.

fraudstersIm Untergrund munkelt man uns gegenüber, bei der verschwundenen Summe dürfte es sich zwischen 100.000 bis zu 200.000 Euro handeln. Diese Menge sei bei dem täglichen Handelsvolumen einschlägiger Foren absolut realistisch. So viel will Admin Ebola aber sicher nicht den Teilnehmern der betroffenen Transfers ersetzen. Also hat er alles heruntergefahren, was am Netz war.

Fraudsters war einfach anders

Bei Fraudsters habe man die Geschäfte grundsätzlich sehr ernsthaft vollzogen, schreibt uns unser Kontakt, der lieber anonym bleiben möchte. Auch habe sich dieses Forum aufgrund seines hohen Niveaus merklich vom Rest der Szene abgehoben. Das Crimenetwork (CNW) sei hingegen „voller Trolle und Ripper“ (Abzocker), schreibt uns unser Kontaktmann, der sich in diesem Bereich des Untergrunds bestens auskennt. „Auf Fraudsters konnte ich über Monate hinweg ernsthaften Geschäften nachgehen und bin nie Rippern begegnet. Auf CNW wollte ich dummerweise mal was kaufen und wurde direkt abgezogen.“ Und das sei nicht nur ihm so gegangen… Jetzt ist nur noch die Facebook-Seite online, doch die wurde schon seit Sommer 2016 nicht mehr aktualisiert.

Sohn – Fraudsters.to

Kein Abgesang von Rapper Sohn im Mai 2016: „Die Legende ist tot, doch die neue fängt an.

Das CNW schaltet Anzeigen bei Google Ads!

Die Konkurrenz von Crimenetwork.co hat wohl schon auf die Downtime reagiert. Wer bei der Google Suche beispielsweise „Fraudsters“, „Fraudsters.to“ oder „Fraudsters.com“ eingibt, bekommt eine Anzeige vom Crimenetwork zu Gesicht. Von gefälschten Ausweisen über Kreditkartenbetrug und Drogen aller Art sei dort alles zu haben, was verboten ist. Fragt sich nur, wieso Google Werbung für Produkte zulässt, die so offenkundig illegal sind. Hier zum Beweis ein Screenshot von heute:

cnw google words

Lesetipp: Unser Interview mit den Fraudsters-Admins aus dem Jahr 2016.

 

Beitragsbild Mathew Schwartz, thx! (Unsplash Lizenz)

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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