EU einigt sich auf Urheberrechtsreform

Am heutigen Abend haben sich nach Auskunft verschiedener Abgeordneter die Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments vorläufig auf eine EU-weite Urheberrechtsreform inklusive der Uploadfilter und des Leistungsschutzrechts, geeinigt.

Einigung auf Artikel 13 wie angekündigt

uploadfilterVon der Verpflichtung der Plattform-Betreiber sind nur Unternehmen betroffen, die älter als drei Jahre alt sind oder einen Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro bzw. mehr als fünf Millionen Nutzer monatlich haben. Große Unternehmen wie Facebook, YouTube etc. müssen künftig alles ihnen Mögliche tun, um mit technischen Mitteln Urheberrechtsverletzungen zu verhindern. Urheberrechtlich geschützte Werke müssen demnach ausnahmslos lizenziert werden, bevor sie hochgeladen werden. Wer nicht alle technischen Möglichkeiten zum Schutz vor Urheberrechtsverletzungen unternimmt, wird als Plattform-Betreiber nun direkt in Haftung genommen. Kritiker wie Julia Reda befürchten, dass YouTube & Co. deswegen künftig schon um Ärger zu vermeiden, lieber Content gar nicht erst freigeben, statt irgendein Risiko einzugehen. In der Umsetzung dürften die großen Plattform-Betreiber dadurch gezwungen werden, so genante „Uploadfilter“ einzusetzen, um geschütztes von gemeinfreiem Material zu unterscheiden. Wie aber wird der Uploadfilter ein Meme erkennen, ein Zitat oder eine andersartige Parodie? Das ist kaum bis gar nicht möglich.

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Artikel 11 – Leistungsschutzrecht durchgewunken

link tax Artikel 11 LeistungsschutzrechtAuch bei Google News dürfte sich künftig einiges ändern. Ansonsten müsste Google den Verlagen Geld dafür bezahlen, um die Ausschnitte der Artikel anzuzeigen. Die Verlage können schon Geld verlangen, sofern Webseitenbetreiber einzelne Worte verwenden. Eine Ausnahmeregelung für kleinere Anbieter, wie beim Artikel 13, ist bei der Reform des Leistungsschutzrechtes nicht vorgesehen.

Rechte der Verlage gestärkt, die der Autoren nicht!

Den Vorschlag des EU-Parlaments, dass die eigentlichen Urheber ein Recht auf eine angemessene Vergütung haben sollten, hat man nach Ansicht der Abgeordneten Julia Reda „stark verwässert„. Sie befürchtet, dass dadurch weiterhin Total Buy-out-Verträge die Regel sein werden.

Finale Bestätigung steht noch aus

Allerdings muss über die geplante Urheberrechtsreform noch auf EU-Ebene abgestimmt werden. Es wäre also möglich, dass das Vorhaben noch auf dem letzten Meter scheitern wird. Wenn aber sowohl das EU-Parlament als auch die EU-Staaten zustimmen, wird den nationalen Regierungen zwei Jahre Zeit eingeräumt, um die Regelungen in nationales Recht umzuwandeln.

Viele weitere Details, die hier noch ungenannt sind, kann man dem Blogbeitrag von Julia Reda entnehmen.

Tarnkappe.info

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Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.

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Kommentare

    1. Ghandy schreibt:

      Einige Urheber jubeln schon:

      Pressemitteilung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e. V.

      EU-Urheberrecht: Börsenverein begrüßt Abschluss der Trilog-Verhandlungen

      Gestern haben sich die EU-Mitgliedsstaaten und das Europäische Parlament im Rahmen der Trilog-Verhandlungen über die EU-Urheberrechtsrichtlinie geeinigt.

      Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels:

      „Mit der Einigung der Mitgliedsstaaten und des Parlaments im Trilog sind wir auf dem Weg zu einem modernen und fairen Urheberrecht einen wichtigen Schritt vorangekommen. Die Verhandlungen zur EU-Urheberrechtsreform wurden in letzter Minute abgeschlossen. Nun kann die Richtlinie immer noch in dieser Legislaturperiode des Europäischen Parlaments verabschiedet werden. Wir bedanken uns bei den Verhandlungsführern, dass sie sich in dem langwierigen Prozess so intensiv für konstruktive Lösungen eingesetzt haben. Für die deutschen Verlage ist die Richtlinie essentiell, weil sie die Grundlage dafür schaffen kann, dass Verlage wieder an den Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften beteiligt werden können.“

      Der Rechtsausschuss und das Plenum des Europäischen Parlaments sowie der Ministerrat müssen der Richtlinie in den nächsten Wochen zustimmen. Sie muss spätestens bis Mitte April beschlossen werden, um noch vor der Europawahl im Mai verabschiedet zu sein.

      Frankfurt am Main, 14. Februar 2019

    2. DJKuhpisse schreibt:

      Irgendwann geht es wieder zu dezentralen P2P-Netzwerken über, wenn urheberrechtlich geschützter Kram verteilt werden soll.

    3. Ghandy schreibt:

      Die Piratenpartei ruft gemeinsam mit den Partnern der #Saveyourinternet Kampagne am 23. März zu europaweiten Demonstrationen auf.

      Ob diesmal mehr als 40 Personen kommen werden? Mit dem Thema Urheberrecht kann man die Leute leider nur schwerlich dazu bewegen, auf die Straße zu gehen…

    4. Adelphi schreibt:

      Ich will dazu jetzt auch mal was sagen. Als langjähriger, mittlerweile schon ergrauter “Raubmordkopierer”.

      Daß die Verlage ihren Arsch retten wollen, kann ich gut verstehen. Für viele Medienunternehmen geht es rapide bergab. Das liegt daran, daß das Internet in den letzten Jahrzehnten viel bewegt hat und sich der Medienkonsum durch allzeit überall verfügbare Inhalte verlagert hat.

      Das ist aus Konsumentensicht eine tolle Sache. Aber aus Urhebersicht natürlich nicht. Wenn ich mir überlege, wieviel Schwachsinn man Mitte/Ende der 90er noch ertragen mußte, um an Inhalte zu kommen, dann ist das heute tatsächlich ein Garten Eden. Videos gab’s nicht, die ersten MP3s tauchten auf, Pornobilder natürlich auch. Schon damals wurde geklaut und Software gecrackt. Das war 'n bißchen fummelig manchmal, man mußte teilweise selbst in den Programmcode reingehen und rumwurschteln. Aber es ging.

      Wenn ich mir anschaue, wieviele urheberrechtlich geschützten Inhalt bei YouTube for free zur Verfügung stehen, dann staune ich nicht schlecht. Ich denke, das wird nicht mehr so bleiben. Was interessant ist, wird wieder in die altbekannte Grauzone zurück wechseln müssen.

      Ich kann verstehen, daß User mit wenig Erfahrung dazulernen müssen, um weiterhin ihre geliebten Filme und Serien zu kommen. Aber es ist unumgänglich. Oder sie zahlen halt.

    5. TRIGGER schreibt:

      @Adelphi - Sehe das im Prinzip genauso…

      Die heutige “Internet-Generation” ist vieler Hinsicht verwöhnt! Soll heissen, man erhält “noch” viel Information für wenig oder am besten für “null” Cent. Viele denken bereits mit Zahlung ihrer VDSL-Gebühr das alles inklusive ist. Ist es aber nicht.

      Leute von Heute sind gut im Nehmen, sobald etwas zur Zahlung oder jemand sich einbringen soll, tauchen die ab, und suchen sich andere Portale. Undank ist des Welten Lohn.
      Versuche seit längerer Zeit für ein Forum Leute zugewinnen oder zur Mitarbeit zu bewegen.
      Es ist einfach nur sehr, sehr schwer…

      Natürlich wird es immer Leute wie @adelphi und @pennywise geben, die wissen wie man die “Hebel” richtig ansetzen muss, um ein gewünschtes Ergebnis zu bekommen… :grinning:

      Denke auch, das Youtube in Zukunft “anders” wird.

    6. Ghandy schreibt:

      Ich denke, im Grunde genommen wird sich bei YouTube vor allem der Kostenfaktor von den Rechteverwertern hin zum Plattformbetreiber selbst wandeln. Wer als Rechteinhaber bisher wollte, dass seine Sachen durch einen Filter laufen (so wie RTL z.B.), der musste die Urheberrechtsverletzungen entweder manuell melden oder YouTube für den proaktiven Uploadfilter bezahlen. Ja, die gab’s schon vor der Abstimmung, schon lange übrigens.

      Was bei YouTube an Schwarzkopien verfügbar ist, ist nicht feierlich. Darüber haben wir schon mal vor Jahren berichtet, daran hat sich auch nichts geändert.

      Warum wollen alle alles für lau haben? Weil wir bei den meisten Anbietern mit unseren Daten und unserem Nutzungsverhalten zahlen und dafür nicht unseren Geldbeutel öffnen müssen. Wer das dann plötzlich haben will, muss etwas echt Gutes anbieten, wie Netflix beispielsweise. Ansonsten zahlen die Leute nicht. Für DRM-verseuchte Ware mit MP3s sowieso schon länger nicht mehr - und das ist auch gut so!!!

    7. Adelphi schreibt:

      Ist halt Geschmackssache, Ghandy. Netflix spricht mich gar nicht an. Aus dem Superhelden-Alter bin ich längst raus. Und die 3 Filme, die ich bisher von denen gesehen habe, waren ganz nett, aber auch nur Standard-Ware. Dafür bezahlen würde ich eher nicht.

      Aber wie gesagt: Geschmackssache! Vielleicht auch eine Sache des Alters! Ich ziehe mir vielleicht wenn’s hochkommt noch 10 MP3-Dateien im Jahr. Weil mich mehr nicht mehr interessiert. RAP und Gezappel lassen mich völlig kalt. Ich bin vorgestern im eDonkey-Netz (!!!) auf Shaun Cassidy “Hey Deanie” getroffen. Da ging mir das Herz auf. Die Single hatte ich mal in den 70ern. Sofort runtergeladen! Ansonsten schwirre ich im Usenet rum. BitTorrent konnte ich hingegen noch nie so richtig leiden. Und die One-Click Hoster schon gar nicht.

      Auch die Leute, die heute noch Netflix konsumieren, sind vielleicht in 20 Jahren davon nur noch angeödet. Weiß ich nicht. Ich finde nur, daß man sich ein wenig lächerlich macht, wenn man für ein freies Internet protestieren möchte, in Wirklichkeit aber nur Content für lau haben will. Ehrlich, da schweige ich lieber und hole mir das Zeugs und genieße. Und ja - das kostet eventuell ein wenig Nerven. Aber hey - das Risiko ist es wert!

    8. Ghandy schreibt:

      Netflix ist einfach zu bedienen, läuft auf vielen unterschiedlichen Geräten, kann auch mit Dritten in anderen Städten geteilt werden, die bei einem anderen Internet-Anbieter sind. Außerdem gibt es eine reichhaltige Auswahl an Filmen. Ob die alle so meinen Geschmack treffen? Nein, sicher nicht. Aber das Geld ist es auf jeden Fall wert. Ich habe keine Sorgen mit möglicher Schadsoftware (wie bei manchen Streaming-Portalen), muss mir keine Abzocke-Werbung anschauen etc. etc. Das meine ich halt.

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