Detector: KI spürt Schwarzfahrer in U-Bahnhöfen auf

Das spanische KI-System namens Detector soll Schwarzfahrer erkennen, wenn diese unrechtmäßig die Sperre auf dem U-Bahnhof überwinden.

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Das spanische Startup AWAAIT ist Vorreiter einer KI-Technologie, dem System Detector, das in Barcelonas U-Bahn-Nahverkehr per Algorithmus auffälliges Verhalten und Schwarzfahrer erkennen soll. Zu diesem Zweck hat AWAAIT eine Zusammenarbeit mit der katalanischen Eisenbahngesellschaft Ferrocarrils de la Generalitat de Catalunya (FGC) aufgenommen. Das „Detektor“ -System besteht aus einer Kamera, die die Validierungszone beobachtet und eine Echtzeit-Warnung sendet, sobald sie einen potenziellen Schwarzfahrer erkennt. Darüber berichtete das IT-Portal Golem.de.

Detector soll Schwarzfahrer automatisch finden

Das Startup Awaait Artificial Intelligence SL hat man 2014 in Barcelona gegründet. Es tourte in den letzten Monaten durch Europa, um seine Innovation bei öffentlichen Transportunternehmen auch im Ausland zu präsentieren. Dazu gehörten die im April stattgefundende Konferenz der Transport Research Arena 2018 in Wien und die InnoTrans in Berlin.

Mit Hilfe künstlicher Intelligenz analysiert die lernfähige Software Kamerabilder von Reisenden an den U-Bahn-Eintrittsbarrieren und wertet deren Verhalten aus. Entdeckt es anhand einer Anomalie, dass sich möglicherweise jemand unrechtmäßig Einlass verschafft, löst es einen stillen Alarm aus. Xavier Arrufat, Chef und Gründer von Awaait, erklärt im Gespräch mit Golem.

Kamera soll Anomalien aufspüren

„Die Kamera von Detector kann das Verhaltensmuster der Passierenden erkennen. Wenn sie eine Anomalie erfasst, also eine Person, die nicht bezahlt hat – das erkennen wir anhand der Bewegungsanalyse – erzeugt das System einen Alarm.“ Wenn der Alarmfall eintritt, werden sieben Bilder von der Kamera aufgenommen und zusammen mit einer sofortigen Alarmmeldung automatisch an das Smartphone des Metro-Personals gesendet. Ausgerüstet mit diesen Bildern kann der Kontrolleur die bestimmte Person als Schwarzfahrer identifizieren, sobald diese kein gültiges Ticket vorweisen kann.

Detector ist derzeit in fünf U-Bahn-Stationen in Barcelona, ​​einschließlich Provenza und Plaza de Cataluña, im Einsatz. Man erweiterte in diesem Jahr den Einsatz um die Muntaner Station. Laut dem Startup hat die Anwendung bereits zu einem 70%-igen Rückgang der Fahrgeldumgehung während der ersten Tests geführt. Für jede neu in Betrieb genommene Station, auf der „Detector“ zur Anwendung kommt, trainiert man das System. Dies geschieht, indem Bildern und Videos der Station eingespielt werden von dem Bereich, den es zu überwachen gilt. Weiterhin überwinden Probanden im Auftrag des U-Bahnbetriebs die vorhandenen Drehkreuze auf verschiedene Weise, wie Überspringen, Klettern oder indem sie dicht gedrängt hinter anderen Fahrgästen hindurchschlüpfen. Die Kameras filmen sie dabei.

Software soll auffälliges Verhalten erkennen

„So bringen wir dem System Detector bei, wie es zwischen einer Person, die bezahlt hat, und einer, die nicht bezahlt hat, unterscheidet. Nach einigem Training kann das System automatisch Bewegungsmuster erkennen, die darauf hinweisen, dass die Person nicht bezahlt hat“, erklärt Arrufat.

Arrufat weist zudem darauf hin, dass die Privatsphäre der Passanten geschützt sei: zwar würde die Kamera beobachten, jedoch nicht dauerhaft aufzeichnen. Auch erfasst bzw. speichert man die Fotos potenzieller Schwarzfahrer nur für eine begrenzte Zeit. Das gelte genauso, wenn man die Person nicht sofort kontrollieren und überführen konnte. Gesichtserkennung käme nicht zum Einsatz. Die Schwächen des Systems zeigen sich in einer zwar möglichen, aber seltenen Falscherkennung. So könnten man Fahrgäste, die sperrige Sachen, wie ein Fahrrad, über die Sperre heben, irrtümlich als Schwarzfahrer identifizieren. Wenn jedoch der Kontrolleur ein solches Foto sieht, wird er nichts unternehmen.

Angeblich mehrere Stadtverwaltungen an Detector interessiert

„Wenn Sie von unserem System Detector erfasst werden, dann haben Sie normalerweise keine Fahrkarte. Sie haben sie verloren und so weiter – es gibt zehn übliche Ausreden, die immer und überall angeführt werden.“, so Arrufat.

Gemäß Awaait lägen bereits Anfragen von anderen europäischen Städten vor, die ein Interesse an diesem System bekundet hätten. Allerdings wäre das System für Berlin wegen mangelnder Drehkreuze in U-Bahnhöfen in der vorliegenden Form nicht anwendbar.

Bildquelle: nvtrlab, thx! (CC0 1.0 PD)

Tarnkappe.info

Über den Autor

Antonia ist bereits seit Januar 2016 Autorin bei der Tarnkappe. Eingestiegen ist sie zunächst mit Buch-Rezensionen. Inzwischen schreibt sie bevorzugt über juristische Themen, wie P2P-Fälle, sie greift aber auch andere Netzthemen, wie Cybercrime, auf. Ihre Interessen beziehen sich hauptsächlich auf Literatur.