Cyberkriminalität: Russischer Hacker in den USA zu Rekordstrafe verurteilt

Article by · 23. April 2017 ·

Am Freitag ( 21.04.2017) verurteilte ein Bundesrichter in den USA den russischen Hacker Roman Seleznev zu 27 Jahren Gefängnis und sprach damit die längste Haftstrafe für solch ein Verbrechen in der Geschichte des Landes aus. Der Hacker steht unter dem Verdacht, durch seine Hacker-Attacken Schäden in einer Höhe von mehr als 169 Millionen Dollar verursacht zu haben, berichtete die New York Times.

Der unter dem Namen „Track2“ agierende Hacker wurde schon bei einer Verhandlung im August 2016 für insgesamt 40 Fälle angeklagt und in 38 davon für schuldig befunden, darunter Hacker-Angriffe auf Unternehmen und große Finanzinstitute, Onlineüberweisungs-Betrug, vorsätzliche Beschädigung geschützter Computer und schwerer Identitätsdiebstahl. Dabei hatte er die Daten von 2,9 Millionen Kreditkarten erbeutet und via Internet auf speziellen Webseiten verkauft. Er war über 15 Jahre hinweg aktiv und muss nun rund 159 Millionen Euro Entschädigung an Unternehmen und Banken zahlen.

Dabei zeigte sich Seleznev nicht frei von Reue. In einem 11-seitigen handgeschriebenen Brief an das zuständige Bundesgericht entschuldigt er sich für seine Vergehen: Er beschreibt darin sowohl seine schwierige Kindheit in Wladiwostok, als auch die Tatsache, dass er als 17-Jähriger Zeuge wurde, wie seine Mutter bei einem Bombenattentat in Marokko verletzt wurde. So sei er von einem verzweifelten Kind zu einem verzweifelten Mann geworden. Auch möchte er für seine Vergehem büßen und so viel wie möglich davon wieder gut machen.

Allein dieses Schreiben dürfte für eine minimale Strafmilderung gesorgt haben. Von den von der Staatsanwaltschaft geforderten 30 Jahren bekam er drei Jahre erlassen. Da jedoch der 32-Jährige als ein anerkanntes, einflussreiches Vorbild und Vorreiter für andere Kriminelle galt, ist das Urteil dann aber doch vergleichsweise hart ausgefallen. So habe er maßgeblich dazu beigetragen, dass der Handel mit gestohlenen Kreditkartendaten sich so stark ausbreiten konnte. Er galt als einer der „beliebtesten“ Hacker in der kriminellen Szene.

Bei der Verkündung des Strafmaßes brachte der Richter zum Ausdruck, der Hacker sei von Geldgier getrieben gewesen. Bereits im vergangenen Sommer war er schuldig gesprochen worden, mehr als 500 Unternehmen gehackt sowie Millionen von Kreditkartennummern gestohlen und auf speziellen Webseiten verkauft zu haben. Der US-Geheimdienst hatte 10 Jahre lang Untersuchungen zu dem Fall durchgeführt.

Das wirklich brisante an der Sache ist, dass es sich bei Roman Seleznev um den Sohn von Valery Seleznev handelt, einem Mitglied des russischen Parlaments und einem engen Kontakt von Präsident Vladimir Putin. Valery Seleznev sprach später von einer Entführung seines Sohnes durch die Regierung der Vereinigten Staaten. Der Hacker selbst wurde schon im Jahre 2014 auf den Malediven verhaftet. Damals fand man mehr als 1,7 Millionen Nummern von Kreditkarten auf seinem Laptop.

Die US-Anwältin Anette Hayes verdeutlichte in ars Technika die beabsichtigten Auswirkungen des Urteils: Heute sei ein schlechter Tag für die kriminellen Hacker auf der ganzen Welt. Die Vorstellung, dass das Internet immer mehr zu einem „Wilden Westen“ gerate, gehöre nun der Vergangenheit an. Wie man sehe, arbeitet die ganze Welt eng zusammen, um diejenigen zu finden, die das Internet für ihre kriminellen Machenschaften nutzen.

Bildquelle: Prawny, thx! (CC0 Public Domain)

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