[Meinung] Buchpiraterie auf Provisionsbasis

Article by · 25. Mai 2014 ·

lul.to Schnäppchen
Eine der jüngsten Entwicklungen in der Buchpiraterie – durchaus bahnbrechend – will ich euch nicht vorenthalten.

Bisher haben die Buchpiraten One-Click-Hoster für ihre Uploads genutzt oder eigene Server gehabt wie Boox.to, dem selig dahingeschiedenen. Es war Entweder-Oder. Lul.to – mit eigenem Server – schlägt nun einen sehr interessanten Mittelweg ein.

himmlerIhr habt es vielleicht bemerkt, dass sich die Preise dort in der letzten Woche zum Teil verdreifacht haben. Es ist dabei auffällig, dass die höherpreisigen Titel speziell sind: Entweder sie sind sehr ausgefallen oder sie verraten den Geschmack eines einzelnen Uploaders.

Lul.to hat den Indie-Autoren angeboten, dass sie ihre Titel auf der Plattform selbst anbieten können, zu selbst festgesetzten Preisen. Ein Autor hat mir berichtet, dass er den Preis dort auf den Ladenpreis gesetzt hat. (Dies war nicht im Sinne von Herr Lehmannn, wurde deshalb als Spaßaktion abgelehnt.) Es scheint aber so zu sein, dass einige Indie-Autoren auf dieses Angebot eingehen.

books on demandDer vorstehende Titel ist im Eigenverlag bei Books on Demand erschienen, hat dort den konkurrenzlosen Preis von € 27,99 und wird bei Lul.to mit € 0,35 ausgerufen. Da Lul.to alle Netzfunde mit € 0,10 und € 0,05 (bei Kurztiteln) führt und niemand sonst diesen völlig abseitigen Titel von Frau Feser kaufen würde, vermute ich stark, dass die Autorin selbst hochgeladen hat.

Viel interessanter aber sind die gefragten Titel wie im Screenshot ganz oben zu sehen: ‘Himmler privat: Briefe eines Massenmörders’ kostet € 20,99, war auf der Spiegelliste bei den Sachbücher irgendwo zwischen 21 und 50 und ist bei Piper erschienen. Ich habe die üblichen Quellen von Lul.to abgesucht und nichts gefunden. Auch deutet der Preis von € 0,30 darauf hin, dass es sich nicht um einen Netzfund, sondern um einen ‘eigenen’ Titel handelt. Von dieser Kategorie – Sachbuch, gefragt, teuer – gibt es in letzter Zeit auffällig viele.

Ganz offenbar macht Lul.to mit Uploadern einen Deal: ‘Ihr kauft einen Titel auf eigenes Risiko ein, ladet ihn bei uns hoch und werdet am Umsatz beteiligt!’ Ich habe mir sagen lassen, dass die Beteiligung hälftig ist. Auch die Abrechnung – immer die große Schwachstelle bei den Buchpiraten – lässt sich mittlerweile über Bitcoin sauber und gefahrlos machen.

Dieser Deal ist durchaus nicht unattraktiv. Wenn ich einen Titel für mich gekauft habe, lade ich ihn bei Lul.to hoch und kann – wenn der Titel gut gefragt ist – meine nächste Lektüre davon finanzieren (die ich wiederum hochlade). In diesem Fall muss der Uploader so um die 150 Downloads machen (bei hälftigem Umsatz), um ins Plus zu kommen. Da Lul.to mittlerweile die Nr.1 sein dürfte, was illegale Ebooks anbelangt, halte ich dieses Ziel schon am ersten Tag, in den ersten Stunden für erreichbar.

Auch für Lul.to ist der Deal sehr interessant. Sie haben zusätzlich zu den Netzfunden eigene Titel, gehen dabei aber keinerlei finanzielles Risiko ein. Es kann ihnen im Prinzip egal sein, wer da was hochlädt. Letztlich entscheiden die Nutzer, wer weiter hochlädt, da sie die Uploader mit guten Titeln unterstützen.

Ich könnte mir vorstellen, dass wir hier ein Gegenmodel zu den One-Click-Hostern sehen. Abusefreiheit und hälftige Beteiligung scheinen mir auf den ersten (und zweiten) Blick enorm attraktiv.

Dies ist ein Gastbeitrag und spiegelt dementsprechend nicht die Meinung der gesamten Redaktion von Tarnkappe.info wieder.

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4 Comments

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    Jeanne

    Ich bin heute zum allerersten Mal auf lul.to gestoßen … unfreiwillig.
    Denn dieses Seite bietet meine Bücher zum Download an, ohne jemals eine Einwilligung eingeholt zu haben. Ich bin kein Indieautor und verdiene mit dem was ich schreibe auch kein Geld.
    Sollte ich deswegen stillschweigen?
    Ich bin so wütend darüber, dass es Menschen gibt, die diesen Weg einschlagen und das Urheberrecht anderer verletzen. Es sind MEINE Geschichten, MEIN Herzblut, die sie mir einfach wegnehmen … und es ist für alle völlig okay. Wie ich mich als Autor dabei fühle, interessiert nicht.

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      Humoristwennmanstrotzdemmacht

      Genau genommen nimmt dir niemand etwas weg. Ich gehe davon aus das du als normaler Mensch auch schon einmal in den Genuss gekommen bist dir ein Buch von Freund oder Freundin kostenfrei ausgeliehen zu haben ohne darüber nachzudenken dem Autoren dafür etwas zu geben. Allerdings ist das Geschäftsmodell von lul eine Schweinerei das unterschreibe ich sofort.

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      Humorist hat recht: Nicht das Rumreichen deiner Bücher an sich ist das Problem. Wenn da mal an 10-20 Downloads an dir vorbeigehen, dürfte dir praktisch kein Schaden entstanden sein. Aber Lul.to ist extrem erfolgreich in diesem Jahr gewesen. Ich kann die Zahlen der illegalen Downloads nur rückwärts schätzen, aber wenn die Buchpiraterie insgesamt nicht dramatisch abgenommen hat – immerhin möglich – dann hat Lul.to fast alles aufgesogen. Praktisch ist damit Buchpiraterie = Lul.to!! Und da dürften dir tausende von DLs verloren gehen.

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        Nicht die komplette Buchpiraterie besteht aus LUL.TO. Unser guter SB übertreibt mal wieder. Aber sie sind für den deutschsprachigen Bereich mittlerweile der größte Anbieter geworden. Sie lassen sich für das geistige Eigentum Dritter Geld bezahlen, da hört der Spaß tatsächlich auf.


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