Wire: sicherer Messenger kostenlos und werbefrei will überzeugen

Der Messenger Wire verspricht moderne Kommunikation auf verschiedenen Plattformen und absolute Privatsphäre. Das Ganze werbefrei und kostenlos. Unmöglich?

Vergleich mit der Konkurrenz. Quelle: Wire.com.

Wire: Der Schweizer Hersteller verspricht moderne Kommunikation in Verbindung mit absoluter Privatsphäre. Das Ganze funktioniert absolut werbefrei und kostenlos. Was sich fast zu schön anhört um wahr zu sein, ist offenbar doch möglich. Da man Wire auch auf Desktop-PCs benutzen kann und es sogar mit einem Browser funktioniert, wird es sogar für den Branchenprimus eng.

WIRE will beliebter Messenger werden

Der Messenger-Dienst der Wire Swiss GmbH schickt sich an, das Leben der Konkurrenten Signal, Threema und Telegram ein wenig schwerer zu machen. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist damit nicht nur bei Chats, sondern auch bei Audio- und Videoanrufen, Gruppenanrufen und bei allen Datenübertragungen möglich. Beim Chat kann man auch GIFs verschicken oder Links ausgetauschen. Man legt einen Account an und kann die App für Android, iOS, Mac OS X, Windows 7, 8, 10 oder als Quellcode für Linux-Distributionen herunterladen. Niemand wird im Gegensatz zu anderen Software-Lösungen wie WhatsApp dazu gezwungen, sein Telefonbuch für das Programm verfügbar zu machen.


Die Kollegen von Datenschutzbeauftragter.de haben kürzlich beim Hersteller von Wire nachgefragt, wie es um die Wahrung der Privatsphäre steht. Nicht anonyme Userdaten (Name, Username, Handynummer, IP-Adressen, E-Mail) werden für 72 Stunden gespeichert und Dritten nicht zur Verfügung gestellt. Laut dem eigenen Transparenzbericht gab es bislang keine Anfragen von Behörden, um Nutzer zu identifizieren. Dafür ist der Dienst wahrscheinlich einfach noch zu unbekannt.

Die Server des Anbieters stehen innerhalb der EU und fallen somit auch unter das im Vergleich zur USA deutlich strengere europäische Datenschutzrecht. Länger als 72 Stunden bewahrt man grundsätzlich nur die Userdaten zur Anmeldung auf. Bei jedem größeren Update der App wird im Gegensatz zum Wettbewerb automatisch von Kudelsky Security ein Sicherheits-Audit erstellt. Insbesondere überprüft man dabei die Protokolle zur Verschlüsselung der Kommunikation.

Keine Werbung, keine Drittverwertung von Daten, keine Kosten

Werbung ist und bleibt auch in Zukunft tabu. Das Unternehmen bezieht seine Einlagen zu 100 Prozent von Venture-Kapital. Geldgeber ist die Firma iconical, ein Unternehmen das zum dänischen Kazaa- bzw. Skype-Mitbegründer Janus Friis gehört. Die App bleibt dauerhaft für alle Plattformen kostenlos. Auch die Auswertung der Nutzerdaten für Drittfirmen oder Behörden etc. ist nach eigenen Angaben ausgeschlossen.

Der dicke Haken an Wire trifft auch die Konkurrenten Telegram, Threema und Signal gleichermaßen: kaum Nutzer. Wer die modern aussehende App installiert, findet trotz Zugriff auf das eigene Telefonbuch kaum bis gar keinen Kontakt vor, der ebenfalls Wire nutzt. Da nützt auch der Zugriff auf die Kontakte bei Facebook oder Google Mail nichts, die von der App ebenfalls angeboten wird. Der Grund dafür ist simpel: Vielen Menschen ist die Wahrung der eigenen Privatsphäre eher egal, solange sie mit einer App wie dem Facebook Messenger oder WhatsApp all ihre Freunde und Bekannte erreichen können.

Wer die kostenlose App trotz der wenigen Nutzer ausprobieren möchte, sie kann von hier heruntergeladen werden. Die Redaktion von Tarnkappe.info ist bei Wire übrigens (nicht mehr) erreichbar.

Wire im Vergleich

Der Vergleich auf der eigenen Webseite von Wire mit dem Wettbewerb. Der Facebook Messenger ist das Schlusslicht.

Tarnkappe.info

Über den Autor

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.