Was ist bei gulli.com los?

Seit einigen Tagen wird man beim Aufruf von gulli.com wahlweise entweder zu verschiedenen dubiosen Webseiten weitergeleitet, oder aber den Besuchern wird alternativ der Kauf der Domain angeboten.

ngb.to gulli.com Randolf Jorberg

Seit einigen Tagen wird man beim Aufruf von gulli.com wahlweise entweder zu verschiedenen dubiosen Webseiten weitergeleitet, oder aber den Besuchern wird alternativ der Kauf der Domain angeboten.

Zunächst ein wenig Historie: Die Geschichte von gulli.com beginnt lange Zeit vor der Existenz von Internet-Giganten wie Facebook oder Spotify. Im Jahr 1998 wurde das Forum von einem anonymen Betreiber gegründet, der dieses später an den Bochumer Unternehmer Randolf Jorgerg veräußert hat. Das allerdings steht weder bei der Wikipedia, noch sonst irgendwo. In den ersten Jahren wurden die meisten Seitenzugriffe mit Download-Links zu Rapidshare generiert. 2008 musste die Musik-Börse des g:b geschlossen werden. Auch der nur für wenige Monate existente Sharehoster gulli:share wurde im August 2008 wieder geschlossen. Als im Herbst 2008 Valentin Fritzmann das Portal kaufte, hatten die alten Bochumer Macher bis auf ihr Abschieds-Buch damit nichts mehr zu tun. Im Sommer 2013 kaufte die gamigo Advertising GmbH das Projekt. Wenige Wochen nach der Übernahme entstand aufgrund der anhaltenden Frustration vieler Benutzer das Forum ngb.to. Die meisten Moderatoren hatte man sowieso schon vorher rausgeworfen.

Schon seit mehreren Monaten werden bei gulli.com im News-Bereich keine neuen Beiträge mehr veröffentlicht. Offenbar hat man die teils haupt- und größtenteils freiberuflichen Redakteure freigesetzt, wie es heute so schön heißt. Im September 2017 berichtete heise online darüber, dass gulli erstmals zur Zielscheibe eines Datenbank-Hacks wurde. Der Hack gelang nur deshalb, weil man eine alt bekannte Sicherheitslücke in der Forensoftware nicht durch ein Update entfernt hat.


Seit einigen Tagen wird die Domain zum Kauf angeboten. Spannend, dass nicht das gesamte Portal sondern nur die Domain zum Verkauf steht. Offenbar besteht für die Betreiber schon keine Hoffnung mehr, mit Forum und/oder Portal irgendeinen Verkaufspreis erzielen zu können. Die Offerte ist aber nicht immer sichtbar. Meistenteils werden die Surfer unter gulli.com zu dubiosen Webseiten weitergeleitet, die ihre Besucher zur Installation von Chrome Erweiterungen oder zur Teilnahme an Gewinnspielen auffordern. Wahrscheinlich geschieht dies ohne die Zustimmung der Betreiber, diese Weiterleitung war zeitweise deaktiviert. Möglicherweise versuchen Cyberkriminelle Gewinn aus der ganzen Sache zu schlagen. Ob die Seite jemals wieder in ihrer alten Form sichtbar sein wird? Wir werden die weitere Entwicklung auf jeden Fall beobachten.

Lars Sobiraj fing im Jahr 2000 an, als Quereinsteiger für verschiedene Computerzeitschriften tätig zu sein. 2006 kamen neben gulli.com noch zahlreiche andere Online-Magazine dazu. Er ist der Gründer von Tarnkappe.info. Außerdem bringt Ghandy, wie er sich in der Szene nennt, seit 2014 an verschiedenen Hochschulen und Fortbildungseinrichtungen den Teilnehmern bei, wie das Internet funktioniert.