Was ist bei gulli.com los?

Article by · 31. Mai 2018 ·

Seit einigen Tagen wird man beim Aufruf von gulli.com wahlweise entweder zu verschiedenen dubiosen Webseiten weitergeleitet, oder aber den Besuchern wird alternativ der Kauf der Domain angeboten.

Zunächst ein wenig Historie: Die Geschichte von gulli.com beginnt lange Zeit vor der Existenz von Internet-Giganten wie Facebook oder Spotify. Im Jahr 1998 wurde das Forum von einem anonymen Betreiber gegründet, der dieses später an den Bochumer Unternehmer Randolf Jorgerg veräußert hat. Das allerdings steht weder bei der Wikipedia, noch sonst irgendwo. In den ersten Jahren wurden die meisten Seitenzugriffe mit Download-Links zu Rapidshare generiert. 2008 musste die Musik-Börse des g:b geschlossen werden. Auch der nur für wenige Monate existente Sharehoster gulli:share wurde im August 2008 wieder geschlossen. Als im Herbst 2008 Valentin Fritzmann das Portal kaufte, hatten die alten Bochumer Macher bis auf ihr Abschieds-Buch damit nichts mehr zu tun. Im Sommer 2013 kaufte die gamigo Advertising GmbH das Projekt. Wenige Wochen nach der Übernahme entstand aufgrund der anhaltenden Frustration vieler Benutzer das Forum ngb.to. Die meisten Moderatoren hatte man sowieso schon vorher rausgeworfen.

Schon seit mehreren Monaten werden bei gulli.com im News-Bereich keine neuen Beiträge mehr veröffentlicht. Offenbar hat man die teils haupt- und größtenteils freiberuflichen Redakteure freigesetzt, wie es heute so schön heißt. Im September 2017 berichtete heise online darüber, dass gulli erstmals zur Zielscheibe eines Datenbank-Hacks wurde. Der Hack gelang nur deshalb, weil man eine alt bekannte Sicherheitslücke in der Forensoftware nicht durch ein Update entfernt hat.

Seit einigen Tagen wird die Domain zum Kauf angeboten. Spannend, dass nicht das gesamte Portal sondern nur die Domain zum Verkauf steht. Offenbar besteht für die Betreiber schon keine Hoffnung mehr, mit Forum und/oder Portal irgendeinen Verkaufspreis erzielen zu können. Die Offerte ist aber nicht immer sichtbar. Meistenteils werden die Surfer unter gulli.com zu dubiosen Webseiten weitergeleitet, die ihre Besucher zur Installation von Chrome Erweiterungen oder zur Teilnahme an Gewinnspielen auffordern. Wahrscheinlich geschieht dies ohne die Zustimmung der Betreiber, diese Weiterleitung war zeitweise deaktiviert. Möglicherweise versuchen Cyberkriminelle Gewinn aus der ganzen Sache zu schlagen. Ob die Seite jemals wieder in ihrer alten Form sichtbar sein wird? Wir werden die weitere Entwicklung auf jeden Fall beobachten.

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56 Comments

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    Ignaz


    Die meisten Moderatoren waren linke Scheiss-Wi**er

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      Ich war wahrlich nicht immer mit den Mods auf einer Wellenlänge. Aber was Du schreibst, stimmt einfach nicht. Klar gab es Spinner, aber viele waren auch sehr vernünftig.

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        René


        Das du überhaupt so ein Kommentar freischaltest.

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          FRAWUL


          @Renè
          Als Übermittler vom „Pennywise“ soll ich dir sagen, dass er geantwortet hat!

          Sehe ich eigentlich so aus, als wäre ich die Post oder ein Überbringer von UPS, oder käme irgendwie
          von einem Telegrammdienst???

          Mensch, ich bin Programmierer und kein Botschafter!

          Der „Penny“ geht mir genauso wie dir auf den Keks wie dir…

          https://tarnkappe.info/streamit-ws-vom-webhoster-gekickt/#comment-98022

          P.S.: Ganz kurz zum Thema: Es gibt immer verschiedene Meinungen, ein bisschen Toleranz muss ein jeder mitbringen. (Meine Toleranzgrenze ist soeben erschöpft).

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      Claudia


      Links.. Rechts.. Mitte..
      Es gibt bei allen sehr extreme Ansichten und Meinungen. Egal, in welche Richtung es auch geht. Wer sagt mir, welche Meinung die Richtige ist? Wer hat mit seinen Ansichten recht? Ich denke.. alles, was sehr „extrem“ ist.. wo man keinerlei andere Meinung zulässt, ist schädlich.

      Nur, alle über einen Kamm zu scheren, finde ich genauso verwerflich


  • […] am DSGVO-Stichtag gulli.com von den ehemaligen Betreibern vom Netz getrennt wurde, begann das große Rätselraten. Wer würde die Domain kaufen? Wer hätte überhaupt noch Lust, diesen von den […]

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    Hex2Bin


    War eine interesante Zeit.
    Mit netten Kollegen und -Innen ;-)
    Grüße aus Südfrankreich

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    Baxter


    RIP Gulli

    Gruß aus Kölle, Baxter

    ———————————
    Special Gruß @Lars aka Ghandy. War schon sehr unterhaltsam damals. Besonders in den filesharing threads.
    Leider wurden die schwärzesten Befürchtungen sogar noch weit übertroffen… wenn ich bedenke daß das ja weit vor Snowden war und ich damals immer fies gebasht wurde zu diesen Themen (nach dem Motto „ach hör doch auf, alles Verschwörung“ u.ä.) dann ist es im Grunde traurig daß sich im Großen nix geändert hat respektive sich nix ändert.
    Naja, c‘est la vie.
    Im Kleinen kann man aber sehr wohl etwas erreichen. Immerhin Logistep damals letzten Endes noch schön versenkt (gefolgt von weiteren dann), auch wenn die Mühlen langsam gemahlt hatten ;-)
    Unter‘m Strich auch ne gute Erfahrung gewesen damals dadurch u.a. mit Leuten wie Hanspeter Thür in der Schweiz und Peter Schaar in Deutschland kommuniziert zu haben. Den ein- oder anderen link zum gulli:board hatten die auch. Ohne gulli hätte mich das Thema vermutlich nicht so in den Bann gezogen und ich hätte mich wohl auch nicht so reingesteigert und recherchiert. Also war gulli für mich damals schon n schönes Hobby sozusagen.

    Aber wie dem auch sei, will ja keinen langweilen.

    Alles hat ein Ende…Macht et jot!

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    Wire


    Ich werde alt, gerade eben aus Nostalgie versucht das g: b zu erreichen und dann das…
    Es war eine schöne Zeit und es sind ein paar alte Seilschaften von früher geblieben.

    Ciao Wire

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    Sectumsembra


    ist wieder online

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      Sectumsembra


      Sorry,doch nicht.

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    Italia_90


    Das war abzusehen dass es soweit kommt. Schon fast überraschend dass es noch 5 Jahre gehalten hat. Schließlich was das Board am Ende nur noch eine Heimstatt für Trolle und Spammer die sich ausgeheult haben weil sie von den alten Mods zurecht damals rausgeschmissen wurden oder einfach nur ihren Politischen Dreck reingesapmmt haben.
    Besonders erbärmlich: Es wurde ein Thread eröffnet in dem ein Troll sich auf widerwärtigste Art und Weise über den Tod von Ex-Mod Hezu lustig gemacht und ihn u.a. als Ratte bezeichnet hat.

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    Don Omerta


    War ne geile Zeit, ich bin 1999 zu gulli gekommen. Ab 2001 merkte man aber das die Kohle alles und jeden veränderte. 2004 habe ich mich dann zurückgezogen und nur noch als stiller Leser ab und an vorbeigeschaut. Wie man die Leute dort verschaukelt hat, ich kam manchmal vor lachen nicht in den Schlaf. Alles was dem Team nicht genehm war wurde gnadenlos gelöscht oder der User gesperrt. Und dann das Brumborium über Korrupt und LexaT, das hatte schon sektenähnliche Strukturen. 2008 dann das putzige Buch “Gulli-Wars“, ich habe versucht mir eine Träne aus den Auge zu drücken, hat nicht funktioniert…..
    Die Anfänge waren klasse, das letzte drittel nicht….
    Gruß
    Don Omerta

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    HackaZ[gB]


    Toll…. Mails werden nicht mehr weitergeleitet… kann mir da jemand nen Kontakt herstellen? Danke.

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    Josefine


    Cln. Detjen :
    Anfeindungen und Beleidigungen werden nicht mehr freigeschaltet.

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    P E N N Y W I S E


    Text bei Seitenaufruf:
    Why this domain has been suspended
    Email address has not been verified.
    This is a new domain registration and the Registrant email address has not been verified.

    So ein Mist, die Seite wurde ja Suspended (gesperrt), genauso
    wie der Buchpirat, genauso wieviele andere Seiten in den
    letzten Monaten! Was geht eigentlich in der Szene ab ?
    Team Pennywise erschüttert.

    MYGULLY – IHR WART DIE BESTEN ! SCHADE

    Team Pennywise

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      MyGully und gulli.com haben nichts gemeinsam.

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        FRAWUL


        Hier Frawul, ja wir haben es gemerkt!
        Glückseliger Weise ist mein „Mygully.com“ noch funktionsfähig. Der „Penny“ hat den Beitrag nicht richtig gelesen! Diese Nervtöle…
        DANKE Lars für die Richtigstellung.

        Headquarter Team Pennywise:
        Du „Frawul“ – Die Seite „mygully“ funzt noch!
        Ja „Penny“, ich weiß, hast du heute überhaupt schon
        deine Pillen genommen?

        „Frawul“ – Nerv mich bloß nicht, wird heute
        ein sonniger Tag…

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    P E N N Y W I S E


    P E N N Y W I S E

    Unsere „Crew“ musste in einer dringenden IT-Angelegenheit hier etwa 10 Tage pausieren Mit Ensetzen stellen wir fest, das unser
    Leader Pennywise seine Seite Gully-Seite nicht in der urspünglichen Form findet! – Nur noch SPAM ist Bullshit.

    Das ist ein Katastrophe, kenne keine Seite die derart
    umfangreiches vor allen so viel deutsches „Staff“ bzw. Content hatte. SCHADE, SCHADE NOCHMALS SCHADE.

    Muss mich gleich nochmals „einlesen“. So grob gesehen meint der Frawul, die Seite ist schwer gehackt worden!

    „Frawul“, mach mal ein IP-Tracking!

    PS. Pennywise (Das Original ist Back)
    Euer Danny Pennywise
    Ach ja, Lars schön das du auch wieder da bist.
    Finde, die Mauzi hat dich gut vertreten.

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      Josefine


      Hallo Pennywise
      ich werde das gerne an Mauzi weiterleiten. Sie hat die Tarnkappe verlassen.

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        P E N N Y W I S E


        Hallo Josefine,
        wegen Ihrer „Themen“?, oder ist Sie angefeindet worden?
        Oder weil unser Team 10 Tage „Offline“ war?
        War mit Sicherheit nicht immer einfach, die teilweise
        „unsäglichen“ Kommentare zu beantworten.

        Hallo Josefine, ich bin der DANNY, habe leichte
        Störungen mit meiner Persönlichkeit, wobei ICH
        zeitweise 3 Personen beinhalte. ABER, habe auch
        mehrere IT-Experten/Helfer zur Hand.
        Bin genauso harmlos wie ICH aussehe!
        https://images2.alphacoders.com/893/893260.png

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          Josefine


          Hallo Danny,
          du solltest deine Haut ein wenig eincremen, sieht sehr schuppig aus. :)
          Haben wir nicht alle ein paar Störungen?

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            P E N N Y W I S E


            Genau, dazu stehe ICH und mein Team.
            Meine zu den „kleinen Störungen!“
            So viel irrsinniger und wahnsinniger als alle anderen sind wir gar nicht! (Nun ja, wenn genau überlege…, könnte doch sein?!)

            Keiner ist vollkommen, wir haben gewiss paar
            „kleine“ Störungen. – ABER ehrlich gesagt,
            was die anderen Denken interessiert uns ohnehin
            nicht die Bohne. Wir haben ein TEAM, auf das ist
            Verlass.

            So wir, waren 10 Tage abwesend und müssen
            TO-DO Listen durcharbeiten, mal sehen vielleicht
            „wuppen“ wir heute noch irgendwas?

            Schönen Sonntag noch Josefine, man hört
            woneinander… , Ach ja kannste mir irgendwie
            die Handy-Nummer oder Email von der Mauzi zukommen lassen?

            Habe eine Email eingerichtet:
            BITTE NICHT ZUSPAMMEN, die ist echt!
            xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

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            Josefine


            Nein das kann ich nicht. Aber ich gebe gern deine E-Mail-Adresse weiter. Soll ich deine E-Mail-Adresse jetzt löschen??

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            P E N N Y W I S E


            JA Josefine,
            bitte lösch die Email-Adresse. Gib Sie gerne an Mauzi weiter… / Wir haben uns sehr gut verstanden.
            DANKE

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            Josefine


            Ok, sie wird sich bei dir melden

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    Cobbleansa


    @Lars „Es war eine geile Zeit, zumindest für mich.“

    Ja gut und schön, Deine süßen ERinnerungen bleiben Dir unbenommen. Aber nur weil Deine redaktionelle Mitarbeit im gulli für Dich das Highlight in Deiner journalistischen Karriere war – und vermutlich bleiben wird -, heißt das ja nicht, daß das Forum an sich jemals von größerer (besser gesagt: irgendwelcher) Bedeutung im Internet-Kosmos war.

    Anders gefragt: hat Deine journalistische Mitarbeit im gulli größer was für Deine journalistische Karriere (?) getan? Sowas wie: fester hochgeschätzter Mitarbeiter bei der ‚ZEIT‘, der ‚Süddeutschen Zeitung‘, ein eigenes Magazin bei der ARD? Nein, nicht?

    Na dann hast Du hierin erkärt die (mangelnde, bestenfalls subjektive) Bedeutung dieses Forums. Die Bedeutung existierte nur innerhalb der „echo chamber“ seiner Mitglieder, aber nicht in der realen Welt.

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      Josefine


      Zitat:
      „Bedeutung im Internet-Kosmos“

      Ist überhaupt irgendetwas von Bedeutung im Internet-Kosmos?
      Sterne gehen auf und verglühen wieder… und der Fluss ist niemals derselbe, in den man eintaucht. (Johannes von Heinsberg)

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        Cobbleansa


        Genau was ich sage ‚panta rhei‘. Weswegen ich den Abgesang nicht wirklich nachvollziehen kann, dieses Forum hing doch schon seit vielen Jahren an der künstlichen Niere und lag im Wachkoma. Die glorreichen Zeiten sind seit 10 Jahren rum. 10 Jahre sind im Internet eine Ewigkeit.

        Und das Nachfolgeforum ist auch ziemlich komatös.

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          Josefine


          Gebe ich dir recht
          10 Jahre, ist eine Ewigkeit. Wenn du dir heute das neuste Smartphone kaufst, ist das schon veraltet. Ein Fernseher mit allen schnick schnack ist veraltet. Die Entwicklung geht rasend schnell.
          Das Internet vergisst sehr schnell.
          Wir alle sind nur kleine Lichter, die sehr schnell verglühen und ohne Bedeutung sind.

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      Ich habe für heute.de, Golem.de, den österreichischen Journalistenverband, die Zeitschrift Connect und viele andere Auftraggeber gearbeitet, nachdem ich als Hauptamtler bei gulli.com auf eigenen Wunsch hin ausgeschieden bin. Worauf willst Du hinaus?

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    High Anon


    Keine Ahnung was ihr habt. :)

    Unter mygully.com funzt alles einwandfrei :)

    Sehe das Forum und kann mich normal anmelden :)

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      Josefine


      Ich schiebe dir einfach mal eine Brille rüber
      Du siehst den Klitzekleinen Unterschied zwischen mygully.com und gulli.com ?

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        Cobbleansa


        Setz die Brille ruhig selber auf, wenn es eine Ironie-Brille ist.

        Der User High Anon wollte damit vermutlich kundtun, daß das gulli-Forum ungefähr so interessant ist wie ein kippender Sack Reis in China :). Womit er zu 100% recht hat. :).

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          Josefine


          Ich hatte ihn schon verstanden. War auch scherzhaft von mir gemeint :-)

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    Gammlet


    Gulli ist tot

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    drabanden


    nachdem nun tarnkappe leicht verzögert reagiert hat, steht auch bei ngb noch was:
    https://ngb.to/threads/35263-RIP-Gulli-Rot-In-F-%C2%A7-ing-Pieces!?s=6c17ac7e1632120a44735cfbabdf9379

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    ÜberallGeld


    Geld, Vavoo, mehr Geld, noch mehr Vavoo.
    $cheiss .de P2P $zene.

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    2006 > Interview


    Der bekannteste Zugang zum deutschen Webuntergrund ist Gulli.com. Eine Topliste führt Sauger zu den bekanntesten Seiten im Warez-Netz, hier tauschen sich Hacker, Cracker und Raubkopierer aus. Aber die Seite eröffnet auch die Pforten zu einer eigenen Netzkultur.

    Jeder der sich für die dunkle Seite des Internets interessiert, findet bei Gulli.com einen guten Startpunkt. Die Seite wurde jüngst neu aufgesetzt und präsentiert sich Ihren Nutzern in einer modernen Oberfläche. Nach dem Neustart der Site hat sich PC Magazin mit dem Team hinter Gulli.com über die Seite, den deutschen Untergrund und das Internet unterhalten.

    PC Magazin: Erstmal Gratulation zur wirklich gelungenen Neugestaltung Eurer Seite.

    LexaT: Danke :)

    PC Magazin: Wie lange gibt es euch jetzt schon und wie viele Leute arbeiten im Hintergrund an Gulli.com?

    Korrupt: Uns gibt es seit 1998. Bei den Mitarbeitern müsste man zwischen Portal und Board trennen.

    Gulli: Auf dem Board gibt es ein großes Team von Moderatoren und Admins (alle Anwesenden sind Admins dort), die Toplist hat 2 Administratoren und auf http://www.gulli.com ist es ein eher kleines Team. Korrupt schreibt dort die News zu P2P, News aus der Szene, usw. und LexaT ich und einige andere kümmern sich um Technik, weitere Inhalte, usw. Also insgesamt sind es ca. 50 Leute, die Arbeit in das Projekt stecken

    PC Magazin: Könnt Ihr abschätzen, welchen Umfang Gulli mittlerweile hat?

    LexaT: Es sind rund 1500 Seiten auf dem Portal.

    Gulli: Auf dem Board sind es derzeit 324.739 Themen mit 2.194.135 Beiträgen von 93.774 Benutzern.

    PC Magazin: Das ist ja ein gewaltiger Umfang. Was erwartet einen Besucher auf Gulli.com?

    Gulli: Gulli ist die Startseite in die deutschsprachige Undergroundszene. Wer sich zu Themen rund um den Untergrund (d.h. Filesharing, Warez, Hacking und Cracking) informieren will, ist bei uns genau richtig.

    Korrupt: Wir bringen aktuelle News aus und für die Szene: zu den relevanten Themen der entsprechend interessierten Leute. Filesharing, die Entwicklungen im Copyrightbereich, Überwachung, Kontrolle, Anonymität im Netz. Zu diesen Themen bieten wir auch Anleitungen, Tutorials und entsprechende Programme an. Und wenn es Aktionen, Kampagnen etc. dazu gibt, machen wir dafür auch Öffentlichkeitsarbeit, bzw. versuchen, Leute für die Themen zu sensibilisieren.

    Gulli: Nicht zuletzt unsere verschiedenen Suchmaschinen helfen dem User sich schnell im Untergrund zurechtzufinden. Also wirklich der perfekte Start. Früher sind die Leute zu Astalavista gegangen, heute nutzen sie Gulli.

    PC Magazin: Wie viele Besucher verzeichnet Gulli im Schnitt?

    Gulli: Mehr als die Seiten von PC-Magazin und dessen Konkurrenz. :)

    PC Magazin: Konkrete Zahlen sind Betriebsgeheimnis?

    Gulli: So kann man das wohl nennen…

    PC Magazin: Die Besucher gehören alle der so genannten „Szene“ an?

    Korrupt: „Szene“ ist ein sehr schwammiger Begriff

    LexaT: Das wage ich eher zu bezweifeln ;)

    Gulli: Nein. Wir verstehen uns eher als Sprachrohr der Szene zu den interessierten Computernutzern, also denen, die nicht nur wissen wollen, wie Windows schneller läuft und welches Office das Beste ist, sondern die vom dunklen Teil des Internet fasziniert sind und dort eintauchen möchten.

    Korrupt: Wer mal eMule geladen hat, wird sich vermutlich nicht als Teil einer „Szene“ begreifen.

    PC Magazin: Was suchen dann die Besucher von Gulli in erster Linie?

    Gulli: Ich glaube das lässt sich nicht auf einen Nenner bringen. Gulli ist eben mittlerweile so umfangreich, dass jeder Computerinteressierte dort etwas findet.

    LexaT: Stimmt. Viele Leute die Kommunikation auf dem Gulli-Board suchen, sind an den Informationen von http://www.gulli.com eher weniger interessiert.

    Gulli: Aber das Hauptmotiv der meisten nutzer ist natürlich meistens die suche nach Crackz und Warez. Die können wir natürlich nicht direkt anbieten, aber wir berichten über die aktuellen Geschehnisse auf diese Szene und die Leute tauschen sich gerne dazu aus.

    PC Magazin: Kann man die Szene, über die ihr berichtet, charakterisieren? Was für Menschen sind da am Werk? Um was geht es Ihnen?

    LexaT: Ich denke, die Leute haben es satt, zunehmend gegängelt zu werden, siehe TKÜV und DRM.

    Korrupt: Wenn wir über Filesharing berichten, und die jüngsten Entwicklungen zu dem Thema, geht es beispielsweise um eine große Menge von Leuten, die sich früher die Musik, die sie mögen, auf Tapes gezogen haben, und für dasselbe heutzutage kriminalisiert werden.
    Wenn wir über Busts in der Releaserszene berichten: Diese Menschen haben natürlich andere Beweggründe, da geht es eher um Sportsgeist und Wettbewerb in einem, nun, etwas spannenderen Hobby. Und die allgemeine Zunahme der Überwachung im netz geht im Prinzip ja alle an. Dafür sollte sich auch der User interessieren, der auf dem Board fragt, wie man ein CSS-Sheet baut oder auf gulli.com landet, weil es da ein gutes Whois gibt.
    Wenn man keine CD auf seinem Rechner mehr abspielen kann, ohne dass Sony das weiß, dann sollte sich der User dagegen wehren können. Stattdessen werden Gesetze erlassen, die ihm exakt das verbieten.

    PC Magazin: Eure Seite wirkt sehr politisch. Themen wie Urheberrecht, Zensur, Selbstbestimmung und Überwachung sind sogar eigenen Abteilungen zugeordnet.

    LexaT: Die Aufklärung ist uns sehr wichtig …

    Korrupt: … und die existiert im Netz ja auch glücklicherweise, aber in die Mainstream-Medien schwappt da extrem wenig rüber. Da sind dann die Totschlagthemen Kinderschänder im Netz und die, nun, gelinde gesagt, fantasievollen Verlustzahlen, die regelmäßig von der Copyright-Industrie in den Raum geworfen werden.

    LexaT: Es ist ja auch ein Thema, wo gerade in der letzten Zeit extrem viel Mist beschlossen und per Gesetz verabschiedet wird. Man schaue da auf die Speicherung der Verbindungsdaten seitens der ISP.

    Korrupt: Wenn man sich überlegt, wie hoch die Sensibilisierung für Datenschutz noch in den 80ern war, und was heute alles geschieht, ohne dass es Jemanden zu interessieren scheint, dann ist das schon erschreckend.

    PC Magazin: Sind die Interessen der Industrie im Verhältnis zu den Bürgerrechten überbewertet?

    LexaT: Definitiv

    Gulli: In den Mainstream-Medien wird immer sofort mit dem von der Copyright-Industrie propagierten Begriff „Raubkopierer“ um sich geschlagen. Dabei wird unterschlagen, dass es keine „Raub-“ sondern höchstens Schwarzkopien gibt, da hier kein Raub vorliegt und nichts verloren geht, sondern Daten nur vermehrt werden.

    Korrupt: Und der Trend ist ja ungebrochen. Wenn Bill Gates ankündigt, er rechne nicht mehr mit der Durchsetzung von Blue-Ray oder HD-DVD, weil bald alles gestreamt wird, dann ergeben sich da noch völlig neue Möglichkeiten.

    PC Magazin: Nämlich?

    Korrupt: Die völlige Kontrolle der Industrie über die Medien und ihren Gebrauch. Parallel dazu haben wir aber einen immer kreativeren Umgang der Leute mit den Inhalten. Sie generieren selber welche, sie verfremden, verarbeiten, remixen sie. So entstand permanent Kultur, und die wird gerade den Leuten entrissen – ihr Gebrauch und ihre Weiterentwicklung rechtlich immer weiter eingeschränkt. Wenn Seiten down gehen, weil in einem Flashmovie ein Soundschnipsel aus einem Radiohit zu hören ist, dann ist was falsch gelaufen.

    PC Magazin: Mit der neuen Regierung steht ja eine Verschärfung der Konfliktsituation durchaus zu befürchten. Wie ist dazu die Stimmung in der Szene?

    LexaT: Die Stimmung war auch unter der alten Regierung nicht die Beste. ;)

    Korrupt: Es ist ja kein einseitiger Prozess. Natürlich werden immer mehr Leute kriminalisiert, wird immer mehr überwacht. Aber es gibt ja auch ganz andere Möglichkeiten, sich zu schützen, als noch vor 5 Jahren.

    PC Magazin: Ihr bietet ja auch jede Menge Informationen zum Anonymisieren im Internet.

    LexaT: Das ist auch gut so. Das machen viel zu wenige.

    Korrupt: Aber diesen Schutz muss man nun eben selber herstellen, der ist nicht mehr von vornherein da.

    LexaT: Vielen wird ja erst durch Seiten wie https://www.gulli.com/tools/anonymitaetscheck/ klar, wie gläsern sie durchs Netz surfen.

    Korrupt: Die Sensibilisierung fürs Thema ist noch recht gering, und die „ich habe nichts zu verbergen“ – Fraktion auch bei unserem Publikum bisweilen erstaunlich hoch.

    PC Magazin: Auch für zu Vertrauens-Seelige bietet ihr auf Eurer Seite ja Anleitungen, zum Beispiel zum richtigen Verhalten bei einer Hausdurchsuchung.

    Gulli: Spannendes Thema. Der Bedarf nach Anleitungen für solche Fälle ist natürlich spätestens dann offensichtlich, wenn wir auf dem Board User haben, die eben gerade ihre Hausdurchsuchung hinter sich haben und gerade vom PC eines Freundes posten, weil der eigene im nächsten Polizeirevier steht.

    Korrupt: Und eine gewisse „Unausgewogenheit“ in der Infolage ist da ja durchaus vorhanden. Viele belasten sich dann unnötigerweise selbst.

    Gulli: Und natürlich hat Gulli auch schon mehrere Anzeigen und Verfahren hinter sich. Die alle eingestellt wurden, weil die Copyright-Industrie eben häufig ohne Rechtsgrundlage versucht missliebige Inhalte durch den Einsatz von Anwälten zu entfernen. Das Problem ist, dass viele User sofort eingeschüchtert sind, wenn sie ein anwaltliches Schreiben im Briefkasten haben und sofort klein beigeben. Lügen werden aber nicht dadurch wahr, dass sie auf Anwaltsbriefpapier stehen.

    PC Magazin: Und dann helft ihr weiter, bzw. auf eurem Board wird den Betroffenen dann geholfen?

    Korrupt: Ja, das, und es wird auch wieder ein wenig Verhältnismäßigkeit geschaffen.

    Gulli: Ja – wir helfen in solchen Situationen weiter, sagen aber natürlich auch klar, wann ein User wirklich besser zu einem Anwalt gehen sollte.

    PC Magazin: Worin besteht eigentlich der Reiz sich ständig mit den großen Firmen der Musik-, Film- und Softwarebranche anzulegen?

    Korrupt: Die haben angefangen! :o)

    Gulli: Wir sorgen für etwas Gleichgewicht im ansonsten ungleichen Spiel. Wir lassen uns nicht durch (Werbe- oder Polizei-) Anzeigen der Industrie kaufen oder durch sie einen Maulkorb verpassen.

    LexaT: Es ist die Genugtuung, etwas bewegen zu können

    PC Magazin: Gerade die Industrie wirft Gulli ja vor, Raubkopierern Vorschub zu leisten. Ist das nur deren Paranoia oder fühlt ihr Euch durchschaut?

    LexaT: Tut sie das?

    PC Magazin: Nun, auf der Beliebtheitsliste dürftet ihr sicher nicht hinter Disneyland kommen.

    Korrupt: *g*

    LexaT: Außerdem mögen es in den Augen der Industrie Raubkopierer sein. Für uns nutzen sie Ihr Recht auf Privatkopien.

    Korrupt: Aber wie gesagt, der Begriff „Korrektiv“ trifft es ganz gut. Um wieder das Beispiel Kopierschutz auf CDs zu bemühen – wenn eine Industrie Produkte auf den Markt wirft, die nur in der ihr genehmem Abspielgeräten unter den von ihr gewährten Bedingungen funktioniert, dann läuft irgend etwas in eine verkehrte Richtung.

    PC Magazin: Und da kommt dann die deutschsprachige Warez-Szene ins Spiel.

    Gulli: Es gibt eine immer noch sehr lebendige Szene von – meist sehr jungen – Webmastern, die in ihrer Freizeit Warez-Seiten bauen.

    Korrupt: …oder Releaser, die sich auf deutschsprachiges Material spezialisieren – Tonspuren etc.

    Gulli: Die meisten waren zu der Zeit, als wir im Underground angefangen haben noch nicht in der Lage ihren eigenen Namen zu schreiben und sind erst seit kürzerer Zeit im Netz, aber sie bekommen teilweise wirklich schöne und relativ zuverlässige Seiten hin.

    Korrupt: Das Material kommt aus verschiedenen Quellen. Selbstgerippte Sachen, Szenereleases, die in die FxP- und Webwarezszene durchgesickert sind, die Tauschbörsen, der Torrent usw.

    PC Magazin: Vorbei an den Sicherungssystemen der Hersteller! Funktionieren die denn kein wenig?

    Korrupt: Naja, gerade bei den Szenereleases ist es ja so, dass die direkt von den Herstellern kommen.

    PC Magazin: Wie bitte?

    Korrupt: Da kommt vieles direkt aus den Studios, der Vorproduktion, den Presswerken. Als „Revenge of the Sith“ released wurde, war ja auch große Aufregung wegen der bösen Camripper in den Kinos. Nur, das erste Release war aber kein Camrip, sondern kam aus der Endproduktion.

    Gulli: Das ist ja keine Wunderwissenschaft. Im Plattenlabel arbeiten Menschen mit Freude an der Musik. Neue Releases werden – natürlich weit vor dem VÖ Termin – an die Freunde weitergegeben und schon ist das Material im Kreislauf.

    PC Magazin: So wie jetzt das neue Madonna-Album?

    Korrupt: Genau.

    LexaT: Ohh… gibt es das schon? *g*

    Gulli: In der Copyrightindustrie arbeiten ja glücklicherweise immer noch teilweise Menschen, die sich nicht nur mit Geldzählen, sondern auch mit den Inhalten beschäftigen und die ihre Freude daran gerne teilen.

    LexaT: Vielleicht behandeln die Hersteller ja ihre Mitarbeiter genauso schlecht wie ihre Kunden, dann wäre es auch kein Wunder.

    PC Magazin: Dann nützen ja eigentlich die nachträglichen Sicherungssysteme wie Kopierschutz überhaupt nichts.

    Korrupt: Im Rahmen dessen, dass der unbedarfte User keine Sicherungskopie mehr anlegen kann, schon. Nichts ist unknackbar, das ist die Erfahrung bis heute.

    Gulli: In den Foren berichten die User doch schon davon, dass sie zwar weiterhin die CD kaufen, da sie das physikalische Medium schätzen, dass sie aber parallel dazu die Kopie für den MP3-Player aus dem Netz ziehen, da sie das wegen diverser Kopierschutz-Trojaner selber nicht mehr hinbekommen. Da fasst man sich doch an den Kopf und fragt sich, was diese Industrie mit ihren Kunden vorhat…

    Korrupt: Aber eine Audio-CD mit wirklich schweren Schutzmassnahmen wie z.B. einem Hardwaredongle zu schützen, ist unsinnig. Gerade im Bereich Musik rechne ich da nicht mit wirklich wirksamen Maßnahmen, einfach, weil die CDs ja auch noch auf einem dummen CD-Player laufen müssen.

    Gulli: Die Industrie hegt weiterhin den Traum, dass sie sich die Kunden aussuchen kann und sieht nicht die Notwendigkeit sich den Kundenbedürfnissen anzupassen und z.B. auf der Audio-CD eine MP3-Kopie der Songs anzubieten. Das wäre mal wirklich innovativ! Anstatt des nächsten Kopierschutz, der nach wenigen Tagen geknackt ist, für viel Geld zu entwickeln, sollten sie lieber das Geld in neue Künstler investieren.

    PC Magazin: Die Industrie beklagt ja immer wahnsinnige Verluste und behauptet Raubkopien würden die wirtschaftliche Existenz bedrohen. Nehmen wir mal für einen Moment an, dies würde stimmen

    Korrupt: Jetzt wirds aber sehr hypothetisch :o)

    PC Magazin: Bedrohen dann Kopien nicht neue, junge Künstler?

    LexaT: Inwieweit denn? Der Industrie scheint ja nur an den Retortenstars gelegen.

    Gulli: Das ignorante Verhalten der Industrie, die offensichtlich innovationsunfähig ist, wenn es über einen neuen Kopierschutz hinausgeht, bedroht junge Künstler.

    Korrupt: Es gibt ja die Studien, nach denen Filesharer die kauffreudigste Kundengruppe in On- und Offline – Musikshops sind. Gerade die offenen Formate begünstigen die Nicht-Retortenstars. Es gibt Webradios, Podcasts, gerade genug Musikkanäle neben dem Mainstream, weil es MP3s gibt, die problemlos zu vervielfältigen sind, und ich nehme an, dort finden junge innovative Künstler mehr potentielle Käufer.

    Gulli: Der Industrie wird es nicht gelingen P2P und Privatkopien auszurotten. Punkt. Erst wenn sich die Industrie damit abfindet und wieder anfängt sich der Realität anzupassen, wird es für die Megakonzerne eine Zukunft geben.
    Es wird immer eine Zukunft für junge Bands und Medienfirmen geben. Die Frage ist also nicht die Frage nach der Zukunft der Medienkultur, sondern ob sich die extrem schwerfälligen Großkonzerne dieser neuen Realität anpassen können.

    PC Magazin: Jetzt gehen die Medienkonzerne ja nicht gerade zimperlich mit Raubkopierern um. Zeigen Abmahnwellen und Anzeigen in der Szene eigentlich eine Wirkung?

    Korrupt: An sich nicht. Man redet drüber, klar.

    PC Magazin: … und macht dann weiter wie bisher?

    Gulli: Irgendwie schon. Wir schreiben einen Artikel dazu, zwei Szenemitglieder bekommen Angst, steigen aus, zehn neue kommen dazu. Ohne Wirkung ist das nicht, aber die Szene ist bei weitem anpassungsfähiger als der Gegner.

    Korrupt: Die Kanäle ändern sich gegebenenfalls. Ich meine mich zu erinnern, dass früher recht häufig noch die Rede davon war, dass jemand aufflog, weil per Postversand was bestellt wurde. Das macht heute meines Wissens nach kaum jemand mehr.

    Gulli: Das ist doch gerade offensichtlich. Nur die Tauschbörsen geben auf, hinter denen (verhältnismäßig) große kommerzielle Firmen stecken. Die Filesharing-Systeme, die auf offenen Quellen und dezentralen Netzen basieren, lassen sich nicht abschalten und überleben.

    PC Magazin: Warum setzt die Szene sich den Strafverfolgern aus? Worin besteht die Motivation?

    Korrupt: Die Motivation… auch wieder unterschiedlich, denke ich. Wie gesagt, bei den Releasern schon Sportsgeist, Wettbewerb, und ich vermute, dass es einen nicht unerheblichen Kick verschafft, wenn man Zugriff auf einige der entsprechenden Server hat.
    Bei anderen ist es das schlichte Geben und Nehmen, wie man sich eben im letzten Jahrtausend die LPs gegenseitig auf Tapes gezogen hat.

    PC Magazin: Ist das eine besondere Art von Netzkultur?

    Korrupt: Ich denke, dass das viele so sehen, ja

    PC Magazin: Gesellschaftlich engagiert ihr Euch ja in verschiedenen Projekten Eurer Fight-Back-Kampagnen. Dort richtet ihr euch gegen Rechtebeschränkung, Überwachung und noch einiges mehr.

    Korrupt: Da sind wir noch nicht so lange dabei. Das wollten wir eigentlich noch ein wenig ausbauen.

    Gulli: Sicherlich ist Gulli politischer als große Teile der restlichen Szene, aber wir denken schon, dass wir da auch Ideen zum Ausdruck bringen, die bei den meisten grundsätzlich vorhanden, aber nicht so explizit ausgedrückt werden. Wir greifen Ängste der Benutzer auf und bringen die Hintergründe.

    Korrupt: Viele werden gegen Kopierschutz sein, aber viele interessieren sich für das Thema kaum, weil sie eh wissen, wo sie ungeschützte Medien herbekommen.

    LexaT: Themen wie https://www.gulli.com/netzwelt/fight-back/gegen-anti-kinderporno/ werden auch in der „Szene“ kontrovers gesehen. Die wirkt auf den ersten Blick provokant.

    PC Magazin: Die ist in der Tat verwirrend.

    Korrupt: Da versuchten wir vielleicht auch zuviel Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

    PC Magazin: Was wollt ihr mit einer Kamagne gegen Anti-Kinderpornographie-Seiten bezwecken? Ist ein sozialer Einsatz dieser Art nicht eher förderungswürdig?

    Korrupt: Wir wollten eine Sensibilisierung dafür, dass Kindsmissbrauch nicht im Internet stattfindet, sondern im echten Leben und dort bekämpft werden muss. Ich halte die Kinder-Porno-Hysterie im Netz für ein Totschlagargument, welches immer dann gebracht wird, wenn man stärkere Überwachung durchsetzen will.

    LexaT: Kinderpornographie kann man nicht dadurch bekämpfen, dass man Seiten aus dem Netz nimmt. Das Problem muss präventiv gelöst werden. https://www.kein-taeter-werden.de/ ist ein Beispiel für eine gute Kampagne.

    Korrupt: Und ich erinnere mich da an ein Interview mit Andy Mueller-Maguhn, in dem er sinngemäß sagte, selbst ein KiPo-Bild ist eine Information, die uns Aufschluss über den Zustand der Gesellschaft gibt. Wie auch in unserer Kampagnenbeschreibung steht: die Netzdebatte lenkt von den Verhältnismäßigkeiten ab.
    (Müller-Maguhn ist Sprecher des Chaos Computer Clubs; Anm. d. Redaktion).

    Gulli: Kinderpornos und seit dem 11. September auch Terrorismusbekämpfung sind die Argumente, mit denen die Bürgerrechte im Netz Schritt für Schritt abgebaut werden

    PC Magazin: Dann richtet ihr euch also nicht gegen die Kipo-Gegner, sondern gegen die Staatsmacht, die das Thema als Vorwand für mehr Überwachung nutzt?

    Korrupt: Missbrauch findet fast immer in der Familie und im Freundeskreis statt und dafür sollte man ein offenes Auge haben.

    PC Magazin: Ebenso wie für das rechte Netz?

    Korrupt: Ja

    PC Magazin: In einer eurer Fight-Back-Kampagnen fordert ihr ja praktisch jeden fähigen Hacker auf, Seiten von Neonazis zu attackieren und ihnen ein „Redesign“ zu verpassen.

    Korrupt: Hihi :o)

    LexaT: Das gehört zum guten Stil. *g*

    Korrupt: Defacen ist in meinen Augen ein Wettbewerb um Aufmerksamkeit und öffentlichen Raum wie er auch im RL geführt wird.

    Gulli: Also ist das Defacement einer Naziseite mit dem Entfernen eines NPD-Plakats vergleichbar…

    Korrupt: … so ungefähr, ja. Das wird wieder geklebt, und gut.

    PC Magazin: Aber aus dem Netz wollt ihr solche Seiten nicht haben?

    Korrupt: Doch, gerne, aber aus anderen Gründen :o)

    LexaT: Damit gäbe es auch nicht weniger Nazis.

    Korrupt: Wenn niemand mehr ein Interesse daran hat, solche Seiten ins Netz zu stellen, halte ich das für sehr erfreulich.
    Solang es diese Leute aber gibt, habe ich etwas dagegen, wenn mir eine zensierende Regierung ein weichgespültes Netz vorgaukeln will, in dem die Realität nach deren Vorgaben geschönt wird.

    PC Magazin: Also gegen Rechtsextremismus, aber auch gegen eine Zensur?

    Korrupt: Ja, sicher, man muss sich mit den Inhalten ja beschäftigen können, wenn man was gegen sie unternehmen will.

    LexaT: Kinder-Porno- oder Nazi-Seiten aus dem Netz zu kicken, ist wie eine Kontroll-Leuchte aus meinem Autocockpit zu entfernen: Der Motor ist danach genauso kaputt wie zuvor. Ich sehe es halt nicht.

    Korrupt: Persönlich halte ich eine Webseite wie von Nazi Lauck für vollkommen lächerlich. Ich frag mich, wer dadurch zum Nazi werden soll.

    PC Magazin: Ist denn die Gefahr einer Netzzensur gegeben, oder lässt sich so etwas wie das Internet überhaupt nicht regeln?

    LexaT: Es wird ja laufend zensiert. Man schaue auf die großen Suchmaschinen, die deutschen Surfern ein erotikfreies Netz präsentieren.

    Korrupt: … oder man versuche, in NRW bei Lauck zu lesen, man wird gezwungen, einen Proxy zu verwenden.

    PC Magazin: Viele Freunde macht ihr euch auf Seiten der Behörden und bei bestimmten Interessengruppen ja nicht gerade. Ist es den ganzen Ärger denn überhaupt wert?

    LexaT: Ja

    Korrupt: Ja! Gulli? Dir auch?

    Gulli: Sicher – der kickt :)

    Das Interview für PC Magazin führte Christian Stephan, in einem IRC-Chat.

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      Cobbleansa


      Dieser Artikel ist im Jahr des Herrn 2018 ungefähr so originell und interessant*gähn* wie die Schlagzeile vom 1.9.1939: „Seit 5 Uhr 45 wird zurück geschossen.“

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    Cobbleansa


    gulli – ist doch nur noch etwas für die Ewiggestrigen.

    Der P2P Bereich wurde zu 100% übernommen und heutzutage abgedeckt durch die ganzen Börsen, mygully und die ganzen neuen Seiten. Internationale Foren bieten auch heute noch um Längen mehr als der gulli jemals im Regal hatte.

    Der reine Communitybereich war von jeher eine recht geschlossene Sache für jene, die sowas brauchten zur Unterhaltung, das wird doch heute weitestgehend über social media, youtube, und andere Portale abgedeckt. Man sieht an dem Nachfolgeklon, dass die Zeit der reinen Plauderforen ohne echte Spezialisierung längst passé ist und das Ganze nur noch ein sehr müder Abklatsch seiner selbst.

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      Über ehemals 12.000 aktive Nutzer, das würde ich nicht als ein paar verrückte ewig Gestrige bezeichnen. P2P war für das g:b sowieso irrelevant. Wer dort war, wollte RS-Links finden für seinen Download.

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        Mausi


        Trotzdem war gulli schon lange keine gute Seite mehr. Die Newsartikel wurden immer schlechter und diskutiert hat auch kaum noch jemand in den für mich interessanten Unterforen.

        Für Szenenews besuche ich Tarnkappe, für IT-News generell Heise und Golem und für Diskussionen bin ich in verschiedenen Spezialforen und Facebookgruppen. Da kann gulli gerne wieder kommen, ich werde es trotzdem nicht mehr nutzen.

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          Anonymous


          Nach dem Schliessen der Börse gings bergab, einige Zeit danach war es vielleicht noch ganz lustig die ewige Anzickerei im 9/11-Thread zu lesen, aber die Qualität der News und eben auch der Seite wurde immer schlechter.

          Aber das ist ja fast überall so, auch auf den neuen, danach entstandenen Börsen ist ausser Links ziehen nichts mehr los. Früher gabs da mal Austausch, heute ist das auf ein Minimum beschränkt, weil es auch keinen Hund mehr interessiert, der Rest wurde durch irgendwelche Schwachsinns-Pseudo-Moderatoren/Admins erledigt. Heute braucht sich niemand mehr von irgendwem blöd kommen lassen, nur wegen ein paar Links, die von immer den gleichen Leuten in allen Boards angeboten werden.

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        Cobbleansa


        @Lars
        „Über ehemals 12.000 aktive Nutzer, das würde ich nicht als ein paar verrückte ewig Gestrige bezeichnen. P2P war für das g:b sowieso irrelevant. Wer dort war, wollte RS-Links finden für seinen Download“

        Wo habe ich ‚verrückt‘ gesagt?

        Und 12k User ist nicht eben viel, im internationalen Vergleich. Sogar das neu gelaunchte KAT community forum hat binnen nur 2 Jahren über 150k user. Die alte community hatte noch weitaus mehr.

        Das P2P hatte ich weit gegriffen gemeint im Sinn von Datenaustausch in Schwarzbereich, was OCHs links beinhaltet bzw. in diesem Sinn gemeint war. Mir ist klar, daß dort keine torrents verlinkt wurden und es nichts mit usenet am Hut hatte.

        Ändert aber nichts an meiner Feststellung, daß es im internationalen Vergleich eine unbedeutende Kleinigkeit darstellte, und daß die ganzen Sharehoster links heutzutage zu 100% von mygulli, boerse.to etc. übernommen wurden. War dann doch eher eine Plattform für all jene, die sich vielleicht sprachlich schwer tun im internationalen Bereich.

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          Das muss man halt immer der Relation sehen. Wie viele englischsprachige Nutzer gibt es weltweit und wie wenige im Vergleich, die Deutsch sprechen und schreiben? Von daher war gulli.com alles andere als klein. Zumindest damals.

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            Anonymous


            Sag ick doch – war halt ein Forum für Leute bzw. Deutsche, die nicht ausreichend Englisch können. So langsam sterben die aber aus, altersbedingt, oder weil sie sich inzwischen ansatzweise weitgerbildet haben.

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            Es war eine geile Zeit, zumindest für mich. Witzigerweise bin ich damals gar nicht wegen der Börse über gulli gestolpert. Ein Kölner Bekannter von mir schrieb mir, dass die Redaktion damals Freiberufler gesucht hat. Davor war ich nur ein paar Mal im Portal, aber nie im Forum unterwegs. Aber machen wir uns nichts vor: Die meisten Besucher kamen natürlich wegen der Rapidshare-Links der Börse. Als die weg war, weil das juristisch nicht mehr ging, ging es leider auch bergab. Dazu kamen mehrere Fehlentscheidungen der damaligen Eigentümer der Seite. Als die Hamburger übernahmen, hatte sich der Kaufpreis schon mehr als halbiert.

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            Josefine


            Ich finde diese Aussage hart. Für diese Zeit war Gulli etwas Besonderes. Informativ in Bezug auf Internet, Netzwelt, Datensicherheit und so weiter. Schade das die Zeit vorbei ist.

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            Cobbleansa


            Wieviele englischsprachige User es gibt? Also ich würde meinen, ungefähr 4 Milliarden, grob geschätzt, alle inbegriffen in den afrikanischen und indischen Dörfern JWD, die noch nie was vom Internet gehört haben, weil es bei ihnen keinen Strom gibt.

            Es soll sogar einige Deutsche geben, die diese exotische Sprache sprechen und die schon vor 20 Jahren nicht auf den gulli angewiesen haben.

            Also die paar wenigen, die die seltene Sprache Englisch beherrschen.

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    Zero00m => CRZ


    R.I.P …
    * 1998 – 2018 †

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      Anonymous


      * 1998 – 2013 †

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      *1998 – 2013 †

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    KW Griff


    > Ob die Seite jemals wieder in ihrer alten Form sichtbar sein wird?

    Na hoffentlich dann wieder mit der Börse, in der Hoffnung die Daten bestehen immer noch und sind nur ausgeblendet.


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