PC Fritz: zweites Gerichtsverfahren angelaufen

Article by · 14. Januar 2015 ·

PC Fritz Fritzbus Deutschlandtour Halle
Die “XXX-Mega Party” (siehe Bild oben) des Online-Shops Pcfritz.de ist vorbei. Seit Dienstagmorgen läuft in Halle an der Saale das zweite Gerichtsverfahren. Vier Angeklagten wird vorgeworfen, bis zu neun Millionen Euro mit dem Verkauf von Windows 7-Imitaten und anderer nachgemachter Software verdient zu haben. Daneben läuft ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung.

Die Mitteldeutsche Zeitung berichtet, den vier Angeklagten wird von der Staatsanwaltschaft gewerbsmäßiger Betrug in Kombination mit zahlreichen Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen. Angeboten wurden nachgemachte Windows 7-DVDs und andere Imitate. Die maximale Höchststrafe liegt bei maximal 15 Jahren, die Firma Microsoft tritt als geschädigtes Unternehmen als Nebenkläger auf. Die vier Verdächtigen wurden zum Prozessauftakt von insgesamt acht Rechtsanwälten vertreten, die sich die Anklagebank teilen mussten.

Maik Mahlow nicht angeklagt

Als Zeuge aber nicht als Angeklagter fungiert vor Gericht Maik Mahlow, der mit seiner angeblichen Krebskrankheit und diversen Stars und Sternchen immer wieder Werbung für PC Fritz gemacht hat. Er war das einigermaßen prominente Aushängeschild des illegalen Online-Shops und war bei allen Auftritten der PC Fritz Tours an vorderster Front vertreten. Die Drähte haben im Hintergrund offensichtlich ganz andere Personen gezogen. Mahlow hatte bei der Polizei mehrfach gegen seine früheren “Geschäftspartner” ausgesagt und der Staatsanwaltschaft konkrete Anhaltspunkte für die weitere Ermittlung und Prozessvorbereitung übermittelt. Laut MZ-Informationen soll es diesbezüglich 36 Aktenordner geben. Man vermutet, die Fälschungen wurden in der Türkei und Osteuropa hergestellt.

Derzeit läuft noch ein weiteres Verfahren gegen die Hintermänner von PC Fritz. Vermuteter Steuerbetrug in Millionenhöhe wird das Landgericht Halle noch etwas länger in Anspruch nehmen. In diesem Fall bezichtigen sich die Beteiligten gegenseitig die Steuerhinterziehung begangen zu haben. Angeblich wurden mit dem Verkauf der nachgemachten Windows-Betriebssysteme Gewinne von bis zu neun Millionen Euro erzielt.

Mit Slogans wie “Schnell, schneller und billiger als je zuvor” hatte PC Fritz von November 2012 bis April 2014 um die Gunst der Kunden geworben. Den Konsumenten wurde zeitweise durch das Trusted Shops-Siegel die Echtheit ihrer Produkte und der Schutz der Käufer garantiert. Nach den ersten Durchsuchungen im September 2013 wurde der Online Shop mehrfach an unterschiedliche Firmen verkauft und an mehreren Berliner Adressen betrieben, die alle nicht existieren. Die Domain ist derzeit registriert auf die Berliner TenStepsAhead UG, vertreten von Andreas Prang.

Bildquelle: Sommer 2013 – YouTube-Video der XXL Mega Party in Halle. Damals herrschte zwischen den Machern noch Einigkeit, heute ist man eher “Jenseits von Eden”. Popsänger Joey Heindle machte den YouTube-Filmern backstage nach einer Rückfrage schnell klar, dass er von ihnen nicht aufgenommen werden möchte.

Diverse weitere Hintergrundberichte zum Thema PC Fritz sind bei der Tarnkappe hier als auch dort verfügbar.

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