Mit Warez Geld verdienen? SceneDownloads.pw im Interview

Article by · 10. Oktober 2017 ·

Jeder betrügt jeden, Konzerne und Politiker sind nur an unserem Besten interessiert: an unserem Geld. So in der Art sieht die Welt mancher Betreiber von Webwarez-Seiten aus. Kann das funktionieren?

Wenn jeder jeden hintergeht, kann man daraus eine Moral basteln, die den Verkauf urheberrechtlich geschützter Werke rechtfertigt? GulliGirl, Betreiberin der Download-Seite SceneDownloads.pw, sagt, dass das geht. Seit über einem Jahr bietet sie ihren kostenpflichtigen Dienst Pay2Leech an.

Während normale Besucher die angebotenen Werke (wahlweise mit oder ohne Download-Manager) von einem Sharehoster herunterladen, nutzt die zahlende Kundschaft einen FTP-client, um die Archive in maximaler Geschwindigkeit zu beziehen. Scener setzen dafür die Software FlashFXP ein, normale Anwender FileZilla oder einen anderen Client. Die Struktur der Verzeichnisse soll dabei genauso aufgebaut sein, wie die der Webseite, die übrigens gänzlich ohne jeglichen grafischen Schnickschnack auskommt. 15 Euro soll der illegale „Spaß“ monatlich kosten, dafür gibt es fünf Terabyte auf die Festplatte. Wir haken mal genauer nach, was es damit auf sich hat.

Wie kam’s eigentlich dazu, sich ausgerechnet GulliGirl zu nennen? Welchen Bezug hast Du denn zur Mutter aller Börsen?

Nun, die Antwort ist simpler, als Du Dir wahrscheinlich erhoffst. Ich brauchte einen Nickname und das Erstbeste, was mir durch den Kopf schoss, war das gute, alte Gulli-Board. Einen besonderen Bezug zum ehemaligen Team oder der Seite habe ich nicht.

 

Schade. Aber gut, das ist lange her. Wie kam es denn zu SceneDownloads.pw?

Viele Jahre trieb ich mich als Downloader auf verschiedensten Plattformen herum. Von FTP über OCH (= One Click Hoster), Torrent und Usenet war alles dabei. Immer, wenn ich auf der Suche nach etwas Bestimmten war, besuchte ich eine PreDB (Online-Datenbank der Szene) und überprüfte, welche Releases verfügbar waren. Jedes Mal ärgerte es mich, erst in einer einfachen Datenbank das passende Release suchen zu müssen, um das Ergebnis anschließend auf Downloadseiten zu suchen zu können. Da anscheinend niemand sonst eine Website aufbauen wollte, die den zweiten Schritt überflüssig macht, setzte ich mich selbst daran.

Der Anfang war schwer, weil ich kein aufgeblähtes CMS wie WordPress nehmen wollte aber keinerlei Vorkenntnisse in HTML oder PHP hatte. Es wundert mich selbst, wie gut meine Bemühungen gefruchtet haben.

 

Ich rede mir nicht ein, dass ich ein Samariter bin, der sich gegen das böse System auflehnt.

 

Was unterscheidet Euer Konzept denn von anderen, was stellt Euer Alleinstellungsmerkmal dar?

Im Grunde gibt es zwei Arten von OCH-Warez-Seiten:

  • Foren wie boerse.to, bei denen User ihre Uploads als Beitrag posten
  • und direkte Downloadportale wie ddl-warez.to.

 

warez scenedownloads.pwBei den Foren nutzen die meisten großen Uploader automatisierte Tools und Crawler, um Meta-Infos zu den Releases zu ermitteln. Gerade bei unbekannteren Spielen und Filmen kommt es dabei teilweise zu Fehlinformationen. Ich bin der Meinung, man sollte nur automatisieren, was sich auch wirklich mit hundertprozentiger Genauigkeit automatisieren lässt. Deshalb nutze ich keine Crawler für Titel, Cover und Beschreibung, sondern stelle die Releases nur mit den Informationen zur Verfügung, die sie selbst mitbringen: Release-Name, NFO, Thumbnails von Videodateien und das Genre von MP3- bzw. FLAC-Dateien.

Von den Download-Portalen unterscheide ich mich durch meine Aktualität und Vollständigkeit der Scene-Releases und dem strikten Ausschluss von P2P-Releases. Es gibt meines Wissens nach keine andere Seite, die ein so umfangreiches Angebot bietet. Schon alleine meine Musiksektion enthält mehr Einträge als die der Konkurrenten, die sich nur auf Musik spezialisiert haben.

Eigentlich kann man sagen, Ich betreibe eine einfache PreDB mit Downloadlinks, damit hebt sich SceneDownloads vom Rest ab. Der Preis für diesen Umfang sind fehlende Re-Uploads. Mit täglich über 500 GB neuen Inhalten lässt sich nicht alles dauerhaft online halten, deshalb werden Releases, die auf keinem Hoster mehr online sind, einfach aus meiner Datenbank gelöscht. Meine Website ist also kein Ersatz für die gesamte Branche, sondern eine komfortable Ergänzung. Komplette Serien sucht man besser auf Serienjunkies.org. Neue Episoden kann man wiederum leicht als RSS-Feed bei mir abonnieren.

 

Somit bleiben die von den Rechteinhabern gemeldeten und bei den Sharehostern gelöschten Archive offline. Kommen wir mal zu den monetären Aspekten. Warum sollte abgesehen von den massenhaften Löschungen bei Share-Online & Co. der Preis von Pay2Leech in Höhe von 15 Euro attraktiver als die Premium-Accounts der Sharehoster sein? Selbst wenn ich keinen Multihoster nutze, sind die großen Anbieter im Vergleich deutlich günstiger.

Ein Pay2Leech-Account bei mir kostet 15€ monatlich, wenn per Bitcoin, Ethereum, Monero oder Bit4Coin-Gutscheinen gezahlt wird. Wer Paysafecard bevorzugt, muss stattdessen 20€ ausgeben. Der Grund für die Differenz ist, dass ich PSCs erst mit hohen Verlusten gegen Bitcoin umtauschen muss, bevor ich das Geld weiterverwenden kann. Ich gebe diese Zusatzkosten einfach an die Kundschaft weiter in der Hoffnung, dass der Geiz über die Faulheit siegt und mehr von ihnen mit Cryptowährungen zahlen.

Die Attraktivität des Angebots muss jeder für sich selbst einstufen. Manche werden von den 5 TB monatlichem Downloadtraffic angelockt. Andere freuen sich, Teile der Releases wie Subs (Untertitel) oder Samples (Stichproben – so z.B. Screenshots eines Films etc.) ohne das komplette Release downloaden zu können. Wieder andere nutzen die Vorzüge moderner FTP-Clients wie automatisierte Downloads.

Die meisten meiner Kunden sind selbst Uploader, welche meinen FTP als Quelle für ihre Uploads nutzen.

Ich würde nicht sagen, das Pay2Leech bedingungslos besser ist als ein Premium-Account bei einem Hoster. Es ist eine Alternative mit Vor- und Nachteilen.

 

Moralische Werte sind für mich nicht von Belang. Konzerne und Politiker betrügen mich, ich betrüge sie. So ist die Realität.“

 

Ist die Bedienung eines FTP-clients nicht schon eine Hürde, die einige Einsteiger abschreckt?

Die Einrichtung eines FTP-Clients ist nicht komplizierter als die Konfiguration von Tools wie dem JDownloader. Jeder, der halbwegs fit in der Bedienung eines PCs ist, hat damit keinerlei Probleme. Wem diese grundlegende PC-Affinität fehlt, der treibt sich üblicherweise auch nicht auf Warezseiten herum.

 

Ich denke, über diese Annahme kann man trefflich streiten. Wie dem auch sei. Wie kam’s überhaupt zu Pay2Leech, warum bietest Du das zusätzlich an?

scenedownloads.pwAngefangen hat es damit, dass ich alle Releases für eine kleine Gruppe auf einen unlimitierten Google-Drive-Account hochgeladen habe. Dann kam die Frage auf, wieso das Ganze nicht einem größeren Kreis zur Verfügung stellen?

Also habe ich experimentiert, wie ich die Daten am besten teilen kann, ohne das Google-Konto öffentlich zu machen. Das Ergebnis war der FTP-Dienst, den ich über ein Jahr lang anbot.

Vor ein paar Monaten führte Google dann ein tägliches Upload-Limit ein, aufgrund dessen ich nicht mehr alle Releases hochladen konnte. Ich hatte also 400 TB Daten online, konnte die neuen Releases aber nicht mehr vollständig einpflegen, das Pay2Leech war tot.

Anschließend erhielt ich Feedback, dass viele User das umfangreiche Archiv gar nicht nutzten, sondern nur an den aktuellsten Releases interessiert waren. Es erstaunte mich, wie viele Kunden nach einem neuen Dienst ohne Langzeitarchiv fragten. Die Konsequenz aus diesem Feedback ist das Pay2Leech, wie es heute ist.

 

„Ich trenne mein echtes Leben strikt von SceneDownloads.pw. Falls etwas gebusted wird, dann nur die Server und die Domain, aber nicht meine Person.“

 

Die Warez bleiben aber jeweils nur für kurze Zeit online, sind die sieben Tage für viele Downloader nicht viel zu kurz? Oder gab es diesbezüglich kaum Beschwerden?

Ein paar User haben mir nach dem Wegfall des Archivs den Rücken gekehrt und nutzen seitdem wieder die OCH-Links von meiner Website. Die meisten sind mit den 10 TB Speicher jedoch rundum zufrieden.

 

Die Bedürfnisse der Leute gehen folglich weit auseinander. Der Verkauf urheberrechtlich geschützter Werke stellt natürlich eine ganz andere Straftat dar, als die reine Verbreitung durch die Webseite. Hast Du keine Angst vor einem Bust?

Ich trenne mein echtes Leben strikt von SceneDownloads. Falls etwas gebusted (= von der Polizei hochgenommen) wird, dann nur die Server und die Domain, aber nicht meine Person.

 

Das haben andere Administratoren auch schon versucht. Findest Du es eigentlich moralisch okay, Warez zu verkaufen?

Nein, ich rede mir nicht ein, dass ich ein Samariter bin, der sich gegen das böse System auflehnt. Moralische Werte sind für mich nicht von Belang. Konzerne und Politiker betrügen mich, ich betrüge sie. So ist die Realität.

 

Mal zu einem anderen Thema. Was meinst Du, wie hat sich die “Szene” in den letzten Jahren geändert?

Schnelles Internet hat sich in den letzten Jahren verbreitet. Warez-Seiten sind nicht mehr nur für Nerds, sondern für jedermann. Alles wird größer und einfacher. Gleichzeitig haben sich auch die legalen Angebote weiterentwickelt. Spotify oder Netflix waren vor einiger Zeit noch undenkbar. Weiter möchte ich nicht auf die Thematik eingehen, dafür wurde das Thema schon zu oft ausgelutscht.

 

Stimmt schon. Und welche Pläne hast Du weitergehend mit Deiner Seite?

Dieselben wie bisher: Dafür sorgen, dass alles stabil läuft und sinnvolle Vorschläge meiner Besucher umsetzen. Große Änderungen sind aktuell nicht geplant.

 

Okay, GulliGirl, dann erstmal vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke hinter die Kulissen.

 

Quelle des Beitragsbildes: PublicDomainPictures.net, thx! (CC0 1.0)

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