Kommentar von Hartmut Noack:
Meinungen gibt es viele, einige behaupten immer mal gerne, dass sich die Qualität der Künste im Niedergang befände, da wollte ich eben auch mal meine ganz andere Meinung entgegen setzen. Deshalb noch mal schön sauber getrennt:
Meine Meinung: die Downloaderei hat keinen negativen Einfluss auf die Qualität der Kunstproduktion.
Etwas anderes sind Statistiken. Die werden zwar auch sehr gerne gefälscht und mutwillig falsch interpretiert aber diese Verzerrungen werden schwieriger, je simpler die Zahlen sind. Und die simpelsten Zahlen sind die der insgesamt veröffentlichten Werke, gefolgt von den damit tatsächlich erzielten Einnahmen.
Und beide Zahlen waren noch nie so hoch wie heute.
Damit will ich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Autoren und Verlagen überhaupt nicht leugnen. Allerdings ist es wohl so, dass das kommerzielle Urheberrecht gewährt wird, weil die Zivilisation wünscht, dass Kunst geschaffen wird.
Nun wird ganz offensichtlich sehr viel Kunst geschaffen, meiner Meinung nach auch in sehr guter Qualität. Und es wird auch sehr viel Geld mit Kunst verdient, mit Literatur, Musik, Bildern und Filmen. Die Zahlen sprechen da eine ziemlich eindeutige Sprache.
Gibt es denn da aus dieser Perspektive betrachtet, überhaupt ein ernsthaftes Problem?
Für Deutschland gesehen gibt es da auch noch ein Phänomen, das die Entwicklung dieser Zahlen noch erstaunlicher erscheinen lässt: Noch in den 1980er/90er Jahren wurden viele Debut-Romane geschrieben, während die Autoren sich mit dem liberalen Sozialsystem der Kohl-Ära finanzierten. Noch mehr andere schrieben ihre Erstlinge als Dauerstudenten. Das gleiche gilt für Musiker und Filmemacher und am meisten für bildende Künstler und übrigens auch für Softwareautoren.
Heute haben HartzIV und Bologna diese Zeitfenster für junge Autoren geschlossen. Nichts da Dauerstudium nebenbei und nichts da Arbeitslosenhilfe open end. Es ist viel viel härter heute, als Autor zu arbeiten, wenn man nichts damit verdient. Was schon immer das Schicksal von Autoren war, die sich ihre Bekanntheit erst einmal erarbeiten mussten.
Und trotzdem diese Zahlen… interessant.