Kommentar von morgenstern:
Ich musste gerade herzhaft lachen, als ich las, dass Herr Wenzel von 1500-2000 € netto im Monat träumt. Vielleicht sollte er angestellter Autor werden, dann hat er ein sicheres Einkommen (bis auf weiteres). Ansonsten wird er wohl wie jeder Selbständige den Risiken des Marktes unterworfen sein. Auch ein Arno Schmidt, der unbedingt Berufsschriftsteller sein wollte, hatte die längste Zeit mit finanziellen Problemen zu kämpfen, die er durch Übersetzungen, Radio-Arbeiten etc. linderte, ansonsten Preisgelder, Stipendien, Mäzene.
Matthias Wenzel schreibt ebenso wie Thomas Elbel in einem Genre, das ich für hoffnungslos überbedient halte, ein Blick in einen beliebigen Bahnhofsbuchladen spricht diesbezüglich Bände. Und dort stehen sogar überwiegend nur die Bücher derjenigen Autoren, die schon einen Namen haben.
Aber gut, vielleicht sind die beiden ja so gut, dass sie den Markt aufrollen könnten, wenn … ja wenn … die bösen Piraten nicht wären?
Ich denke, so läuft es nicht. Es herrscht ein Überangebot gerade an ‚billiger‘ Literatur, u.a. deshalb bedarf es neuer Geschäftsmodelle, die aber trotzdem nicht jedem Autoren ein gesichertes Einkommen bescheren werden. Um sich heute als Autor durchzusetzen, insbesondere als Indie, bedarf es z.B. einer Community. Vorher. Die finanziert dann eventuell auch das Buch, wie z.B. hier: https://www.startnext.com/ctrlverlust/
Als anonymer Autor, der nur seine 8 Stunden schreiben möchte, um dann Feierabend zu machen, wird man auch genauso behandelt und landet bestenfalls auf dem Grabbeltisch der Buchpiraten.
Ebenso ergeht es demjenigen, der sich stilistisch oder aber durch andere Kompetenzen nicht aus der Masse der Autoren abheben kann. Ich denke, die meisten Autoren wissen das und ahnen zumindest, dass diejenigen Leser, die ihre Bücher bei den Piraten downloaden eben nicht bereit sind, für diese Massenware auch nur 99 Cent zu zahlen. Das hat Gründe, die hier auszuführen aber den Rahmen sprengten.
Das Problem, dass sich für die Autoren daraus ergibt: Eure Drohung, dann eben den Wörterfluss abzustellen, greift nicht. Jeder Leser weiß instinktiv, dass das nicht passieren wird, dass es immer noch ausreichend Lektüre geben wird, selbst wenn die Wenzels und Elbels der Welt ihre Schriftstellerkarriere an den Nagel hängten. Manche Leser hielten das sogar für die bessere Alternative, denn die Konkurrenz belebt den Literaturbetrieb schon lange nicht mehr.