Vielen Dank für deine Rückmeldung – sie spricht einige wichtige Punkte an, aber ich möchte dennoch differenziert darauf antworten.
Zunächst: Ja, technisch gesehen funktionieren die Konsolen noch – allerdings ist das nur ein Teil der Wahrheit. In der heutigen digitalen Infrastruktur sind Onlinedienste und digitale Inhalte oft integraler Bestandteil des Nutzungserlebnisses. Eine Konsole ohne Zugang zu Onlinefunktionen, Updates, digitalen Käufen oder der Möglichkeit zur Reaktivierung erworbener Software wird faktisch stark entwertet. Diese Einschränkung betrifft eben nicht nur Piraten, sondern auch viele Nutzer, die ihre Inhalte legal gekauft haben.
Dass man den AGB „zugestimmt“ hat, wird häufig als moralisches Totschlagargument verwendet, verkennt aber den größeren Rahmen. Die Zustimmung zu AGB ist selten das Ergebnis gleichberechtigter Vertragsverhandlungen, sondern Ausdruck eines faktischen Zwangsverhältnisses: entweder man akzeptiert sie vollständig – oder man verzichtet auf das Produkt. Es ist also weniger ein Zeichen freier Willensentscheidung als vielmehr ein Symptom asymmetrischer Machtverhältnisse zwischen Unternehmen und Konsumenten.
Der Vergleich mit „Nutzungsrechten“ bei Software ist juristisch korrekt, blendet aber gesellschaftliche Fragen aus: Was bedeutet es langfristig für Kultur, Archivierung und Eigentum, wenn wir in eine Welt abgleiten, in der erworbene Inhalte jederzeit durch ein Server-Shutdown oder AGB-Update entwertet werden können? Ist ein digitales Gut wirklich ein „Kauf“, wenn es jederzeit ohne Kompensation entzogen oder deaktiviert werden kann?
Das Thema „Backups“ ist deshalb auch kein albernes Feigenblatt. Es berührt den Kern der Debatte um digitale Erhaltung, Nutzerautonomie und den fairen Umgang mit kulturellen Gütern. Dass der Zugriff auf eigene Inhalte zunehmend von der Gnade zentralisierter Plattformen abhängt, stellt eine Herausforderung für digitale Nachhaltigkeit dar – und betrifft eben nicht nur Raubkopierer, sondern auch Historiker, Archivare, Entwickler und normale Nutzer.
Letztlich zeigt sich hier ein größerer Trend: Der Wandel vom physischen Eigentum zum lizenzierten Zugang schafft neue Abhängigkeiten – und birgt das Risiko, dass der Konsument dauerhaft zum bloßen Nutzer im Machtbereich großer Konzerne degradiert wird. Das muss nicht zwangsläufig illegal sein – aber die Tatsache, dass es legal ist, macht es nicht automatisch legitim oder gesellschaftlich wünschenswert.