Die FSFE hackt sich selbst - alles nur ein Aprilscherz?

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Kommentar von larsghandysobiraj am 01.04.2016 14:01:
Gerade kam der FSFE-Newsletter von press@fsfeurope.org bei mir an, von der Schließung der Büros ist allerdings noch keine Rede:

= FSFE Newsletter - April 2016 =

[ Online lesen: https://fsfe.org/news/nl/nl-201604.de.html ]

== EU-Funkrichtlinie bedroht Software-Freiheit ==

Wir haben unsere Stellungnahme zur EU-Funkrichtlinie 2014/53/EU (im Mai
2014 verabschiedet) veröffentlicht, die Gerätehersteller zwingt, jedes
Gerät auf Konformität zu prüfen. Auf den ersten Blick mag das vernünftig
klingen, aber es hat äußerst negative Auswirkungen auf Nutzerrechte und
Freie Software, auf faire Konkurrenz, Innovation, auf die Umwelt und auf
ehrenamtliche Arbeit, alles ohne im Gegenzug einen großen
Sicherheitsgewinn zu bringen. Die Richtlinie muss von den
Mitgliedstaaten bis zum 13. Juni 2016 umgesetzt werden. Wir haben
mehrere Vorschläge zur Lösung dieses Probleme verfasst[1].

== US-Regierung verlangt die Veröffentlichung von mit öffentlichen Geldern finanzierter Software als Freie Software ==

Eines unserer Hauptziele für das Jahr 2016 ist es, in der EU darauf zu
dringen, sämtliche mit öffentlichen Geldern finanzierte Software als
Freie Software zu veröffentlichen. Daher sind wir sehr erfreut zu sehen,
dass in den USA konkrete Schritte in diese Richtung unternommen werden.
Insbesondere veröffentlichte die US-Regierung Anfang März einen Entwurf
einer Richtlinie zum Umgang mit Quellcode[2], den die Öffentlichkeit bis
zum 11. April kommentieren kann. Die Richtlinie sieht vor, dass jede
Behörde ihre Individualsoftware als Freie Software veröffentlicht,
sodass die Allgemeinheit und andere Behörden sie verwenden, verstehen,
verbreiten und verbessern können.[3]

Wir wünschen uns, dass die EU diesem Beispiel folgt und eine ähnliche
Richtlinie auf europäischer Ebene verabschiedet. Wenn Sie Kommentare
oder andere Rückmeldungen zu der US-Quellcode-Richtlinie haben, schicken
Sie diese bitte an unsere englischsprachige Diskussionsliste[4] oder
direkt an Matthias Kirschner. Wir möchten Ihre Kommentare in unsere
Überlegungen miteinbeziehen, bevor wir mit Europapolitikern über dieses
Thema sprechen.

== Aus der Community ==

Björn Schießle schrieb in seinem Blog über eine neue Funktion in
ownCloud 9.0, die Federation-App[5], die es Nutzern leichter macht, ihre
verteilten ownCloud-IDs auszutauschen und Daten zwischen ihren ownCloud-
Instanzen zu teilen.

Sergey Matveev fasste in einem Blogeintrag die Geschichte des freien
GoVPN-Daemons zusammen: Warum er entstand, welche Aufgaben er lösen soll
und ein technischer Überblick[6]

Guido Arnold schrieb über das Fellowship-Treffen in Frankfurt, bei dem
ein Vortrag von Michael Stehmann über Lizenzen für Freie Software
stattfand[7].

Guido Günther veröffentlichte einen Nachtrag zur Kalender-
Synchronisation mit Calypso, Syncevolution und einem N900, das mit Maemo
läuft[8].

== Was haben wir sonst noch gemacht? ==

Eines der Gründungsmitglieder der FSFE, Werner Koch, erhielt für sein
GnuPG-Projekt den diesjährigen Free-Software-Preis für die Förderung
Freier Software[9]. Der Preis für die Förderung Freier Software wird
jährlich an eine Person verliehen, die einen großen Beitrag zum
Fortschritt und zur Entwicklung Freier Software leistet.

Unser Präsident Matthias Kirschner und der Deutschland-Koordinator Max
Mehl hielten Vorträge auf den Chemnitzer Linuxtagen[10]. Die
Veranstaltung war ein Erfolg und das meiste Merchandise und
Werbematerial verschwand schnell vom Stand, der von Reinhard Müller,
Katja Müller, Max Mehl und Fabian Keil betreut wurde.

Unsere ehrenamtlichen Unterstützer in Berlin nahmen an der FSF-Aktion
gegen die Vorschläge des W3C für Digitale Rechte-Minderung in den HTML-
Standards teil[11]. Digitale Rechte-Minderung in Web-Standards würde es
günstiger und politisch akzeptabler machen, Nutzer einzuschränken.

Auf dem CIJ-Logan-Symposium[12], einer Konferenz, die führende
Journalisten, Hacktivisten sowie Rechts- und Sicherheitsexperten
zusammenbringt, um die Pressefreiheit und digitale Rechte zu
diskutieren, war die FSFE mit einem Stand vertreten. Die Rednerliste auf
der CIJ-Veranstaltung umfasste Edward Snowden, der auch bei Libreplanet
eine Rede hielt[13], einer Konferenz für Freie Software, die von der FSF
organisiert wird.

== Unternimm etwas ==

An alle großartigen Übersetzer da draußen: Helft uns, unsere
Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern, indem ihr die ‚Spread the
Word‘-Seite[14] zum Bestellen von Werbematerial in eure Sprache
übersetzt. Aktuell gibt es die Seite auf Englisch, Deutsch,
Niederländisch und Albanisch, aber es wäre toll, auch alle anderen
Sprachen auf dieser Liste zu haben.

== Gute Nachrichten zu Freier Software ==

Das Indische Patentamt lehnt Software-Patente ab[15]; In überarbeiteten
Richtlinien wird klar vorgegeben, dass jedes Patent, das nur aus
Software besteht, nach indischem Patentrecht nicht anerkannt wird.
Polens neue eGovernment-Strategie empfiehlt die Veröffentlichung von mit
öffentlichen Geldern finanzierter Software für ein neues amtliches
Verzeichnis unter einer Lizenz für Freie Software[16]. Schweden hat die
Liste von ‚Open IT standards‘ überarbeitet, die bei Ausschreibungen für
Software und verwandte Dienstleistungen als verpflichtender Bestandteil
eingesetzt werden kann[17]. Um es auf die Liste zu schaffen, müssen
Standards frei und öffentlich entwickelt werden, dürfen die
Wiederverwendung des Standards nicht einschränken und Patente, die zum
Einsatz des Standards erforderlich sind, müssen frei verfügbar gemacht
werden.

Danke an alle Freiwilligen[18] , Fellows[19] und
Unternehmensspender[20], die unsere Arbeit ermöglichen,

Ihre Autoren Polina Malaja und Jonas Öberg, FSFE[21]


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  1. https://fsfe.org/activities/radiodirective/index.de.html
  2. https://www.cio.gov/2016/08/11/peoples-code.html
  3. https://k7r.eu/us-government-commits-to-publish-publicly-financed-software-under-free-software-licenses/
  4. https://www.schiessle.org/articles/2016/03/14/federated-sharing-whats-new-in-owncloud-9-0/
  5. https://blogs.fsfe.org/stargrave/archives/158
  6. https://blogs.fsfe.org/guido/2016/03/fsfe-meeting-in-frankfurt-with-talk-about-free-software-licenses/
  7. https://honk.sigxcpu.org/con/Contatacs__CardDAV__Calypso_and_the_N900.html
  8. https://www.fsf.org/news/library-freedom-project-and-werner-koch-are-2015-free-software-awards-winners
  9. https://k7r.eu/chemnitzer-linuxtage-misunderstandings-compulsory-routers-and-new-black-nocloud-t-shirts/
  10. https://www.fsf.org/news/anti-drm-activists-go-to-w3c-meeting-to-protest-digital-restrictions-management-in-web-standards
  11. https://tcij.org/logan-symposium/
  12. https://www.fsf.org/blogs/community/recapping-day-zero-of-libreplanet-2016
  13. https://fsfe.org/contribute/spreadtheword.en.html
  14. https://sflc.in/press-release-indian-patent-office-says-no-software-patents
  15. https://joinup.ec.europa.eu/collection/open-source-observatory-osor/news/polish-egovernment-strategy
  16. https://joinup.ec.europa.eu/collection/open-source-observatory-osor/news/sweden-updates-list-mandat
  17. https://fsfe.org/contribute/contribute.de.html
  18. https://my.fsfe.org/donate
  19. https://fsfe.org/donate/thankgnus.de.html
  20. https://fsfe.org/index.de.html

Newsletter-de mailing list
Newsletter-de@fsfeurope.org

Kommentar von skreutzer am 06.04.2016 16:48:
Was immer auch dahinter stecken mag: das Problem der FSFE könnte schlichtweg darin bestehen, dass den Leuten Freie Software nicht wichtig genug ist. Ich meine, man braucht sich bloß mal die Spenderliste anschauen: https://fsfe.org/donate/thankgnus.de.html – wenn das alles ist, was für dieses Thema in Europa (!) zusammenkommt, kann die FSFE logischerweise keine großen Sprünge machen, auch vollzeitliche Mitarbeiter nur bedingt beschäftigen. Und dann ist die Frage, wie diese Mitarbeiter die Spenden am sinnvollsten, effektivsten einsetzen sollen – entweder direkt für Sticker, Veranstaltungen, Informationsmaterial, um für Freie Software zu werben, oder dem Fundraising, wovon ein Teil eben für das Gehalt des Fundraisers draufgeht. Keine einfache Entscheidung, das.

Richtig, die FSFE ist eine Lobby-Vereinigung, aber die Interessensvertretung kann letztendlich immer nur so gut wahrgenommen werden, wie die Lobby bereit ist, Zeit und Geld zu investieren. Insofern halte ich die momentane Situation für ein ziemliches Armutszeugnis für den „Digitalstandort“ Europa sowie die europäischen Netzaktivisten und nicht unbedingt für die FSFE.

Kommentar von Michael Stehmann am 13.04.2016 14:29:
Ach Lars, nimm’ es nicht so tragisch!. Es ist zwar vieles tragisch, aber eher nicht wegen dieser Satire.

Inzwischen gibt es eine lebhafte Diskussion über die Verwirklichung der verlautbarten Prinzipien [0] innerhalb der FSFE und durch deren Führung. Das ist einer der wenigen positiven Aspekte dieser Affäre.

Dein Artikel enthält selbst dort, wo er Fakten unrichtig schildert (vieles was geschildert wird, hat sich leider tatsächlich so ereignet), derart viel Wahrheit, dass er zu einem Aprilscherz, der lediglich erheitern soll, wirklich nicht taugt. Dies macht ihn aber keineswegs wertlos.

[0] https://fsfe.org/about/about.de.html