Kommentar von deucoba am 22.08.2015 19:23:
Der Artikel stellt die Problematik aus dem Blickwinkel der IT-Sicherheit da. Aus dieser Perspektive machen die vorgebrachten Argumente durchaus Sinn. Diese Sicht ist aber für die Finanzdienstleister vollkommen irrelevant. Dort wird das Thema nämlich aus der des Risikos betrachtet. Hier wird abgewägt wie hoch die Kosten sein dürfen, um bei entsprechender Eintrittswahrscheinlichkeit Schaden von der Bank bzw. Gesellschaft abzuwenden. Ergo wird mit großen Haubitzen auf die „russische einfachen“ 70% geschossen, weitere 10% durch Versicherung abgedeckt und gut ist.
Abgesehen davon läßt sich mit PBC ohnehin kaum Geld im Sinne der Jahresbilanz erzielen. Ein guter Tag im FX Transaction Banking macht bei beiden deutschen Großbanken den Jahresgewinn ihrer Privatkundensparte aus. Nur damit mal die Relationen klar sind, denn natürlich gibt weitere Punkte die für PBC sprechen und sei es nur die Komplementärfunktion.
Nächster Punkt ist, daß alle Player am Markt derzeit voll und ganz damit beschäftigt sind, die Umwälzungen der letzten Jahre in ihren IT Organisationen umzusetzen. Die Regulatoren haben aber aus gutem Grund nicht die Endkunden im Blick, sondern versuchen ihre jeweiligen politisch geprägten Programme durchzusetzen. Daneben sind alle Großen dabei eine gewisse Neuausrichtung zu fahren.
Im Endeffekt liegt die Schwachstelle und damit das Risiko ohnehin beim Kunden. Wer nicht auf seine Daten achtgibt ist zunächst einmal selbst verantwortlich. Damit rollt der Ball in Richtung Verbraucher und Verbraucherschutz. Der guten Ilsee Aigner lag bereits 2010 ein recht ausführliches Dokument zu diesem Themenkomplex vor - es wurde einkassiert und seitdem ist das Thema auch nicht mehr auf der Tagesordnung erschienen.
Natürlich hat das Verständnis und die Vertrautheit der Mehrheit der Kunden mit IT an sich und IT Sicherheit und Schutz eigener Daten einen entscheidenden Einfluß auf die Gesamtlage. Leider gilt da: Lummerland ist abgebrannt. Daran würden 20stellige Passwörter auch nicht viel ändern.
Bleiben noch die lustigen IT Dienstleister, die gerade für die angesprochenen Sparkassen, bei den Raffeisenbanken sieht es ähnlich, seit Jahren aus diversen Gründen hauptsächlich Pfusch erzeugen. Die verdienen sich auch ohne das Passwortgeblöcke eine goldene Nase und ich zweifle ernsthaft daran, daß die Jungs es mit ihrem beschränkten Horizont überhaupt überreissen.
Jetzt noch eine Frage: Was soll denn die Phishing Lösung sein? Hat jemand etwas wirklich Gutes erfunden und ich habe es nicht mitbekommen oder handelt es sich nur ein Annäherung oder Nachbearbeitung?
Achja, mit Wegschnappen der Kunden ist das so eine Sache, denn auch die reinen Onlineanbieter müssen für das Transaction-Handling bezahlen und das ist zum Großteil in der Hand von ein bis drei Global Playern. Da reicht es vollkommen aus an der vierten oder fünften Stelle hinter dem Komma zu justieren.
Last but not least: Wer einmal richtig gute Sicherheit sehen will, der sollte sich die Zürcher Kantonalbank anschauen. Dort läuft alles über Karten. Wenn der Millionär aus Meerbusch etwas braucht ruft er seinen Kundenberater 24/7 an oder falls er diesen außer vor lassen will erhält per Express (max. 6 Std.) Kurier Einmal-Chipkarte mit Einmal-Lesegerät. Das wird eigentlich nur noch durch die AWM Dienstleister in Monte Carlo überboten, da kann man dann auch Steuern vermeiden, denn es gibt keine elektronische Spur.