Pornosucht: Wenn der Kick zur Sucht wird

Pornografie befriedigt das menschliche Bedürfnis nach Lust und vor allem nach Schaulust. Im Zeitalter des World Wide Web, der Digitalisierung und der Möglichkeit per Streamingportal, Filesharing und schnellen Downloads jegliche Arten von Pornographie so oft und so einfach zu konsumieren, wie nie zuvor in der Geschichte. Erotische Stimulation gibt es jederzeit anonym und frei Haus, rund um die Uhr.

Ich war so süchtig, dass ich bei den geilsten Frauen nichts mehr gespürt habe. Ich war so leer … Ich war besessen von Pornos, verbrachte Stunden mit Selbstbefriedigung“, erzählt Patrick Nuo. 2013 schockte Nuo die Dschungelcamp Zuschauer mit diesen Worten: “Ich war extrem Porno-abhängig. Was für andere Alkohol und Heroin war, waren für mich Pornos.” Hunderte von Videos und Heften zählten zu der Porno-Sammlung von Sänger Patrick Nuo. Mehr als drei Stunden am Tag schaute der Sänger seit seiner Pubertät offenbar pornografische Filme, bis es ihm “die Persönlichkeit zerfressen” hat.

Nuo rückte damit ein Thema in den medialen Fokus. Fünf Jahre später hat das immer noch Bestand. Durch das Internet ist es relativ einfach geworden, Pornos zu konsumieren. Lagen früher die pubertierenden Jungs auf der Lauer, um im Playboy heimlich einen nackten Busen zu sehen, so bietet das Netz heute einen leichteren Zugang und ein schier unendlich großes Angebot. Pornografie im Netz ist allgegenwärtig und jederzeit verfügbar. Doch durch das ständig verfügbare Lustgefühl steigt auch das Suchtpotential.

Pornos zu schauen ist natürlich nicht verwerflich. Pornos können die Partnerschaft beleben oder bereichern. Im Gegensatz zu vielen Frauen sind Männer visuell leichter erregbar, sie holen sich den Appetit gerne beim Zusehen, während Frauen lieber fühlen, riechen und schmecken.

Pornosüchtig werden vor allem Männer. Denn sie reagieren stärker auf visuelle Reize als Frauen. Der Körper schüttet bei neuen sexuellen Reizen Dopamin aus. Dieser Botenstoff löst das Empfinden von Lust, Verlangen und Glück aus, sagt dem männlichen Gehirn sozusagen immer wieder: “Das ist eine super Erfahrung, die lohnt sich für Dich! Diese Erfahrung und damit verbundene Glücksgefühl brennt sich förmlich ein. Folgt erneut ein solcher Reiz, setzt er denselben Mechanismus in Gang, an dessen Ende das flüchtige Wohlgefühl „Belohnung“ steht. Der Wunsch, das wiederzuerlangen, ist hoch. Ein Orgasmus sorgt für das ultimative Hochgefühl. Der Grund: “Es wird noch mehr Dopamin ausgeschüttet und der Belohnungsfaktor steigt”

Pornosüchtige sind dann immer häufiger auf der Suche nach einen größeren Kick. Immer mehr Pornos, Bilder und der Wechsel nach verschiedenen Sex-Formaten. Waren es am Anfang noch Softpornos, schaut der Pornosüchtige dann Hardcore-Pornos oder Filme mit immer extremeren und ausgefalleneren Inhalten, um Neues zu erleben. Das können beispielsweise Gewalt- oder Vergewaltigung-Filme oder Darstellungen von Sex mit Tieren sein.

In Folge dessen bleiben die Betroffenen bei normalen sexuellen Reizen kalt. Das Interesse am eigenen realen Liebesleben schwindet. Sie brauchen schnelle Reizfolgen, so wie sie nur vor dem Bildschirm zu haben sind. Zum einen ist der bei der Selbstbefriedigung physisch ausgeübte Druck viel größer. Zum anderen steigert sich der Pornosüchtige in Fantasien, die in seinem realen Sexleben nicht vorkommen. Das eigene Vergnügen wird heimlich und alleine vor dem Bildschirm befriedigt. Der Partnerin gegenüber ist das Verlangen reduziert. Sie kann ihm seine Fantasien nicht befriedigen. Ist die Dopaminübertragung einmal gestört, kommt es dann bei realem Sex tatsächlich zu einem Lust-Verlust und Erektionsstörungen.

Eine weitere Nebenwirkung von Onlinesex: Plötzlich fallen Aufgaben des Alltags schwerer. Sich mit Freunden zu treffen, hat kaum mehr Reiz. Es kann zu Konzentrationsstörungen kommen, die wiederum dazu führen, dass man auch während der Arbeit oder anderen Tätigkeiten ständig nach sexuellen Reizen giert. Langeweile oder ein Hänger bei der Arbeit wird dann zum Auslöser für erneuten Pornokonsum. Die Flucht in die virtuelle Welt wird umso verführerischer, je negativer die eigene Realität erlebt wird.

SEX BumsCoinAnders als bei anderen Süchten wie z.B. bei dem Konsum von Essen, Alkohol oder Drogen sind die negativen Konsequenzen des Konsums nicht direkt spürbar. Sie entwickeln sich oft schleichend; oft verbinden die Betroffenen sie darum nicht mit dem Pornokonsum. Im Gegenteil werden Gefühle von Lustlosigkeit, Unruhe und Stress durch einen neuen Sexrausch scheinbar erfolgreich beiseite geschoben. Dadurch wächst die Abhängigkeit. Ein Teufelskreis der Reizsucht, nach immer mehr, immer öfters und immer härten Porno-Filmchen steigt.

Sichere Zahlen gibt es nicht, aber Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland ungefähr eine halbe Million Pornosüchtige. Andere Studien besagen, dass auf 10.000 Internetnutzer 80 Internet-Sexsüchtige kommen. Der absolute Großteil davon ist männlich.

Im 15. Jahrhundert erfand Johannes Gutenberg den Buchdruck. Es wurde nicht nur die Bibel vervielfältigt. Zu den Bestsellern jener Zeit zählten da schon erotische Werke, mit pornografischer Kupferstichdarstellung.

Mittlerweile übersteigt der Umsatz der Pornoindustrie den der Musikindustrie. Weltweit werden jährlich rund 70 Milliarden Dollar mit Pornografie verdient, bis zum Jahr 2030 sollen die Umsatzzahlen sogar noch auf 340 Milliarden steigen.

 

Quelle: Eyes Human, thx! (CC0 1.0) & pixabay.com, thx! (CC0 Public Domain)

"Pornosucht: Wenn der Kick zur Sucht wird", 5 out of 5 based on 3 ratings.

3 Kommentare

  1. Henny sagt:

    Bin auch suchechitg pro tag schau ich locker 10x mir iwelche klein filme nur so an wie andere youtube haha xD

  2. Ryz sagt:

    Zu viel vom ALLEM ist NIE gut.

    • Antwort sagt:

      Ausser der bedingungslosen Liebe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.